Vernetzung, Hierarchie und ICH-Werdung


  "Zunehmende Vernetzung schafft nicht automatisch Hierarchien ab.

Vernetzung kann selbst als hierarchisches Machtinstrument genutzt werden. Gleichwertigkeit kann nur durch das selbstbewusste erzeugende Wesen erschaffen und erkannt werden."


Aus meiner Bewusstheit heraus, die man gerne auch eine spirituelle Perspektive nennen kann, sind wir alle geistige Wesenheiten, die miteinander verbunden oder vernetzt sind. Doch sind wir dies nicht "automatisch", quasi naturhaft oder gottgewollt. Der bewusste Geist besitzt zwar die wunderbare Fähigkeit, sich "mit allem, was ist, zu verbinden" - doch tut er es auch? Nein, das tut er nicht. Auch in den geistigen Dimensionen findet keine Zwangsbeglückung durch eine "Verschmelzung mit Allem" statt, sondern weiterhin bewusste Wahl und das freie Erschaffen von Beziehungen. Wer seinen Körper verlässt, ist auch außerhalb materieller Bedingungen vor allem mit dem verbunden, was sein eigener Geist erzeugt und als Verbindung anstrebt oder zu sehen erwünscht - und das schließt eine ganze Menge aus, mal locker formuliert. Ein Christ wird christlichen Symbolfiguren begegnen, weil er sie erwünscht. Ein Buddhist wird andere Heilige und Götter antreffen. Der erzeugende Geist bestimmt auch dort diejenigen Realitäten mit, die dann wahrgenommen und erlebt werden. Wir erschaffen unsere Himmel und Höllen ... 

 

Geistige Wesenheiten ko-operieren gerne, interagieren, wechselwirken, ko-fühlen einander und tauschen "telepathisch" eine unglaubliche Fülle von Wissen, Absichten und Erfahrungen aus. Unverstellte Wahrhaftigkeit ist dabei die tragende Energie. Wir erzeugen "lebendige Bilder" aus Energie und Information, befruchten uns geistig-seelisch - und in diesem "spirituellen Netzwerk" sind wir alle von gleichem Rang und gleichem Wert. Wir agieren "dort" hierarchiefrei, ohne fremde Führer, aus eigener geistiger Macht heraus, den eigenen Impulsen folgend, in einer sehr lebendigen, spontanen, neugierigen, kreativen und vor allem erzeugenden Weise, dabei immer offen und wissbegierig für diejenigen Erzeugnisse, die von anderen Wesenheiten ausgesendet werden.

Es ist diese spirituelle Heimat-Landschaft, die wir hier auf Erden abzubilden versuchen. BIG DATA, Internet und zunehmende Vernetzung sind die materiellen Vorboten einer neuen Ära, in der Hierarchien und Macht über andere Wesen abnehmen und die Sinnerfüllung des Individuums zunehmen wird - durch Teilhabe, Mitwirkung, Kooperation, Austausch und Dialog. Der spirituelle Himmel rückt näher, wird gleichsam in irdische Form gegossen ...

 

Vielleicht - vielleicht aber auch nicht.

 

Denn zunehmende Vernetzung garantiert nicht automatisch hierarchiefreie Räume der Interaktion. Sie schafft nur neue Bedingungen für unsere geistigen Erzeugnisse. Mehr nicht. Vernetzung kann von uns ebenso gut für subtile Unterdrückung und Ausbeutung genutzt werden, für Kontrolle und Steuerung, für Ausgrenzung und Herabsetzung. Wieder einmal werden es die erzeugenden Wesen selbst sein, die über ihr weiteres Schicksal bestimmen werden. Die hier Mächtigen werden bestimmen, die hier Ohnmächtigen werden folgen. So war es früher, so ist es jetzt und so wird es noch lange Zeit bleiben ...

 

Erzeugende geistige Wesen sind wir alle. Wir unterscheiden uns nicht in der Fähigkeit der Erzeugung. Aber wir unterscheiden uns hier in der BEWUSSTHEIT genau darüber. Und das ist der springende Punkt, das hüpfende Komma: Noch immer glauben viel zu viel geistige Wesen, dass nicht sie selbst ihre individuellen Realitäten erzeugen, sondern äußere Umstände dafür ursächlich seien. Dieser Glaube ist - mit IBANETIK gesprochen - relativ unbewusst gegenüber der eigenen erzeugenden Fähigkeit. Die eigene Bewusstheit wird zwar erkannt, aber zumeist nur als "wahrnehmend". Der unfassbar starke erzeugende Aspekt der eigenen Geistigkeit wird oft nicht erkannt - er bleibt unbewusst. In Folge dessen werden diese Millionen verkörperter Wesen immer bereit sein, Führern und Heiligen zu folgen. Damit zementieren sie die eigene Unbewusstheit, denn diese Führer und Heiligen rufen ihnen zumeist zu: "Folgt mir nach. Vertraut mir. Ich werde euch beschützen ..." Sie rufen nicht: "Folgt euch. Vertraut euch. Fürchtet euch nicht vor euch."

 

Ich berate einige Unternehmen und habe persönlich wie auch beruflich als Coach ganz gute Kontakte zu Managern und Führungskräften in verschiedenen Konzernen. Digitalisierung und Vernetzung ("Industrie 4.0") ist dort das Gebot der Stunde. Milliarden werden investiert für standardisierte Software-Prozesse, für die horizontale Vernetzung aller konzerneigenen Standorte und für die vertikale Vernetzung der ganzen Wertschöpfungskette vom Kunden bis zum Lieferanten. BIG DATA heißt hier der neue Chef, dem leider noch niemand persönlich irgendwo begegnet ist. Wie wirkt sich dieser Prozess auf die beteiligten Menschen aus? Fördert er ihre Bewusstheit? Fördert er Eigenverantwortung, Sinn und Freude? Werden Hierarchien wirklich abgebaut - oder nur subtiler im Netz versteckt? Vielleicht wird ja etwa ganz anderes abgebaut, nämlich die Fähigkeit zum Widerstand gegen unterdrückende Strukturen?

 

Wo Teams verantwortlich sind, ist niemand verantwortlich. Wo Netze steuern, ebenso. Wo BIG DATA herrscht, weht der "Ich-bin-unschuldig"-Geist. Wo Komplexität durch Datenmengen vergrößert wird, bleibt Sinnhaftigkeit ("Wozu?") auf der Strecke. Was ich erzählt bekomme aus vielen Unternehmen heraus, sieht nicht aus wie etwas, was die aktive Bewusstheit des Individuums fördern wird - eher wie das Gegenteil: Geistige Wesen werden zunehmend objektiviert und zum re-agierenden Teil eines großen Netzes gemacht, in dem sie nur noch eine bescheidene Rolle spielen. "Integration" in der Bedeutung: "Ab mit dir ins Netz." Und der Roboter wartet draußen schon vor der Tür ...

 

Nach IBANETIK führen solche Tendenzen nicht zu einem Abbau von Hierarchie, sondern zu deren subtiler Verstärkung, zu mehr Ohnmachtsgefühlen. Psychische Erkrankungen werden daher zunehmen. "Geschwindigkeit" ist heute das neue Mantra der Führungskräfte, um weiterhin ungebremst nach Gewinn streben zu können. Die einen ordnen Geschwindigkeit an und vernetzen alle Prozesse - die anderen sollen darin und damit arbeiten und die unselige Last tragen. "Sinnhaftigkeit" ist nicht das neue Mantra; individuelle Werterfüllung auch nicht und erzeugende Bewusstheit sowie individuelle Verantwortung schon gar nicht. Schade ...

 

Wenn die Unbewussten die Unbewussten führen, fallen beide in die Grube. Die weltweiten Schulden liegen bei 215 Billionen Dollar (Stand: 2017), was etwa das Dreifache der weltweiten Wirtschaftsleistung ist. Wir erzeugen auf Pump. Bezahlen sollen andere. Typisch für verantwortungsloses Agieren. Niemand will mehr die Rechnung bezahlen. Dieses Modell funktioniert so lange, wie es immer noch einen Dummen finden kann, der die Lasten tragen wird. Um das zu erreichen, werden von unreflektierten "Führern" entweder schöne Zukunftsbilder gemalt oder Angstgeschichten erzählt - beides hat Menschen schon immer motiviert, sich anzupassen und die Klappe zu halten. Zunehmende Vernetzung wird daher Kreativität und Eigenverantwortung abtöten, wird geistige Wesen in eine gigantische Herdenmentalität zwingen, wird "schneller, schneller, schneller" rufen statt "wertvoller, sinnvoller, freudiger" - und keiner wird uns sagen können, wer da eigentlich der große Vernetzer ist.

 

Wie auch der Einzelne seine Heilung erst aktiver angeht, wenn das Leiden zu groß geworden ist, werden wir auch kollektiv erst gewaltig leiden müssen, bis wir von Schmerzen getrieben aufwachen. Die Welt wird nur oberflächlich besser werden - in der Tiefe wird sie vor Schmerzen und Schulden aufschreien. Unterdrückung, Macht und Kontrolle werden daher nicht abnehmen, sondern deutlich wachsen. "Vernetzung" ist der neue subtile Treiber, der diese sinn-entleerte Welt vorbereiten hilft. Schuften, bis der Tod kommt ...

 

Willkommen im irdischen Reich der unbewussten Vernetzung!

 

Mein Reich ist das der bewussten Kooperation gleichwertiger Wesen. Ein anderes Reich, ohne Rangfolgen des Wertes zwischen geistigen Wesen. Rangfolgen nach der Funktion sind hilfreich (jeder kann irgendetwas besser als andere), doch Hierarchien, die das Wesen verschieden wertvoll erscheinen lassen, sind mir ein Grauen. 300.000,- EUR monatlich für das eine Wesen und 900,- für das andere - ein grauenhafter Irrsinn, von uns allen erzeugt und zugelassen. Wann erwachen wir zum Sinn, zum Wert, zum Leben? Zum ICH BIN?