ICH-Ausdruck: Lernen und Entwicklung


"Manche Forscher und Berater glauben, dass Lernen eine 'horizontale' Bewegung sei. Ich-Entwicklung dagegen sei eine 'vertikale' Veränderung, eine Transformation hin zu einem entwickelteren Ich. Für diese vertikale Bewegung benötigen sie Kriterien. Ich glaube, dass sie diese Kriterien konstruieren - und Entwicklung oder Ich-Entwicklung etwas ganz anderes sein könnte ..."

(Carsten Rachow)

 

Zum Unterschied von Lernen und Entwicklung

Im Alltag vieler Menschen wie auch in Politik und vielen Beratungsausbildungen wird "Lernen" und "Entwicklung" zumeist nicht unterschieden, sondern gleichgesetzt: "Wer lernt, entwickelt sich". Eine Folge davon ist, dass Lernen und Bildung hohe gesellschaftliche Akzeptanz genießen. Doch viele Berater, Ich-Psychologen und Entwicklungsforscher unterscheiden zwischen "Lernen" und "Entwicklung". Sie sagen: Wer lernt, der entwickelt sich nicht, sondern verändert sich nur "horizontal". Entwicklung dagegen meine "Ich-Entwicklung" - und das sei etwas ganz anderes, nämlich eine "vertikale" Veränderung, eine Transformation, die nicht allein durch Anhäufung von Wissen erreicht werden könne.

 

Schauen wir uns das einmal genauer an: Worin besteht ihrer Auffassung nach der Unterschied zwischen "horizontal" und "vertikal"?

Das "Lernen" beschreiben diese Forscher im Kern als die Aneignung von Wissen, den Erwerb von erweiterten Kompetenzen und von neuen Erfahrungen ("kognitive Entwicklung"). Wer etwa eine neue Sprache erlernt, vergrößert damit sein Wissen, wird dadurch kompetenter und macht dadurch neue Erfahrungen. Dieses Lernen sollte man jedoch als eine "horizontale Veränderung" bezeichnen, denn es fände nur eine zusätzliche Aneignung neuer Konzepte, neuer Inhalte, neuer Formen statt. Die grundsätzliche Art und Weise jedoch, wie sich ein lernender Mensch "mit sich und der Welt" auseinandersetzt, bliebe dadurch weitgehend unverändert. Das agierende Ich bliebe unverändert - allenfalls sein Wissen würde durch Lernen erweitert.

Dagegen sei mit "Entwicklung" der Erwerb einer differenzierteren und integrierteren Sicht auf sich selbst und die Welt gemeint. Entwicklung bedeute daher, dass das Ich sich selbst verändert. Es fände dann ein "qualitativer Sprung" statt, eine Transformation hin zu einer späteren Entwicklungsstufe, zu einem anderen Ich. Der transformierende Prozess von "Differenzierung/Integration", der hier als ursächlich genannt wird, könne daher theoretisch auch ohne die Aneignung von Wissen und Bildung ablaufen. Schließlich entwickeln auch Menschen, die praktisch ohne jede Schule und ohne Bildung auskommen müssen, ihr Ich. Sie entwickeln sich einfach durch ihre Erfahrungen.

 

Um nun das eine vom anderen unterscheiden zu können, sprechen diese Forscher dann in Abgrenzung zum Alltagsverständnis über Lernen als eine horizontale Bewegung und über Entwicklung als eine vertikale Ich-Transformation.

 

Konstruierte Kriterien

Mit IBANETIK will ich nun zeigen, dass erstens beide Definitionen nicht objektiv "da draußen" in der Welt, sondern nur in der erzeugenden Perspektive der Forscher ruhen und sie daher subjektiv erzeugte Konstruktionen sind. Dagegen habe ich überhaupt nichts - ich habe etwas gegen das Verschweigen dieser subjektiven Konstruktionen. Zweitens werde ich mit dem Begriff "Selbstvergleich" ein neues Kriterium vorschlagen für die Messung von Ich-Entwicklung - und dieses Kriterium wird die unsäglichen und schmerzenden Bedeutungen, die regelmäßig mit einer scheinbar "objektiven" Vertikal-Transformation verbunden werden ("Der ist entwickelter, höher, umfassender als jener ..."), torpedieren. Auch viele religiöse oder spirituelle Lehrer sollten hier hellhörig werden, denn auch sie behaupten, dass eine vertikale Entwicklung möglich sei ("näher zu Gott") und dass deshalb interpersonelle Vergleiche eine reale, objektive Basis hätten - natürlich entlang der von ihnen als "objektiv", "universal" oder "göttlich" ausgegebenen Kriterien.

 

Die Konstruktion beginnt bereits beim "Ich"-Begriff. Was meint der Hohepriester, was meinen die Forscher, wenn sie vom "Ich" oder vom "Selbst" reden? Und was meinen sie nicht? In Wissenschaft und Forschung wird oft vom "empirischen Ich" gesprochen, ohne hinzuzufügen, dass bereits hier subjektiv konstruiert wird: Denn wenn etwas "empirisch" beschrieben werden kann, bedeutet dies noch nicht, dass der beschriebene Gegenstand in allen Fällen identisch ist und alle Forscher vom gleichen "objektiven Ich" reden. Umgekehrt aber gilt, dass man etwas beobachten und beschreiben kann und dann anschließend behauptet, dieses sei "das Ich" gewesen. Dies bedeutet: Der Forscher erzeugt unbewusst seinen "objektiven" Gegenstand. Nehmen wir großzügig an, die Forschung würde das empirische Ich universell in der Bedeutung von "Ich-Identität" verstehen. Dann würden sie feststellen müssen, dass sich die Ich-Identität eines Menschen "vertikal" entwickelt. Doch was bedeutet das? Und wie geschieht dieser Prozess? Wie kommt ein Mensch zu einer "höheren" Identität?  

 

Das maßgebliche Kriterium, welches oben genannt wird für diese "gesehene" vertikale Ich-Entwicklung, lautet: "... eine differenziertere und integrierendere Sicht auf sich selbst und die Welt". Im Kern soll dies bedeuten: Ein Mensch, dessen Unterscheidungsvermögen (Differenzierung) und dessen Fähigkeit zur Zusammenschau (Synthese, Integration) gewachsen ist, steht vertikal "höher" als ein Mensch, der relativ dazu undifferenzierter und fragmentierter SICH SELBST und die Welt wahrnimmt.  Eine "höhere" Ich-Identität hätte danach derjenige Mensch erlangt, der SICH SELBST (und die Welt) genauer, klarer, differenzierter und zugleich als Einheit (Integration) erleben kann.

 

Wem nun die Bezeichnung "höher" zu garstig vorkommt, der soll gerne andere Bezeichnungen wählen, etwa "entwickelter, umfassender, reifer" oder was auch immer - eine Schwierigkeit wird sich jedoch kaum lösen lassen: Wer einmal "vertikal" gesagt hat, wird sofort glauben, dass mit einer vertikalen Entwicklung ein "besser" verbunden sein müsse: Je vertikaler, desto besser. Anders ausgedrückt: Wer von vertikaler Ich-Entwicklung spricht, erstellt zugleich Rangfolgen des Wertes. "Besser" ist, was irgendwie "wertvoller" ist - wäre es nicht wertvoller, wäre es auch nicht besser. Wir erleben also, wie mit "vertikaler Entwicklung" stets eine Veränderung oder Transformation gemeint ist, die zu einem "besseren" Ich-Zustand führen soll. Darum geht es im Kern: um dieses "besser als ...".

 

Doch warum sollte ein differenzierter auf sich selbst blickendes Ich besser sein als ein Ich, welches sich selbst undifferenzierter wahrnimmt? Hat denn ein differenzierender Erwachsener ein "besseres" Ich als ein Kind? Sicher, die meisten Erwachsenen würden sich zutreffend als "entwickelter" betrachten als ein Kind - doch folgt daraus zwangsläufig, dass diese Entwicklung im Quervergleich zu einem "besseren" Ich geführt hat? Oder folgt daraus, dass die Erwachsenen sich maximal mit sich selbst - also mit ihrem eigenen Kind-Ich - vergleichen sollten, um die Frage zu beantworten, ob sie sich nun "entwickelter" und damit "besser" fühlen? Kann eine Höher-Entwicklung wirklich per Quervergleichen ermittelt werden - oder kann Entwicklung nur im Selbstvergleich festgestellt und bewertet werden?

 

IBANETIK bestreitet nicht, dass das Ich sich verändert und entwickelt. Das Teenager-Ich ist nicht mehr identisch mit dem Kind-Ich. Das Rentner-Ich ist nicht mehr das Teenager-Ich. IBANETIK bestreitet auch nicht, dass es verschieden entwickelte Fähigkeiten oder Kompetenzen gibt: Dieser versteht schneller als jener. Dieser kann jenes besser als der andere. All dies existiert und all dies kann gesehen werden. Doch vielleicht laufen diese Veränderungen innerhalb eines Ichs und die Quervergleiche zwischen verschiedenen Ichs ja nach ganz anderen Kriterien ab, als obige Forscher behaupten. Vielleicht folgt beides ganz anderen Maßstäben ...

 

Selbstvergleich statt Quervergleich

Hier nun liefert IBANETIK den ersten heilenden Hinweis: Quervergleiche zwischen Menschen, zwischen zwei Ichs, sind möglich, aber nicht hilfreich, denn sie werden vorgenommen anhand subjektiv erzeugter Kriterien, die nur scheinbar "objektiv" sind. Nur dann, wenn wir tatsächlich objektive Kriterien hätten, könnten wir menschenübergreifende oder interpersonelle Vergleiche anstellen. Doch wenn wir an Stelle von objektiven Kriterien mit "selbsterzeugten" Merkmalen hantieren, dann verkommen alle Quervergleiche zu dem traurigen Versuch, die eigenen Bewertungen zum verbindlichen Maßstab für alle machen zu wollen. Dann wird das eigene "Bessere" zum Maßstab für alle. Das aber ist keine Forschung - das ist unbewusste Unterdrückung im Namen der Forschung ...

 

IBANETIK sagt: Der Forscher entscheidet mittels der von ihm selbst bevorzugten Kriterien, was er entwickelter nennt und was nicht. Doch weil er selbst unbewusst für sich agiert, erkennt er seine subjektiven Konstruktionen nicht und kann sie daher auch nicht offenlegen. Er glaubt an Objektivität. Würde er seine stets vorhandene Subjektivität gleich offenlegen, müsste der Forscher ganz anders vorgehen: Er müsste dann das agierende Subjekt direkt befragen, und zwar nach dessen Kriterien. Er müsste dann Selbstvergleiche akzeptieren und Quervergleiche ablehnen ...

 

Der Selbstvergleich eines Menschen mit sich selbst ist möglich, und nur dieser ist auch sinnvoll. Nehmen wir an, ein Mensch stellt an sich selbst fest, dass er heute differenzierter auf sich selbst schaut als früher - was wird er selbst dann zu dieser Veränderung sagen? Wird er sagen: "Oh, so differenzierend, wie ich mich heute selbst wahrnehmen kann, das nenne ich besser als früher ..."? Falls ja, ist es dieser Mensch, der seine Entwicklung nicht nur erkennt, sondern auch bewertet und schließlich als Verbesserung begrüßt. Doch genau das ist nicht überall und schon gar nicht nach dem unterstellten Kriterium "Differenzierung/Integration" der Fall: Dieser Mensch könnte sich auch danach sehnen, "einfacher" auf sich und die Welt schauen zu können und diesen dann weniger differenzierten Ich-Zustand als "besser" empfinden. Beides wäre ihm möglich. Was soll nun gelten? Soll ein scheinbar "objektives" Kriterium wie Differenzierung/Integration, von außen mit wissenschaftlicher Würde angeboten, gelten - oder das eigene Urteil, der eigene Selbstvergleich, das eigene Kriterium?

 

Nun, ich plädiere dafür, dass für dieses befragte Subjekt nur gelten sollte, was es selbst als wichtiger bewertet. Für diesen Menschen sollte nicht gelten, was Forscher glauben, was er glauben sollte. Denn das, was die Forscher glauben, ist ja ebenfalls subjektive Bewertung, nur eben leider eine verschwiegene, eine nicht offengelegte ...

 

IBANETIK lehnt auf subjektiver Konstruktion basierende Rangfolgen kategorisch ab, wenn mit ihnen interpersonelle Quervergleiche vorgenommen werden sollen (was leider massenhaft geschieht - und jeder fühlt sich dann mal besser oder mal schlechter als dieser oder jener ...). Dieser Ansatz führt, wie leicht zu zeigen ist, zu einem Rattenschwanz von Problemen zwischen Menschen, denen scheinbar mit wissenschaftlicher oder religiös-spiritueller Objektivität eingeredet wird, sie seien entwickelter oder weniger entwickelt als andere. Dieser Ansatz verhindert zugleich die Einnahme einer völlig anderen Sichtweise, in der sich uns eine Welt zeigen möchte, die diese konstruierten Unterschiede des Wertes zwischen Menschen nicht kennt. Eine Welt, in der JEDE Form von Ich-Entwicklung ihren wertvollen Platz hat, ihren Sinn, ihre Stimmigkeit - und eine Welt, in der nur das geistige Wesen selbst darüber befindet, ob die eigene Entwicklung besser geworden ist oder nicht.

 

IBANETIK lehnt daher nicht diejenigen Vergleiche ab, die ein Mensch MIT SICH SELBST durchführt. IBANETIK ermutigt dazu. Auch diese Selbstvergleiche beruhen auf subjektiven Kriterien, auf subjektiven Bewertungen. Doch der Selbstvergleich (z. Bsp.: "Heute habe ich ein stärkeres Ich als früher.")  ist offen und frei für alle möglichen Kriterien - und nicht reduziert auf diejenigen, die von außen daherkommend scheinbar objektive interpersonelle Vergleiche ermöglichen sollen. Der Selbstvergleich ist z. Bsp. offen für die Bewertung: "Ich fühle mich heute besser, weil ich nicht mehr so kompliziert denke wie früher, weil ich endlich gefunden habe, was mein Herz begehrt, weil ich ganz nahe bei mir bin - und den ganzen Tag lang Blumen züchte ..." Hier spräche ein Mensch, der nichts am Hut hat mit zunehmender Differenzierung und zunehmender Integration - hier spräche ein "einfacher" Mensch. Und wie Recht er doch hätte, nicht wahr?

 

IBANETIK: Du bist dein eigener Maßstab.

IBANETIK lehnt nicht Subjektivität ab. Im Gegenteil: Weil wir überall aus unserer Subjektivität heraus agieren, taucht Subjektivität auch überall auf im eigenen Leben. IBANETIK will genau das sichtbarer machen - und jeder konstruierten Schein-Objektivität die unbewusste Maske vom Gesicht ziehen. In konsequenter Fortsetzung dieses Gedankens fordert IBANETIK daher: "Legt eure subjektiven Kriterien nicht über andere Menschen. Legt sie einzig auf euch selbst. Tut dies extrem bewusst. Dann werdet ihr hoffentlich erkennen, dass ihr diese Kriterien selbst erzeugt habt. Dann werdet ihr auch erkennen, dass ihr selbst euch diejenigen Maßstäbe geformt und gebildet habt, mit denen ihr euch anschließend bewertet."

 

Auch im Selbstvergleich bliebe Konstruktion, bliebe Subjektivität - doch jetzt unverdrängt erkannt aus voller ICH-Bewusstheit heraus. Wer dann zweifelsfrei erkannt hat, welches innere Spiel er da mit sich selbst spielt, der erkennt zugleich, dass andere Menschen exakt das gleiche Spiel spielen: Auch sie folgen stets ihren selbsterzeugten Maßstäben. Doch da die meisten Menschen dies leider unbewusst tun, suchen sie im Außen nach helfender "Objektivität", folgen Forschern, religiösen Autoritäten, akzeptieren andere Maßstäbe und bemerken niemals, dass auch diese subjektiv erzeugt wurden ...

 

Auch Entwicklung findet im Selbstvergleich tatsächlich statt. Jeder Mensch ist fähig, seine eigene Entwicklung selbst zu bemerken und zu bewerten - doch leider bemerkt nicht jeder Mensch, nach welchen Kriterien er sich dabei selbst bewertet. Folgt er dem Mainstream? Beruf, Erfolg, Status ... Folgt er seiner Religion? Fromm, demütig, ergeben, brav ... Folgt er seinen Freunden? Welchen Kriterien folgt er? Buddha, Jesus, Steiner, Wilber ... Oder bemerkt er, dass er SICH gefolgt ist, die ganze Zeit, den eigenen inneren Impulsen, der eigenen Wesenhaftigkeit, dem eigenen ICH? Was denkt eigentlich ein Mensch über sich, der überhaupt nicht beabsichtigt, "differenzierter und integrierter" die Welt erleben zu wollen, wenn er genau das jeden Tag hören und lesen muss? Was fühlt ein Mensch, der an Schule, Bildung und Akademie nicht sonderlich interessiert ist, aber eine brennende Leidenschaft für Mode, für Sport, für Kunst, für Abenteuer in sich spürt?

 

IBANETIK sagt: "Besser" ist stets das, was du selbst als besser bezeichnest. Du bist nicht hier, um das konstruierte Hohelied der Forscher und Priester anzustimmen und "Differenzierung/Integraion" zu singen. Frage dich einmal selbst: Bist du nicht hier, um bestimmte Erfahrungsbereiche erleben zu können? Und andere nicht? Vielleicht hast du dich mit körperlichen Einschränkungen geboren, vielleicht mit geistigen Spezialfähigkeiten, die bei dir zu Lasten anderer Fähigkeiten gehen, vielleicht ist dieses oder jenes deine tiefere Absicht, der Plan deines einzigartigen Lebens. Doch ganz sicher ist dies nicht der Plan, den andere dir anbieten wollen. Vielleicht wolltest du in diesem Leben die Kraft deiner Emotionen auskosten und hast deinen Intellekt bewusst zurückgestellt - vielleicht aber auch andersherum: Vielleicht wolltest du Erfahrungen machen mit hochgeistiger Aktivität bei gleichzeitiger Vernachlässigung emotionaler Eindrücke? Vielleicht wolltest du als "einfacher" Naturmensch geboren werden und nicht als "zivilisierter" Stadtmensch?

 

Lerne also, was immer du lernen willst. Begreife dein bisheriges Leben als ein selbstgewolltes Schauspiel, als deine selbsterschaffte Realität - denn niemand außer dir erlebt DEINE Realität. Wouww ...!!! Differenziere, wann immer du willst - und differenziere ebenso nicht. Integriere oder integriere nicht - beides ist völlig in Ordnung. Du veränderst dein Ich vor allem auf Basis deiner Erfahrungen und Nicht-Erfahrungen, deiner Absichten, deiner Selbstbilder - und der treibenden Kraft in deinem Herzen. Dies tust du schon immer - tue es nun einfach immer bewusster. Du entwickelst dich nach deinen Maßstäben. Stehe dazu, lass dir nicht einreden, du müsstest dies oder jenes beherrschen, um dich "vertikal" entfalten zu können. Solltest du Lust haben, dein ganzes Leben auf eine Wand zu starren, dann tue dies - du wirst gute Gründe dafür haben.

 

Nur eines bedenke immer: Du lebst niemals allein. Alle deine subjektiven Maßstäbe für deine individuelle Entwicklung wirken hinein in kollektive Räume - wie auch diese auf dich einwirken. Du wirst also auch die Konsequenzen deiner eigenen Maßstäbe spüren (genau deshalb tust du, was du tust), du wirst Applaus erhalten, aber auch Ohrfeigen. Beides ist unvermeidlich. Wenn du ICH-bewusster agierst, wird weder das eine noch das andere dich groß kümmern. Lächelnd wirst du die anderen Akteure betrachten, wirst ihre relative ICH-Unbewusstheit bemerken, und dann wirst du dir folgen, deine eigenen Erzeugnisse wählen, sie bemerken, fühlen und nach außen transportieren.  Und währenddessen wirst du leise flüstern:

 

"ICH bin nicht meine Erzeugnisse. ICH bin die Quelle.

ICH zeige mich in meinen Erzeugnissen.

ICH spiele mit meinen Schöpfungen,

mit meinen inneren Heilungen und Verletzungen und mit meinem Wissen.

Dies tue ICH jetzt hier auf Erden wie ich es schon woanders tat."

 

Der ICH-Ausdruck und die vielen Ich-Identitäten

Das sogenannte "empirische, veränderliche Ich", was ist das eigentlich? Oben sagte ich, dass jeder Ich-Begriff zumeist in der Bedeutung von "Identität" verstanden wird. Ein Mensch hat ein Bild von sich, hat eine eigene Identität, kann sagen, was er positiv ist und negativ nicht ist. Diese Ich-Identität oder dieses Ich-Bild verändert sich (etwa vom Kind zum Teenager zum Erwachsenen usw.) - und nach vielen Forschern soll hier eine Vertikal-Transformation erkennbar sein, die mittels objektiver Kriterien erkannt und dann zu interpersonellen Quervergleichen genutzt werden kann.

 

IBANETIK sagt: "Nein. Diese Veränderungen sind keine Vertikal-Transformationen. Sie folgen keinen überpersonellen Kriterien. Sie erlauben keine Quervergleiche. Die tatsächlichen, empirischen Ich-Veränderungen sind neue Bilder, neue Abbilder, neue Formen oder Ausformungen. Ein neues Ich ist nichts anderes als ein neues Erzeugnis."

 

Wo ein Erzeugnis (das neue Selbstbild) existiert, existiert auch eine erzeugende Quelle. Deshalb unterscheidet IBANETIK zwischen ICH (die Quelle) und Ich (das Erzeugnis). Verändert sich nun eine Ich-Identität, dann deshalb, weil das ICH-Wesen eine neue Identität benötigt oder beabsichtigt. Die neue Identität folgt dabei inneren Impulsen, Absichten, Zwecken, Vorstellungen - und all dies stets im Kontext der jeweiligen Lebensbedingungen. Dies bedeutet: JEDE neue Identität wird vom erzeugenden ICH als eine bessere Identität erkannt - andernfalls würde das ICH diese veränderte Identität gar nicht erzeugen(!). Jedes personale, irdische Ich ist - völlig egal, was es gerade ist - besser als seine Vorgänger (aus der subjektiven Sicht der erzeugenden Quelle heraus).

 

Das ICH tut all dies extrem bewusst und erzeugt im Laufe eines Lebens viele leicht veränderte Ich-Identitäten (und manchmal auch drastischere Ich-Wechsel). In jedem Ich zeigt sich daher das erzeugende ICH, nicht nur im differenzierenden Ich. Freude steigt aus deinem Wesen auf, wenn du all dies bewusst tust, tiefe Dankbarkeit und kindliche Freude angesichts dieses schöpferischen Geschenks, welches dir von einer noch größeren Quelle gemacht wurde und welches du zugleich bist, ein Geschenk für dich und für andere, voller Liebe, voller Anerkennung, Wert und individueller Kreativität, und dies in allen Dimensionen und für alle Zeiten ...

 

Für IBANETIK ist dieses hier das einzig wirklich gültige Kriterium für Entwicklung:

 

Werde bewusster für dich selbst, für deine erzeugende Kraft.

Werde zu dem ICH-Wesen, welches du wirklich bist ...

 

Und nur du selbst kannst auch feststellen, ob du bewusster FÜR DICH geworden bist oder nicht. Nur du kannst wissen (weil du dies erzeugst), ob dein heutiges Ich besser oder schlechter ist als ein früheres Ich. Nur du. Du kannst dich selbst in die Hölle reden (und es wird dir gelingen) - du kannst dich aber auch in einen selbsterzeugten Himmel reden (was ebenfalls gelingen wird). Nun wähle, und wähle sehr wach, sehr bewusst und wisse, dass DU ES BIST, der da wählt und sein eigenes Leben erzeugt.