zur Unbewusstheit des "Resonanzgesetzes"


"Da Erzeugung vor Wahrheit geht, ist jedes Gesetz - bevor es als relativ wahr erklärt wird - eine erzeugte geistige Konstruktion und nicht etwa ein universelles Prinzip oder Naturgesetz. Erzeugen aber kann nur ein bewusstes Wesen. Ist sich dieses Wesen nun bestimmter Aspekte in seinem Selbst nicht bewusst, wird es ein von seiner eigenen Unbewusstheit geprägtes 'Gesetz' formen und verkünden."


Die theoretische Begründung des Resonanzgesetzes

Als "Gesetz der Anziehung" (englisch: "law of attraction"), oft auch "Resonanzgesetz" oder "Gesetz der Resonanz" genannt, wird in der spirituellen Selbsthilfe- und Lebensberatungsliteratur die Annahme bezeichnet, dass "Gleiches Gleiches anzieht". Diese Vorstellung bezieht sich speziell auf das Verhältnis zwischen der Gedanken- und Gefühlswelt einer Person und ihren äußeren Lebensbedingungen. Es wird von einer gesetzmäßigen Analogie zwischen Innen- und Außenwelt ausgegangen: Wenn ich liebevoll denke und fühle, ziehe ich liebevolle Ereignisse oder Menschen an - denke ich voller Hass, werde ich Hass in mein Leben ziehen. Diese Analogie soll nutzbar gemacht werden können, indem man durch eine Änderung der persönlichen Einstellung zu gegebenen äußeren Umständen eine analoge Änderung dieser Umstände im gewünschten Sinne herbeizuführen versucht.

(Anmerkung: Eine "Analogie" ist eine Ähnlichkeit oder Entsprechung. Sie ist keine direkte kausale Ursache-Wirkung-Beziehung. Entsprechungen aber setzen die bewertende Aktivität eines bewussten Geistes voraus, der subjektiv glaubt, Ähnlichkeiten oder Wirkungsbeziehungen zu sehen. Mit anderen Worten: Analogien existieren nicht "objektiv" - sie werden ihrerseits geistig erzeugt.)

 

Diesen analogischen Überlegungen liegt die Annahme zugrunde, dass alles Geistige – also Gedanken, Gefühle, Befürchtungen und Wünsche – „Schwingungen“ erzeugt. Diese Schwingungen sollen sich von der Person, die sie erzeugt, auf die Außenwelt übertragen und dort entsprechende Wirkungen hervorrufen, unabhängig davon, ob die Person sich dessen bewusst ist oder nicht. Daraus wird die These abgeleitet, ein Kenner und Anwender des Gesetzes der Anziehung könne seine Wünsche durch gezielte Ausrichtung seiner Aufmerksamkeit wahr werden lassen. Das Gesetz der Anziehung wird somit als Werkzeug aufgefasst, mit dem jeder sein Leben nach seinen Wünschen und Vorstellungen gestalten kann.

 

IBANETIK: Erzeugung ist ausdrückende Kraft, keine anziehende.

Zunächst einmal sollte erkannt werden können, dass dieses "Anziehungsgesetz" von denkenden und fühlenden Wesen erzeugt wurde. Es liegt nicht unabhängig vom Beobachter "da draußen" zwischen Himmel und Erde. Dies bedeutet: Die Formulierung dieses Gesetzes ist nicht - wie behauptet - eine reine Abbildung oder Widergabe oder Repräsentation eines "objektiven" Gesetzes, sondern ein erzeugtes Konstrukt, eine Idee, eine Vorstellung. Es ist direkt gekoppelt an das erzeugende Subjekt und damit abhängig vom Grad der erkennenden Wachheit, Weite oder Bewusstheit dieses Subjekts. Hat dieses Subjekt seine eigenen erzeugenden Geisteskräfte nur unzureichend erkannt, wird es die eigene geistige Konstruktion kaum bemerken und dann irrigerweise glauben, ein Naturgesetz "entdeckt" zu haben. Unbewusstheit über das eigene erzeugende Wesen verhindert also, dass Zusammenhänge gesehen werden können, die das scheinbare "Gesetz der Anziehung" enttarnen als den unbewusst bleibenden Wunsch relativ hilfloser und machtloser Menschen nach einer "magischen" Macht über das Außen. Diese Macht soll sich einstellen, wenn ich nur "richtig denke und fühle und wach und achtsam schwinge ..."

 

Im Nordirak bekämpft eine internationale Koalition die Schergen des IS-Terrors. Junge Mädchen, die Gefangene des IS waren und befreit werden konnten, berichten von den erlittenen Greueltaten. Eine hübsche und blutjunge Jesidin, die verschleppt worden war, wurde von IS-Kämpfern wie ein Stück Vieh mehrfach verkauft, stets vergewaltigt, mit Folter und Tod bedroht und konnte glücklicherweise entkommen. Hat diese Jesidin die Folter "angezogen" durch ihre Gedanken und Gefühle? Hätte sie "anders" denken und fühlen müssen, um etwas Schöneres in ihr Leben "ziehen" zu können? Hätte sie sich mit dem "Resonanzgesetz" auskennen sollen, um dann nicht vergewaltigt zu werden?

 

Tausende verlässlich und ordentlich arbeitende Arbeitnehmer erhalten täglich überall auf der Welt ihre Kündigung, weil die Firma Kosten senken oder "restrukturieren" will. Sie werden arbeitslos, manche in einem Alter, in dem sie kaum noch vermittelbar sind. Ganze Familien fühlen plötzlich tiefe Angst, existenzielle Angst. Häuser müssen verkauft werden, Ehen werden geschieden, Kinder weinen verzweifelt, das Geld fehlt vorne und hinten. Haben die Gekündigten ihre Kündigung und ihre Existenzangst durch ihre Gedanken "angezogen"? Haben sie "Schwingungen" erzeugt, die ihre jeweilige Außenwelt zu Restrukturierungen und Kündigungen veranlassten?

 

IBANETIK ist die Botschaft vom erzeugenden Bewusstsein. Danach ERZEUGT jeder Mensch seine eigenen Gedanken und Gefühle. Sie kommen nicht "über ihn", sie dringen nicht von außen in ihn hinein, sondern entspringen innerlich, in den Weiten und Tiefen des eigenen erzeugenden Wesens. Stehen sich zwei Menschen gegenüber, erzeugt der eine ebenso wie der andere. Beide erzeugen, was sie jeweils denken und fühlen und beabsichtigen. Wessen Gedanken und Gefühle bewirken nun in der relationalen Außenwelt die Gedanken des jeweils anderen?

 

Weder ziehen die Gedanken und Gefühle des Chefs, der die Kündigungen ausspricht, die Gedanken und Gefühle der Arbeitnehmer "magisch" nach sich noch bewirken die Gedanken der Arbeitnehmer, dass der Chef nicht mehr an Kündigungen denkt. Es existiert keine magische Übertragung, keine unsichtbare Außenwirkung, die den anderen machen lässt, was man sich selbst wünscht. Der Grund: BEIDE Wesen sind ERZEUGENDE Wesen - und als solche sehr frei in der Auswahl derjenigen Gedanken und Gefühle, die sie erzeugen wollen.

 

Die IS-Kämpfer hat es einen Scheiß interessiert, was die junge Jesidin gedacht und gefühlt hat. Sie hätte Gedanken der Liebe, der Vergebung, der Bejahung erzeugen können, sie hätte ihre "Besitzer" verfluchen und ihnen die Krätze an den Hals wünschen können - sie wäre vergewaltigt worden, völlig unabhängig von ihren Gedanken und Gefühlen. Arbeitnehmer, die ihren Chef nett und sympathisch finden, werden genauso entlassen wie Kollegen, die immer schon dachten, dass der Boss ein Arschloch ist. Beide trifft die vom Chef ausgehende Wirkung, die Entlassung - und was sie innerlich erzeugten, spielt dabei überhaupt keine Rolle.  Auch Jesus wurde verprügelt, beleidigt, bespuckt und schließlich grauenvoll getötet. Muss er wohl "angezogen" haben, oder? Vermutlich wird seine Liebe "falsch" gewesen sein, oder? Hätte er bloß gewusst, was seine "Schwingungen" so alles anziehen können ...

 

Wir sollten uns für den Gedanken öffnen, das hier nicht magische Übertragungsprozesse am Wirken sind, sondern individuelle Erzeugungen. Die Psychologie nennt diese magischen Übertragungen "unbewusste Projektionen": Ich übertrage meine Wunschbilder auf die Außenwelt in der nicht-erkennenden Hoffnung, dort würden sie andere Menschen oder Dinge auf die von mir erhoffte Weise bewegen. Diese Sicht übersieht regelmäßig, dass auch andere Menschen "erzeugende Quellen" sind - und wenn es mir frei steht, Gedanken und Gefühle zu erzeugen, wonach der Andere sich doch bitte schön gemäß meinen Wünschen verhalten soll (Jesus: "Gott wird kommen. Kehrt um."), dann steht es dem Anderen natürlich ebenso frei, Gedanken und Gefühle zu erzeugen, wonach er sich NICHT nach mir richtet (Römer: "Dein Gott wird nicht kommen. Ich bleibe."). Keine Magie, keine Außenwirkung, keine unsichtbare Anziehung - dafür aber erzeugende Wesen, die sich umarmen oder auch töten können, einstimmig oder zwangsweise.

 

Erzeugende Wesen drücken etwas von sich aus, sie ziehen sich nicht "magisch" an. Geistige Wesen können Übereinstimmung und Miteinander herstellen, doch dann ist das nicht die Folge meiner magischen Gedanken, sondern die Folge einer Übereinstimmung von zwei Wesen. Auch Hass und Gegeneinander können mühelos erzeugt werden: Wenn einer mich hassen will, können meine schönen Gefühle daran nichts ändern. Und wenn ich dich hassen wollte, wirst auch du daran nichts ändern können. 

 

Das Resonanzgesetz vergrößert das Leiden.

Da das Resonanzgesetz die erzeugende Kraft des jeweils Anderen übersieht oder nicht angemessen würdigt, hat es keinen Blick für diejenigen Prozesse, die "unsichtbar" zwischen Menschen geschehen. Genauer formuliert: Da diejenigen Menschen, die das Resonanzgesetz erzeugen, keinen hinreichenden Blick für die erzeugenden Kräfte des jeweils Anderen haben, verengen sie das Geschehen zwischen zwei Menschen (oder generell: zwischen Mensch und Außenwelt) auf ein nicht vorhandenes magisches Übertragungsgeschehen. Noch klarer formuliert: Da die erzeugende Bewusstheit desjenigen Menschen, der das Resonanzgesetz formuliert, keine hinreichende Bewusstheit FÜR SICH SELBST und das eigene erzeugende Wesen hat, hat dieser Mensch auch keinen Blick für die simple Tatsache, dass andere Menschen ebenfalls erzeugende Wesen sind - und als erzeugendes Wesen erzeuge ich mit meinen Gefühlen NIEMALS deine Gefühle und die von dir erzeugten Gefühle werden NIEMALS meine Gefühle erzeugen (oder bewirken oder magisch verursachen).

 

Das Resonanzgesetz  wurde von Menschen formuliert, die sich ihrer eigenen erzeugenden Natur nicht bewusst genug waren. Eine direkte Folge dieser ICH-Unbewusstheit ist, dass diese Menschen selbst glauben, ihre Gefühle würden von äußeren Faktoren "bewirkt", erzeugt, verursacht. Sie glauben dies, weil sie sich die Existenz und die Herkunft ihrer eigenen Gefühle (und mancher Gedanken und Absichten) nicht anders erklären können. Entsprechend "unbewusst" fällt ihre Sprache aus. Sie sagen z. Bsp.: "Mein Chef nervt mich." Oder: "Gott will, was ich mache." Oder: "Das da macht mir Angst." Diese sprachlichen Selbstausdrucke enthalten starke passivische Behauptungen, die alle einer nicht-erzeugenden Denkkategorie folgen: "Ich mache das nicht. Mit mir wird gemacht ..."

Wessen Selbstbemerkung derartig unbewusst ausfällt, der wird exakt diese Vermutungen auch außerhalb von sich vermuten. Er überträgt die eigene Bewusstheit respektive Unbewusstheit nach außen: Dann werden auch andere Menschen so fühlen und denken wie ich, dann "wird auch mit ihnen etwas gemacht", dann wirken äußere Kräfte auf sie ein wie sie auf mich einwirken - und dann muss es einen verdammten Grund dafür geben: das Resonanzgesetz, aha.

 

Wer nun an die Gültigkeit eines solchen Gesetzes glaubt, wird durch eben diesen Glauben daran gehindert, bewusster für das eigene erzeugende Wesen zu werden. Insofern mindert das Resonanzgesetz nicht das menschliche Leid, sondern vergrößert es noch. Es suggeriert (was niemals passieren wird), dass mit den richtigen Schwingungen die erhofften Zustände im Außen (!) bewirkt werden können ("Der Chef wird mich nicht mehr nerven, wenn ich nur anders schwinge") - und verschweigt damit, was man stattdessen tun sollte. Es verhindert, dass Menschen bewusster werden über ihr eigenes erzeugendes Wesen - und die magische Kopplung trennen: "Oh, mein Chef nervt sich mal wieder selbst. Gleich wird er uns wieder die Schuld zuschieben wollen für seinen Gefühlszustand. Doch ich werde diesmal keinen Sress in mir erzeugen. Ich werde heute mal Gelassenheit erzeugen."

 

Ganz nebenbei macht das Resonanzgesetz aus den Verkündern des "Gesetzes" natürlich scheinbar mächtige Hohepriester, die dir zeigen werden, wie auch du magische Macht über die Außenwelt bekommen kannst. Genauer: Diese Priester erzeugen diese Machtposition natürlich selbst (nicht das Gesetz tut dies), weil es genau das ist, wonach SIE streben. Sie wollen mit den "richtigen Schwingungen" ihre jeweilige Außenwelt nach ihrem Sinne kausal beeinflussen können. "Tuet Buße. Bereut eure Sünden. Lasst euch taufen. Kehrt um. Die Zeit ist nahe ..." rief Johannes der Täufer am Jordan tausenden Juden zu. Übersetzt: "Ich, Johannes, weiß, was ihr tun müsst. Folgt meinen Schwingungen, folgt mir. Dann wird Wunderbares mit euch geschehen ..." - Nun, wir wissen, was geschah: Gott kam nicht, die Zeit fließt und fließt und fließt, Johannes irrte sich, seine magischen Übertragungen bewirkten nichts. 

 

IBANETIK bietet dir stattdessen diesen Hinweis an: "Du kannst im Anderen nur das erkennen, was du zuvor in dir erkannt hast." Dies bedeutet unter anderem: Hast du nicht in dir erkannt, wie du selbst deine Gefühle erzeugst, wirst du auch nicht erkennen, dass der Andere seine Gefühle selbst erzeugt. Hast du deine erzeugende Freiheit (die eine bedingte, keine unbegrenzte ist) in dir nicht erkannt, wirst du sie auch nicht im Gegenüber erkennen. Glaubst du hingegen selbst, deine Gefühlszustände würden von äußeren Kräften verursacht, dann wirst du auch mit Blick auf einen anderen denken, dieser sei von unsichtbaren Kräften gesteuert.

 

Mit magischen Übertragungen werden wir weder uns selbst noch die Welt retten. Johannes irrte, Jesus irrte, das Resonanzgesetz existiert nicht (ausgenommen als geglaubte Konstruktion). Mit magischen Wunschvorstellungen werden wir nicht bewirken, dass wir uns oder ein anderer Mensch sich plötzlich netter und liebevoller verhält. Mit magischen "Bestellungen beim Universum" wirst du nicht bewirken können, dass dein Traummann plötzlich vor deiner Tür steht, dass Geld deine Konten flutet, die Krankheit deines Partners verschwindet oder Gott höchstselbst erscheinen wird. All das funktioniert nicht, weil das Resonanzgesetz nicht funktioniert. Es ist ein Erzeugnis, eine Konstruktion - und als diese direkt abhängig vom erkennenden Grad der erzeugenden Bewusstheit.

 

Nimm einmal an, du wärst meine Traumfrau und würdest eines Tages an meine Tür klopfen. Ich würde begeistert lächeln und dich nie mehr loslassen wollen, schließlich wärst du ja das Ergebnis meiner kenntnisreichen Nutzung des Resonanzgesetzes. Du wärst also bei mir, weil MEINE Gefühle und Gedanken dich magisch zu mir gezogen hätten. Nett, nicht wahr? Und du? Kannst du schon fühlen, wie du von unsichtbaren Kräften gesteuert, ohne dein Wissen natürlich, plötzlich zu mir wolltest? Wie fühlst du dich so als geistige Marionette, als das Produkt meiner magischen Gefühle? Toll, oder?

 

Eine stärkere Herabwürdigung der Autonomie und Eigenständigkeit eines anderen Menschen kann man sich eigentlich kaum vorstellen. Das Resonanzgesetz ist prall gefüllt mit unerkanntem Egoismus der übelsten Sorte. Hier waltet keine Liebe, die die erzeugende Freiheit des Anderen anerkennt, hier waltet ohnmächtige, leidende Unbewusstheit, die sich nach Macht und Kraft und Erlösung sehnt.

 

Die Macht, die du begehrst, existiert wirklich. Doch sie existiert nicht als Gesetz der Anziehung. Sie existiert in dir, als eine Bewusstheit, die sich selbst als ein erzeugendes Wesen klipp und klar erkannt hat. Es handelt sich dabei nicht um eine Macht über andere Menschen oder "die Außenwelt" - es handelt sich dabei um eine Macht ÜBER DICH SELBST.

 

IBANETIK: "ICH erzeuge mich - DU erzeugst dich."

Wer leidet, fühlt sein eigenes Gefühl und damit sein eigenes Erzeugnis. Du kannst deine Kündigung ruhig und gelassen entgegennehmen oder vor Zorn bebend. Über dein Gefühlsleben hast du Macht - nicht aber über die Kündigung. Du hast keine direkte Macht über den Chef. Du kannst nicht bestimmen, ob er an Kündigungen denkt oder nicht. Dein Chef wiederum hat keine Macht über deine Gefühle. Er kann nicht bestimmen oder bewirken, ob du gelassen bleibst oder Wut spürst.

 

Das erzeugende Wesen hat Macht und Kraft über die eigene Innerlichkeit - nicht aber über die Innerlichkeit eines anderen Menschen. Sicher, wir nehmen uns alle gegenseitig wahr, wir beeinflussen uns, wir liefern uns gegenseitig Informationen, Bilder, Worte, Taten, Gefühle - doch wir verursachen damit nicht, was ein anderer Mensch denkt oder fühlt. Es hört nicht auf zu regnen wegen deiner Schwingungen. Auf das Außen kann ich einwirken, ich kann ihm meine eigenen Gedanken und Gefühle anbieten, doch ich kann nicht verursachen, was andere Quellen verursachen werden. Umgekehrt genauso: Kein anderer Mensch hat Macht über deine Gefühle, denn diese werden von dir erzeugt.

 

Du erzeugst dich. Und damit, mit deinen Gedanken und Gefühlen, betrittst du die gemeinsame Arena. Du drückst DICH aus mit deinen geistigen Erzeugnissen, deinen Absichten, deinen Worten, deinen Handlungen. DIES kannst du steuern - und IBANETIK ruft dir zu: "Tue genau das. Erzeuge deine Innerlichkeit stets in der Bewusstheit, dass DU ES BIST, der sie erzeugt." Allein damit spürst du schon eine größere Freiheit von äußeren Kräften, die vermeintlich Kraft über dich haben. Haben sie nicht ...

 

Die junge vergewaltigte Jesidin hat die geistige Kraft in sich, um sich von allen Schrecken, die sie erleiden musste, zu befreien. Sie kann in jedem Moment innerlich frei erzeugen, was sie fühlen, was sie denken, wie sie bewerten möchte. Sie kann sich für ein Leben in Trauer und Ohnmacht entscheiden, gedemütigt, sozialer Ausgrenzung ausgesetzt - oder für ein selbstbewusstes Leben. Alles, was sie dazu benötigt, ist die feste Bewusstheit, dass nur sie Macht über ihre Innerlichkeit hat.

Auch der brutale IS-Kämpfer hat die geistige Kraft in sich, um nie mehr anderen Menschen zu schaden. Würde er sein erzeugendes Wesen erkennen, würde er nie mehr sagen, das Wort Gottes habe ihm befohlen, "Ungläubige" zu morden. Er würde erkennen, dass "Ungläubige" nicht ungläubig sind, weil sie tatsächlich so existieren, sondern nur deshalb, weil er sie mit der Kraft seines Geistes erzeugte. Der angeblich Ungläubige ist eine selbsterzeugte Konstruktion. Er würde auch nie mehr sagen, er kämpfe und unterdrücke im Namen des Propheten. Er würde stattdessen sagen: "Ich töte, weil ich das will. Ich vergewaltige, weil ich das will. Ich folge stets mir und meinen inneren Erzeugnissen." Und in diesem lichten Moment der Selbsterkenntnis würde er nur und ausschließlich SICH fühlen, würde er nackt und geoffenbart vor sich selbst stehen und könnte seine Taten nicht mehr mit anderen Kräften begründen, könnte sich selbst nicht mehr verstecken hinter dem Kóran oder wem auch immer - und auch nicht hinter seinen eigenen Konstrukten.

 

Mit der erzeugenden ICH-Bewusstheit taucht in jedem geistigen Wesen sofort und unvermittelt eine innere Ethik auf, eine wesenseigene Orientierung. Der innere Impuls: "Ich bin es, der hier und jetzt töten will" wird dann intuitiv erkannt als etwas, was man selbst gerade NICHT will. Denn: Steht das erzeugende Wesen voll bewusst in der Welt und bemerkt SICH als einzige Quelle für die eigenen Taten, fühlt es unentwegt die ebenfalls im eigenen Wesen aktive Kraft der Liebe. Bewusstheit tötet nicht - Unbewusstheit dagegen schon.

 

Wer SICH bemerkt hat, wird andere nicht mehr töten, nicht mehr foltern,  nicht mehr bedrängen und auch nicht mehr unterdrücken wollen. Im eigenen Wesen existiert eine orientierende Kraft, die umso stärker wird, je bewusster ein Mensch FÜR SICH SELBST wird.

 

Dies ist, was ich dir von Herzen wünsche: Erkenne deine erzeugende Macht über dich. Punkt. Du kannst arm sein, allein sein, doch deshalb musst du nicht unglücklich sein. Dein Gefühl für dich selbst ist nicht an Armut gekoppelt, ist nicht an Partnerschaft gebunden - es sei denn, du selbst stellst diese Bindungen her. Dein Gefühl für dich selbst ist an deine jeweiligen inneren Erzeugnisse gebunden. Wenn ein Gedanke oder eine Absicht bedeutend ist für dich, wirst du auch ein Gefühl fühlen - was hingegen unbedeutend ist, wirst du auch nicht fühlen. "Bedeutungen" sind geistige Kräfte, die von dir erzeugt werden. Erzeuge BEWUSST ein trauriges Selbstgefühl und du wirst zu schmunzeln beginnen - denn du wirst bemerken, dass da "zwei" in dir sind: das von dir erzeugte Gefühl und JEMAND, der dieses Erzeugnis schmunzelnd bemerken kann. Dieser JEMAND, wer ist das wohl?

 

IBANETIK ermutigt dich zur bewussten Erzeugung, zur bewussten ICH-Aktivität. IBANETIK sagt daher: "Wenn du bewusst traurig bist, bist du mir lieber als wenn du unbewusst glücklich bist." Die Bewusstheit über das eigene ICH-BIN-ERZEUGEND ist nicht identisch mit den jeweiligen Erzeugnissen, sie ist nicht traurig und ist nicht glücklich. Sie ist wesenhaft, und sie fühlt sich anders an. Sie ist ... selig. Befriedet. Dankbar. Staunend. Liebend.

 

Und dies in allen selbsterzeugten Zuständen ...