IBA-Sichtweise auf ... die Religionen


Weltweit wirkende Kraft

Nehmen wir die vier Religionen mit den meisten Anhängern, dann haben wir weltweit etwa 2,3 Mrd. Christen, 1,5 Mrd. Muslime, 800 Mio. Hindus und 450 Mio. Buddhisten; alles in allem etwa 5,1 Mrd. Menschen weltweit, die irgendeinem religiösen Glaubenssystem anhängen. Die "Weltkarte der Religionen" habe ich gewählt, um die Vorstellung, dass wir es hier mit einer kollektiven, weltumspannenden Massen-Konstruktion zu tun haben, bildlich zu unterstützen.

 

Vielleicht kann man mittels religiöser Glaubenskonstrukte am besten sichtbar machen, welche großen Wirkungen - mithin "Wirklichkeiten" - durch geistige Erzeugnisse erreicht werden können, wenn diese intersubjektiv geglaubt, verstärkt und verdichtet werden. Ich habe keinerlei Vorbehalte oder Einwände gegen solche Ko-Konstruktionen. Doch die meisten Gläubigen sind sich mit großer Wahrscheinlichkeit dieses schöpferischen Massenkonstrukts gar nicht bewusst. Alles, was ich mir wünsche, ist auch hier mehr erzeugende Selbstbewusstheit, mehr IBA-Bewusstheit.

 

Sollte ich nicht von "vier" statt von "einer" Massenkonstruktion sprechen? Gewiss, wenn ich auf die unterschiedlichen religiösen Inhalte schauen würde, müsste ich von vier Glaubenskonstrukten sprechen. Doch ich möchte hier auf die fundamentaleren Gemeinsamkeiten schauen, auf das, was alle Menschen weltweit und zu allen Zeiten in sehr ähnlicher Weise tun bzw. getan haben, und was ich dann sehe, sind nicht vier Phänomene, sondern ein einziges Phänomen, eine weltweit seit mindestens 2.500 Jahren wirkende Grundkonstruktion. Diese ist den meisten Beteiligten nicht bewusst. Ich versuche, sie bewusster zu machen. Schauen wir mal, was dann dabei herauskommt ... 

 

Unbewusste Hierarchien statt bewusste Gleichwertigkeit

Natürlich sehe ich, dass alle religiösen Menschen, unabhängig ihrer Zugehörigkeit, erzeugen, glauben und sich intersubjektiv bestätigen. So weit, so klar. Doch was erzeugen sie? Genauer: Was erzeugen sie, BEVOR sie an diese oder jene Religion glauben wollen? Gibt es eine "Konstruktion hinter dem Glaubenskonstrukt", eine Art globales "Ur-Konstrukt"? Wenn es so etwas gäbe, hätten wir eine wirkende Kraft erkannt, die religiösen Glauben - gleich welcher Couleur - stabil und lebendig hält. Und sollte jemand darauf hoffen, dass die Religionen verschwinden oder sich deutlich verändern könnten, so wird dies nur geschehen können, wenn dieses Ur-Konstrukt geändert werden würde - durch uns selbst.

 

Menschen haben, aus verschiedenen Absichten heraus, eine intensive unbewusste Neigung zur Bildung und Anerkennung von "heiligen Ordnungen", von Hierarchien. Weil dies so ist, finden wir auch in der irdischen Menschheitsgeschichte praktisch überall von uns erschaffene "Ordnungen des Ranges": Kaiser, Könige, Stammesführer, Gurus, Priester, Bosse usw. Ich spreche hier nicht von ethischen "Ordnungen des Wertes", also darüber, ob einige Werte (und Normen) "höher" stehen als andere. Die Ordnungen des Ranges, die ich anspreche, folgen einer geistig konstruierten "Strukturierung", einer "inneren Leiter". Der Punkt ist nun, wie ich zeigen möchte, dass diese innere Hierarchie keine "funktionelle Ordnung" ist, sondern eine "wesenhafte Rangordnung".

Eine "funktionelle" Ordnung sortiert und gewichtet Menschen entlang bestimmter Funktionen oder Fähigkeiten, von denen wir glauben, sie seien hilfreich und nützlich. Wird überall gekämpft, ist vielleicht ein "Kriegerfürst" ganz oben eine gute Wahl. Er mag ein ungebildeter "Vollpfosten" sein, doch er gewinnt seine Kriege. In demokratischen Ordnungen ist hingegen der Krieger nicht mehr so wichtig, dafür der argumentativ überzeugende Redner. Funktionelle Ordnungen sind eine prima Sache. Dagegen sind "wesenhafte Ordnungen" keine prima Sache, wie ich glaube. "Wesenhaft" ist eine Hierarchie dann, wenn sie "höhere und niedere Wesen" kennt, wenn sie "wertvollere und weniger wertvollere Wesen" zu sehen glaubt. 

 

Die unbekannte Gottheit wurde und wird in allen Religionen als ein solch "höheres Wesen" gedeutet. Im Buddhismus hatte ihr Begründer Gautama das Pech, entgegen seiner Lehre bald selbst "vergöttert" zu werden. Heute beten viele Gläubige ihn an, ohne seine eigentliche Lehre wirklich zu kennen. Im Christentum ist die Sache mit dem "höheren Wesen" klar. "Allah" und auch Mohammed genießen, wenn auch deutlich verschieden voneinander, ähnlich erhöhte Plätze als "besondere Wesen". Und im Hinduismus, einem Sammelbegriff für viele indische Religionen, wimmelt der Götterhimmel und auf Erden werden ihre Opferpriester und Hohepriester ebenfalls als "höhere Wesen" erkannt.

 

Wann diese unbewusste Konstruktion höherer Wesen historisch begann, hat sicherlich schon jemand untersucht - für mich ist nur wichtig, dass sie sich massenhaft ausbreiten konnte, weil viele Menschen darin Sinnvolles erkannten und ebenfalls an dieses Konstrukt glauben wollten. Das Ur-Konstrukt "hinter" allen Religionen ist der Glaube an eine "wesenhafte Hierarchie". In ich-aktiver Sprache: "Ich bin weniger wert als ...". Und sich weniger "wertvoll" als irgendein "Gott" zu fühlen, ist wohl nicht besonders schwer.

 

Mein Punkt ist nun: Diese gefühlte Werte-Differenz im Sein, im Wesen, existiert nirgendwo, außer als erzeugtes Konstrukt. Stattdessen existiert eine unglaublich schöne und befreiende "göttliche Gleichwertigkeit". Ich will zeigen, wieso ich das glaube.

 

Gleichwertige Wesenheiten

Natalie Sudman stand in ihrer einzigartigen NTE (Quelle siehe Kap. 8: "In der Welt sein", Abschnitt 3) außerkörperlich auf einem "Podest aus Licht", umringt von tausenden "Wesenheiten" in einer Dimension, die sie auch den "Blinzelraum" nennt. Warum? Weil dort alles sofort, augenblicklich, "ohne Zeit", geschieht, schnell wie ein "Blinzeln". Sie berichtet:

"Für die meisten von uns ist es fast ausgeschlossen, in unserem Denken Vorstellungen über Wertehierarchien, über Wettbewerb und Rangfolgen auszuklammern. In der physischen Welt sind die Variationsmöglichkeiten unserer Erfahrungen endlos; sie werden jedoch nicht als gleichwertig betrachtet: ihre Effekte werden im Vergleich zu anderen bemessen und nicht in Bezug ihrer Wirkung auf das Selbst." (S. 85)

Auch sie beschreibt hier die unbewusste "Ur-Konstruktion", von der ich oben sage, dass sie sich massenhaft schnell ausgebreitet und zu unseren Religionskonstrukten geführt hat. Natalie sagt weiter:

"Von dieser Warte aus (der irdischen; Anm. CR) sind wir gewohnt, Menschen nach einer Rangfolge ihrer Wichtigkeit einzustufen: wie viele andere Menschen werden von diesem einen beeinflusst, wie schwierig oder komplex ist sein Job im Vergleich zu anderen und/oder wie viel Macht über gewisse Dinge übt dieses Individuum aus?" (ebd.) Diese "Gewohnheit" nenne ich eine IBA-unbewusste Konstruktion. Sie ist "irdisch". Sie ist nicht "himmlisch". Natalie sagt dazu: "All diese Wertzuschreibungen gehen von Bezugsrahmen aus, die im Blinzel-Raum gar nicht existieren." (ebd.; meine Hervorhebung)

 

Ich erlebte in meiner Diamant-Erfahrung auch diese "absolute Gleichwertigkeit", besser kann ich das nicht beschreiben: eine "wesenhafte" Gleichwertigkeit. Natalie beschreibt nun noch sehr verständlich, wieso "dort" jede Erfahrung wertvoll und gleichermaßen wertvoll empfunden wird, und dann bringt sie "Gott" ins Spiel mit dem Begriff "Alles-was-ist". Ersetze im folgenden Zitat noch "das Selbst" durch "das ICH", und wir sind bei IBA:

"All diese (Erfahrungen) sind wertvoll und werden gleichermaßen anerkannt. Sie werden nur von dem Selbst bewertet in Hinsicht auf die ursprüngliche Absicht des Selbst. Das Selbst wiederum befindet sich in einer natürlichen Harmonie mit Alles-was-ist, so dass jede Art von Erfahrung auf ganz natürliche Weise jedes andere Sein unterstützt." (S. 86; meine Hervorhebung)

 

Ich habe in meiner Erfahrung diese "natürliche Harmonie" innerhalb des und mit dem Diamanten und mit allen dortigen Ereignissen sofort bemerkt. In der Tat eine "Gleichwertigkeit mit Allem-was-ist" - doch schließt diese Gleichwertigkeit auch die Gleichwertigkeit mit der unbekannten Gottheit ein? Mein Verstand sagt "nein", meine erinnerte Erfahrung "ja".  

 

Neue Religionen durch bewusste Konstruktionen?

Die unbewusste wesenhafte Hierarchie wird sich leider noch sehr lange halten. Meinen Traum von einer irdischen "Welt der gleichwertigen Wesen" werde ich noch lange träumen. Wir tun ja auch wenig für eine bewusste Veränderung dieses Massenkonstrukts. Solange werden unsere Religionen auch ihre treuen Glaubensanhänger finden. Mit jeder Geburt wächst potenzieller Nachwuchs in eine schon erzeugte Massenkonstruktion hinein. 

 

Wir könnten auch andere Religionen erschaffen, andere Rituale und Zeremonien. Wir könnten all dies aus der Bewusstheit tun, dass wir all dies erschaffen. Wir könnten eine "Freuden-Religion der Gleichwertigkeit mit Gott" feiern, jeden Tag. Wir könnten aufhören, an "naturhafte" Hierarchien zu glauben und sie stattdessen als unsere Erzeugnisse ansehen, zweckgerichtet, funktionell, veränderbar. Wir könnten ...

 

Vielleicht verstehst du jetzt besser, warum ich mich bei jeder Gelegenheit für wesenhafte Gleichwertigkeit und den Wert einer jeglichen Erfahrung einsetze. Ich vermeide, mich selbst über andere stellen zu wollen und versuche, sich "duckende" Menschen aufzurichten, ihren Eigenwert zu fördern. Ich leugne nicht funktionelle Unterschiede im Können, in der Erfahrung, im Wissen: Ich bin nicht nur am Klavier hoffnungslos unbegabt, doch ich bin deshalb nicht weniger wertvoll. Tipp: Beginne, dir eine Welt der gleichwertigen Wesen vorzustellen - und wenn du dich traust, beziehe deinen Gott mit ein in diese Welt!