... über Mitgefühl und Liebe


"Immer dann, wenn das eigene Mitgefühl oder die eigene Liebe die Wünsche des Anderen nicht erkundet hat oder sie, noch schlimmer, im Überschwang des eigenen Gefühls schlicht ignoriert, ist nicht mitfühlende Liebe für den Anderen am Werk, sondern nur der eigene Impuls. Dieser ist sicher gut gemeint, doch er ist meilenweit entfernt von einer Liebe, die zum Wohle des Anderen den eigenen Impuls hintanstellt und dessen Wunsch zu erfüllen versucht. Noch liebender scheint mir jedoch zu sein, den Wunsch des Anderen nicht zu erfüllen, wenn dieser selbst dazu fähig ist."


Ko-Gefühl statt Mitgefühl?

Hallo Gott, hast du eigentlich Mitgefühl, etwa mit mir?

ICH nehme wahr, was du freiwillig aussendest. Sobald du bereit bist, etwas von dir anzubieten, nehme ich das wahr. Logo ...

Nimmst du wahr, was ich aussende oder nimmst du mich wahr, als Wesen, als Individuum?

Gute Frage. Tatsächlich kannst du gewisse Aspekte deines Wesens ausblenden und nicht anbieten wollen. Dann nehme ich dich zwar immer noch wahr, weil jedes individuelle Bewusstsein eine ganz eigene Signatur besitzt, doch die von dir ausgeblendeten Anteile bleiben dann auch mir verborgen. Diese Freiheit der Selbstmitteilung wollte ich dem Leben mitgeben, denn sie ist auch meine Freiheit. Auch ICH teile mich nicht jedem und allem in voller Gänze mit.

Dann bist du ja gewissermaßen nur an Informationen interessiert, am Austausch von Wissen und Erfahrungen, oder?

In allen Universen und zwischen allen bewussten Individuen existiert eine große Freude, sich freiwillig und ohne wettbewerbliche Tendenzen ko-operierend austauschen zu wollen. Dadurch findet Verbindung, Fortschritt und Gemeinschaft statt. Da ICH neugierig bin, ist alles bewusste Sein auch neugierig (lacht). Alle lernen so von allen - wenn sie dies erlauben. Jedes Bewusstsein, egal in welcher Form, ist grundsätzlich fähig, andere bewusste Einheiten wahrzunehmen und Verbindungen herzustellen. Überall wird daher einander ko-gefühlt, wenn dies gewollt wird.

Kann man Verbindung auch ablehnen?

Selbstverständlich. Wahrgenommen zu werden, kann nicht abgelehnt werden, nirgendwo. Nichts und niemand kann sich isolieren und verstecken, nicht vor anderen und nicht vor sich selbst. Bewusstsein ist überall. Selbst euer Raum ist bewusst. ICH bin überall, Carsten. Doch Verbindung im obigen Sinne von gewolltem Austausch und Wechselwirkung, von gegenseitiger Förderung, das kann auch abgelehnt werden. Manche eurer Atome verbinden sich kaum mit anderen Atomen, andere wiederum gehen sehr schnell Bindungen ein mit fast allen anderen. Sie erlauben dies einander.

Dann wäre ja auch unsere Fähigkeit zum Mitgefühl etwas, was wir an- und abstellen können, nicht wahr?

Sicher. Tut ihr ja auch. Allerdings ist euer Mitgefühl nicht das, was ich vorhin als Ko-Gefühl beschrieb. Euer Mitgefühl enthält oft Nuancen von Mitleid und von Hierarchie. Derjenige, der Mitgefühl anbietet, meint dann, wissender, lebensfähiger oder wertvoller zu sein als derjenige, dem Mitgefühl angediehen wird. Ko-Gefühl dagegen ist vollkommen frei von Hierarchie und geprägt durch völlige Gleichwertigkeit und Akzeptanz. Das eben ist Liebe.

Es gibt viele Menschen, die "Mitgefühl und Liebe" als höchste Werte erkennen und vorgeben, diese in ihrem Sein zu verkörpern, besser als andere, und sich selbst quasi als Vorbild für andere sehen. Was sagst du dazu?

Diese Menschen meinen allzuoft ihre persönliche Form von mitfühlender Liebe. Sie streben nach einem Ideal, ohne zu bemerken, dass es dieses Ideal nicht gibt, weil es ihr Ideal ist. Wenn sie Mitgefühl sagen, meinen sie nicht gleichrangiges Ko-Gefühl. Sie glauben, ein besserer Mensch zu sein, ein leuchtendes Vorbild, ein wahres Kind Gottes - und deshalb hat ihr Dasein stets etwas Drängendes, Drückendes, was sie täglich als innere Last fühlen können. Diese Menschen sind glücklich, sobald sie glauben, jemand würde ihre ideale Variante von Liebe verstehen und teilen - und schnell verletzt, wenn ihre Variante nicht unterstützt wird. Im Grunde sind sie Suchende, die innerlich noch leiden und die versuchen, Gottes Liebe abzubilden, um endlich erlöst zu werden. Doch MICH kann niemand abbilden. Sie sollten einfach versuchen, SICH SELBST mehr zu lieben und sich nicht über andere stellen, dann ginge es ihnen besser ...

Gibt es denn eine bessere Variante von mitfühlender Liebe, die wir hier auf Erden praktizieren könnten?

Sicher. Erählt euren Mitmenschen nicht ungefragt und unerbeten, was sie tun sollen. Erzählt stattdessen, was ihr tun würdet in ihrer Lage. Leidet auch nicht mit, wenn ein Anderer leidet. Das Leid eines Menschen könnt ihr problemlos bemerken, denn dieser sendet es ja aus, damit es bemerkt wird - doch deshalb braucht ihr nicht ebenfalls zu leiden. Wenn ihr helfen wollt, fragt zuvor, ob der Andere eure Hilfe wünscht. Lasst ihn das entscheiden. Kann der Andere nicht gefragt werden, weil er vielleicht bewusstlos ist oder noch ein Baby, folgt eurer Intuition. Alles, was ihr tut, sollte in voller Anerkennung und Akzeptanz des anderen Seins geschehen - eben dies bedeutet anerkennende und liebende Gleichrangigkeit. Niemand kennt den individuellen Lebensweg eines Anderen, niemand weiß, was für diesen besser oder schlechter ist. Die meisten Menschen wissen dies ja noch nicht einmal für sich selbst. Wie können sie dann vorgeben, dies für andere zu wissen?

Indem sie sich selbst als wissender, weiser, liebender einstufen - die "Nuancen von Mitleid und Hierarchie", von denen du gesprochen hast, ich verstehe. Wer mit einem anderen mit-leidet, der zeigt vor allem sein eigenes Leiden, nicht wahr? Der will selbst geliebt und umarmt werden, nicht wahr? Der benutzt kranke und schwache Menschen zur Selbstheilung - kann ich das so sagen?

Ja. Solche Menschen suchen ihre persönliche Werterfüllung im Dienst am Anderen. Dabei übersehen sie oft, dass der beste Dienst am Anderen darin bestehen kann, nichts für ihn zu tun, damit dieser selbst lernt, sich zu zeigen. Der Vorstellung einer "tätigen Liebe" mangelt es an der Ergänzung, dass auch Untätigkeit voller Liebe sein kann. In diesen Menschen existiert daher oft ein sprungbereites Interesse, immer und sofort helfen zu müssen. Sie lauern nur darauf und sprechen mit anderen Menschen oft nur in der Absicht, irgendein Hilfethema zu entdecken, irgendeine vermeintliche Schwäche, damit sie endlich mitfühlend und liebend springen können. Sie wollen ihre selbstkonstruierte und idealisierte Größe bestätigen. Sie berufen sich oft insgeheim auf irgendein überhöhtes Christusbild und legitimieren so ihr unbewusstes Handeln mit religiösen Ideen. Wenn in ihrem Leben etwas nicht gelingt, sehen sie oft den einzigen Ausweg darin, noch liebender und noch mitfühlender agieren zu müssen. Da sie oft genug Bestätigung durch ähnlich Glaubende erfahren, werden sie in ihrem idealisierten Glauben noch bestärkt. Doch ihre innere Last und Unausgeglichenheit werden sie damit nicht los. Das Ideal bleibt für sie unerreichbar. Diese Menschen werden innerlich erst dann glücklicher sein, wenn sie von ihrem Ideal lassen und es als eigene Konstruktion erkannt haben. Sofort danach werden sie sich besser fühlen und werden beginnen, sich selbst besser anzuerkennen, mit ihren Fehlern, ihren Ängsten, ihren unsicheren Gefühlen. Würden sie sich kleiner machen, würden sie tatsächlich größer werden können.

Dann fühlst du also nicht mit mir in diesem hierarchischen und mitleidendem Sinne. Du nimmst mich wahr, du wartest auf meine Angebote, du hilfst mir, indem du mich zur Selbsthilfe ermutigst. So etwa?

ICH mische mich kaum ein. Ihr helft euch auch ohne mich. Dass dies geschehen kann, ist allerdings mein Werk. ICH habe euch mit allem ausgestattet, was ihr benötigt für ein glückliches und vor allem bewusstes Leben.

Danke. Dann will ich doch mal sehen, wen ich demnächst mit meiner Variante von mitfühlender Liebe bespringen und beglücken kann (lacht), auf dass dieser meine Größe wahrnehmen kann. Mach's gut ...