Politik: Das ICH und das Gemeinwohl


"Wer glaubt, IBANETIK fröne dem Egoismus, weil ich oft vom bewussten und erzeugenden ICH rede, den bitte ich, seine eigene erzeugende Perspektive mal zu reinigen und genauer zu lesen. Das aktive und erzeugende ICH ist zutiefst ein Gemeinwohl-ICH, ein soziales ICH, ein Verbund-Wesen, denn in dieser ICH-Bewusstheit pulsiert Liebe, Freiheit und Miteinander. Mein ICH zahlt gerne mehr Steuern zum Wohle aller, nicht weniger. Denn dieses ICH weiß, dass es immer dann auch für das eigene Wohl sorgt, wenn es für das Wohl der Anderen sorgt. Kein erzeugendes und SICH fühlendes ICH-Wesen kann angesichts menschengemachter Armut, Unterdrückung und Pein auch nur eine Sekunde frei von Schmerz und Leid sein, denn dieses gefühlte Leid ist das jederzeit fühlbare Leid derjenigen ICH-Wesen, mit denen wir alle auf ewig verbunden sein werden. Es ist nicht das Leiden an sich selbst, was hier gefühlt wird, sondern das Leiden der Leidenden." (Carsten Rachow)


Teile und liebe.

Ich wurde des Öfteren gebeten, mich doch auch mal politisch zu äußern. Das will ich hier nun gerne tun. IBANETIK, so wurde mir mitgeteilt, wird wohl manchmal missverstanden als eine Botschaft der Egozentrik. Wer das ICH bejaht, der kann nicht spirituell sein, der will doch nur Egoismus und "starke", selbstbewusste Menschen - also genau diejenigen Übeltäter, die für Armut, Ausbeuterei und Menschenverachtung verantwortlich zeichnen.

 

Haben wir denn nicht gelernt, dass man "das Ego" überwinden, loswerden, transzendieren muss, um Gott näher zu kommen? Selbstlosigkeit ist doch das seligmachende Ticket für den Himmel, weiß der Rachow denn das nicht? Wieso soll ich von seiner komischen IBA-Lehre auch nur zwei Absätze lesen, wenn ich doch schon im ersten Absatz den ganzen spirituellen Mist angeboten bekomme, den es doch zu überwinden gilt? Alles, was mit Ich, Ego oder ICH zu tun hat, ist doch schon deshalb des Teufels, weil da vom Ich, vom Selbst oder vom Individuum gesprochen wird. Lohnt sich nicht, weg damit.

 

Nun ja, dann bitte schön. Wer gerne auf seinem selbstlosen, ich-losen Ego-Transzendenz-Tripp bleiben möchte, soll das gerne tun. Genau darin liegt ja das erzeugende Momentum, welches ich bewusster zu machen versuche. Es ist immer ein Ich, ein Selbst oder ein Ego, welches in erzeugender geistiger Weise versucht, SICH selbst loszuwerden (lacht) - und was dabei am Ende herauskommen wird, ist Schmerz, Ohnmacht und Leid.

 

Ich habe nichts gegen Menschen, die ihr Selbst loswerden wollen. Ich habe nichts gegen Menschen, die "selbstlos" agieren wollen. Ich glaube nur keine Sekunde, dass sie genau dies tun oder jemals tun können (lacht). Deshalb frage ich sie: "Wer oder was lässt denn in dir diese Absicht der Selbstlosigkeit entstehen? Wer ist es, der sich selbst vornimmt, nicht mehr anwesend sein zu wollen?" Und mit der Botschaft von der aktiven ICH-Bewusstheit würde ich noch ergänzen: "Bist du dir bewusst, dass DU diese Orientierung an der Selbstlosigkeit erzeugt hast? Falls ja, dann spiele dein egoloses Spiel doch bitte aus dieser erzeugenden Bewusstheit heraus - und sage das auch. Falls nein, falls du dir noch nicht bewusst darüber geworden bist, dass DU deine selbstlosen Absichten erzeugst, überprüfe doch einmal diese Eigenblindheit, diese Unbewusstheit FÜR DICH SELBST. Wen findest du, wenn du innerlich nichts tust und wen findest du, wenn du auch nur einen einzigen Gedanken freisetzt?"

 

Mit IBANETIK behaupte ich nun, dass derjenige, der solche Überprüfungen vornimmt, in beiden Fällen auf SICH SELBST stößt, einmal auf sein ruhendes, inaktives ICH und dann auf sein sich bewegendes, aktives, erzeugendes ICH. Wer nun dieses ICH in sich gefunden hat, der wird im Mitmenschen ein ziemlich ähnliches ICH-Wesen entdecken können. Und, schwupps, schon leuchtet eine verdammt enge Verwandtschaft jenseits aller Geschlechter, aller Hautfarben, aller Ich-Rollen, aller Vermögensanteile und auch jenseits aller religiösen Haltungen auf. Mehr noch: Da alle diese ICH-Wesen erzeugende Wesen sind, gilt auch für alle diese Wesen: "Erzeugnisse sind kleiner als ihre erzeugende Quelle." Damit leuchtet eine familiäre Verwandtschaft sogar jenseits aller Gedanken, Impulse, Absichten, Glaubenssätze, Ideologien usw. auf (weil all dies "Erzeugnisse" sind), denn was nun dort als "leuchtend" erkannt werden kann, ist die erzeugende Quelle IM ANDEREN.

 

Eine intensivere, unmittelbarere und engere Verbundenheit IM WESEN ist, wie ich meine, kaum fühlbar, denkbar, vorstellbar. Und deshalb wird für DIESES bewusste ICH auch der Wert von Gemeinschaft, Familie, Verbundenheit, Austausch und Miteinander so ungeheuer wertvoll und bedeutend. Es scheint fast so, also ob DIESES ICH kaum noch einen Unterschied zwischen sich und anderen bemerkt und deshalb sagt: "Wer sich um den Armen kümmert, kümmert sich auch um mich. Wer den anderen verletzt, verletzt auch sich. Wer das Gemeinwohl stärkt, stärkt zugleich sich." Platter formuliert: Wer gerne und freudig Steuern und Abgaben zahlt, zahlt immer auch FÜR SICH - weil er Gemeinwohl nicht mehr trennt vom eigenen Wohl.

 

Es ist dieses ICH, welches ich verkünde. Dieses ICH ist sich seiner erzeugenden Natur extrem bewusst. Dieses ICH ist großherzig und freigiebig, vergisst aber niemals sich selbst. Dieses ICH "teilt und liebt". Es ist ein Gemeinwohl-ICH.    

 

Individualismus-im-Gemeinwohl ist das demokratische Ziel.

Die deutsche Verfassung hat u. a. zum Ziel, die freie Entfaltung der Persönlichkeit zu ermöglichen und sie vor staatlichen Behinderungen weitgehend zu schützen. Diese Demokratie hat Individualismus zum Ziel. Wer heute einen "negativen" Individualismus in Deutschland beklagt, der beklagt, dass die Demokratie bislang erfolgreich war. Seltsam, nicht wahr?

 

Die freie Entfaltung der Persönlichkeit kann jedoch auf zwei grundlegend verschiedene Weisen erfolgen - und hier nun kommt IBANETIK ins Spiel: Diese Entfaltung kann "bewusst" oder "unbewusst" geschehen. Was ich hier so holzschnittartig als starken Kontrast formuliere, spielt sich in Wahrheit natürlich in tausend Graduierungen zunehmender Bewusstheit ab. Doch Bewusstheit wofür, worüber? Was meine ich, wenn ich sage, dieser agiert bewusster als jener?

Das Kriterium lautet: ICH-Bewusstheit. Genauer: erzeugende ICH-Bewusstheit. Ich frage also, ob diejenige Person, die sich da gerne frei entfalten möchte (und soll) in dieser demokratischen Gesellschaft, sich darüber bewusst ist, dass sie diese Entfaltung IN ERZEUGENDER WEISE erlebt und erfährt? Entfaltet sich diese Person in der Bewusstheit: "ICH bin es, die meine vielen Ichs erzeugt" oder entfaltet sie sich eher in der Bewusstheit "Die Welt macht mit mir dieses und jenes ...". Das eine nenne ich eine ich-bewusstere Haltung als das andere.

 

Kinder agieren erkennbar ich-unbewusster. Ihnen ist noch nicht klar, dass SIE ES SIND, die ihre Gedanken und Gefühle erzeugen. Später agieren sie bewusster, weil sie SICH bereits als ein agierendes Zentrum erkannt haben (in der Pubertät meldet sich dieses aktive ICH dann sehr kräftig). Diese zunehmende Bewusstheit kann sich weiter entfalten bis hin zu dem, was ich hier ICH-Bewusstheit nenne. Und in einer Gesellschaft solcher ICHs würden wir viel öfter solche Sätze hören:

"ICH bin es, der innerhalb von Bedingungen erzeugend agiert. Verbessern sich die Bedingungen für mein Agieren, verbessern sich zugleich meine Möglichkeiten, mich weiter zu entfalten." Platter formuliert: Ich kann mich kaum entfalten, weil ich dauernd Geld verdienen muss. Ich kann mich kaum entfalten, weil ich Angst vor Entlassung habe. Ich kann mich kaum entfalten, weil ich meine Miete kaum bezahlen kann usw. usf. Warum also ändern wir diese Bedingungen nicht so, dass ich mich besser und freier entfalten kann?

 

Und "diese Bedingungen", das sind dann diejenigen "Erzeugnisse", die wir alle kollektiv erzeugend und lebendig halten. Momentan halten wir lebendig, dass wenige sehr reich und viele sehr arm sind. Wir halten lebendig, dass wenige ohne Angst und Sorge, viele aber dauernd in Angst und Sorge leben. Wir halten lebendig, das einige sich wohl fühlen, viele aber nicht. Mit anderen Worten: Wir fördern nicht das Gemeinwohl, wir fördern diejenigen, die sich auf Kosten des Gemeinwohls durchsetzen und behaupten können.

 

Ich habe darauf keinen Bock. Wir haben weltweit ausreichend Ressourcen an Geld, Lebensmitteln und Know-How, um allen deutlich mehr zu geben: mehr Freude, mehr Freiheit, mehr Lebenslust, mehr Gemeinschaft, mehr Hilfe und Anerkennung. Wir tun dies nicht, weil zu viele Menschen "unbewusst" agieren, also ihre erzeugende Natur nicht erkannt haben. Deshalb haben sie auch nicht die Familie der Wesen erkannt, unsere gemeinsame Abstammung. Deshalb erzeugen sie Rechtfertigungen und Grenzen und Abstufungen - ohne genau diese erzeugenden Akte offenzulegen.

 

In meiner Welt würde ich liebend gerne 2 Mio. EURO pro Jahr verdienen - und mich darauf freuen, davon 1,8 Mio. EURO an alle abgeben zu dürfen. Für diese Gemeinschaft der erzeugenden Wesen gälte nur eine einzige Bedingung: "Sei aktiv zum Wohle aller. Mache irgendetwas, was auch anderen nützt. Tust du das nicht, verweigerst du dich, treten wir dich solange in deinen Arsch, bist du es tust". (grins)

 

Ihr wisst, was ich meine, nicht wahr? "Teile und liebe" - werde ICH-bewusster. Es sind die Unbewussteren, die Macht haben wollen über andere, die nicht teilen wollen, die Steuern hinterziehen, die Rangfolgen des Wertes aufstellen und sich höher bewerten als andere. Diese UNBEWUSSTHEIT ist es, die ich abstellen will.

 

Und dazu braucht es keine selbstlosen Egos, sondern voll bewusste ICH-Wesen. Liebe ohne ICH ist keine Liebe ...