ICH-Bezüglichkeit enttarnt Wahrheiten als kostbare schöpferische Konstruktionen


"Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Es gibt keine objektiven Wahrheiten.

Geben ist seliger denn nehmen. Urteile und bewerte nicht.

Gott existiert. Da steht ein Baum. Ich bin krank. 

Energie ist Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat.

Die Welt besteht nicht aus Dingen oder Prozessen, sondern aus Holons.

Es gibt Stufen oder Ebenen des Bewusstsein."

 

Diese Sätze kommen daher wie objektive Wahrheiten. Sie stehen fest da, scheinbar richtig und unerschütterlich. Sie alle gehören in die Kategorie der "Es-ist-so"-Behauptungen. Doch wenn man ihre inhaltlichen Aussagen mit dem sprechenden Wesen verbindet, verblasst die behauptete Es-ist-so-Wahrheit und die kostbare schöpferische Konstruktion wird sichtbar.


ICH-Referenz statt Selbstbezüglichkeit

In Erkenntnislehre und Systemtheorie taucht oft der Begriff "Selbstbezüglichkeit" auf. Synonyme Begriffe sind Selbstreferenz, Autopoiesis oder Selbstorganisation. Gemeint ist damit, dass Systeme "operational geschlossen" sein sollen und "aus sich selbst heraus" existieren können.

In der Sprachforschung meint Selbstbezüglichkeit die Identität von Sprachsymbol und Bezugsobjekt und beschreibt damit die Tatsache, dass Sätze oder Ideen "auf sich selbst" bezogen oder angewendet werden können. So kann etwa der Satz "Es gibt keine Wahrheiten" auf sich selbst angewendet werden und wäre dann ebenfalls keine Wahrheit.

 

Diesen epistemischen, systemtheoretischen und sprachwissenschaftlichen Definitionen ist gemein, dass sie ohne jede Ausnahme von Menschen erdacht und ausgesprochen wurden. Damit taucht eine weitere Definition von "Selbstbezüglichkeit" auf: Alle Definitionen verweisen auf ein "Selbst", welches die Definitionen erzeugt. Um diese Form von Selbstbezüglichkeit sprachlich unterscheiden zu können von den eingangs genannten Formen, nenne ich sie "ICH-Bezüglichkeit".

 

Der Unterschied zwischen ICH-Bezüglichkeit und Selbstbezüglichkeit ist von sehr großer Bedeutung: Selbstbezüglichkeit bezieht sich auf Erzeugnisse - ICH-Bezüglichkeit hingegen auf die erzeugende Quelle. Sagt jemand: "Dieser Satz kann auf sich selbst angewendet werden", dann nutzt er Selbstbezüglichkeit, weil er den Satz als Bezugsobjekt untersucht. Sagt jemand: "Dieses System operiert aus sich selbst heraus", benutzt er ebenfalls Selbstbezüglichkeit, um das System zu beschreiben. In beiden Fällen bezieht sich diese Form von Selbstreferenz jedoch auf ein Bezugsobjekt, welches zuvor geistig erzeugt werden musste (der Satz, das beobachtete System). Doch derjenige, der den Satz erzeugte, bleibt außen vor. Derjenige, der das System beobachtet, bleibt außen vor. "Selbstbezüglichkeit" lässt denjenigen, welcher geistig aktiv ist, außerhalb des Definitionsbereiches von Selbstbezüglichkeit.   

 

ICH-Bezüglichkeit hingegen integriert den Menschen in die von ihm beobachtete Natur und heilt damit eine ziemlich hässliche und zumeist unbewusste Kluft in unserer Bewusstheit. Diese Kluft entsteht durch das weitverbreitete Gefühl, wir würden die Welt nur beobachten. Wir glauben, dass wir die Natur nur "wahrnehmen" würden - und mit diesem Glauben verlieren wir aus den Augen, dass wir selbst Teil derjenigen Natur sind, die wir zu beobachten glauben. Wir beobachten Systeme, wir beobachten Sätze, wir erkennen, dass es bei beiden Bezugsobjekten so etwas wie Selbstbezüglichkeit gibt - doch wir nehmen den Beobachter aus dem Spiel. Wir beachten UNS SELBST nicht. Deshalb möchte ich auch sagen: Selbstbezüglichkeit wird in der "Natur" entdeckt - ICH-Bezüglichkeit hingegen in der "NATUR". 

 

Beobachten wir "Natur" (in ihrer weitverbreiteten und umgangssprachlichen Bedeutung), sind wir uns unserer eigenen Anwesenheit als Teil dieser Natur nicht bewusst und tun so, als ob wir "von außen" beobachten und wahrnehmen würden. Diese Bewusstheit entspricht der klassischen wissenschaftlichen Haltung, die um "objektive" Wahrnehmungen bemüht ist. Entsprechend sehen wir dann selbstbezügliche Systeme oder Sätze und beziehen dieses "Selbst" nicht auf uns, sondern nur auf die Objekte unserer Wahrnehmung.

Beobachten wir jedoch "NATUR", dann werden wir uns selbst als Teil dieser größeren NATUR bewusst. Unsere beobachtende Eigennatur wird dann integrierter Teil der beobachteten NATUR. Der Beobachter wird sich seiner eigenen Aktivität beim Beobachten der Natur bewusst - und erweitert daher die "Natur" UM SICH SELBST. So wird aus Natur dann NATUR - und aus "Selbstbezüglichkeit ohne Selbst" wird dann "Selbstbezüglichkeit mit Selbst", oder in IBANETIK-Sprache: aus Selbstbezüglichkeit wird ICH-Bezüglichkeit.

 

ICH-Bezüglichkeit beobachtet auch Sätze und Systeme und erkennt: "Oh ja, der Satz kann ja auch auf sich selbst angewendet werden ..." oder: "In der Tat: Das System scheint operational geschlossen zu sein und aus sich selbst heraus zu funktionieren ..." - doch ICH-Bezüglichkeit erkennt noch mehr: "Alles, was ich über Sätze und Systeme aussagen kann, stammt VON MIR. Ich bin es, der meine Beobachtungen aktiv erzeugt." Mit dieser Aussage ist der Beobachter der Natur in den Prozess integriert worden und damit zum NATUR-Beobachter geworden, der selbstbezügliche Objekte als ICH-bezügliche Phänomene erkannt hat.

 

Vielleicht noch ein kleines Beispiel, um das Gesagte zu verdeutlichen: Viele spirituelle Menschen empfehlen uns eine nicht-urteilende und nicht-bewertende Haltung, weil sie der Überzeugung sind, dass eine solche Haltung der Ausdruck einer "höheren" Bewusstheit sei und daher irgendwie "erleuchteter". Sie sagen also: "Urteile nicht, bewerte nicht."

Wenden wir nun Selbstbezüglichkeit auf diesen Satz an, dann erkennen wir einige sehr unspirituelle Widersprüche in dieser gutgemeinten Empfehlung. Wir beobachten also den Satz, schauen ihn an, drehen und wenden ihn und entdecken: Der spirituelle Redner musste ganz offensichtlich selbst urteilen und bewerten, um dir und mir anschließend zu empfehlen, genau das nicht zu tun. Seltsam, nicht wahr?

Der Redner musste ziemlich viel Gehirnschmalz einsetzen, musste nachdenken, seine Erfahrungen bewerten, musste dieses als "falsch" und jenes als "richtig" bezeichnen und schließlich eine Entscheidung treffen: "Urteile nicht. Bewerte nicht. Dann bist du spirituell gut unterwegs." Mit dem Instrument der Selbstbezüglichkeit haben wir die Aussage seines Satzes auf den Satz selbst angewendet und dabei entdeckt, dass der Redner vielleicht gute Absichten hatte, leider aber keinen "klaren" Geist (was seine behauptete Spiritualität, nun ja, eher als verdunkelt denn als erleuchtet erscheinen lässt). 

 

Doch wenn wir nun auch noch ICH-Bezüglichkeit anwenden, erkennen wir noch mehr: Seine spirituelle Empfehlung leidet nicht nur an inneren Widersprüchen (die wir mittels Selbstbezüglichkeit enttarnten), sie verschweigt auch den Redner selbst als aktiven Erzeuger seines Satzes. Die spirituelle Empfehlung leidet an der Nichtberücksichtigung des sprechenden Wesens. Der Redner schließt sich selbst aus. Und damit schließt dieser Redner auch die Möglichkeit aus, dass seine Empfehlung von ihm erzeugt worden sein könnte - also von ihm selbst schöpferisch, aktiv und kreativ geformt wurde.

 

Wenn nun der spirituelle Redner selbst glaubt, er würde "objektive Wahrheiten" oder "höhere Weisheiten" aussprechen, bleibt ihm auch kaum etwas anderes übrig. Dann MUSS er sich aus dem Spiel nehmen. Nur so kann schließlich "Objektivität" und "Wahrheit" erlangt werden. Dann meint er selbst tatsächlich, er würde "die Natur" beschreiben - und in dieser Natur urteilt man besser nicht und nimmt eine nicht-bewertende Haltung an. Würde er hingegen "NATUR" beschreiben und SICH SELBST nicht ausschließen, dann müsste er seine eigenen geistig-seelischen Vorgänge beachten, bemerken und sichtbar machen. Dann aber wären seine "Wahrheiten" vielleicht nicht mehr so "objektiv" (was sie ohnehin nie waren) und er selbst vielleicht kein so großer spiritueller Redner. Denn dann müsste er sagen: "Ich selbst urteile und bewerte und möchte dir nun empfehlen, genau das nicht zu tun." Welch' ein Murks! Kein spirituelles Wesen würde so reden, wenn es SICH SELBST bemerken und eine ICH-bezügliche Bewusstheit erlangt hätte.              

 

ICH-Bezüglichkeit enttarnt also "objektive Wahrheiten" als selbsterzeugte Konstruktionen, als geistige Erzeugnisse, in dem sie das agierende Wesen der beobachteten Natur hinzufügt und so zu einer größeren NATUR erwacht. Und welche spirituelle Empfehlung würde nun ein Wesen, welches SICH SELBST nicht ausschließt, mit Blick auf Urteile und Bewertungen aussprechen? - Nun, vielleicht würden wir dann dieses hier hören oder lesen:

"Ich selbst erzeuge meine Urteile und meine Bewertungen. Ich finde sie nicht außerhalb von mir irgendwo herumliegend vor, nein, ich gestalte sie, forme sie, spreche sie aus, kurz: ich erzeuge sie. Ich kann dir also kaum empfehlen, eine nicht-urteilende oder nicht-bewertende Haltung einzunehmen, denn dann würde ich unaufrichtig sprechen, was sicher nicht sehr spirituell wäre. Also möchte ich dir empfehlen: Was immer du auch wählst, eine urteilende oder eine nicht-urteilende Haltung, in beiden Fällen bist DU es, der diese Haltungen wesenhaft  erzeugt - und mit deinen geistigen Erzeugnissen erschaffst du dir stets bestimmte Selbsterfahrungen. Ob es klug oder dumm, richtig oder falsch ist, eine bewertende oder eine nicht-bewertende Haltung einzunehmen, ist daher  gar nicht die spirituelle Frage. Denn je nach Bewertung wirst du dir diese oder jene Lebenserfahrung damit erschaffen. Vielmehr kommt es darauf an, möglichst BEWUSST dieses oder jenes zu erzeugen - und dabei stets zu wissen, dass man selbst durch seine Erzeugnisse die eigene Realität gestaltet. Da du nun in beiden Fällen urteilen und bewerten wirst, empfehle ich dir: 'Urteile aus der Bewusstheit heraus, dass du es bist, der deine Urteile und Bewertungen erzeugst.' - Dann wirst du auch den Unterschied zwischen unbewussten Bewertungen und bewusst erzeugten Bewertungen bemerken - und im Hintergrund jedes Mal dein erzeugendes ICH, dein schöpferisches Wesen, welches Urteile und Bewertungen schöpferisch gestaltet. Denn die erzeugende Quelle, lieber Freund, ist nicht identisch mit ihren Erzeugnissen. Sie ist größer, fantastischer, göttlicher." 

 

Ist Erzeugung "wahrer" als die jeweils erzeugten Wahrheiten?

Wenn Sie sich alle im "blauen" Vorwort stehenden Aussagen anschauen, wird Ihnen nun hoffentlich sofort auffallen, dass sie alle ohne ICH-Bezüglichkeit daherkommen. Manche dieser Sätze bestehen auch nicht den Test der Selbstbezüglichkeit, doch das sei nur am Rande erwähnt. So übersieht der Satz "Der Zweck heiligt nicht die Mittel", dass er selbst als Mittel für einen Zweck dient und ergo sich selbst nicht als "geheiligt" auffassen dürfte gemäß seiner eigenen Behauptung. Viel wichtiger ist, dass alle obigen Sätze oder "Wahrheiten" ohne eine ICH-bezügliche Bewusstheit ausgesprochen wurden: Die Redner haben ihre eigene Aktivität in ihren Bemühungen, objektive Wahrheiten mitteilen zu wollen, ausgeblendet und sprachlich verschwiegen.

 

So behauptet Einstein: "Energie ist Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat" ohne SICH SELBST in seiner Naturbeobachtung hinzuzufügen. Würde er dies getan haben, müsste er etwas anderes sagen, nämlich: "Ich erzeuge und forme und konstruiere die Vorstellung, dass Energie dies und jenes sein könnte ..." und schon wäre sichtbar, was seine zauberhafte Formel wirklich ist: seine wunderbare schöpferische Konstruktion, ein Erzeugnis seines außerordentlich kreativen Geistes. Einsteins Formel wäre damit keine subjektunabhängige "Wahrheit" mehr, keine "objektive Wahrheit", sondern mehr: Eine fantastische Konstruktion seines schöpferischen Wesens, welche Natur nicht einfach nur wahrnimmt, beobachtet oder abbildet, sondern NATUR kreativ erschafft. Seine Formel ist daher keine objektive Abbildung der Natur, sondern eine von IHM SELBST begrenzte Konstruktion. Und als solche wird sie eines Tages abgelöst oder ergänzt werden durch neue Konstruktionen und spätestens dann ihre relative Begrenztheit offenlegen.

(Anmerkung: Allein der Begriff "Energie" ist so unscharf, dass bis heute niemand weiß, was Energie eigentlich sein könnte. Einsteins Formel definiert etwas Unscharfes, etwas Unbekanntes - und kann dies nur tun im Rahmen anderer Konstruktionen, also physikalischer Definitionen von Energie. Diese aber betrachten nur einen gewählten und damit konstruierten Ausschnitt der Natur. Physikalische Energiedefinitionen kennen zum Beispiel keine "geistige Energie".) 

 

Diese Begrenztheit ruht in unserem Wesen. Damit meine ich nicht (was fast schon trivial anmutet), dass unsere Glaubenssätze, Überzeugungen und Vermutungen unsere Weltsicht begrenzen (was zweifellos der Fall ist) - damit meine ich, das unsere Fähigkeit zur "Wahrnehmung" als solche begrenzt ist. Das, was wir als beobachtenden Geist bezeichnen, als hinschauende und wahrnehmende Fähigkeit, als "erkennende Bewusstheit", ist wesenhaft limitiert. So engt allein unsere Körperlichkeit unsere wahrnehmende Fähigkeit ein. Menschen mit außerkörperlichen Selbsterfahrungen nehmen dagegen Phänomene wahr, die für uns verschlossen bleiben, solange wir innerhalb des Körpers agieren.

 

Damit werden nicht nur, wie Einstein erkannte, Raum und Zeit zu relativen Größen, sondern auch unser wahrnehmender Geist oder unsere beobachtende Bewusstheit. "Wahrnehmung" kann daher niemals "objektiv" sein und schon gar nicht "absolute Wahrheiten" erkennen (dies allen spirituellen Traditionen ins Stammbuch geschrieben, die solches behaupten). Wenn Wahrnehmung selbst nicht objektiv sein kann, was geschieht dann eigentlich, wenn wir wahrnehmen?

 

Könnte es sein, dass wir (ohne dies innerhalb unserer Körper zu bemerken) die Weite und Tiefe unserer Wahrnehmungen kreativ und schöpferisch erzeugen? Ist das, was ich wahrnehme, ein schöpferisches Erzeugnis, eine unglaublich komplexe Konstruktion, die ich selbst erschaffe und lebendig halten? Falls ja, müsste ich auch fähig sein, meine eigenen Wahrnehmungen zu verändern. Ich müsste fähig sein, andere Wahrnehmungen zu erzeugen. Und passiert nicht genau das immer wieder?

 

"Wahrheiten" kommen und gehen - doch das erzeugende Wesen bleibt. Ist "Erzeugung" daher "wahrer" als es die jeweils erzeugten Wahrheiten sind? Sind wir mit unseren schöpferischen Fähigkeiten viel umfassender beteiligt an dem, was wir wahrnehmen? Noch nie wurde eine Objektivität ohne agierendes Subjekt beobachtet - sind wir nur wahrnehmende Wesen oder sind wir auch erzeugende Wesen?

 

Was passiert, wenn wir ICH-Bezüglichkeit konsequent anwenden und unsere scheinbar nur wahrnehmende Bewusstheit ergänzen um die Idee, wir seien auch erzeugende Wesen? Jede menschliche Beobachtung würde dann schöpferische Elemente enthalten, subjektive Erzeugnisse oder Qualitäten - und dies würde bedeuten, dass zwei Menschen niemals den gleichen Baum beobachten würden, weil es das Phänomen "Baum" nur innerhalb ihrer Bewusstheit geben würde - und diese Bewusstheit wäre schöpferisch, wäre erzeugend. Könnte es sein, dass zwei Menschen zwei Bäume erkennen, ein jeder seinen eigenen Baum, seine eigene Konstruktion?

 

Wenn ich so frage, dann werde ich vermutlich auch schon eine Antwort parat haben. Hier ist sie, eine Antwort, die ich aus meinen eigenen außerkörperlichen Erlebnissen und aus den Schilderungen von Nahtodlern komponiert habe: Zwei Menschen, zwei Räume, zwei Bäume. Jeder Mensch lebt in seiner eigenen schöpferischen "Welt" und erlebt seine eigenen Konstruktionen. Der Umstand, dass wir alle glauben, eine gemeinsame Welt wahrzunehmen und in einer Welt zu agieren, ist selbst eine Konstruktion (!).

 

Aus einer außerkörperlichen Bewusstheit heraus können diese "viele Welten" mühelos gesehen werden. Jede Welt existiert danach in einem individuellen Wesen, einer individuellen Bewusstheit oder in subjektivem Geist - und Bewusstheit ist individuell wie kollektiv dermaßen fantastisch konstruiert, dass wir alle einen nahezu identischen Vorrat an Symbolen gemeinsam teilen und kooperativ erleben können. Wir sitzen als geistige Wesen dann nicht gemeinsam in einem großen Kino und nehmen teil an einem Film des Lebens - wir alle sitzen dann in unserem eigenen Kino. Und alle Kinoräume sind - weil wir bewusste Wesen sind - über unsere Bewusstheit so eng miteinander verwoben, dass wir für die Dauer unserer irdischen Anwesenheit gemeinsam ein gigantisches Spiel spielen und erleben können.

 

Virtuelle 3D-Technologie ist unser irdischer Versuch, dieses hochgeistige Spiel nachahmen zu wollen. In virtuellen Räumen weiß jeder Mensch, dass er sich mittels virtueller Datenbrille in einer Realität bewegt, die ihm täuschend echt vorgegaukelt wird - und dass der Mensch neben ihm im 3D-Labor auch nur eine simulierte Realität erlebt. Doch die Technik ist mittlerweile so weit, dass beide Teilnehmer den jeweils anderen in ihrer virtuellen Datenmatrix nicht nur bemerken, sondern sie auch interagieren können - und so erleben beide den Eindruck einer einzigen, gemeinsamen Realität, obwohl ein jeder weiß, dass er nur innerhalb seiner eigenen Datenbrille agiert. Was hier künstlich simuliert wird und täuschend "real" anmutet, geschieht aus einer außerkörperlichen Bewusstheit heraus tatsächlich in unserer realen Verfassung - so lebendig, so feingetunt, so unfassbar real, dass wir die umfassendere "Viele-Welten-Matrix" gar nicht bemerken. Fazit: Individuell lebt jeder von uns in seiner eigenen, selbst-konstruierten Wirklichkeit, welche ausschließlich "innerhalb" des eigenen Geistes oder der eigenen Bewusstheit existiert - und das gemeinsame Erleben geschieht in Folge einer unfassbar genauen und exzellent organisierten Ähnlichkeit von Symbolen und Mustern, die aus vielen geistigen Welten eine scheinbar einzige Realität entstehen lässt. 

 

Sind Krankheiten und Heilungen geistige Konstrukte?

Mit dem bisher Geschriebenen will ich vor allem deutlich machen, dass wir als geistige Wesen in einer völlig anders "gebauten" Welt agieren, einer unfassbar schöpferischen und hochbewussten Welt, in der jedes individuelle Bewusstsein ein erzeugender "Welten-Schöpfer" ist, ein kreativer Ko-Konstrukteur. Und in dieser hochschöpferischen Welt (die tatsächlich eine "Viele-Welten-Welt" ist) entstehen dann auch Krankheiten und Heilungen nach anderen Prinzipien. Jedenfalls entstehen sie dann nicht "zufällig", sondern folgen einer hochkreativen schöpferischen Ordnung, in der das individuelle erzeugende Wesen keine Neben-, sondern eine Hauptrolle spielt. Bitte vergessen Sie nicht: Auch wenn viele Menschen an einem Ereignis wie "Krankheit" beteiligt sind (der Betroffene, Ärzte, Angehörige usw.), so findet doch die spezifische Erfahrung von Krankheit NUR IN EINER WELT statt, nämlich in der Innerlichkeit des Erkrankten - alle anderen Beteiligten machen völlig andere Erfahrungen in ihren jeweiligen Welten.    

 

Krankheit und Heilung werden daher in einer hoffentlich nahen Zukunft nicht mehr als "objektive Wahrheiten" bezeichnet werden (was aktuell von vielen Patienten auch immer öfter bezweifelt wird und sie die vermeintliche Autorität der "Ärzte in weißen Kitteln" immer öfter hinterfragen), sondern als schöpferische Konstruktionen des eigenen Wesens. Krankheit wird dann nicht mehr etwas sein, "was man hat", sondern etwas, "was man erschafft, um SICH SELBST erfahren zu können" (und natürlich auch, um kollektive Erfahrungen zu ermöglichen, also ein gewisse Art von Gemeinsamkeit erleben zu dürfen).

 

Schon heute informieren uns die sogenannten "Placebo-Effekte" über die höchst individuelle wie schöpferische Kraft der davon Betroffenen. Patienten bemerken oft genug ihre eigene geistige Aktivität nicht und bringen daher den Begriff "Placebo" auch nicht  MIT SICH in Verbindung. Doch genau DAS ist gemeint: Der Patient hat - als geistiges und erzeugendes Wesen - innerlich etwas getan und als Folge dieser Aktivität passiert Heilung. Wenn wir diesen Hinweisen nachgehen, werden wir wenigstens auf das Wort "Glauben" stoßen: Der Patient hat - ohne sich dessen bewusst zu werden - einen "leichten", mühelosen Glauben an seine Genesung erzeugt und sich damit in seiner Welt eine Erfahrung erschaffen, die er dann auch erlebt.

 

Von Selbstbezüglichkeit zur ICH-Bezüglichkeit, von Wahrnehmung zur Erzeugung, vom passiven Beobachter zum aktiven Schöpfer, von Krankheit zur Heilung - all das wollte ich hier kurz skizzieren, um neues Denken und neue Bewusstheit anzuregen.

 

Ob meine Ausführungen wahr oder unwahr sind, weiß ich nicht. Sie sind von mir erzeugt - und dadurch bewirken sie etwas. Mit diesen Gedanken erschaffe ich mir eine eigene Welt, teile sie mit anderen Wesen und ermutige sie: "Erzeuge auch du. Tue dies bewusst. Glaube an dich und deine Erzeugnisse."

 

Denn du könntest ein großartiges schöpferisches Wesen sein. Viel größer als du bislang dachtest und andere dir erzählen wollen ...