Wie Donald Trump Amerikas versteckte Hierarchie offenlegt ...


"Ich glaube, Donald  legt unbewusst und unbeabsichtigt die schon seit der Gründung der Vereinigten Staaten existierende Wertehierarchie offen. Er verkörpert sie wie kein anderer, offen, direkt, unverblümt und ... brutal. Eine Wertehierarchie, die auf Ungleichheit und Machtgefälle beruht und die ihre hässliche Fratze nun nicht mehr verbergen kann. Dies wird eine sehr heilsame Zeit werden: für die USA und für den Rest der Welt. Ich hoffe, danach werden wir alle neu nachdenken über unsere selbstkonstruierten Hierarchien."


Es gibt keine Perspektive von Nirgendwo. In der irdischen Welt scheint Ordnung und Struktur zu existieren und diese Ordnung scheint auch eine vertikale Struktur zu haben, mithin Hierarchie. Das stimmt auch, solange wir diese Hierarchien als unsere eigenen Konstrukte betrachten, die für bestimmte Zwecke errichtet werden. Bevor "da draußen" irgendeine bestimmte Ordnung existiert, existiert sie in unseren erzeugenden Perspektiven, in unseren gewichteten Kriterien für Ordnung und Struktur. Ohne unsere selbsterzeugten Hierarchien enthielte der Kósmos, wie ich aus guten Gründen glaube, keinerlei Rangfolgen des Wertes. Differenzen ja, Vielfalt und Fülle ja, Verschiedenheiten auch, doch keinerlei vertikale Gewichtungen. Nichts im Kósmos scheint mir "aus sich heraus" wertvoller zu sein als etwas anderes, alles hat seinen Platz, seinen Sinn, seinen Wert und seine Verbindungen im großen Ganzen.

 

Die von Menschen nach bestimmten Kriterien erzeugten Hierarchien sind daher allesamt absichtsvolle Erzeugnisse, aber keine naturhaften Ordnungen. Höre ich "heilige Ordnung", dann ist höchste Gefahr angesagt. Oft genug werden hierarchische Systeme verschleiert hinter lockenden Zielen wie "Freiheit", "Gleichheit" und "Einheit" - und viele Menschen streben dann genau danach. Doch es ist die konstruierte Hierarchie selbst, die diesen Zielen oder Werten entgegensteht: Denn Hierarchien leben nicht nur von der Ungleichheit und vom Verschiedensein, sondern vor allem von Rangunterschieden des Wertes und der Bedeutung. Fragen Sie den schwarzen Bevölkerungsteil in den USA oder werfen Sie einen Blick auf die One-Dollar-Note, die seit der Staatsgründung so unverändert gedruckt wird ...

 

Donald Trump legt gerade ziemlich unverblümt offen, was die amerikanische Verfassung schon immer beinhaltete, aber geschickt hinter dem "amerikanischen Traum" von Freiheit und Aufstieg verschleierte: eine wertende Hierarchie, die mehr für diejenigen gedacht war, die sie konstruierten und am Leben hielten als für diejenigen, denen sie übergestülpt wurde. Ja, noch immer kann man vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen - doch das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Millionen Menschen dies niemals werden erreichen können (was gerne verschwiegen wird) - und was eine direkte Folge der bestehenden Hierarchie ist. Donald Trump verkörpert wie niemand zuvor das wahre Antlitz dieser wertenden Hierarchie: Hier wenige Sieger oder Gewinner, dort die vielen, die den Preis dafür bezahlen. Niemand in den USA erzählt dir: "Du kannst hier zum Sieger werden, wenn du ordentlich viele Verlierer akzeptieren kannst. Das eine braucht das andere. Was du gewinnen wirst, wird ein anderer verlieren." Bei den gierigen Banken wurde allerdings exakt diese Story offen kommuniziert - und entsprechende Finanzprodukte, deren einziges Ziel war, neue Verlierer zu erzeugen, wurden kaltlächelnd erschaffen. Willkommen in der Welt der unsichtbaren Hierarchien ...

 

Es sind die Fundamente unseres Glaubens, unserer geistigen Konstrukte, die mich interessieren und die wir dringend stärker im Blick haben sollten. Nicht Donald ist das Problem - die versteckte Hierarchie ist es. Donald wird auch wieder verschwinden, die Hierarchie aber wird bleiben, und dann kommt der nächste Donald. Auch Obama war Produkt und Teil dieser Hierarchie, nur sanfter, verständnisvoller, mitfühlender, aber auch verschleiernder. Wer Menschen Hoffnungen macht auf ein besseres Morgen ("Yes, we can."), dabei aber innerhalb der bestehenden Werteordnung agiert, belügt diese Menschen und wird ihre Hoffnungen enttäuschen. Die Hierarchie gleicht stets einer Pyramide, und unten leben die Lastenträger, die Fußabtreter, die Ohnmächtigen. Ich will das nicht akzeptieren, habe aber auch (noch) kein besseres Modell.

 

Fakt ist, dass wir unsere Ordnungen erzeugen und sie kollektiv lebendig halten - und uns dann wundern, wenn Menschen "durch den hierarchischen Rost fallen". Meine Empfehlung: Lasst uns bewusst Hierarchien konstruieren mit der Absicht, sie allmählich abzuschaffen zu Gunsten einer Ordnung, die tatsächlich von gleichen Rechten und gleichen Werten ausgeht. Warum habe ich Geld und du nicht? Warum darf ich frisches Wasser trinken und du nicht? Warum darf dieser mehr Macht haben als ich und jener nicht? Eine bewusst konstruierte Hierarchie legt die Preise offen, die gezahlt werden müssen, damit die Hierarchie selbst funktionieren kann. Sie legt ihre wertenden Rangkriterien offen, damit ein jeder Mensch sie offen sehen und verstehen kann. Sie wird mithin selbst zum Gegenstand der Betrachtung, wird reflektiert, wird dadurch uns allen bewusster und kann nur deshalb allmählich verbessert werden.. 

 

Irgendetwas ist gewaltig faul mit unseren geistigen Konstruktionen, mit unseren Gesellschaftsordnungen, unseren versteckten Hierarchien. Wir sollten sie abreißen und durch neue Ordnungen ersetzen ...