... auf das höhere Selbst


"Das, was oft als höheres Selbst bezeichnet wird, schwebt nicht in einer anderen Dimension über deinem Kopf. Es ist hier und jetzt vollständig anwesend. Seine Fähigkeiten musste es jedoch verengen und spezialisieren wegen des Körpers. Genau dadurch gewinnt es zugleich neue Fähigkeiten im Umgang mit sich selbst und der Materie."  (Carsten Rachow)

 

Vom höheren Selbst zum aktiven ICH

Ich habe vielleicht hundert Bücher, Berichte und Darstellungen über das "höhere Selbst" studiert und verglichen. Ich habe Nahtoderfahrungen und Berichte über außerkörperliche Phänomene sowie meine eigenen Erfahrungen genommen. Ich habe versucht, kulturell erzeugte Vorannahmen und Vermutungen - zumeist religiöser Art - zu erkennen und wegzufiltern (inklusive meiner eigenen, was mir leicht fiel, weil ich mich konfessionslos entfalten durfte). Ich komme stets nur zu einem Ergebnis: Das höhere Selbst ist exakt das ICH, welches jetzt in dir aktiv ist. (Und zur besseren Unterscheidung vom alltäglichen Ich schreibe ich dieses ICH groß.)

 

Dies mag auf den ersten Blick ein wenig enttäuschend klingen für diejenigen, die mit ihrem aktuellen Ich und ihrem Leben nicht zufrieden sind und sich aufrichtig danach sehnen, ihr höheres Selbst zu finden und zu verwirklichen. Doch ich kann beruhigen: Eine bessere Nachricht kann es gar nicht geben! Schauen wir uns das doch einmal etwas genauer an ...

 

Nicht-zwei: Niemand vereinigt sich mit sich selbst.

Es ist nicht so, dass ein höherer Teil von dir irgendwo auf dich wartet. Es ist nicht so, dass es hier ein leidendes personales Ich gibt und "dort" ein größeres, hübscheres, reineres ICH. Es ist nicht so, dass es dir eines Tages gelingen wird, durch spirituelle Übungen eine "Einswerdung" mit diesem höheren Teil zu erleben (oder gar mit der Gottheit). Es existiert keine Verschmelzung oder Ich-Auflösung hinein in ein wartendes größeres ICH. Du bist nicht "Zwei", innerlich gespalten oder abgetrennt, und du wirst dich daher auch nicht mit dir selbst vereinigen können. Du bist EINS, du bist jetzt hier - und wenn sich überhaupt ein geistiges Wesen verändert, dann tut es dies in und mit seiner aktuellen Ganzheit.

 

Natürlich kann und soll jeder glauben, was er erzeugt. Ich möchte hier in keinem Fall den tiefsitzenden Glauben anderer Menschen an ihre spirituellen Übungen oder Wege verletzen, wenn sie aufrichtig und in edler Absicht versuchen, ihr Wesen zu "transzendieren". Ich bitte nur darum, meine Hinweise wohlwollend zu würdigen und zu überprüfen, denn ich möchte nicht verletzen, ich möchte Glück anbieten. Wenn sich nämlich der Glaube, man könne sein aktuelles Ich "verlassen" und in einem seligeren ICH (oder Nicht-Ich) landen, als ein selbsterzeugter Glaube herausstellen sollte (oder als übernommener Glaube, was auf das Gleiche hinausläuft), dann ist der Akt der Erzeugung dieses Glaubens fundamentaler als der geglaubte Inhalt. Dann "steht Erzeugung vor Wahrheit", wie ich gerne pointiert sage. Und dann ist die Erkenntnis, dass man selbst ein solches erzeugendes Wesen sein könnte, ein fettes Hinweisschild darauf, dass man mit spirituellen Übungen zwar seine eigenen geistigen Erzeugnisse "verlassen" oder "loslassen" kann, nicht aber sein erzeugendes Wesen. Deine Erzeugnisse kannst du transzendieren, da bin ich ganz bei dir, doch nicht dein erzeugendes ICH - und wer anderes glaubt, wird genau dies immer wieder bemerken können: "Egal, was ich auch tue, ich werde mich einfach nicht los." Dann aber kann der spirituelle Pfad zu einer Obszession werden, zu einer krampfhaft verfolgten Anhaftung, verbunden mit dem Leid der Nicht-Erfüllung, weil nicht sein wird, was nicht sein kann. Und dieses Leiden möchte ich beenden helfen ...   

 

Diejenigen Kräfte oder Fähigkeiten, die das geistige Wesen besitzt, sind hier und jetzt vollständig anwesend. Diese Fähigkeiten möchte ich locker mit zwei Begriffen benennen: Es handelt sich um geistige Fähigkeiten der Wahrnehmung und der Erzeugung. Damit ist, soweit ich sehen kann, das geistige Wesen ziemlich vollständig beschrieben: Es nimmt wahr und es erzeugt "geistiges Zeugs" (lacht). In allen von mir studierten Berichten und in meiner eigenen Erfahrung sind durch außerkörperliche Zustände oder veränderte Bewusstseinszustände keinerlei neue Fähigkeiten hinzugekommen. Stattdessen erlebten die wahrnehmenden und erzeugenden Fähigkeiten eine ungewöhnliche Erweiterung - doch keine Hinzufügung einer dritten Art von Fähigkeit.

 

Geistige Fähigkeiten können sich erweitern.

Unsere Wahrnehmungen können sich dramatisch erweitern. Unsere erzeugenden Kräfte können sehr viel bewusster erlebt werden. Wir können auch erleben, wie wir Phänomene wahrnehmen, die wir hier nicht oder nur selten wahrnehmen. Wir können erleben, wie von uns Bilder, Gedanken, Energie, Farben, Formen, Schwingungen, Bedeutungen, Gefühlsqualitäten usw. ausgehen, weil wir all dies in aktiver Weise erzeugen. Wir können uns plötzlich "sofort" verständigen, ohne Worte, wir erleben uns in einem anderen Raum-Zeit-Gefüge, wir erleben Gleichzeitigkeit und agieren plötzlich in mehreren Dimensionen oder Welten parallel - und all dies völlig mühelos. Wir bemerken selbsterzeugte Anhaftungen und unseren Glauben an selbsterzeugte Identitäten ("Ich bin dies oder das ..."), bemerken die selbsterzeugten Folgen tiefgeglaubter Glaubenssätze ("Konditionierung"), bemerken unsere geistige Kooperation mit vielen anderen Wesen, bemerken überall geistige Resonanzfähigkeit, in jedem Molekül, und wir können bemerken, wie wir und alles um uns herum durchdrungen und umgeben ist von einer lebendigen Kraft, Energie oder Bewusstheit, die in einer Weise liebend agiert, für die mir die Worte fehlen. 

 

Nichts wird unseren schon existierenden Fähigkeiten hinzugefügt. Das, was jetzt schon an geistigen Fähigkeiten vorhanden ist, wird einfach unter anderen Bedingungen erlebt und angewendet. Kein einziger Nahtodbericht schildert, dass das irdische Ich plötzlich eine Vereinigung erfuhr mit einem höheren ICH, welches im Himmel selig lächelnd darauf wartete. Aber alle schildern, wie ihr aktuelles Ich eine aufregende Ausdehnung oder Erweiterung seiner Fähigkeiten erfuhr. Auch ich erlebte keinerlei Aufgehen in ein wartendes höheres Selbst, sondern mich überraschende Erweiterungen derjenigen Fähigkeiten, die ich schon kannte: Wahrnehmung und Erzeugung. Plötzlich konnte ich Phänomene sehen, hören, fühlen, die ich vorher nicht wahrnehmen konnte. Plötzlich wurde mir meine aktive und erzeugende Rolle bewusster als je zuvor. Bis heute kann ich "sehen", wie ich in jedem Moment in meinem Körper wirke, mit jedem Gefühl, jedem Gedanken. Deshalb sage ich:

 

"Wenn du ein höheres Selbst werden willst, werde ein ICH."

 

Ich schreibe "ICH" und nicht "Ich". Warum? Deute ich damit nicht auch an, dass es da ein höheres ICH geben könnte (vermutlich heil, gesund, irgendwo glücklich lebend und lächelnd) und "dadrunter" ein irdisches Ich, gebunden an seinen Körper, leidend und schmachtend? Nein, das deute ich nicht an. Wenn ich "ICH" benutze, dann will ich damit ausdrücken, dass die dir bereits bekannten Fähigkeiten VON DIR SELBST erweitert und ausgedehnt werden können - und diese Möglichkeit zur Erweiterung, Ausdehnung oder Verstärkung deiner geistigen Fähigkeiten beschreibe ich als einen Pfad "vom Ich zum ICH".

 

Der Pfad vom Ich zum ICH: Angst verengt, Liebe erweitert.

Dieser Weg ist ein Weg der Bewusstwerdung in den Bedingungen der Körperform und dieser Welt. Nur durch Erkennen, Für-möglich-halten, Ausprobieren und erlebte Erfahrung können wir eine abgesicherte Gewissheit über die Erweiterung unserer Fähigkeiten erlangen. Wer gerne glauben möchte, dass er seinen Körper heilen könnte, muss dies nicht einfach glauben - er muss damit beginnen, es zu tun. Er muss geistig aktiv werden, sich selbst vertrauen, die Ergebnisse wahrnehmen und den Glaube an seine erzeugenden Kräfte selbst stärken. Von nichts kommt nichts - auch nicht die Erweiterung der schon vorhandenen Kräfte, die aus einem "Ich" ein "Ich-Plus", ein "ICH" werden lassen.

 

Der "Mechanismus" oder der Pfad zur Erweiterung der geistigen Fähigkeit hat sehr viel zu tun mit dem Abbau von Ängsten. Denn Angst verengt die wahrnehmenden und erzeugenden Fähigkeiten. Angst verhindert Erweiterung. Die Überwindung von Angst IST Erweiterung. Dies bedeutet: Nicht Meditation "erweitert" dich, nicht "Achtsamkeit" erweitert dich, sondern Angstabbau erweitert dich (was ungemein anstrengend ist, weshalb viele Menschen sich lieber nichtstuend aufs Meditationskissen setzen als aktiv ihre Ängste abzubauen). Angst ist stets und in allen Fällen eine Selbstblockade: Das erzeugende ICH fürchtet seinen eigenen Ausdruck. Es hält sich zurück, blockiert seine wesenhafte Ausstrahlung hinein in diese Welt. So kommt etwa die Angst vor einer Spinne nicht durch die Spinne von außen in die eigene Innerlichkeit, sondern von innen als selbsterzeugte Blockade. Um Ängste abzubauen, muss der Mensch daher bewusster werden FÜR SICH SELBST.

 

Ich kürze ab: Je bewusster er für sich selbst wird, desto deutlicher erkennt er sein eigenes Wesen. Dort warten keine Ängste und Verengungen auf ihn, sondern unermeßliche Weite und ... Liebe. Beginnt der Mensch, sich selbst als Wesen der Liebe zu bemerken, erweitern sich sofort seine Fähigkeiten: der wahrnehmende und der erzeugende Aspekt des eigenen geistigen Wesens treten stärker hervor. Ängste verschwinden, bis eines schönen Tages ein ICH-Zustand der völligen Angstfreiheit gelebt wird. So etwa ...  

 

Das aktive ICH ist kein Übermensch, kann nicht über Wasser laufen, keine Universen erschaffen, hat immer noch Probleme mit der Steuererklärung, muss essen und trinken und ist nicht wichtiger, größer oder bedeutsamer als irgendein anderer Mensch. Es ist sich lediglich seiner wahrnehmenden und erzeugenden Fähigkeiten bewusster als andere. Es deutet nicht mehr auf Andere, sondern auf sich. Es hat SICH erkannt, als aktives, bewusstes, erzeugendes und wahrnehmendes Wesen, begrenzt und bedingt durch den eigenen Körper, durch das Raum-Zeit-Gefüge dieser Welt, durch angenommene Glaubenssätze und kollektive Gewohnheiten. Weil das ICH all dies bewusster, klarer, umfassender erkannt hat, hat es zugleich das aktive Wesen anderer Menschen klarer erkannt. Denn der andere ist ebenfalls wahrnehmend und erzeugend.

 

Einzig das Maß der Bewusstheit genau darüber führt zu Unterschieden zwischen uns, führt zu unbewusst erzeugtem Streit, zu verschwiegenen Absichten, zu unnötiger Angst und Sorge und zu geistigen "Projektionen", die dem Gegenüber unbewusst angeheftet werden. Niemand muss Einsteins Relativitätstheorie auswendig können oder ein "integrales" Studium absolvieren, um wacher und bewusster FÜR SICH SELBST zu werden.

 

Suche also nicht mehr im Himmel, suche in dir. Dort ist der Himmel, in deinem wahrnehmenden und erzeugendem Wesen. Vergeude keine Lebenszeit mehr durch die unseligen Versuche, dein Ich oder Ego "auflösen" oder zu Gunsten eines konstruierten Nicht-Selbsts verneinen zu wollen. Erfülle stattdessen dich mit deinem ganzen Wesen - und dies möglichst bewusst für DICH SELBST. Dann könnte der Himmel die Erde sein und das höhere Selbst dein aktuelles Ich.

 

Umarmung ...