Macht, Abhängigkeit und die EU


"Solange Machtgefälle in dieser Welt existieren, die auf erzeugender Unbewusstheit beruhen, werden wir ausgleichende Gegengewichte benötigen gegen diejenigen, die ihre Macht unbewusst gebrauchen. Gemeinschaften waren schon immer ein gutes Gegenmittel, auch Öffentlichkeit und Transparenz. Ohne EU würden wir hier also ziemlich ungeschützt dastehen, nicht wahr?" 


Wenn Arbeiter und Angestellte nicht gewerkschaftlich verbunden und arbeitsrechtlich geschützt wären, stünden sie jeweils allein ihren Arbeitgebern gegenüber. Alle Gespräche zwischen diesen beiden würden dann stets im Kontext eines Machtgefälles stattfinden. Hat der Arbeiter Glück, spricht er mit einem "humanen" Boss - hat er Pech, nun ja ...

Vertrauen in das Recht und die Bildung von Gemeinschaften sind zwei von drei Mitteln für die Schwächeren, um Machtgefälle auszugleichen. Das dritte ist, selbst mächtig zu werden und das dann entstehende Machtgefälle anders zu nutzen - zum Beispiel dazu, dieses Gefälle weitgehend abzuschaffen. Klar, das dies nur sehr wenigen vergönnt ist. Für alle anderen gilt daher: Gewerkschaften oder Gemeinschaften stärken den Einzelnen gegenüber den Mächtigeren. Seine Rechte kennen und sie auch einfordern, ebenfalls. Ich glaube, dass ist leicht zu erkennen.

 

Warum erkennen dann so viele Menschen in Europa nicht, dass ihnen die gleiche Machtlosigkeit, Ohnmacht und Abhängigkeit droht, wenn sie "Nein" sagen zu Europa? Wie der einzelne Arbeiter kaum etwas tun kann gegen den mächtigeren Boss, kann der einzelne Nationalstaat kaum etwas tun gegen mächtigere Staaten. Auch hier hilft nur der Verbund, die Gemeinschaft. Andernfalls würden alle bilateralen Verhandlungen mit den großen Mächten USA, China und Russland stets im Kontext eines Machtgefälles stattfinden - die Briten werden genau dies bald zu spüren bekommen.

 

Wie es aussieht, wartet Donald Trump nur darauf, die EU zu zerpflücken. Aus seiner Sicht macht das Sinn: Dann verhandelt der Starke mit dem Schwachen - und es ist klar, wer dann den Preis bezahlt für Amerikas "Größe". Liebe Leute, wenn euch euer Leben noch etwas wert ist und das eurer Kinder ebenso, dann sorgt mit dafür, dass die EU gestärkt wird. Vom europäischen Volk politisch legitimierte "Verbandsvertreter", die für die europäischen Belange verhandeln können - das wäre ein Gegengewicht. Tun wir das nicht, dann fürchte ich, dass uns unser schönes Leben in Europa schneller um die Ohren fliegt als wir "Ohren" sagen können.

 

Aber vielleicht muss das auch erst passieren, damit wir aus Schaden lernen können und uns dann zu geeigneteren Gemeinschaften verbünden. Obwohl: War nicht genau das die Lektion aus dem 2. Weltkrieg? Einige scheinen dies schon wieder vergessen zu haben ...