Mitgefühl, Sinn- und Wertlosigkeit


 

"Mitgefühl  ist voller ICH-Aktivität.

Sinnlosigkeit ist voller Sinn.

Und  voll mit Wert ist die Wertlosigkeit."


Unbewusstes Mitgefühl in bewusstes Ko-Gefühl verwandeln

Wir Menschen sind fühlende Wesen. Wir können uns selbst fühlen - und den Mitmenschen. Stimmt das? Können wir wirklich fühlen, was der Andere gerade fühlt? Oder fühlen wir, wenn wir fühlen, zunächst uns selbst?

 

Da sitzt ein Mensch, weinend und schluchend. Ich sehe ihn. Was fühle ich nun? Fühle ich, dass er in den Arm genommen werden möchte? Oder fühle ich, dass ich ihn gerne in den Arm nehmen möchte? Fühle ich, dass er gerne getröstet werden möchte - oder fühle ich, dass ich ihn gerne trösten möchte? Fühle ich, dass er seine Trauer gerne loswerden möchte - oder fühle ich, dass ich gerne möchte, dass er nicht mehr trauert? Etwas kürzer formuliert: Fühle ich die agierende Innerlichkeit des Anderen oder fühle ich meine agierende Innerlichkeit? Oder beides?

 

IBANETIK ist hier ganz klar: Ich fühle meine Innerlichkeit, meine Wünsche, meine Gedanken, Absichten, Impulse. Ich fühle nicht die Innerlichkeit des Anderen. Ich nehme dessen Äußerlichkeit wahr, sein Verhalten - doch niemals nehme ich dessen Gefühle und Gedanken wahr. Ich fühle stets nur meine Gefühle. Ich kann vermuten, warum jemand traurig ist. Ich kann vermuten, dass jemand nicht weinen möche. Ich kann unterstellen, dass jemand jetzt getröstet werden möchte - doch all diese Vermutungen und Annahmen und Überlegungen im Angesicht des Anderen entspringen dann meiner Innerlichkeit.

 

Mitgefühl ist daher nichts anderes als erzeugende ICH-Aktivität, die unbewusst auf einen anderen Menschen übertragen wird in der gutgemeinten Annahme, genau dies würde der Andere jetzt haben wollen. Mitgefühl ist an seiner Basis "egoistisch", weil vom eigenen ICH erzeugt. Mitgefühl ist in seiner Richtung "egozentrisch", denn das mitfühlende Handeln ist zentriert oder gerichtet auf die Ausformung und Aktivierung der eigenen Impulse - nicht aber auf die des Anderen.

 

Wäre Mitgefühl "selbstlos", würde es gar nicht existieren, denn ohne Selbst oder ICH würden keine derartigen Impulse erzeugt werden. Die Behauptung, das eigene Mitgefühl sei ausgerichtet oder orientiert auf den Mitmenschen und würde seinem Wohle dienen, also nicht-egozentriert sein, ist eine unbewusste Übertragung der eigenen Impulse auf das Gegenüber. Wenn Mitgefühl wirklich "du-zentriert" und "helfend" sein will, dann gibt es nur eine Möglichkeit: Frage den Weinenden, ob er deine Hilfe möchte. Frage ihn, was er als hilfreich empfindet. Folge also wirklich SEINEN Impulsen, nicht deinen.

 

Manchmal sagen weinende Menschen dann etwas, was dein hilfsbereites Mitgefühl arg strapaziert. Sie sagen: "Lass mich bitte in Ruhe. Lass mich allein." Upps, waren diese Impulse auch in deiner mitfühlenden Innerlichkeit? Manchmal sagen sie auch: "Ich will jetzt weinen, das tut mir gut." War auch dieses Begehren in deiner mitfühlenden Perspektive?

 

Mitgefühl ist Fremdwahrnehmung plus erzeugtes Selbstgefühl. Was der mitfühlende Mensch zuerst fühlt, ist nicht der Andere, sondern die eigene aktive Innerlichkeit. Mitgefühl ist ICH-Aktivität, bevor sie zu einer Du-Aktivität wird. Und wer sich seiner eigenen erzeugenden Aktivität dabei noch nicht bewusst ist, wenn er einen leidenden Mitmenschen erblickt, der sollte schnell beginnen, seine Bewusstheit FÜR SICH SELBST zu erweitern.

 

Dann könnte aus Mitgefühl etwas noch Schöneres werden: bewusstes Ko-Gefühl. Dann nehme ich das Leid des Anderen wahr, doch bleibe dabei sehr ruhig und gelassen. Dies verhindert, dass ich meine Impulse unbewusst übertrage (und diesen Vorgang dann als "Mitgefühl" ausgebe). Dann erkunde ich mich ruhig und gelassen nach den Wünschen des Anderen. Und jetzt wird es spannend: Was ist, wenn dieser etwas wünscht, woran ich gar nicht dachte? Helfe ich auch dann noch? Was tut mein Mitgefühl, wenn der Weinende antwortet: "Ja, du kannst etwas tun für mich. Lass mich in Ruhe. Geh weg. Ich will lernen, alleine klar zu kommen." Wie helfend ist dann mein Mitgefühl?

 

Mitfühlende Menschen bemerken oft ihr subtile Egozentrik und ihr subtile Machtausübung nicht. Ihre Absichten sind gut, ohne Zweifel. Doch dieses "unbewusste Mitgefühl" könnte sich wandeln in ein "bewusstes Ko-Gefühl". Dann bliebe ich selbst emotional ruhig und gelassen, würde wirklich die Wünsche des Leidenden erkunden und würde prüfen, ob ich diese überhaupt erfüllen kann - statt mitfühlend oder mitleidend unerfüllbare Dinge zu versprechen. Kann ich dessen Wünsche nicht erfüllen, würde ich genau dies sagen.

 

Zunehmende Bewusstheit über die eigene erzeugende ICH-Aktivität verwandelt nicht nur Mitgefühl in besseres Ko-Gefühl. Bewusstheit verwandelt auch andere Phänomene, zum Beispiel "Sinnlosigkeit" in Sinnvolles und "Wertlosigkeit" in Wertvolles.

         

Sinn- und Wertlosigkeit in Sinn- und Wertvolles verwandeln

Im Grunde ist es ziemlich simpel: Alles, was als "sinnlos" bezeichnet wird, gewinnt genau dadurch seinen Sinn. Alles, was als "wertlos" bezeichnet wird, gewinnt genau dadurch seinen Wert. Der Sinn der Sinnlosigkeit ist die Erkenntnis der Sinnlosigkeit, weshalb Sinnlosigkeit voller Sinn ist. Der Wert der Wertlosigkeit ist die Erkenntnis der Wertlosigkeit, weshalb Wertlosigkeit voller Wert ist. Beide Begriffe, das Sinnlose wie das Wertlose, haben ihren Sinn und ihren Wert - und deshalb können sie selbst nicht sinnlos oder wertlos sein.

 

Wer das erkennen kann, wird mir auch hierhin folgen können: Sagt ein Mensch, er führe ein sinnloses Leben oder er sei eine wertlose Person, so bemerkt dieser Mensch nicht, wie er gerade durch die Benutzung dieser Begriffe sehr sinnvoll und wertvoll agiert. Er ist sich also des Sinnes und des Wertes seiner Selbstbeschreibungen nicht bewusst. IBANETIK drückt dieses fundamentale geistige Geschehen so aus: "Um Sinnlosigkeit erzeugen zu können, muss ein Sinn existieren. Um Wertlosigkeit erzeugen zu können, muss ein Wert existieren." Noch knackiger formuliert: "Der Akt der Erzeugung ist voller Sinn und Wert. Erzeugung geht vor Wahrheit."

 

Ein Mensch, der zu sich erwacht ist, weiß daher, dass er stets Sinn und Wert erzeugt, wenn er erzeugt. Er weiß, dass die Aussage: "Ich bin eine wertlose Person" voller Wert steckt - und fühlt daher nicht seine eigene Wertlosigkeit, sondern seinen erzeugenden Eigenwert. Ein Mensch, der zur IBA-Bewusstheit erwacht ist, würde daher obigen Satz auch nicht mehr erzeugen: Denn er wäre nicht zutreffend, nicht wahrhaftig. Nur unbewusstere Menschen, die ihr eigenes erzeugendes Wesen noch nicht erkannt und angenommen haben, können sagen (und irrtümlich glauben): "Ich bin wertlos. Mein Leben ist doch sinnlos ..."

 

Ein IBA-bewusster Mensch möchte daher auch nicht dein Mitgefühl. Denn er ist sich innerlich voll bewusst, was er gerade erzeugt. "Ich erzeuge jetzt meine Trauer. Ich will weinen. Störe mich bitte nicht bei meinen Erzeugungen." Wenn ein IBA-bewusster Mensch etwas von dir wünscht, dann wird er dich danach fragen. Er wird niemals erwarten, dass du ungefragt etwas für ihn tun müsstest. Er wird nicht insgeheim von dir fordern, er wird dich nicht überraschen und nicht überfordern. Und wenn er dich nicht fragt, will er auch nichts von dir ...

 

Überprüfe meine Worte, glaube sie nicht einfach. Überprüfe sie, indem du bewusst, vorsätzlich und aktiv "Sinnlosigkeit" erzeugst. Tue dies. Erzeuge voll bewusst deine Sinnlosigkeit und deine Wertlosigkeit. Du wirst dabei lächeln über deine eigenen geistigen Erzeugnisse, wirst sofort den tieferen Sinn und höheren Wert deiner Erzeugnisse erahnen und wirst fortan nie mehr glauben, dass irgendetwas oder du selbst ohne Sinn und ohne Wert sein könnte, wenn du nur erkannt hast, dass du die erzeugende Quelle all deiner Schöpfungen bist.

 

Ein "IBANER" führt daher ein ko-fühlendes, sinnvolles und wertvolles Leben, in jeder Sekunde, befreit von den Lasten des Mitgefühls, befreit von den Schmerzen der Sinnlosigkeit und befreit von der Dunkelheit der Wertlosigkeit.

 

Und ich dachte mir, ich sollte all dies hier mal ein wenig skizzieren ...