IBA-Sichtweise auf ... den Leistungssport


Mentalität reicht nicht.

"Das Wesen wirkt stärker als die Gedanken  ."

 

Seit einigen Jahren arbeite ich national und manchmal auch international im Profi-Fußball-Nachwuchsbereich als persönlicher "Mental-Coach" für hochtalentierte Jungs. Sie sind alle bei namhaften Bundesliga-Clubs unter Vertrag und arbeiten sehr hart und eng getaktet für ihre Karriere. Ich darf ohne Übertreibung sagen, dass alle Jungs von dem "Mental-Training" sichtbar profitiert haben (denn sie selbst sagen es und ihre Leistungen belegen es zusätzlich).

 

Doch wir machen kein "Mental-Training" und ich verstehe mich auch nicht als "Mental-Coach". Da leider keine geeigneteren Begriffe zur Verfügung stehen und mir bis heute auch noch kein besseres Wort eingefallen ist, arbeiten wir nach außen mit diesen Begriffen. In der Zusammenarbeit ist jedoch nur selten von "Mentalität" die Rede - stattdessen reden wir oft vom "erzeugenden Wesen". Unser magisches Zauberwort lautet: "I-B-A". Vielleicht wäre "Wesens-Coach" passender, oder "spiritueller Coach" - aber du merkst sicherlich, was ich meine. Intern bin ich der "IBA-Coach".

 

Mental-Training im herkömmlichen Sinne befasst sich mit der Produktion "positiver, zielorientierter und leistungsfördernder" Gedanken. In IBA-Sprache: mit "Erzeugnissen". Etwas pointiert könnte man Mental-Training auch als "positives Denken" bezeichnen. Auch die Vorstellungskraft kommt zum Einsatz, in dem etwa bestimmte Bewegungsabläufe wiederholt imaginiert werden. Die Sportler glauben selbst, dass sie "eine gute Mentalität" hätten, wenn sie "positiv" denken und "niemals aufgeben" würden. Ähnliche Glaubenssätze hören sie auch von ihren Trainern und so bescheinigen sich alle gegenseitig, was eine "gute Mentalität" sein könnte. Der Punkt ist nur: Alle haben recht schnell diese "gute" Mentalität, denn sie ist leicht und schnell herzustellen und wird quasi als selbstverständlich vorausgesetzt. Und deshalb wirkt sie auch nicht besonders.

99 von 100 Nachwuchssportlern mit "guter Mentalität" in den Nachwuchsleistungszentren der Clubs bleiben auf der Strecke, werden keine Bundesliga-Profis, sitzen auf der Ersatzbank, werden nervös und leiden innerlich an sich und dem extrem harten Konkurrenzkampf. Hinzu kommen Entscheidungen von Trainern, die im Umgang mit jungen Menschen und erklärender Sprache mitunter erhebliche Defizite haben. Gut bezahlte Trainer-Teams müssen ihr Gehalt rechtfertigen und bombardieren die Jungs regelmäßig mit Daten, Analysen und Videos. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Mein Urteil: Hier werden keine individuellen Spieler-Persönlichkeiten entwickelt, sondern angepasste und gut funktionierende "Automaten". Die Außenorientierung dieser Talente ist extrem ausgeprägt. Sie wollen "alles richtig" machen und immer "positiv denken". Sie haben gelernt, nicht SICH zu folgen, sondern dem Club, dem Cheftrainer und den Daten des Trainerteams.  

 

Mentalität reicht nicht. Erzeugte Gedanken reichen nicht. Nachgeplapperte Gedanken ohnehin nicht, auch nicht "positive". Mein IBA-Coaching geht tiefer, wir bleiben nicht bei den Gedanken (und hier nur den "positiven") stehen, sondern erkunden gemeinsam das schöpferische Wesen. Den Jungs macht das viel Spaß. Und siehe da: Eines Tages trauen sie sich auch, "negativ" zu denken. Sätze wie "Ich will das nicht erreichen" oder "Darauf habe ich keinen Bock" hören sich gar nicht "positiv" an, sind aber herrlich positive Erzeugnisse. Und wenn sie mit Freude und Überzeugung erzeugt werden, geht die schöpferische Party erst richtig los. Die grundlegende IBA-Botschaft lautet dabei: "Folge nicht deinen Trainern, folge deinem schöpferischen Wesen." Klar, dass es dabei zwangsläufig zu einigen "Missverständnissen" und Reibungen kommt, doch wer sich hier behauptet, hat fürs Leben gelernt und wird seinen erfolgreichen Weg gehen.

 

Wesenhaftes IBA-Coaching

Wer in einer Sportart (oder im Beruf) höchste Leistungen bringen will, der wird schnell feststellen, dass es da diesen permanenten inneren Konflikt gibt zwischen Außenorientierung und den eigenen Impulsen, Wünschen, Zielen und Vorstellungen. Nehme ich die gutgemeinten Tipps und Hinweise von außen an oder nicht? Wie bewerte ich sie? Soll ich ihnen folgen oder besser nicht? Welchen Weg gehe ich eigentlich? Bin eigentlich noch "mental gut drauf", wenn ich mich mit Phasen der Lustlosigkeit erlebe, wenn ich stagniere oder zu hören bekomme, ich sei im Quervergleich zurückgefallen?

 

Diese Fragen berühren die Kontaktstelle zwischen wesenhafter Entwicklung und ich-hafter Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten. IBA-Coaching macht diese Kontaktstelle nicht nur bewusst, sondern ermutigt auch dazu, dem eigenen Wesen zu folgen. Das braucht eine Weile, und die Sorge vor dem Machtgefälle ("Dann lässt mich der Trainer nicht mehr spielen") ist groß. Doch auch diese Probleme können gelöst werden, und zwar durch Kommunikation und - falls nötig - ein kompetentes Beraterteam im Rücken. Die Jungs lernen ich-aktive Sprache und benutzen sie mit großem Erfolg. Sie spüren, dass sie SICH vertrauen können - nicht beim "mentalen Positivdenken" (das kann jeder), sondern bei der Lösung von Problemen (das kann nicht jeder). IBA-Coaching fördert das Selbstvertrauen, das ICH-Vertrauen, das Vertrauen in das eigene schöpferische Wesen. 

 

Die positiven Folgen sind deutlich sichtbar (und werden von den Spielern auch so berichtet): Sätze wie "Mein Kopf ist frei" oder "Ich habe wieder Spaß" oder "Früher habe ich dauernd an die Trainer-Vorgaben gedacht, heute spiele ich intuitiv" künden von einem Leistungssportler, der begonnen hat, SICH zu vertrauen.

 

Das soll an dieser Stelle genügen. Wenn ein Spieler sich auf diese Weise entwickelt und dann noch lernt, dass er die Eintrittswahrscheinlichkeit zukünftiger Ereignisse aktiv beeinflussen kann, ist sehr viel erreicht. Sich vorzunehmen - auf bestimmte IBA-Weise -, Tore schießen zu wollen, und dann in den nächsten drei Spielen 4 Tore zu schießen, ist eine außergewöhnliche Selbsterfahrung.

 

Mentalität reicht nicht. Das schöpferische Wesen muss mit im bewussten Spiel sein. Das ist IBA-Coaching.