Kommentare: zur "Wahrheit"


Kurz, knackig, voller Bewertungen ... hach, welche Freude!

Manches in dieser Welt ist mir einfach zu unbewusst, zu "eng" in seinem Ausdruck und nicht "es" juckt mich dann, meinen ergänzenden Kommentar hinzufügen zu wollen, sondern ich bin es, der mich selbst juckt.

Hier also nun meine Kommentare zu einzelnen Aspekten dieser Welt, spontan gewählt, manche Anlässe sehr aktuell, manche sehr weit zurückliegend - doch alle nicht weit genug gedacht, wie mir scheint, und daher ergänzungsbedürftig. Viel Vergnügen ...


"Wahrheit existiert stets kontextual.

Wahrheit kann deshalb mal dieses und mal jenes sein,

doch niemals kann sie ohne Kontext sein.

Ohne Kontext gäbe es nirgendwo Wahrheit."

 

Schon hier sollten Sie denken können: "Ah, lieber Carsten, dann gilt dies aber auch für deine Sätze oder Wahrheiten, die du gerade geschrieben hast. Dann sind ja auch deine Sätze nicht wahr, sondern lediglich kontextuell wahr." - Richtig. Doch dieses "lediglich" könnte sich herausstellen als eine sehr, sehr hilfreiche Erkenntnis und sich vielleicht verwandeln in ein "glücklicherweise" ... 

 

Nun ja, ich wage nun zu sagen, dass es viele geistige und materielle Kontexte gibt, die ein Mensch in sich und außerhalb von sich bemerken kann. Doch bemerkt er auch SICH SELBST als einen solchen Kontext? Wenn nicht, wird er im Außen nach "wahrer Wahrheit" suchen - und niemals fündig werden. Wenn doch, wird er Wahrheit als ein Konstrukt oder - wie IBANETIK sagt - als ein "Erzeugnis" erkennen: ein geistig-seelisches Erzeugnis RELATIV zu derjenigen Quelle oder Wesenheit, die es erzeugt. Dies genau bedeutet es, wenn man SICH SELBST als eine Bedingung, eine Begrenzung, einen Kontext erkannt hat: "ICH bin es, der meine Wahrheiten erzeugt." Sofort erkennt man dann: "Alle anderen tun dies ebenso" - weshalb wir dann kollektiv ein sehr lebendiges Spiel spielen: Kontextbedingte Wahrheiten sind immer selbstbedingte Wahrheiten, sie berühren einander, verschmelzen und bereichern sich - oder bekämpfen sich bis aufs Blut. Beides geschieht - und nur eines von beiden würde noch geschehen, hätte der Mensch SICH SELBST erkannt als erzeugende Quelle, als innere Bedingung, Voraussetzung und Möglichkeit für geistige Erzeugnisse, die dann nicht mehr als "absolute" oder "objektive" oder "richtige" oder "höchste" oder "göttliche" Wahrheiten daherkommen würden, sondern lächelnd angeboten würden als Erzeugnisse, als eigene Konstruktionen, als kontextuale Werte, relative Wahrheiten, aktive ICH-Ausdrucke - und all dies, ohne andere Menschen herabzuwürdigen bei ihren redlichen Versuchen, sich selbst und ihr irdisches Leben zu meistern.

 

Wir alle könnten dann befreiter mit uns selbst umgehen, könnten befreiter miteinander kooperieren, bräuchten nicht mehr das machtvolle Diktat unterdrückender "Wahrheiten" fürchten, die den einen größer und strahlender erscheinen lassen wollen und den anderen kleiner und mickriger. Deshalb hier und jetzt die Pointe aller Pointen:

Auch dieser Text, auch meine Empfehlung hin zu mehr erkennender Selbstbewusstheit, ist eine kontextual erzeugte Wahrheit, eine subjektive Konstruktion - und ein jeder ist vollkommen frei, damit zu machen, was ihm beliebt. Weil ich genau dies wünsche, tue ich mir nicht weh, wenn jemand meinen Tipp ablehnt oder seine "Wahrheit" kämpferisch dagegenstellt. Im Gegenteil: Exakt das ist ja, worauf ich aufmerksam mache. Der Unterschied ist nur: Ich wäre mir bewusst über dieses Spiel - mein Gegenüber nicht. Deshalb sage ich ja immer wieder: "Bewusstheit ist wichtiger als Wahrheit" oder, anders formuliert: "Erzeugung geht vor Wahrheit".

 

Für mein in diesem Punkt unbewusster agierendes Gegenüber wäre seine Wahrheit bitterer Ernst, höchstes Heiligtum, sie würde außerhalb von ihm selbst "universell" existieren und müsste daher gegen solche komischen Tipps wie die von mir energisch verteidigt werden. Oft tun dies insbesondere diejenigen Menschen, die sich selbst im Namen von "Liebe und Mitgefühl" ein schöneres Gewand verleihen wollen, weil sie irrtümlich glauben, sie selbst verkörperten "Liebe und Mitgefühl" - natürlich nicht ihre persönliche Variante davon, sondern die vermutlich höchste, reine, göttliche Version. Tja, und dann tut sie sehr weh, diese Welt, nicht wahr? Dann ist da immer dieses innere Leiden und Weinen, und noch so viel selbsterzeugtes Hohepriestertum wird das nicht beenden können ...

 

Also: Let's play ...


Beziehungen, Ehe, Freundschaften und das Single-Dasein

Wenn jemand zu dir sagt: "Die Ehe ist die richtige Lebensform", solltest du hellhörig werden. Dies auch, wenn du hörst: "Das Single-Leben ist das beste Leben." Warum? Nun, weil beide Redner ihr erzeugendes ICH verstecken (also relativ unbewusst agieren). Was sie verschweigen (weil sie es noch nicht erkannt haben auf ihrer verzweifelten Suche nach dem "Richtigen"), ist dies hier: "Ich habe in mir die Vorstellung erzeugt, dass die Ehe für mich die beste Lebensform ist." Und, welch' Freudenfest, sofort blitzt Weite und Freiheit auf, nicht wahr? Kirchen sprechen so nicht, Besserwisser und unbewusste Unterdrücker, die "das Richtige" predigen wollen, auch nicht. Denn jetzt würde ja offenbar werden, dass auch Lebensformen "Erzeugnisse" sind, aus guten Gründen gewählt, doch eben Erzeugnisse, Vorstellungen, Konstruktionen.


Spirituelle Lehrer, Bewusstheit und das höchste Gebot ...

Wenn ich du wäre, ich würde niemals mir folgen (lacht). Wenn ich du wäre, würde ich mich fragen, wie oft ich eigentlich mir folge. Wenn ich du wäre, würde ich nicht Buddha, Jesus, Wilber oder anderen Lehrern folgen, sondern diese nur nutzen, um mir selbst zu folgen. Tja, und dann, eines schönen Tages, würde ich - wenn ich du wäre - nicht mehr sagen: "Dieser oder jener hat gesagt ...", sondern würde sagen: "Ich sage ..."

Wozu das Spiel spielen, was andere schon gespielt haben? Wozu? Bist du nicht hier, um dein eigenes Spiel zu spielen? Übrigens, dein Spiel könnte lauten: "Ich will höchste Selbstlosigkeit demonstrieren, niemals an mich, immer aber an andere denken, nur für diese da sein, mitfühlend, helfend, liebend ..." Wessen Spiel folgst du dann? Siehst du schon, wie unmöglich es ist, dass eigene erzeugende ICH verstecken zu wollen?


Meinungsfreiheit: Böhmermann, Charlie Hebdo, Erdogan und andere ...

Was meinen wir, wenn wir "Meinungsfreiheit" sagen? Wir können abstrakt über das Recht sprechen, dann aber sprechen wir nicht über uns, sondern über das abstrakte Recht. Sprechen wir jedoch in Ich-Sprache über uns, dann wird aus der Diskussion um Meinungsfreiheit in etwa Folgendes: "Ich will frei sein, alles sagen zu dürfen. Und du darfst mir das nicht verbieten."

Immer wieder wird um diese "Freiheit" gerungen. Worum nicht gerungen wird, ist das, was die wahren Probleme verursacht: Verletzung. In Ich-Sprache: "Ich will frei sein, dir alles sagen zu dürfen, auch dann, wenn es dich verletzt. Und du darfst mir das nicht verbieten." Jetzt wird aus der Diskussion um das abstrakte Recht plötzlich eine Diskussion darüber, ob ich dich verletzen darf - im Namen der Meinungsfreiheit. Mehr noch: Auch darüber, ob du die Freiheit besitzt, dich gegen eine Verletzung wehren zu dürfen. Und erst jetzt sind wir beim eigentlichen Punkt: Was hier zur Debatte steht, ist meine Freiheit, dich verletzen zu dürfen gegen deine Freiheit, dich dagegen wehren zu wollen - und umgekehrt.

 

Ich finde, wir sollten aufhören, uns zu verletzen. Wir sollten "über dem Recht" stehen und selbst dann, wenn wir dies rechtlich geschützt könnten, auf Verletzungen verzichten. Satire soll pointieren, überzeichnen, herausheben, karikieren - doch warum auf verletzende Weise? Das immer wieder gerne vorgebrachte Argument lautet: "... zu einem guten Zweck". Der Schmerz soll dem Getroffenen helfen, seine Position zu überdenken. Satire will Gutes. - Okay, doch darf sie verletzen, um Gutes zu bewirken? Gibt es nicht andere, bessere Wege? Ja, die gibt es und ich will diese anderen Wege fördern: Dialog, zuhören, Verständnis, Miteinander. Ohne Schmerzen, ohne Unterstellungen, ohne Ungerechtigkeiten, ohne Verletzungen ...


Postfaktischer Nonsens

"Postfaktisch", so heißt es, soll bedeuten "einer gefühlten, emotionalen Wahrheit folgend" - statt den Fakten. Doch dann hätte es sprachlich korrekt nicht "post-faktisch", sondern "prä-faktisch" heißen müssen. Denn mit dem Präfix (dt.: Vorsilbe) "post" ist gemeint "nach, hinter" und ergo würde postfaktisch bedeuten: "nach den Fakten". Also nach der Kenntnisnahme von Fakten - doch gemeint ist was anderes, nämlich die Befolgung einer rein subjektiven Wahrheit, innerlich gefühlt, Achtung: ohne Würdigung von Fakten, mithin "vor den Fakten". Das korrekte Präfix wäre dann aber die Vorsilbe "prä-" und es müsste heißen: präfaktisch.

 

Ein falsches Wort benutzen für das, was gemeint ist - das ist die Verdoppelung des Witzes, nicht wahr? Ich benutze "postfaktisch", meine aber "präfaktisch", sage das aber nicht und insofern ist die Benutzung des falschen Wortes der allerfeinste Beleg für die eigentliche Bedeutung: ohne Kenntnis von Fakten durch die Welt laufen, nur seiner gefühlten Wahrheit folgend, seinen aufwallenden Gefühlen. Clever gemacht, in der Tat ...

 

Doch wenn da ein Baum steht, steht da ein Baum - auch dann, wenn meine Gefühle mir sagen, dass dort keiner steht. Wer so agiert, agiert präfaktisch. Wer aber den Baum anerkennt, und dann seine Gefühle hinzufügt und etwa sagt: "Scheißbaum. Muss weg ...", der agiert post-faktisch, nach Würdigung der Fakten, hier: des Baumes.

 

Ich empfehle, nie prä-faktisch leben zu wollen. Könnte zu Kopfschmerzen führen ...


Erzeugung, Urteile und Bewertungen

Viele Menschen neigen zu einer Haltung und zu einer Sprache, die von ihnen selbst als "nicht-urteilend", als "nicht-bewertend" bezeichnet wird. Was sie verschweigen, ist ihr eigenes ethisches Urteil: Sie finden diese "wertfreie" Haltung besser als eine wertende, urteilende Haltung. Deshalb empfehlen sie ihre Haltung - oft religiös oder spirituell begründet - auch anderen Menschen. Seltsam, nicht wahr? Können Sie den inneren Irrtum schon sehen?

 

Da bewertet jemand, dieses sei besser als jenes - und verkündet, nicht bewerten zu wollen. Da urteilt jemand innerlich - und verkündet, nicht zu urteilen sei die bessere Haltung. Ich könnte also sagen: Da belügt jemand sich und seine Zuhörer! Doch dies ginge zu weit. Für eine Lüge müsste ich um die Wahrheit wissen - und dann bewusst das Gegenteil behaupten. Dies liegt hier nicht vor. Was hier vorliegt, ist Unbewusstheit über die eigene erzeugende Aktivität.

 

Mit IBANETIK, der Botschaft vom erzeugenden ICH, will ich ein wenig helfen, diese unbewussten innerlichen Prozesse (und noch viele andere mehr) besser erkennen und anerkennen zu können. Wer sich voll bewusst darüber ist, dass er geistig erzeugt, geistig-seelisch bewertet, in jeder Sekunde urteilt, der wird all dies nie mehr leugnen und anderen Menschen anempfehlen wollen. Statt dessen wird er versuchen, noch bewusster zu urteilen, zu bewerten, zu erzeugen. Und all dies mit dem wichtigsten aller spirituellen Zauberwörter im eigenen Gefühl: "ICH".  Wäre dieses ICH (also du) ohne Wert, wäre es selbst vollkommen "wertfrei", wie könnte es dann werten und bewerten?  Wie könnte es fühlen, wäre es "gefühlsfrei"?

 

Nun, ich glaube, du bist VOLLER WERT und VOLLER GEFÜHL. Deshalb könnte es eine gute Idee sein, wenn du dich selbst nicht mehr leugnen würdest durch deine unbewussten Versuche, wertfrei und urteilsfrei leben zu wollen. Denn dann lebst du DICH nicht. Übe dich also: Urteile. Bewerte. Werde aufrichtig. Zeige dich. Und höre dich innerlich immer flüstern: "ICH. Ich bin aktiv. Ich erzeuge jetzt. Ich schöpfe aus mir. Ich lebe. Ich bin da. Und wie ich da bin ..."


Das Wir hat kein eigenes Ich ...

... und weil das so ist (ein Faktum), hat auch eine Gruppe kein eigenes Ich-Zentrum. Wer sich also einer Gruppe anschließen möchte (oder ihr bereits zugehört), der sollte sich bewusster anschauen, wem er sich da eigentlich angeschlossen hat. Ein Wir hat kein agentisches Zentrum, keine Eigenkraft, sondern existiert stets nur als Beziehungsgefüge. Das Wir ist flüchtig, es verändert sich dauernd, es ist ein Erzeugnis. Jede Gruppe ist ein Erzeugnis.

 

Doch innerhalb einer Gruppe existieren erzeugende Quellen, also ICHs. Und denen schließt man sich an (oder auch nicht). Drum achte genau darauf, welches "Wir" du so wichtig findest. Es könnte sein, dass du gar kein Wir wichtig findest, sondern ein oder zwei erzeugende ICH-Wesen. Wenn du Pech hast, halten diese sich für "Hirten". Nun rate, wer du dann wohl bist aus deren Sicht?


Wer "bedingungslose" Liebe leben will, vergrößert sein Leiden.

Gott bewahre mich vor den bedingungslos Liebenden. Besser: Ich bewahre mich selbst vor diesen leidenden Seelen. Alle menschliche Liebe kann niemals anders sein als "bedingt", denn die Bedingung für des Menschen Liebesfähigkeit ist eben dieser Mensch. Alle göttliche Liebe kann ebenfalls nicht "unbedingt" sein, denn die Bedingung für diese LIEBE ist natürlich die unfassbare Gottheit selbst. Keine Gottheit, keine LIEBE - kein Mensch, keine Liebe.

 

Der innere Schmerz muss sehr groß sein, wenn nur noch der gefühlte Wunsch nach einer grotesk idealisierten und überhöhten "bedingungslosen" Liebe die ersehnte Linderung und Kühlung verschaffen kann. Beides wird nicht eintreten, im Gegenteil: Nun ist der innere Maßstab ein unerreichbares Ideal und alle wahrgenommenen Abweichungen vom Ideal vergrößern nur noch den eigenen Schmerz - also praktisch jede Wahrnehmung, denn wer oder was kann schon "bedingungslose Liebe" leben? Niemand.

 

Auch hier liegt wieder Unbewusstheit für die eigene ICH-Aktivität vor: Wer diese unerreichbare Liebe wünscht, ist blind für seine eigene geistig-seelische Erzeugung. Das Leiden ist unbewusst selbsterzeugt. Es kann nur geheilt werden mit zunehmender Bewusstheit FÜR DAS EIGENE TUN. Dann kann das Ideal sich allmählich ausruhen und der Mensch dahinter auftauchen ...