IBA-Sichtweise auf ... Erfahrung


Erfahrung ist nicht Ereignis.

Und ist das, "was einem zustößt", ein Zufall? 

 

Als ich 13 oder 14 Jahre alt war, ging ich zum ersten Mal in meinem Leben in eine Sauna (in der Schweiz). Eine sehr aufregende und interessante Selbsterfahrung für mich - wollte ich sie machen? Die Antwort fällt mir leicht: Ja, die Sauna-Erfahrung, die wollte ich machen.

Als ich 7 oder 8 Jahre war, wollte ich mit dem Fußball unterm Arm auf den Bolzplatz. Dazu musste ich einen kleinen Bach überwinden. Ich stand unten im Bach, da tauchte auf der anderen Seite ein "Spitz" auf, knurrte und versperrte mir den Weg. Ich krabbelte dennoch die kleine Böschung empor, da biss er mich in den linken Arm. Wollte ich gebissen werden? Ganz sicher nicht. Was "machte" ich aus dieser Erfahrung? Nun, kein Theater. Mutter ging mit mir zum Arzt, Spritze, Verband, fertig. Keine generalisierte Hunde-Angst. 

 

Mit diesen Beispielen teile ich anscheinend alle möglichen Erfahrungen in zwei Gruppen ein: "gewollte" (die Sauna) und "nicht-gewollte" (der Hund). Doch wenn du meine Beispiele genauer anschaust, wirst du einen wichtigen Unterschied entdecken, den zwischen "Ereignis" und "Erfahrung". Ein Ereignis ist bei mir ein "Bedingungsraum für Selbsterfahrungen" - aber noch nicht die eigentliche Erfahrung. Die Reise in die Schweiz und der Gang in die Sauna sind Eintritte in solche Bedingungsräume gewesen. Meine Selbsterfahrung in der Sauna ist die von mir schöpferisch erzeugte eigentliche Erfahrung. Ich erzeugte "gut, aufregend, schön" - ich hätte auch eine andere Erfahrung erschaffen können. Für das Ereignis "Hund" gilt etwas anderes: Den Gang in die Sauna wollte ich, die Begegnung mit dem Hund sicher nicht. Dennoch ereignete sich auch dieser "Bedingungsraum für Selbsterfahrung" - und auch hier erzeugte ich meine Selbsterfahrung in der speziellen Art und Weise, wie ich den Hundebiss deutete. Also: zwei Klassen von "Ereignissen", die gewollten und die nicht-gewollten, aber nur eine Klasse von Selbsterfahrungen, nämlich die selbst-gewollten, selbst-gewählten, selbst-erzeugten Erfahrungen. Mit dieser Sicht verwandelte sich mein ganzes Leben in ein aufregendes Erfahrungsabenteuer.

 

Ich will also einleitend sagen: "Ereignisse" und damit "Bedingungen" scheinen nicht immer gewollt zu sein, sie geschehen, sie "stoßen einem zu", doch "Erfahrungen" sind immer selbst-erzeugt. Insoweit stimme ich Aldous Huxley voll und ganz zu. Doch was, wenn auch die "nicht-gewollten Ereignisse" das Resultat unserer schöpferischen Aktionen sind? War die Begegnung mit dem Hund ein "Zufall" oder ein mit meiner Zustimmung geschehender "Bedingungsraum"? Wie weit reichen unsere schöpferischen Möglichkeiten - als ICH und als Ich?      

 

Das ICH-als-Ich formt die Erfahrung - das ICH erfährt sich.

"Dass ich mich selbst tatsächlich selbst dazu entschieden haben sollte, in die Luft gesprengt zu werden, ist wie ein Schlag ins Gesicht für mehr als eine unserer kulturellen Grundüberzeugungen". (Natalie Sudman) 

 

Das ist wohl wahr. Dass ich mich selbst dazu entschieden haben sollte, von einem Hund gebissen zu werden, dass ich die Hundebiss-Erfahrung wollte (!), rüttelt kräftig an vielen Grundüberzeugungen. Und doch kann ich Natalie nur voll und ganz zustimmen: Sie hatte eine wirklich außergewöhnliche Nahtoderfahrung und brachte uns allen viele wertvolle Einsichten mit. Ich hatte eine AKE, die mich mein schöpferisches Wesen (und einiges mehr) glasklar erkennen ließ. Heute weiß ich, dass ich gebissen werden wollte. "Wir all gehen ja generell davon aus, dass uns Dinge zustoßen oder einfach geschehen ... Unfälle geschehen, Fehler werden gemacht - einige Menschen haben Glück, andere nicht", schreibt Natalie, und dann erklärt sie, was sie außerkörperlich erkannte. Bitte ersetze auch im folgenden Zitat "physisches, bewusstes Selbst" durch das "Ich" und "Selbst in seiner Ganzheit" durch das "ICH" (oder auch: "ICH-als-Ich"):

"Meine Erfahrung ist anders und unterstützt diese Grundeinstellung nicht. Ganz gleich, ob ich mir dessen in meinem physischen Geist bewusst bin oder nicht, mein Selbst in seiner Ganzheit ist sich jeder Erfahrung bewusst als eine kooperative Leistung zwischen meinem eigenen fokussierten Gewahrsein innerhalb der physischen Welt, meinem Selbst und anderen individuellen Wesenheiten."  In IBA-Sprache: Mein ICH ist sich jeder Erfahrung bewusst als eine kooperative Gemeinschaftsleistung zwischen meinem Ich und anderen Wesenheiten. Und daraus folgt sehr Wichtiges:

"Ich schaffe meine physischen Erfahrungen. Nichts geschieht oder stößt mir ohne meine Einwilligung zu; Dinge geschehen, weil ich sie entweder selbst so geschaffen, weil ich an ihrer Entstehung beteiligt war oder weil ich zugestimmt habe, dass sie Teil meiner Erfahrung werden." In IBA-Sprache: ICH-als-Ich erzeuge auch meine irdischen Ereignisse, indem ich schöpferisch an der Entstehung von Ereignissen mitbeteiligt bin. Durch die Form der Ich-Identität hindurch erfährt sich das schöpferische ICH, die Wesenheit, die sowohl das Sauna-Ereignis als auch das Hunde-Ereignis schöpferisch mitgestaltete.

 

Doch genau wie ich geht auch Natalie noch weiter. Sie bleibt nicht stehen an diesem Punkt. Sie spricht dann über die möglichen Folgen für unser irdisches In-der-Welt-sein. Sie spricht über das, was ich hier "zunehmende IBA-Bewusstheit" nenne. In Klammern daher meine IBA-Ergänzungen:

"Um die Dinge ... noch ein wenig komplizierter zu machen, so ist von der Warte eines erweiterten Bewusstseins aus (des "ICHs") durchaus zu verstehen, dass Menschenwesen ("Iche") ihren Aufmerksamkeitsschwerpunkt so sehr in einer bestimmten Realität ansiedeln (in ihren "Erzeugnissen"), dass sie ... völlig das Gewahrsein ihres Selbst verlieren (ihres "ICH-als-Ich"). In diesem Zustand der Absonderung und des "Nicht-Verbunden-Seins" können sie alle möglichen Schäden und Störungen verursachen und anrichten durch zwar zielgerichtete, aber unkooperative Handlungen. Dies ist also kein Grund, sie zu bestrafen, sondern eine Aufforderung, sie zu heilen."

 

Meine Aufforderung lautet: "Fördert eure IBA-Bewusstheit. Erkennt euch als schöpferische Wesenheiten." Das Leben ist voller Bedeutungen. Für die ICH-Wesenheit ist dieses irdische Leben die Chance für Kreativität, für schöpferische ICH-Erfahrung - und Natalie fügt noch hinzu: "... und auch von gewissem Unterhaltungswert."

 

Neu, diese IBA-Sichtweise? Das will ich doch sehr hoffen (lacht) ...