Weltsichten ...


"Immer ist es ein geistiges Wesen, welches wahrnimmt. Doch da es auch erzeugend ist, ist seine Sicht keine reine Wahrnehmung, sondern erzeugte Perspektive. Wahrnehmung verändert Erzeugung - Erzeugung verändert Wahrnehmung. Dies sollte genügen, um zu erahnen, dass alle menschliche Weltsichten, die das erzeugende geistige Wesen ausklammern, noch ein wenig blind sind für die Welt."

(Carsten Rachow)   

 

Ich-Sprache statt Es-Sprache

Du erkennst ein erzeugendes ICH stets an seiner Sprache: Sie wird immer wieder getränkt sein von dem Wort "Ich". Sie will damit die anwesende und stets agierende eigene Subjektivität sichtbarer machen. Sie wird also oft sagen: "Ich bemerke in mir ..." statt "Es ist so, dass ..."

 

Wissenschaftler nutzen fast ausnahmslos objektivierende Es-Sprache. Sie klammern in der Sprache jegliche Subjektivität aus, denn exakt dies entspricht ihrer aktuellen Bewusstheit. Da diese Bewusstheit aber nicht so agiert, wie sie agieren könnte, fühlt sie zugleich eine Last, ein irritierendes Problem: Sich selbst. Da das eigene erzeugende Wesen in der Sprache zurückgehalten wird, muss es zuvor auch im eigenen Geist zurückgehalten oder unterdrückt worden sein.

 

Den gleichen Mechanismus der Unterdrückung findest du in allen Taten und Worten, die von Unbewusstheit getränkt sind. Unbewusstheit worüber? Über die eigene, stets anwesende erzeugende ICH-Aktivität. Dann sprechen Menschen so: "Etwas tut mir weh ..." oder so: "Ich bin da hineingezogen worden ..." In beiden Sätzen will der agierende Geist mitteilen, dass in seinem Erleben mindestens "zwei" Akteure existieren: Er selbst - und dieses "Etwas", welches ihm weh tut, oder diese unbekannte Kraft, die ihn "hineingezogen" hat.

 

Die ICH-Bewusstheit würde so sprechen (allerdings nur in Kreisen, wo die Irritation sich in Grenzen hielte): "ICH erzeuge gerade Leid in mir ..." oder so: "ICH wollte mich dort hineinbegeben ..."

In beiden Fällen hören wir eine zutiefst aktivische und wollende Sprache - wir hören die aktive Bewusstheit dieses Menschen. Wir würden noch einiges mehr hören, was wir bei vielen anderen nie hören. Wir würden hören: "Aus meiner Perspektive heraus ...", was ein satter Hinweis ist, dass dieser Sprecher sich der Anwesenheit anderer Perspektiven bewusst ist - und Perspektive bedeutet stets, anderer erzeugender Wesen. Ein solcher Redner spricht sanfter, gewaltfreier, verständiger, zuhörender. Er ist dem eigenen und dem Wesen anderer näher.

 

ICH-Bewusstheit verändert alle Sichtweisen.

Wir studieren oder nehmen täglich teil an vielen Weltsichten. Wir lesen über Ethik, über Krankheit, über Heilung. Doch wen lesen wir, wen hören wir? Begegnen wir einer Weltsicht, die das erzeugende Wesen noch ausklammert oder schon zu zeigen bereit ist?

 

ICH-Bewusstheit verändert den Raum, in dem erzeugende geistige Wesen miteinander agieren. Sie ermöglicht überhaupt erst ein gutes Miteinander. Sie erzeugt einen fühlbaren Raum der Weite, Offenheit und Freiheit, getränkt mit einer Energie der Wertschätzung - und dies insbesondere dann, wenn abweichende Meinungen sichtbar werden.

 

Dies wollte ich kurz vorausschicken, damit meine kurzen Essays in der Ruprik "Weltsichten" besser eingeordnet werden können. Durch das Hinzufügen des ICH-aktiven-Geistes werden neue Sichtweisen möglich und damit neue Lösungen. Ich werde versuchen, hier einige zu skizzieren: Neue Lösungen für Fragen der Ethik, für Krankheit und Heilung.

 

Ihr

Carsten Rachow