Die Aufhebung des Konfliktes zwischen Glauben und Wissen


  "Je mehr wir wissen, desto weniger brauchen wir zu glauben."

"Nein, der Glaube wird immer über dem Wissen stehen."

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Religion und Wissenschaft, diese beiden, streiten fortwährend um ihre jeweiligen Sichten, um Vorrang, Bedeutung und Gewicht. Das alles würde aufhören können, wenn beide Seiten erkennen würden, dass sie über Erzeugnisse reden.


Das Trennende zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen Glaube und Wissen, zwischen Priester und Forscher, zwischen Himmel und Erde ist allseits bekannt und ich muss mich damit hier nicht länger beschäftigen. Das gemeinsame Fundament hingegen ist kaum bekannt - und deshalb möchte ich ein wenig länger über dieses Fundament schreiben.

 

Religion ist Menschenwerk. Wissenschaft auch. Beides sind Ideen, Vorstellungen, Überzeugungen und Einsichten, die von Menschen in die Welt gebracht wurden. Religion hat Geschichte, Wissenschaft ebenso. Beide kennen Veränderungen. Beide sind, allgemeiner formuliert, geistige "Erzeugnisse". Auf dieser Ebene der Betrachtung vereint sich das scheinbar Unvereinbare: Wissen und Glauben sind selbsterzeugte Phänomene. Punkt.

 

Diesen harschen "Punkt" habe ich sehr bewusst gesetzt. Derjenige, der den Gegenbeweis führen möchte, soll bitte aufstehen und mir sagen: "Nein, Carsten, da irrst du dich. Wissen ist nicht selbsterzeugt, sondern ist Abbildung, Repräsentation, Wiedergabe, ist wahre Erkenntnis. Und Glaube ist auch nicht selbsterzeugt, sondern irgendwie transzendent, von "oben" offenbart, übernatürlich. Beide Bereiche sind grundverschieden, sind unvereinbar, werden daher ewig miteinander ringen und sich bekämpfen."

 

Nun gut, nehmen wir zwei "mächtige" Beispiele, um überprüfen zu können, ob erzeugender Geist im Spiel ist, bei beiden - oder nicht. Nehmen wir Einsteins Relativitätstheorie und irgendeine große Religion, sagen wir, das Christentum. Hat Einstein nur "erkannt", nur herausgelesen, nur abgebildet, was "da draußen" in der Natur versteckt passiert - oder hat er seine Theorie selbst erzeugt (inklusive der Vorarbeiten und Mithilfe anderer Forscher)? Existieren "Naturgesetze" - oder erzeugen wir, was ein Gesetz sein könnte? Hat Jesus (oder Mose oder Paulus oder wer auch immer) "Gottes Wort" empfangen und lediglich wiedergegeben - oder haben Mose, Jesus und Paulus und all die anderen Propheten selbst erzeugt, was sie dann aussprachen?  Nehmen wir an, du bist es, der sagt: "Naturgesetze existieren da draußen. Offenbarungen gibt es." Sind dann diese Sätze selbst erzeugt von dir - oder was sind sie?

 

Wir werden stets entdecken, dass wir als erzeugende Wesen mit "im Spiel" sind. Kein Glaube ohne erzeugende Akte - kein Wissen ohne erzeugende Akte. Keine Wahrheit ohne erzeugende Akte. Könnte es sein, dass "Erzeugung" viel fundamentaler ist als diejenige Wahrheit, die erzeugt wurde? Kann es sein, wie IBANETIK lehrt, dass "Erzeugung vor Wahrheit geht"?

 

Prüfe bitte selbst. Wenn du irgendwo eine Wahrheit, ein objektives Wissen oder eine religiöse Botschaft entdecken kannst, die NICHT von einer erzeugenden Bewusstheit ausgesprochen wurde, bitte ich sofort um Benachrichtigung. Danke. Etwas philosophischer formuliert: Wenn du irgendwo eine Objektivität UNABHÄNGIG vom bewussten Subjekt finden kannst, bitte ich um Information.

 

Solange ich diese Information nicht bekomme, werde ich auf das Verbindende zwischen Glauben und Wissen aufmerksam machen: auf geistige Erzeugung. Wo aber erzeugt wird, muss es eine erzeugende Quelle geben. Kein Erzeugnis ohne Erzeuger. Keine Buddha-Lehre ohne Buddha-ICH. Jeder Mensch ist der Erzeuger seiner Erzeugnisse. Doch nicht jedem ist genau dies vollkommen bewusst. Dort, im erzeugenden Wesen, sind Wissen und Glauben vereint, umarmen einander, haben beide ihren geistig-seelischen Ursprung.

 

Wenn du dich selbst als erzeugende Quelle erkannt hast, wirst du voll bewusst BEIDES erzeugen: Mal wirst du dein Erzeugnis deinen Glauben nennen, mal wirst du Fakten sagen, wirst von Wissen und Wahrheit sprechen, je nach Kontext und Absicht. Doch in allen Fällen wirst du stets wissen, wer es ist, der solches erzeugt - und schon reichen sich Glaube und Wissen geschwisterlich in dir die Hände und lächeln gemeinsam hinaus in die manifeste Welt: als individuell erzeugte Konstrukte, als subjektive Ausformungen deines erzeugenden Wesens, angefüllt mit Informationen, Gefühlen, Absichten, Vorstellungen und Überzeugungen. Herrlich, nicht wahr?

 

Das aber bedeutet zugleich: Immer dann, wenn du dich zur Absicherung deiner Worte auf andere Quellen als dich selbst berufst, wenn du dich etwa auf göttliche Offenbarungen beziehst oder auf wissenschaftliche Fakten, immer dann berufst du dich auf die geistigen Erzeugnisse anderer erzeugender Wesen(!). Du begründest dann DEINE Erzeugnisse mit den Erzeugnissen anderer Wesen. Wozu das? Denn damit schwächst du dich, bleibst blind für deine erzeugende Wesenheit, versteckst dich selbst hinter deinen Erzeugnissen ...

 

Warum begründest du nicht deine Erzeugnisse MIT DIR? Warum nicht? Nur zu, wage es, trau' dich. Lege Buddha weg, berufe dich nicht auf Jesus, auf Wilber oder Tolle, rede nicht gedankenlos nach, was dir irgendein Meister, Guru oder Lehrer erzählt hat, sondern ... sprich! Schöpfe aus dir! Es ist so unglaublich viel Wahrhaftiges in dir, denn DU bist in dir.

 

Höre anderen Wesenheiten weiterhin aufmerksam zu, lese ihre Texte, prüfe ihre Worte, doch dann sei dir bewusst, dass jedes Wort und jeder Gedanke und jeder Hinweis und jede Absicht, die dann aus deinem Munde kommt, von dir erzeugt wurde. Erkennst du schon?: Du hast noch nie an Buddha geglaubt, du hast noch nie an Jesus geglaubt - du hast stets an deinen Glauben geglaubt. Und das ist ein großer Unterschied, nicht wahr?

 

Siehst du, welche Kraft du hast und bist? Siehst du das schon? Stell dir nun vor, du würdest mit der gleichen Kraft, mit der du bislang an Buddha oder an Jesus glauben konntest, an DICH glauben? Stell dir nun vor, du würdest mit der gleichen Hingabe, mit der du an die ERZEUGNISSE von Buddha und Jesus glaubtest, an deine Erzeugnisse glauben? Was dann? Würdest du anfangen, über dich zu staunen? Oder fürchtest du dich VOR DIR?

 

Sicher würdest du staunen über deinen Mut und ganz "baff" sein über dich selbst. Doch dann geht das spirituelle Spiel erst richtig los, nicht wahr? Wenn du nun glasklar erkannt hast, wie schnell und wie stark du doch an deine eigenen Erzeugnisse glauben kannst, wirst du dann auch die unglaublichen Wirkungen, die du damit in dir erzeugst, erkennen? Wirst du staunen über das, was dein eigener Glaube mit dir macht? Was DU mit dir gemacht hast?

 

Sicher, du wirst Bauklötze staunen angesichts so viel geistiger Kraft, die du über dich hast (und da alle anderen diese Kraft ebenso besitzen, würden sie es nur endlich bemerken, weisst du sofort, dass du keinerlei Macht über diese anderen hast). Doch es geht ja noch viel tiefer, noch viel weiter hinein in die eigene Geistigkeit: Wenn du bemerkt hast, dass du fähig bist, diese gewaltige Glaubenskraft zu erzeugen (und immer schon erzeugtest, nur eben unbewusst), wirst du dich dann fragen, ob vielleicht ein wesensmäßiger Unterschied existiert zwischen deinem Erzeugnis und derjenigen Quelle, die zur Erzeugung fähig ist? Wirst du auch das bemerken? Wirst du DICH bemerken?

 

Völlig neu, völlig anders ... Falls ja, wirst du wirklich staunen. Das verspreche ich dir.