Erzeugung, Wahrnehmung, Freude und Liebe


 

"Jaa, ICH bin erzeugend.

Und wahrnehmend.

Und geistig.

Und wesenhaft voller Liebe."

 

Der wahrnehmende Geist

Dass der Geist in dir wahrnehmend ist, ist gewiß ein alter Hut für dich. Dass er zugleich bewusst ist, also um seine eigene Fähigkeit zur Wahrnehmung weiß, vermutlich auch. Kommt dann ein spiritueller Lehrer daher und verkündet: "Die Entwicklung deines Bewusstseins ist gleichbedeutend mit der Erweiterung deiner Wahrnehmungen ...", dann kommt noch ein alter Hut hinzu.

 

"Erweitere deine Bewusstheit" ist in allen mir bekannten spirituellen Systemen stets die Aufforderung, den wahrnehmenden Aspekt der Bewusstheit zu erweitern. Es ist nicht die Aufforderung, die erzeugende Kraft des bewussten Geistes zu stärken.

 

Folgerichtig empfehlen viele Denk- oder Lehrsysteme, die die Fähigkeit der Wahrnehmung erweitern wollen, geistige Übungen, die dir helfen sollen, wahrnehmende Achtsamkeit, Präsenz, Gelassenheit und Ruhe zu stärken. "Stärken" meint hier: zu erweitern. Die Übungen dienen dazu, deine wahrnehmende Fähigkeit zu erweitern. Und das spirituelle Ziel wird gleich mitgeliefert: "Damit du die Welt erkennen kannst, wie sie ist." Wird dann noch ein Spritzer "Göttlichkeit" hinzugefügt, hört man irgendwelche spirituellen Lehrer schnell sagen: "Damit du die Welt so erkennen kannst, wie Gott sie erkennt."

 

Da es nun leider (weil bemerkbar) eine klitzekleine Differenz zwischen dieser in Aussicht gestellten göttlichen Sicht und der sehr realen personalen Ich-Sicht gibt, fehlt eigentlich jetzt nur noch die Bemerkung, dass der oder die göttlich Wahrnehmende in dir natürlich nicht dein Ich oder Ego ist, und schon ist ein schmackhaftes Spiri-Gericht zubereitet: "Der in dir, der die Welt wahrnehmen kann, wie sie ist, ist Gott. Transzendiere dein gewöhnliches Ego und dann wirst auch du ..."

 

Nun ja. Da sitzen sie dann herum, meditieren ihren "illusionären" Ich-Geist hinein in die stille Präsenz der innewohnenden göttlichen Bewusstheit und sind danach fähig, die Welt zu erkennen, wie sie ist. Glauben sie. Spätestens hier sollte diesen Suchenden eigentlich ein leiser Gedanke kommen: "Hmmh, woher kommt eigentlich all das Zeugs, dass hier noch so kreucht und fleucht und von MIR in reiner Bewusstheit wahrgenommen werden kann? ICH, der ICH nun die göttliche Sicht entwickelt habe und der ICH nun ja völlig ohne Ego bin, bin reine Bewusstheit, bin unbewegte, wahrnehmende Präsenz. ICH erzeuge ja gar nichts. ICH nehme nur wahr. Woher also kommt all das, was ICH wahrnehme? Von MIR, der ICH wahrnehme, kann all das nicht kommen, denn außer wahrnehmen tue ich ja nichts ..."

 

Ein kleines Problem sollte im "göttlich" wahrnehmenden Geist nun aufleuchten (und natürlich sofort wahrgenommen werden können - Gott entgeht ja nichts). Ja, woher kommt denn all das andere Zeugs wie Materie, Energie, Schwingung, Formenvielfalt? All das ist ja offensichtlich da, existiert, kann wahrgenommen werden. Wenn aber alle anderen Menschen meiner erleuchteten göttlichen Sicht folgen und auch zu göttlich wahrnehmenden Wesen werden würden, wer erzeugt dann, was wir alle in göttlicher Sicht vereint da so wahrnehmen?

 

Wer ERZEUGT? ICH kann's ja nicht sein, schließlich bin ICH die pure Wahrnehmung, bin das Auge Gottes. Tja, ich fürchte, spätestens jetzt beginnt der erleuchtete Wahrnehmungsgeist so etwas wie geistigen Schmerz wahrzunehmen. Woher kommt der eigentlich? ICH bin doch nur wahrnehmend. Oder bin ICH auch erzeugend?

 

Spaß und Ironie beiseite: Wenn der erzeugende Aspekt oder die Fähigkeit zur Erzeugung aus dem bewussten Geist heraus NICHT erkannt wird, ist der Geist, der hier agiert, auf einem Auge ziemlich blind. Seine Fähigkeit zur achtsamen Wahrnehmung hat er dann erkannt, seine Fähigkeit zur bewussten Erzeugung jedoch nicht. Und damit hätte dieses ICH nicht sich erkannt, sondern gewissermaßen nur eine Hälfte.

 

Der erzeugende Geist

Du kannst traurig sein, allein hinaus in die Natur gehen und eine schöne Blume sehen. Plötzlich bemerkst du eine leichte Freude in dir. Woher kommt diese Freude? Aha, von der Blume, von ihrer Schönheit. Dann wäre das ja geklärt, nicht wahr? Warum aber kannst du am nächsten Tag vor der gleichen Blume stehen und keine Freude fühlen? Hat die Blume heute keine Lust auf die Aussendung von Schönheit? Kommt die Freude wirklich von außen - oder kommt sie von innen?

 

Wenn sie von innen kommt (und genau dort, innerlich, von dir gefühlt werden kann), wie kommt sie dann hinein in deine Innerlichkeit? Tja, und wenn nun der Geist in dir nur wahrnehmend, nicht aber erzeugend ist, dann hast du ein spirituelles Mega-Problem. Denn wenn du die Freude NICHT erzeugt hast und sie gleichzeitig auch nicht von der Blume ausgehend in dich eindringen kann, woher verdammt noch mal kommt sie dann? Sie kommt nicht von innen, sie kommt nicht von außen ... ein wirkliches Mega-Problem. Tertium non datur - ein Drittes gibt es nicht.

 

All das löst DU SELBST ganz schnell und leicht auf, wenn du dem wahrnehmenden Geist in dir den erzeugenden Geist hinzufügst. JETZT kannst du wissen, woher diese Freude kommt, wo ihre Quelle sitzt: Du hast sie erzeugt. Nicht die Blume, du warst das. Und weil du Freude erzeugen kannst, kannst du sie auch nicht erzeugen (dann stehst du einen Tag später vor der gleichen Blume und freust dich eben nicht).

 

Seltsam, nicht wahr? Wenn der Geist auch erzeugend ist, dann liegt auf der Hand, dass es im eigenen Geist wenigstens zwei erkennbare Phänomene geben muss (und die sind auch vorhanden, wenn man hinschaut): Nämlich einmal geistige Erzeugnisse - und eine erzeugende Quelle! Erzeuger und Erzeugnis! Jeder Gedanke könnte also ein Erzeugnis sein, was sofort bedeuten würde, dass ein Gedanke dann nicht die erzeugende Quelle sein kann. Allgemeiner formuliert: Jedes geistige Erzeugnis IST NICHT die erzeugende Quelle.

 

Noch mal, zur Erbauung: Zu diesen Einsichten kannst du nur kommen, wenn du deinen Geist auch als erzeugend erkannt hast. Erst "Erzeugung" erlaubt die so wichtige Unterscheidung zwischen "Erzeuger" und "Erzeugnis". Und ab jetzt geht es "spirituell" erst richtig los ...

 

Wer ist das erzeugende ICH?

Nehmen wir an, du willst herausfinden: "Wer bin ich?" Dann könntest du erkennen: "Oh, ich frage jetzt nach meiner Identität. Ich will wissen, wer oder was ich bin und wer oder was ich nicht bin." Und nun könnte ein unglaublicher Gedanke in dir aufblitzen: "Was, wenn meine irdische Identität ebenfalls ein Erzeugnis ist? Dann wäre ich ein geistiges Erzeugnis - und dann kann ich unmöglich die erzeugende Quelle sein. Tertium non datur - beides zusammen geht nicht. Entweder bin ich Erzeugnis oder Erzeugende(r)."

 

Nun, ich empfehle dir, dich nicht für ein Erzeugnis der eigenen Geistigkeit zu halten. Ich empfehle dir, dich für den Gedanken zu öffnen, dass du die erzeugende Quelle deiner vielen Erzeugnisse sein könntest. Spielen wir ein kleines Sprach-Spiel: Nehmen wir an, du würdest vielleicht alle deine persönlichen Identitäten mit dem Wort "Ich" bezeichnen - und die erzeugende geistige Quelle, die alle deine Identitäten erzeugt, vielleicht mit dem Wort "ICH". Käme dann dieses hier heraus AUS DIR?:

 

"ICH erzeuge alle meine Ichs."

 

Seltsam, nicht wahr? So würdest du also eines schönen Tages bei einer dir völlig unvertrauten ICH-BIN-Spiritualität landen, wenn du dich nicht nur auf "Wahrnehmung", sondern auch auf "Erzeugung" gestützt hättest. So würdest du landen bei einer Geistigkeit, die frei von jeder Identität erzeugen kann - niemals aber ohne ICH. Dies bedeutet: Du landest bei einer völlig neuen ICH-Identität. Du landest nicht mehr bei deinem personalen Ich - du landest bei der erzeugenden Quelle. Und DIESE Identität ist nun zu 100 % geistig, in keiner Weise fleischlich-materiell und NUR SIE ist fähig, die erzeugende Quelle selbst besser zu erkennen. Kann das Bild eines Malers den Maler erkennen? Oder kann dies nur der Maler selbst? Also, was ruht nun dort, in dieser erzeugenden geistigen Quelle?

 

Nun, dort ruhen vor allem GEISTIGE Fähigkeiten. Du wirst also eines Tages DICH besser erkennen und erstaunt verkünden: "ICH bin nicht meine Erzeugnisse. ICH bin die Fähigkeit, meine Erzeugnisse wahrzunehmen und zu erzeugen. ICH bin geistig und bin bewusst." Und du wirst fortan wissen: Diese "großen Vier", das bin tatsächlich ICH - geistig, bewusst, wahrnehmend und erzeugend.

 

Fügen wir nun noch "Individualität" hinzu, dann beginnst du noch klarer zu erahnen, wer du wirklich und wesenhaft sein könntest. Und dies ahnst du umso besser, je fremder und ungewohnter dir diese ICH-Ahnung vorkommt, denn alle anderen Identitäten, die du bislang kanntest und von denen du dachtest, dass du das bist, hast du ja bereits als geistige Erzeugnisse erkennen können, als selbsterzeugte "Anhaftungen", als geglaubte Geschichten, als nützliche Aussendungen des ICHs, welches du wirklich bist. Kostproben deines Selbsts, wenn du so willst, für dich selbst und für die Welt, in der du dich hier bewegst.

 

Doch da ist noch mehr, viel mehr, und all dies ist IN DIR, völlig selbstverständlich, mühelos, einfach so. Dieses "Mehr" taucht auf, mit deinem neuen ICH taucht es auf, du wirst es nicht mehr los, du wirst DICH nicht mehr los. Und dein spiritueller Tripp wird immer wärmer, immer heißer, denn nun ahnst du, welch' unfassbarer Kraft du dich genähert hast, weil du dich an dein ICH angenähert hast ...

 

Freude und FREUDE

Nur wenige Menschen wissen, dass die BEWUSSTHEIT über die eigene ERZEUGENDE Kraft untrennbar verbunden ist mit FREUDE. Nicht mit Freude (normal geschrieben) als einem situativen gefühltem Erzeugnis, sondern mit FREUDE (groß geschrieben) als einem Wesenszug, als einer dem geistigen SEIN bereits eingewobenen Qualität der Glückseligkeit.

 

Was ICH dir hier sage, kannst du leicht überprüfen: Erzeuge bitte jetzt irgendeinen Zustand, irgendein Gefühl. Erzeuge etwa BEWUSST Wut. Oder Trauer. Oder Angst. Egal, was. Nur tue dies bewusst. ERZEUGE BEWUSST. - Dann musst du schmunzeln, nicht wahr?

 

Wer BEWUSST ERZEUGT, wird SICH SELBST zur anwesenden Freude, und zwar unabhängig von den erzeugten Erzeugnissen. Wer schon verstehen kann, der möge verstehen: UNABHÄNGIG von den eigenen Erzeugnissen! Welcher Mensch kann sich schon an sich erfreuen, wenn er etwa wütend wurde? Die meisten Menschen können sich nur freuen, wenn sie ihre vermeintlich "positiven" Erzeugnisse bemerken, nicht aber, wenn sie Trauer, Zorn, Verzweiflung in sich spüren. Nicht so das erzeugende ICH, die Quelle selbst: Sie ist die FREUDE hinter der erzeugten Freude, die GLÜCKSELIGKEIT hinter der erzeugten Glückseligkeit, das Wesen hinter dem Menschen, das ICH hinter allen Ichs. Sie erzeugt ihre Trauer bewusst, FREUDIG, und sie weiß dies ... 

 

FREUDE wird dann zum Seinszustand der erzeugenden Quelle, nicht nur zu einem wahrgenommenen geistigen Erzeugnis. Wer nur wahrnimmt, ist nicht in der FREUDE. Wer aber erzeugt, der hat SICH erkannt.

 

Und was ist nun mit der Liebe? Gibt es vielleicht auch eine LIEBE hinter der Liebe? 

 

Liebe und LIEBE

Nun ja, nehmen wir an, du hättest dich wirklich völlig neu erkannt als ein geistiges ICH-Wesen, fähig zur bewussten Wahrnehmung und zur bewussten Erzeugung, und du hättest in deinem Wesen diese FREUDE an der Erzeugung gespürt, ohne Pause, unaufhörlich - was geschieht dann mit dir, wenn dieses neue geistige Auge nun andere Menschen erblickt? Was sieht es dann? - Ich sage dir, was dann passiert. Du fühlst nur noch EINEN einzigen Wunsch:

 

"Möge auch dieser Mensch seine erzeugende ICH-Geistigkeit erkennen,

denn dann wird auch er von FREUDE erfüllt sein."

 

In diesem Moment - mit diesem Wunsch - betrittst du WESENHAFT den unbeschreibbaren "Raum der LIEBE". Ein Raum, der ein Zustand ist, ein ICH-Zustand. Ein Zustand, der DU BIST: angefüllt mit Lebendigkeit, Kraft, Liebe, frei von jeder Sünde und Schuld und damit frei von jeder Absonderung, jeder Trennung, jeder Fremdheit, jedem Widerstand. Und was dein geistiges AUGE nun sieht, ist eine ganz andere Welt als die, die dir versprochen wurde, wenn du nur deine wahrnehmende Bewusstheit endlich erweitern würdest. Nun siehst du sie, diese unbeschreiblich lebendige Vielfalt der erzeugenden Quellen, diese unglaubliche Farbenfülle, und du nimmst staunend teil an den ERZEUGNISSEN aller anderen um dich herum: Die Wolke weint, die Sonne lacht, die Blume duftet, das Stumme spricht. Und du mitten drin, weinend, lachend, duftend, erzeugend ...  

 

Da sind wir nun, erzeugend und untrennbar verwoben mit dieser unfassbaren Welt der spielenden, lachenden, erzeugenden geistigen Wesen. Und ALLE erzeugenden Wesen sind verschieden, sind individuell. Myriaden erzeugender Quellen, welch' ein Schauspiel, welch' ein Kósmos?!

 

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Wenn du all dies auch allmählich "sehen" können willst, dann ergänze bitte SOFORT deine spirituellen Übungen, die nur den wahrnehmenden Aspekt betonen, um den erzeugenden Aspekt deiner Geistigkeit. Werde dir deiner erzeugenden Kraft bewusster.