Über das gelungene Leben


„Was ist ein gelungenes Leben?“ – Diese Frage wurde mir von vielen Menschen gestellt, die mit ihrem Leben eindeutig nicht zufrieden waren. In meinen Antworten versuchte ich gleich zu Beginn deren Blick zu weiten, damit sie in ihrer Bewusstheit nicht bei den üblichen menschlichen Kategorien für ein gelungenes Leben stehen bleiben. Ich diskutierte also nicht, ob ein beruflich oder monetär erfolgreiches Leben ein „gelungenes“ ist oder nicht, ob man religiöse Gebote einhalten solle oder nicht, sondern lenkte die Aufmerksamkeit auf das erzeugende Wesen selbst. Dieses bettete ich dann ein in ein geistig-energetisches „Spektrum von Möglichkeiten“ – und arbeitete nebenbei heraus, wann ich von einem gelungenem Leben reden würde. Der nachfolgende Text ist die Zusammenfassung dieser Gespräche. Viel Vergnügen! (Die Absatzüberschriften habe ich natürlich ergänzt.)


Zwei Hauptdirektiven

„Ganz allgemein sage ich für ein zur Selbstbewusstheit  fähigem Wesen, welches auch noch erschaffend oder erzeugend ist, dass es vermutlich dann von einem gelungenem Leben sprechen wird, wenn es die selbsterzeugten Kriterien erfüllt hat, mithin seiner eigenen Lebensidee oder seinem eigenen Lebensauftrag gefolgt ist. Ich spreche hier also von einer Lebensgestaltung nach der Direktive „Selbsterfüllung nach eigenen Kriterien“.

 

Im Gegensatz dazu existiert bei allen Menschen, die sich ratsuchend an mich wenden und die mit ihrem Leben unzufrieden sind, eine andere Direktive, die ich beschreiben möchte als „Lebensgestaltung nach fremden Kriterien“. Diese Menschen folgen nicht so sehr ihren eigenen Impulsen oder Kriterien für ein gelungenes Leben, sondern versuchen Strömungen und Zielen zu folgen, die sie im Außen vorfinden. Dabei bemerken sie nicht, dass ihr Versuch, „fremden Kriterien“ folgen zu wollen, das Ergebnis ihrer eigenen Entscheidung ist und sie letztendlich damit doch ihren eigenen Überlegungen folgen: Sie machen ja die Kriterien anderer Menschen zu eigenen. In diesem zumeist unbewusst bleibenden Vorgang der Eigenaktivität verbirgt sich das spätere Unwohl, das Leiden am eigenen Leben.

 

Zwei "Spektren von Möglichkeiten"

Ein Leben, welches dagegen der Direktive „Selbsterfüllung nach eigenen Kriterien“ folgt, wird erkennbar starke Strömungen beinhalten, immer auch zum Wohle anderer tätig sein zu wollen. Oder wenigstens: Das eigene Leben möglichst nicht zu Lasten anderer zu leben. Dies ist natürlich unmöglich, denn man wird mit seinen Entscheidungen immer irgendwie gegen die Interessen und Wünsche anderer Menschen operieren (und stabile Kompromisse sind auch nicht immer möglich). Schließlich sind auch andere Menschen erzeugende Wesen, die eigenen Zielen folgen möchten. Die geistig-energetische Aktivität und Lebendigkeit der Umwelt wird also immer ein beachteter Faktor bei der Konstruktion der eigenen Lebenspläne sein; sie wird  nie gänzlich ignoriert werden können. Deshalb meine ich, dass sich die oben angesprochene Lebensgestaltung entlang „eigener Kriterien“ in einem ziemlich weiten Spektrum von Möglichkeiten abspielen kann, welches sich zwischen den Extrempolen „Ich denke nur an mich und mein Wohl“ und „Ich bin nur zum Wohle anderer da“ entfalten wird.

 

Ein weiteres Spektrum an Möglichkeiten für eine gelungene Lebensführung existiert für mich in der geistigen (oder „spirituellen“) Haltung, die wir dem Begriff „Eigenaktivität“ entgegenbringen können. Hier möchte ich die Pole des Möglichkeitsspektrums so benennen: Ein hohes Maß an Eigenaktivität kann durch die Haltung „Ich erzeuge alles, was von mir ausgeht“ bekundet werden – und ein geringes Maß durch die Haltung „Gott (oder das Leben) macht mit mir, ich folge nur“.

 

Das erzeugende Wesen

Wie dem auch sei, ich möchte nun bei beiden Spektren darauf hinweisen, dass ein erzeugendes Wesen am Werke ist (lacht): Sowohl ein Leben nach dem Motto „Ich bin nur für andere da und Gott führt mich“ als auch das andere Extrem „Ich denke nur an mein Wohl und ich erzeuge alles“ (sowie auch alle Mischformen) sind in meinen Augen selbsterzeugte und selbstgewählte Formen. Ich glaube nicht, dass die erzeugende Gottheit irgendeinen „himmlischen Zwang“ kennt und bewusste Wesen gegen ihren Wunsch bestimmte Aufgaben erledigen lässt. Wenn auch wir erzeugende Wesen sind, dann haben wir es vielmehr mit einer ko-kreativen und ko-operativen Verbundenheit zu tun, wo jedes Wesen in enger Abstimmung mit vielen anderen Wesen das eigene Leben gestaltet und koordiniert.

 

Erzeugende Bewusstheit

Für ein gelungenes Leben kommt es also nicht so sehr darauf an, welche Kombination aus beiden Möglichkeitsspektren man wählt, sondern eher darauf, dass man seine Wahl aus einer „erzeugenden Bewusstheit“ heraus trifft. Ob man dann eine mehr egoistische oder selbstlose Lebensweise wählt, ob man mehr eigenen Kriterien oder fremden folgt, ist dann gar nicht mehr das Problem – das Problem ist, ob man erkannt hat, dass man stets und in allen Fällen der oder die Wählende ist. Denn: „Hinter“ den genannten Spektren der Lebensentfaltung existiert ein geistiges Wesen, welches sich selbst als wählend, bewertend, erzeugend und gestaltend bemerken kann. Tut es dies, lebt es aus einer erzeugenden Bewusstheit heraus – tut es dies nicht, aus einer erzeugenden Unbewusstheit.

 

Diejenigen Menschen, die mit ihrem Leben unzufrieden waren, lebten nun alle – ohne jede Ausnahme – aus einer erzeugenden Unbewusstheit heraus. Sie waren gewissermaßen „blind“ für ihre geistig-energetische Eigenaktivität. Sie waren stets auf der Suche nach den „richtigen“ Kriterien, sie glaubten irrtümlich, fremden Zielen gefolgt zu sein, sie fühlten sich „getrieben“, sie schwankten zwischen Egoismus und Selbstlosigkeit und fanden nirgendwo Ruhe, Sicherheit, Halt und Orientierung.

 

Seit wann ich mein Leben als "gelungen" bezeichne ...

Ich nenne mein eigenes Leben (und zwar dieses als „Carsten“) seit dem Zeitpunkt meines Erwachens hin zur erzeugenden Bewusstheit ein gelungenes Leben. Vorher hatte ich oft belastende Gedanken, weil auch ich glaubte, unbekannte Mächte verkorksten mir mein Leben oder ich hätte wichtige Kriterien (die für andere Menschen wichtig sind) nicht angemessen erfüllt. All das hat sich in Luft aufgelöst. Innerhalb der oben beschriebenen „Spektren der Möglichkeiten“ habe ich mich seit meinem Erwachen auch nicht auf eine spezielle Mixtur festgelegt, sondern bevorzuge ein fließendes Gleiten, je nach Lage, Kontext, eigener Stimmung: Mal handele ich eher egoistisch, mal eher „selbstlos“, mal betone ich jenes Kriterium, mal ein anderes. Ich gleite wie flüssiges Wasser durch alle Höhen und Tiefen, durch alle Kontexte, wie ein Geist eben (grins) …

 

Dieses intuitive Surven oder Gleiten geht einher mit einem großen Gefühl von Freiheit, denn ich folge keinem bestimmten Kriterium für ein gelungenes Leben, sondern erlaube allen Varianten ihre intuitive Entfaltung. Die Folge davon ist eine deutlich bemerkbare „innere Fülle“, die sich mittlerweile in eine sehr positive „Sattheit“ verwandelt hat. „Sattheit“ ist für mich daher ebenfalls ein Kriterium für ein gelungenes Leben. Ich fühle, dass ich die Erfahrungen, die ich im eigenen Leben bislang machen durfte, „satt habe“ – ich habe positiv genug davon. Ich bin gerade in einer solchen satten Phase – sie ist das schöne Gegenteil zu dem nagenden Gefühl von innerer „Leere“, welches ich natürlich ebenfalls erfahren habe.

 

Fülle, Sattheit, Freiheit

In meiner „gelungenen Sattheit“ oder inneren Fülle bemerke ich keinerlei Traurigkeit, dafür aber sehr viel Dankbarkeit für dieses Leben, zugleich aber auch eine große Vorfreude auf neue Erfahrungen. Ob ich diese noch hier in meinem Leben als „Carsten“ oder erst in anderen Seinsbedingungen erleben werde, weiß ich nicht. Ich bemerke allerdings an mir, wie ich mich nun mit großer Freude immer mehr „vom Leben“ treiben lasse statt es selbst in die Hände nehmen zu wollen. Doch fühle ich mich dabei nicht inaktiv. Es ist, als ob ich mir selbst durch dieses Treibenlassen neue Überraschungen bescheren möchte. Und all dies innerlich ohne Furcht oder Sorge vor dem, was da wohl noch kommen könnte …

 

Abschließend und generell möchte ich noch bemerken, dass ich jedes Leben für „gelungen“ halte. Jedes Sein hat Sinn und Wert, egal in welcher Form (ob als Materie, Pflanze, Tier oder Mensch). „Misslingen“ kann es nur in Folge selbstgewählter Kriterien (und Bewertungen), welche nicht als selbstgewählte erkannt wurden. Das Erwachen zur eigenen erzeugenden Bewusstheit war mein Schlüssel zum gelungenen Leben, zum Staunen, zur Dankbarkeit, zur Fülle."

 

Frankfurt am Main, im März 2018

 

ICH-als-Carsten