IBA-Sichtweise auf ... das Leiden


IBANETIK versus Buddhismus

 

"Solange der Weltraum besteht

Und solange fühlende Wesen existieren,

Möge auch ich verweilen,

Um die Leiden aller fühlenden Wesen zu vertreiben."

(Shantideva: Das berühmte Bodhichitta-Gelübde als Gebet)

 

Im tibetischen Buddhismus strebt der Suchende nach "Erleuchtung" und damit nach "allumfassendem Mitgefühl", ausgedrückt in der Selbstverpflichtung desjenigen, der den Bodhichitta-Geist erlangt hat und dann schwört, solange in den Weltenkreislauf wiederkehren zu wollen, bis endlich alle fühlenden Wesen vom Leiden erlöst sind. Ein ehrenwertes Gelübde, fürwahr, doch leider völlig nutzlos und zugleich an selbst-überhöhender Egozentrik kaum zu überbieten. Schauen wir uns das mal etwas genauer an ...

 

Bei IBANETIK gibt es ein aktives ICH, ein erzeugendes Wesen - und deshalb auch die so wichtige Ich-Sprache (es sei denn, man will sein erzeugendes ICH verschweigen). Also übersetzen wir das Bodhichitta-Gelübde von Shantideva zuerst einmal in ich-aktive Sprache. Und da Shantideva sich ja vornimmt, die Leiden fühlender Wesen vertreiben zu wollen, spielen wir sein Gelübde mal ganz konkret durch und ersetzen "fühlende Wesen" durch Carsten Rachow, durch mich. Dann lesen wir folgenden Schwur:

 

"Solange der Weltraum besteht, und solange Carsten Rachow existiert,

möge auch ich verweilen, um die Leiden von Carsten zu vertreiben."

 

Wird die gutgemeinte Selbstüberhöhung Shantidevas schon sichtbar? Er traut sich zu, meine Leiden zu vertreiben - warum traut er es mir nicht zu? Nun, vielleicht meint er das, vielleicht will er mir nur einen leidvertreibenden Weg zeigen, den ich selbst dann zu gehen habe - doch warum sagt er genau das dann nicht? Warum sagt er nicht: "... um Carsten zu zeigen, wie er selbst seine Leiden vertreiben kann." 

Seltsam auch, dass Carsten in seinem Gelübde nicht vorkommt. Er fragt mich gar nicht, ob ich möchte, dass er meine Leiden vertreibt - und ich möchte das nicht (!). Ich möchte nicht, dass Shanti wegen mir "solange verweilt, wie der Weltraum besteht". Wenn schon, dann möchte ich befähigt sein, meine Leiden selbst zu vertreiben, ohne von Shanti als Grund für seine dauerhafte Wiederkehr genannt zu werden. Ich möchte auch kein "mitfühlendes Wesen" dauerhaft in meiner Nähe wissen, Blick auf mich, sprungbereit, immer mir helfen wollend (ist das ein mitfühlendes Helfer-Syndrom?).

 

Was ich möchte, ist etwas anderes: Wenn ich leide, viel und oft leide, verzweifelt bin, scheinbar ohne Ausweg und ohne Hoffnung, mein Leiden lindern oder beenden zu können, dann möchte ich einem mitfühlenden Wesen begegnen dürfen, welches mich fragt: "Carsten, willst du dein Leiden beenden? Willst du lernen, wie du das schaffen kannst?" Dann würde ich neugierig ausatmen, neue Hoffnung schöpfen, aufmerksam zuhören, Vertrauen in diesen guten Freund investieren und nicken: "Ja, ich würde mich gerne selbst heilen wollen. Wie geht das?"

 

Das ist, was IBANETIK dir geben möchte: Eigenmacht. Und hier mein IBA-Gelübde: "Ich gelobe, dass du die geistige Kraft bist, die dein Leiden heilen kann. Ich kann es nicht." Und dann bist du an der Reihe, dann musst du "springen", musst wollen. Damit weder ich noch ein anderes Wesen wegen deiner Leiden dauerhaft wiederkehren muss, gibt es IBANETIK als geschriebenes Wort. Studiere es, wende es an, überprüfe es. Werde aktiv. Schwöre dir: "Ich werde es sein, der aktiv werden wird, um mein Leiden zu heilen."

 

Unbewusst erzeugtes Leiden versus bewusst erzeugtes Leiden

Weil du ein schöpferisches geistiges Wesen bist, bist du fähig, dein Leiden zu erzeugen. Weil du fähig bist, dein Leiden zu erzeugen, bist du auch fähig, es nicht zu erzeugen. Dies ist der erste wichtige IBA-Hinweis für dich. Doch "geistige Erzeugung" geschieht so schnell, so unmittelbar (fast schon reflexhaft, automatisch), dass du deinen erzeugenden Geist ein wenig trainieren musst. Du musst lernen, den Vorgang der geistigen Erzeugung BEWUSST zu erleben. Deshalb hier der zweite wichtige IBA-Hinweis: "Lerne, deine Gedanken und Gefühle bewusst, absichtlich, mit Vorsatz und willentlich zu erzeugen."

 

Du wirst dann bemerken, dass es einen Unterschied gibt zwischen unbewusst erzeugtem und bewusst erzeugtem Leiden. Du wirst bemerken, dass dein bisheriges Leiden unbewusst von dir erschaffen wurde - du hast dich als die erzeugende Quelle gar nicht bemerkt. Und dann tut es weh, dieses Leiden: Du fühlst große Trauer, große Einsamkeit, große Ohnmacht und Wut, du leidest wirklich, du weinst viel, du ziehst dich zurück, du möchtest nicht mehr leben - und weil du dich selbst als die erzeugende Quelle nicht bemerkt hast, wirst du zwangsläufig glauben müssen, dass dein brutales Leiden nicht von innen, von dir, kommt, sondern von außen, von äußeren Mächten oder Faktoren, die dich leiden lassen wollen. Immer wieder, ohne Ende ...

 

Der mitfühlende Bodhichitta des Buddhismus will dein Leiden "vertreiben". Das nenne ich keine gute Idee, denn wenn es ihm gelingt, würdest du den Rest deines Lebens ohne Trauer, ohne Verzweiflung, ohne Wut und ohne Ohnmacht leben müssen - also ohne etwa die Hälfte deines inneren Gefühlsspektrums, welches ja nun "vertrieben" wäre. Der mitfühlende Bodhichitta hätte dich gewissermaßen als fühlendes Wesen halbiert. Keine gute Idee. Keine gesunde Idee. Ist denn Trauer ohne Wert? Ist Wut des Teufels? Können Tränen nicht auch kostbar sein? Willst du nicht lieber als vollständiges Wesen leben, ohne halbierte Innerlichkeit, aus der ganzen Fülle deines Wesen heraus? Mit allen Gefühlen, allen Gedanken?

 

IBANETIK ermutigt dich zur Fülle, zum bunten Regenbogen, zu allen Farben. Vertreibe sie nicht, keine einzige. Leide, wann immer du willst - nur erzeuge es bewusst. Mache dich traurig oder wütend, wann immer du willst - nur mache es bewusst. Ziehe dich zurück von anderen Wesen und sage mutig: "Ich mache mich jetzt mal verzweifelnd. Ich will leiden." Nur zu, vertraue dir, du kannst das. Erschaffe deine zu Leid führenden Gedanken und Gefühle aktiv, voll bewusst, immer wieder - und dann spüre das innere Wunder, spüre deine innere Verwandlung: Du beginnst zu lachen. Du erkennst dich als die schöpferische Quelle. Und ist die Quelle nicht immer "größer" als ihre Erzeugnisse? Bist DU nicht größer als das von dir bewusst erzeugte Leiden? Überprüfe dies, nur zu. 

 

Mit IBANETIK vertreibst du nichts, du holst es heraus aus dir, bewusst, absichtlich, spielerisch, freudig. Lerne dies. Allein oder mit mir, in der IBA-Gruppe. Hier noch einmal das IBA-Gelübde: 

 

"Ich gelobe, dass du die geistige Kraft bist, die dein Leiden heilen kann. Ich kann es nicht."