IBA-Sichtweise auf ... den Sinn des Lebens


ICH-Sinn und viele Ich-Sinne

"Als Wesenheit kenne ICH einen Sinn meines Daseins; als Ich kannte ich viele Lebenssinne." (CR)

 

So möchte ich einsteigen in ein wahrlich großes Thema. Ich werde hier unterscheiden zwischen dem Sinn der schöpferischen Wesenheit und den irdischen Lebenssinnen ihrer vielen erzeugten Ich-Identitäten. So weit ich die einschlägige Literatur über das Thema "Sinn des Lebens" überblicken kann, werden zumeist Vorschläge gemacht zu den vielen irdischen Lebenssinnen, nicht aber zum Daseins-Sinn der Wesenheit. Das mag daran liegen, dass die meisten Menschen sich selbst wohl nicht als geistige Wesenheit erlebt haben, sondern aus einer menschlichen Perspektive heraus über den Sinn des Lebens nachdenken. Die bei IBA so wichtige Unterscheidung zwischen "ICH und Ich", zwischen "Quelle und Erzeugnis", zwischen "Wesen und Mensch", findet also auch hier Anwendung bei meiner Erörterung der Sinnfrage. Ich meine, allein der Hinweis auf einen Wesens-Sinn und einen Lebenssinn könnte vielleicht recht neu und ungewohnt und hilfreich sein. So viel vorweg: Der ICH-Sinn unterscheidet sich deutlich von den vielen Ich-Sinnen.

 

An dieser Stelle (und vielen vergleichbaren) habe ich nach meinen AKEs besonders lange grübeln müssen, um besser zu verstehen, ob nur das "ICH" erzeugt oder auch die vom ICH erzeugte Ich-Identität fähig sein könnte, selbst zu erschaffen. Schließlich habe ich mich in allen meinen Identitäten (als kleiner Junge, Teenager, Student usw.) immer denkend erlebt - mithin erzeugend. Und wie oft hat insbesondere zu Studentenzeiten dieser "Carsten" über den Sinn des Lebens im allgemeinen und über den Sinn seines Lebens im speziellen gegrübelt?! Die wichtige Frage lautet hier also: Wer erzeugt eigentlich ein Sinn-Konstrukt? Nur die Quelle - oder kann auch ein geistiges Erzeugnis (das "Ich") seinerseits erzeugen? Nehmen wir ein anderes Beispiel, etwa "Absicht": War die Absicht des Teenagers, heimlich rauchen zu wollen, eine Absicht, die von der Wesenheit erzeugt wurde oder vom Teenager-Ich?

 

Wer erzeugt Sinn: das ICH oder das Ich?

Die Verbindung zwischen der Wesenheit und ihren Erzeugnissen ist so eng, so intim, dass ich erst nach meinen AKEs den "hauchdünnen" Unterschied zwischen "ICH und Ich", zwischen "Quelle und Gedanke", zwischen "Wesen und Konstrukt" bemerken konnte. Früher hätte ich aufrichtig gesagt: "Ich bin meine Gedanken" - heute sage ich: "Ich habe Gedanken, aber ich bin nicht meine Gedanken". Innerhalb des Diamanten habe ich nur mich als geistige Wesenheit erschaffend und erzeugend bemerkt. Ich konnte mir danach lange nicht erklären, wieso ich immer noch glaubte, auch als Junge, Teenager und Student usw. erzeugt zu haben. Ich bin mir noch heute nicht ganz sicher, was hier genau passiert. Ich pendele zwischen zwei Optionen hin und her: Einmal erschafft nur die ICH-Wesenheit und sie tut dies "durch eine Form hindurch", durch die jeweils aktuelle Identität. Die Gedanken des Teenagers wären dann die Erzeugnisse der Wesenheit, stark verformt, gefärbt und konzentriert durch die Teenager-Identität. Da der Teenager "Carsten" damals noch keine Bewusstheit von seinem eigenen ICH-Wesen hatte, glaubte der Teenie seinerzeit also irrtümlich, selbst zu denken und zu träumen und zu fühlen - in Wahrheit wäre es jedoch die Wesenheit gewesen. - Das klingt für mich doch ein wenig "bemüht" ...

 

Die zweite Option (und dieser neige ich stark zu) ist, dass das schöpferische ICH seine erzeugende Kraft oder Energie an seine Ich-Erzeugnisse oder Ich-Identitäten "weiterreicht", sie also irgendwie befähigt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst zu erzeugen. Ich kenne einen Unterschied zwischen ICH und Ich, weiß aber auch, dass es sich nicht um getrennte, sondern um "verbundene" Phänomene handelt. Besser noch: um "Ausdrücke" oder "Ausformungen" oder "Aussendungen" des ICHs. Mir gefällt diese Option besser, weil sie auch eine direkte Fortsetzung der "göttlichen Schöpfungskaskade" wäre, wie ich sie in Kap. 10 beschreibe. Danach hat die schöpferische Gottheit mich als geistige Wesenheit erschaffen und mir eine "bedingte", eigene Schöpferkraft zugestanden. Aus meinen jeweiligen Seins-Bedingungen heraus kann ich dann selbst erzeugen und schöpferisch kreativ werden - immer in Gemeinschaft mit unzähligen anderen Quellen. Die Gottheit hätte mich sozusagen in eine eigene schöpferische Freiheit "entlassen". Etwa so könnte ich mir auch die schöpferische Bindung und Verbindung zwischen ICH und Ich erklären: Die ICH-Wesenheit erschafft spezielle Bedingungen (und findet diese auf Erden auch teilweise vor) für ihre eigenen Ich-Konstrukte, die dann ihrerseits "bedingt schöpferisch" wären. 

 

Natalie Sudman (siehe Kap. 1, Abschnitt 3) brachte aus ihrer aufregenden NTE mehr Bewusstheit und Klarheit in dieser Frage mit. Sie schreibt (in Klammern meine IBA-Ergänzungen):

"Der bewusste Geist (das Ich) verfügt als Schöpfer über genauso viel Macht wie das Höhere Selbst (das ICH), sodass seine Glaubensinhalte die Erfahrung genauso formen wie die Absichten des Selbst es tun (des ICHs). Die Feststellung, dass die Gedanken die Erfahrung schaffen, bedeutet, dass die Gedanken des Selbst (des ICHs) und das Denken des bewussten Selbst (des Ichs) zusammen die Erfahrung entstehen lassen." (ebd., S. 75)    

Hier beschreibt Natalie die enge, intime Verbindung oder das Nicht-Getrennt-Sein von "ICH-als-Ich" oder von "Ich-vom-ICH" (je nach Perspektive). Ich neige ebenfalls zu dieser Sicht, wenngleich ich selbst sie so eindeutig nicht erlebt habe. Jetzt, wo ich dieses schreibe, erinnere ich aber gerade meine häufigen luziden Träume - und in denen konnte ICH mühelos den "Ort" wechseln und in die Traum-Identität "hineinschlüpfen", um dann alles zu fühlen und zu bemerken, was auch die Traumfigur fühlte und dachte. All dies bei voller Bewusstheit, dass ICH jetzt im Traum-Ich anwesend war. Eine sehr seltsame, aber irgendwie vertraute Normalität, die ich da erlebte. Als ob das ICH zwar das Ich wahrnehmen könnte, nicht aber umgekehrt das Ich die unmittelbare Anwesenheit des ICHs - eine gute Erklärung für mein langes IBA-unbewusstes Leben vor den AKEs. Und auch irgendwie passend zu Natalies Erfahrungen.

 

Geklärt wäre dann auch, wieso ich in meinen diversen Ich-Identitäten über den Sinn meines jeweiligen Lebens grübelte und zumeist immer verschiedene Antworten fand - was nichts anderes bedeutet, als dass ich sie erzeugte. Hörte ich anderen Menschen zu oder las Bücher über den Sinn des Lebens, dann hörte oder las ich - ohne den Unterschied zu kennen - Sinn-Konstrukte, die von vielen Ich-Identitäten erschaffen worden waren: viele Ich-Sinne. Was ich nie hörte und nirgendwo las, war, dass es auch einen wesenhaften Sinn geben könnte, einen ICH-Sinn. 

 

Der Sinn des Daseins für die Wesenheit

In der Diamant-AKE erkannte ich mich vor allem als kreative, schöpferische, geistige Wesenheit. In der Meditations-AKE erkannte ich klar den Unterschied zwischen ICH und Ich (oder anders formuliert: den Unterschied zwischen DAS-BIN-ICH und das und das und das bin ich nicht). Natalie, die ihre außerkörperliche Nahtoderfahrung sichtlich genoss, berichtet von drei Kriterien, mit denen sie in ihrer geistigen Dimension ihr bisheriges irdisches Leben bewertete. Mit diesen Kriterien beantwortet sie die Frage nach dem Sinn des Daseins für die geistige Wesenheit, wie sie sich erfahren hat, ziemlich klar und verständlich (in Klammern wieder meine IBA-Zusätze):

"Das erste Kriterium war, ob mein Selbst in seiner Ganzheit (ihr ICH), das Wesen meines Seins (im Original: beingness), in Bezug auf das Verstehen meiner eigenen Natur im Rahmen seiner Selbst-Bewusstheit an Tiefe und Breite zugenommen hat, also erweitert wurde (ob also die ICH-Bewusstheit erweitert wurde). In enger Verbindung dazu stand das zweite Kriterium: Der Ausdruck von Kreativität (IBA: schöpferische Aktivität). Drittes Kriterium war, ob ich die Erfahrung als Ganzes genossen hatte und mich darüber freuen konnte. ... Dass die Freude und das Genießen einer Erfahrung ein zentrales Kriterium für den Wert eines Lebens war, erstaunte mich." (ebd., S. 67)

 

Natalie genoss als geistige Wesenheit die irdische Erfahrung, "in die Luft gesprengt" worden zu sein(!). Sie erkannte dieses Ereignis als eines, welches von ihr kooperativ mit-erschaffen worden war. Hier wird sehr schön der Unterschied zwischen Lebenssinn und Wesens-Sinn deutlich: Als Menschen streben wir nach vielen möglichen Sinnen, wir wechseln sie und wir verlieren auch den Lebenssinn - als Wesenheit liegt der Sinn des Daseins darin, individuell wie kollektiv mit Freude kreativ und schöpferisch zu agieren und die kreierten Erfahrungen möglichst zu genießen.

 

Mit meiner IBA-Botschaft versuche ich, das Bewusstsein für diesen anderen Sinn und diese andere Bewertung des Lebens zu fördern. Wenn wir uns nicht als schöpferische Wesen erkennen (also keine IBA-Bewusstheit erlangen), werden wir den tieferen Sinn des irdischen Lebensabenteuers wohl kaum spüren, kaum erahnen - und uns weiterhin gegenseitig viel Leid und Schmerz aussetzen. Mehr noch: Ich fürchte, die meisten von uns werden dann zu Lebzeiten auch nicht erkannt haben, was Natalie so wunderbar beschreibt:

"Meine eigene Erfahrung auf der Ebene des erweiterten Bewusstseins

bestärkt mich jedoch in der Meinung, dass wir alle von Grund auf

gut, heilig, kooperativ, kreativ und erstaunlich cool sind."