IBA-Sichtweise auf ... die Evolution


Eine Quelle, viele erzeugte Bedeutungen

"Ich bin spirituell, und ich könnte Religion erzeugen."

 

In meiner IBA-Botschaft haben die Begriffe "Spiritualität" und "spirituell" eine einfache Bedeutung: Wie das lateinische "spiritus" nichts anders als  "Geist, Hauch" bedeuten soll, so bedeutet auch bei mir "spirituell" zu sein, nichts anderes als "ein geistiges Wesen" zu sein, bildhaft ein "Hauch". Mein Satz "Ich bin spirituell ..." beschreibt nicht, was ich denke, glaube oder tue, sondern mein Sein, mein Wesen: "Ich bin geistig, bin Geist." Mit anderen IBA-Worten: "Ich bin die geistige, erzeugende Quelle."

Deshalb, weil ich die erzeugende Quelle bin, könnte ich auch "Religion" erzeugen, also meine persönliche Art und Weise, an Gott, das Höchste, den Himmel oder was auch immer zu glauben. Ich könnte dieses Erzeugnis individuell pflegen oder mich einem Kollektiv von Wesen anschließen, die an ähnliche Erzeugnisse glauben (das nennen wir dann "Kirche"). Ich werde also niemals sagen "Ich bin religiös", weil ich kein Erzeugnis bin, sondern die schöpferische Quelle. Ich würde sagen: "Ich glaube an ...", aber niemals "Ich bin religiös."

 

Ich finde diese IBA-Bedeutung von Spiritualität herrlich einfach, klar und verständlich. Unkompliziert, gar nicht komplex. Unter dem Logo dieser Page steht: "Ich erlebte zuerst als Mensch spirituelle Erfahrungen - und seitdem als spirituelles Wesen menschliche Erfahrungen." Ich denke, dass sollte weitgehend selbsterklärend sein. Als Mensch erlebte ich mich in meiner AKE als geistiges Wesen - und seitdem erlebe ich mich als geistiges Wesen, welches Erfahrungen mit dem irdischen Menschsein macht.

 

Mir ist wichtig, den Begriff "Spiritualität" so einfach wie möglich zu halten. Ich glaube, dass Spiritualität wichtig ist und sich schnell ausbreiten sollte - also die Selbsterkenntnis, ein geistiges Wesen zu sein. Doch um das zu können, sollte der Begriff "schlank" sein, verständlich und nicht zu Missverständnissen einladen. So gefällt mir überhaupt nicht, wie zum Beispiel Ken Wilber, der vielen als ein führender "spiritueller Denker" gilt, mit diesem Begriff arbeitet. In "Integrale Spiritualität" (Kösel, 2007) schreibt er:

"Wenn Sie sich einmal genau anschauen, wie Menschen das Wort <spirituell> benutzen - sowohl Geisteswissenschaftler als auch Laien - werden Sie feststellen, dass sie dabei von mindestens vier Hauptbedeutungen ausgehen. Auch wenn sie die folgende Terminologie nicht benutzen, ist offensichtlich, dass sie mit <spirituell> meinen: 1. Die höchste Ebene in jeder der Linien; 2. eine eigenständige Linie; 3. eine außergewöhnliche Gipfelerfahrung oder einen entsprechenden Zustand; 4. eine bestimmte Haltung." (ebd., S.144 f.)    

Er will klarmachen, dass in vielen "spirituellen" Gesprächen diese vier Bedeutungen leider vermischt werden "zu einem Brei": "99 % aller Diskussionen über <die Beziehung von Religion und Wissenschaft> gehören praktisch in die Kategorie Brei. Tut mir leid, aber so sieht es für mich aus." (ebd., S. 147) Na ja, und "Brei" breitet sich wohl nicht so schnell und so leicht weltweit aus, weshalb "Spiritualität" wegen dieser vielen Bedeutungen behindert werden könnte. Bis hierhin kann ich Ken gut folgen - doch dann präsentiert er seine eigene Lösung:

"Es gibt mindestens fünf oder sechs Hauptebenen/-stufen von Religion - von magisch zu mythisch zu rational zu pluralistisch zu integral und höher -, die durch vier Zustände (grobstofflich, subtil, kausal, nichtdual) verlaufen ... Und dabei haben wir noch nicht einmal die Quadranten erwähnt (Spiritualität als großes Selbst oder Ich, Spiritualität als großes Du oder Ihr, Spiritualität als großes Es oder Anderes). ... (Es) gibt etwa zwei Dutzend verschiedene religiöse oder spirituelle Wahrheitsansprüche. Welchen davon meinen Sie und auf welcher Grundlage schließen Sie die anderen aus?

Das ist KEIN übermäßig kompliziertes Schema. Es ist das MINIMALE Schema, das Sie brauchen, um überhaupt einen zusammenhängenden Satz über dieses Thema sagen zu können." (ebd., S. 148) 

 

Sorry, lieber Ken, das IST ein kompliziertes Schema. Und du weisst das, weshalb du unaufgefordert im Text glaubst erwähnen zu müssen, dass es nicht kompliziert sei. Es ist dein Schema, von dir konstruiert (weshalb es für dich das minimale Schema ist, um überhaupt über Spiritualität reden zu können). Es erschließt sich mir nicht, wie Ken "vier" vermischte Bedeutungen von Spiritualität als problematisch ("Brei") bezeichnen kann, und im eigenen Schema "zwei Dutzend" verschiedene Bedeutungen von Spiritualität gelten lässt. Ich fürchte, all das führt dann wohl zu "großem Brei", oder?

 

Meine IBA-Spiritualität kennt keine "Stufen", keine "Linien", keine "Quadranten, keine "Zustände" - nur den Bezug auf das eigene geistige Wesen, welches ein schöpferisches Wesen ist (wie Ken mit seinen vielen spirituellen Erzeugnissen eindrucksvoll beweist). Ich wünsche mir sehr, dass sich diese einfache, aber punktgenau zutreffende Bedeutung von Spiritualität herumsprechen und ausbreiten möge:

 

"Wir sind geistige, schöpferische Wesen."