Der erzeugte Glaube an Christus


 "Der individuelle Glaube an dieses oder jenes ist eine sehr starke geistige Kraft.

Wie stark muss dann diejenige geistige Quelle sein, die fähig ist,

diesen Glauben zu erzeugen?"

(Carsten Rachow)


Die fremde Stadt

Ein Reisender kommt in eine fremde Stadt. Kaum angekommen, wird er von einem Unbekannten freundlich begrüßt: "Ich möchte dir unsere Stadt zeigen, unsere Gewohnheiten und Regeln, damit du dich hier bei uns schnell wohlfühlst. Komm ..." Der Reisende nimmt dankbar an und schon nach kurzer Zeit verliert die neue Umgebung ihre Fremdheit und er beginnt, sich heimisch zu fühlen. Ist der unbekannte Stadtführer nun ein "höheres" Wesen? Oder ist er einfach ein Wesen, welches sich in dieser Stadt, in dieser Umgebung, in dieser Kultur besser auskennt?

 

Aus Dankbarkeit lädt der Reisende nun den Stadtführer in seine Stadt ein: "Wenn du eines Tages zu uns kommen möchtest, werde ich da sein und dich einführen." Wird nun unser Reisende zu einem "höheren" Wesen, wenn er einen Fremden freundlich begleitet?

 

Eines Tages wirst du deinen Körper und die irdische Welt verlassen. Wirst du dann "höheren" Wesen begegnen - oder Wesen, die sich "dort", wo du nun bist, einfach besser auskennen als du? Oder wirst du das "höhere" Wesen sein, weil du berichten kannst aus einem Land, in dem deine geistigen Gegenüber noch nie gewesen sind?

 

Glaube ist ein individuelles geistiges Erzeugnis.

Natürlich ist hier niemand "höher" oder "niedriger" als ein anderer. Es sei denn, wir glauben fest an solche Geschichten. Was tun wir eigentlich, wenn wir glauben? Erzeugen wir dann geistiges Zeugs (lacht)? Und bemerken wir vielleicht genau diesen Akt nicht so richtig?

 

Nun ja, nehmen wir einmal an, unser Reisender wäre ein erzeugendes Wesen und würde - ohne genau dies zu erkennen - fest daran glauben, dass diese fremde Stadt, in die er da gegangen ist, eine Stadt des Teufels ist? Was wird er dann wohl wahrnehmen und fühlen und erleben, solange er fest an diesen Vorstellungen haftet? Er könnte aber auch glauben, diese Stadt sei der Himmel auf Erden - und er endlich am Ziel seiner Träume. Würde er dann andere Wahrnehmungen haben, andere Gefühle, andere Energien bemerken, andere Verhaltensweisen zeigen? Allgemeiner formuliert: Würde er immer auch dasjenige im Außen sehen, was er zuvor innerlich erzeugte, woran er mehr oder weniger fest glaubte? Würde er seinen Glauben "sehen", seine eigenen Erzeugnisse?

 

Wer fähig ist, einen starken Glauben zu erzeugen, sollte sich einmal fragen, wer denn die erzeugende Quelle dieses Glaubens ist - und wenn der eigene Glaube tatsächlich mit bestimmten Wirkungen einhergeht, dann vielleicht auch ein wenig staunen über die erstaunliche Kraft dieser erzeugenden Quelle, nicht wahr?!

 

Nun, Buddha glaubte, Jesus glaubte, Steiner glaubte, Wilber glaubt - alle geistigen Wesen glauben an dieses oder jenes. Denn alle geistigen Wesen sind erzeugende Wesen. 2000 Jahre lang glaubten viele Menschen ("Christen") an ein anderes erzeugendes Wesen, an Joshua ben Joseph aus Nazareth. Erzeugende Wesen glaubten an die Erzeugnisse eines anderen erzeugenden Wesens - lustig, nicht wahr? Warum glaubten sie nicht an SICH, an die erzeugende Quelle?

 

Offenbar bemerkte niemand, wer die erzeugende Quelle dieses Glaubens gewesen ist. Offenbar bemerkte niemand, dass "Glaube" ein geistiges Erzeugnis ist, ein subjektives Konstrukt, eine sehr wirkmächtige Kraft, entspringend aus dem erzeugenden Herzen des eigenen Wesens. Und offenbar bemerkte daher auch niemand, das Kraft nicht aus Schwäche entspringen kann, sondern nur aus Kraft. Offenbar bemerkte niemand, dass "Erzeugnisse" (der Glaube) nicht größer, stärker oder wirkmächtiger sein können als diejenige Quelle, die diese Kraft freisetzt. Mit anderen Worten: Alle Glaubenden bemerkten IHRE EIGENE KRAFT nicht - sie übertrugen sie statt dessen auf andere Wesen, hier: auf Jesus.

 

Erzeugnisse werden in Gott lebendig.

Wenn du deinen Körper verlassen haben wirst, kann es sein, dass Jesus dir begegnet - doch wie die fremde Stadt, die dir begegnet, dir zunächst als deine Konstruktion begegnet, so wird auch deine Begegnung mit Jesus das Ergebnis deiner erzeugenden Kräfte sein. Der Kosmos außerhalb der irdischen Bedingungen und Einschränkungen ist dermaßen "lebendig", dass er dir ohne jede Verzögerung deine eigenen Gedanken, Wünsche und Gefühle spiegelt und sie dir vor Augen führt, erleben lässt - aus Liebe! Gleichzeitig werden dich kenntnisreiche "Stadtführer" empfangen und dir allmählich die Augen öffnen für deine neue Umgebung - und damit für dich selbst, für die von dir erzeugten Phänomene. In Nahtoderfahrungen berichten gläubige Buddhisten nie, dass sie Jesus, Maria oder einem Erzengel begegnet wären und gläubige Christen begegnen nie Buddha oder den buddhistischen Devas. Seltsam, nicht wahr? Doch sobald wir beginnen, unsere erzeugende Natur bewusster zu erkennen, können diese vom eigenen Glauben mit-konstruierten Phänomene mühelos erklärt werden ...

 

Noch einmal gefragt: Sind nun diese kenntnisreicheren geistigen Stadtführer "höhere Wesen" - und du relativ zu ihnen ein kleiner Wurm? Achte auf deinen Glauben: Falls du das glaubst, wirst du anfänglich genau dies erleben. Doch du wirst auch erleben, wie sehr dich andere geistige Wesen bewundern und wie neugierig sie auf deine Erfahrungen sind, denn du warst schon dort, wo sie vielleicht noch nie gewesen sind: Du warst schon in einem speziellen Universum von Materie, Raum und Zeit, du hast DICH (und all die anderen) dort schon erfahren innerhalb eines lebendigen Körpers, du kannst berichten, welche große Kraft starke, selbsterzeugte Gefühle haben, was es heißt, Verletzungen zu spüren und welche üblen Folgen es hat, wenn geistige Wesen einigermaßen unbewusst für ihr eigenes erzeugendes Wesen agieren.

 

Du also wirst es sein, der - nach einer gewissen Eingewöhnungsphase - die erlebten Eindrücke und Erfahrungen teilen wird durch deine aufrichtige Weitergabe an diejenigen Wesen, die noch nicht hier waren. Du wirst - weil deine individuelle Bewusstheit aufs Engste verbunden ist mit allen Formen von Bewusstheit - mit deinem individuellen Sein damit zugleich den ganzen bewussten Kósmos befruchten, bereichern, verändern. Wirst nun du ein "höheres" Wesen sein für all die anderen?

 

Wer zu SICH und damit zu Gott finden möchte, sollte sich nicht von seinem Glauben lösen, sondern ihn vielmehr als selbsterzeugte Kraft erkennen - und SICH SELBST als diejenige Quelle, die dazu fähig ist. Befreie dich einfach selbst von der konstruierten Idee, dein erzeugter Glaube könne "die Wahrheit" sein - und erkenne, dass diejenige Quelle, die diesen Glauben erzeugen kann, viel wahrer ist als ihre jeweiligen Erzeugnisse. Dann fange an, an dich und deine erzeugenden Fähigkeiten zu glauben, lerne, behutsamer und bewusster damit umzugehen, erkenne, wie sie sich manifestieren in dieser Welt, zeitverzögert und abgeschwächt durch die hier herrschenden Bedingungen.

 

Individuell und gemeinsam erschaffen wir relative Wirklichkeiten.

"Die hier herrschenden Bedingungen" - selbst diese wurden erschaffen, dienen einem höheren Zweck, sind keine objektiven Wahrheiten unabhängig von dir, unabhängig von bewussten Agenten. Raum, Zeit und Materie sind Konstrukte des Geistes, sind "lebendige" Erzeugnisse und sind zugleich spezielle BEDINGUNGEN, in denen sich alle Bewusstheit selbst erfährt, alleine und in Gemeinschaft. Diese Bedingungen (in Myriaden Universen existieren Myriaden verschiedener Seins-Bedingungen) wurden, wie ich glaube, nicht von der Gottheit alleine "erdacht", sondern werden von Myriaden bewusster Agenten in einer gigantischen Kooperation erzeugt und von Moment zu Moment lebendig gehalten. Das Universum wird JETZT erschaffen und JETZT und JETZT ...

 

Außerhalb der hier herrschenden Bedingungen werden viele von uns nicht sofort erkennen können, wie sie selbst die Mit-Schöpfer derjenigen Umgebungen und Erfahrungen sind, die sie dann erleben werden. "Umgebung" sollte jedoch außerhalb der hiesigen Raum-Bedingungen nicht verstanden werden als etwas, was räumlich "außerhalb" des eigenen Wesens liegt, sondern als etwas, was eher "innerhalb" der eigenen Bewusstheit stattfindet, dort aber klar und deutlich als etwas Anderes, etwas Nicht-Eigenes erkannt wird. Viele sehr interessante Nahtodberichte berichten davon und meine eigenen außerkörperlichen Erfahrungen ähneln diesen Berichten sehr.

 

Das unzerstörbare Geschenk Gottes an dich und an alle bewussten Einheiten ist: Schöpferkraft! Gott hat SICH weitergegeben, und deshalb bist auch DU eine erzeugende Kraft. Dein von dir erzeugter Glaube kündet bereits davon.

 

Bewusstheit ist stets gleichwertig - und agiert bedingt.

Niemals war je ein "höheres" Wesen auf diesem Planeten (es sei denn, du glaubst dies) - immer aber erzeugende Wesen, die in speziellen Bedingungen agierten, Erfahrungen machten und SICH zeigten. Und niemals wirst du einem "höheren" Wesen begegnen, wenn du eines Tages diese irdischen Bedingungen wieder verlässt - es sei denn, dein eigener Glaube bewirkt eine solche Schöpfung. Dies zu lernen, bist du hier. Gott ist dir näher als dein eigenes erzeugendes Wesen und aus der liebenden Sicht Gottes bist du SCHON JETZT nicht weiter entfernt oder näher dran an dieser Liebe als irgendeine andere Form von Bewusstheit - es sei denn, du selbst erzeugst eine solche Vorstellung. Was glaubst du eigentlich, WO du jetzt erzeugst, wenn nicht INNERHALB der Gottheit?

 

Merke: Jede Form von Bewusstheit ist wissend, ist zugleich selbstbemerkend, ist Teil einer göttlichen Einheit, ist wesenhaft liebend und wird geliebt, ist passiv wahrnehmend und aktiv erzeugend. Bewusstheit ist immer und überall gleichwertig und gleichfähig - doch wenn sie sich individualisiert in bestimmten Formen zeigt (Atome, Moleküle, Zellen, Steine, Pflanzen, Tiere, Menschen), dann limitiert die gewählte Form nicht die Natur oder das Wesen dieser wahrnehmenden und erzeugenden Bewusstheit, sondern lediglich ihre anwendbaren Fähigkeiten. "Form" ist bereits BEDINGUNG - und wenn eine bestimmte Form von Bewusstheit (ein Atom, ein Tier, ein Mensch) agiert in speziellen Seinsbedingungen oder Universen, dann agiert eine BEDINGTE Bewusstheit in limitierenden BEDINGUNGEN - und dann werden alle Äußerungen einer solchen Bewusstheit zu Äußerungen, die stets partiell sein werden, stets subjektiv erzeugt sein werden und stets relativ zur eigenen Bedingtheit entstehen. So war es bei Buddha, bei Jesus, bei allen Menschen und so wird es, fürchte ich, noch eine ganze Weile bleiben (lacht) ...  

 

Doch statt "limitiert" könnte ich auch sagen: "spezialisiert" - und damit würde deutlicher, dass JEDE Form von Bewusstheit zugleich Teil einer größeren Ordnung, eines wahrhaft göttlichen Zwecks ist und teilnimmt an einer gigantischen Schöpfung, in der JEDE Form in jeder Bedingung exakt "passend" ist, richtig und angemessen, wertvoll und in ihrer jeweiligen Form einzigartig (selbst Atome sind einzigartig, denn sie unterscheiden sich durch ihre Position im Raum).

 

Das Innere der Dinge ist daher nicht Tiefe oder Bewusstheit in einer "gestuften" Ausprägung, mit einem "niederem" Bewusstsein in der Amöbe und einem "höherem" Bewusstsein im Menschen, sondern ist eine gottgewollte individualisierte Bewusstheit, die überall gleichwertig und potenziell gleichfähig agiert und sich in Myriaden von erzeugten Formen in immer wieder anderen Bedingungen manifestiert. Formen und Bedingungen spezialisieren individuelles Bewusstsein, sie machen es nicht höherwertiger. Verändert sich die Form (die "Bedingung"), verändert sich NICHT das fundamentale Wesen des individualisierten Bewusstseins (seine ihm innewohnenden Fähigkeiten bleiben unverändert und stets so, wie sie göttlich gewollt waren), sondern verändern sich lediglich die Möglichkeiten (oder Bedingungen) seines schöpferischen Seins, seines kreativen Selbstausdruckes und seiner Eingebundenheit in das unfassbare Wesen Gottes.

 

Nicht eine einzige neue Fähigkeit wird daher deiner ICH-Bewusstheit hinzugefügt werden, wenn du deinen Körper verlassen haben wirst - allein die begrenzende Körperform und die spezialisierenden Seinsbedingungen werden andere sein und dann wirst du DICH SELBST neu erfahren, intensiver, klarer, wahrnehmender und natürlich auch erzeugender. Doch all diese Fähigkeiten besitzt du schon jetzt, nicht wahr? Schon jetzt bist du manchmal "hellsichtig", manchmal "vorauswissend", manchmal intuitiv und sehr spontan agierend, manchmal vor Glück weinend, liebend und Geborgenheit fühlend. Nichts kommt neu hinzu, was nicht schon jetzt zu dir gehört, nur deine Form ändert sich und die Bedingungen für dein Sein.

 

Ist denn ein kleines Kind weniger wertvoll, weil es noch kein "integrales Bewusstsein" ausgebildet hat? Ist ein integraler Denker ein Wesen auf einer höheren Stufe des Seins und damit "höher" als ein Neugeborenes? Oder ist er einfach einer, der schon länger in dieser Stadt weilte, und sich hier besser auskennt als das Kleinkind, das gerade eingetroffen ist?

 

Wer liebt, fördert erzeugende Freiheit und verbessert die Bedingungen.

Welche Liebe könnte größer sein als die, die ihre eigenen Schöpfungen in eine eigene erzeugende Freiheit entlässt, ohne Kontrolle, Verbote, Einmischungen? Welches Vertrauen in das Leben, in das Sein, in alles Erschaffene, in dich, könnte größer sein?

 

Ich kenne kein größeres Vertrauen und keine größere Liebe als die, die Gott selbst darstellt und lebt. Aus dieser liebenden, vertrauenden und erschaffenden Freiheit heraus konnte Buddha erzeugen, konnte Jesus erzeugen, und kannst auch du erzeugen. Mach' dich nicht größer als Gott - aber mach' dich auch nicht kleiner als du bist, du Kind Gottes, ausgestattet mit individueller Bewusstheit, mit wahrnehmenden und erzeugenden Fähigkeiten, durchtränkt von deinem liebenden Wesen, deinem fühlenden Herzen, welches dir stets verrät, welche liebende Urquelle JETZT in dir und um dich herum pulsiert und wessen Geschöpf du bist und immer sein wirst.

 

Mit Dank für dein Sein, wo immer du auch bist und wie auch immer du gerade agierst - doch ich erlaube mir, dir zu raten: Tue, was immer du auch tust, aus der Bewusstheit heraus, dass DU es tust, denn DU erzeugst, was du tust. So war es bei Buddha, bei Jesus, und so wird es immer sein ...

 

Und was immer du auch tun willst mit Blick auf die anderen Wesen in deiner Umgebung, du tust gut daran, wenn du mithilfst, die jeweiligen Bedingungen für IHR erzeugendes Tun zu verbessern. Helfe ihnen, selbstbewusster zu werden, Verantwortung für sich zu übernehmen, an sich zu glauben. Helfe ihnen stets mit ihrer Zustimmung und Erlaubnis. Engagiere dich sozial für die Beseitigung unterdrückender Bedingungen, fördere die Gleichwertigkeit und die erzeugende Freiheit aller Wesen. Und glaube niemals, du selbst seist ein wertloseres oder wertvolleres Wesen als die anderen.

 

Mit Dank.