IBA-Sichtweise auf ... das Geld


Geld als kollektiv erzeugte und geglaubte Bedingung des Daseins

Unser Geld fiel nicht vom Himmel, aber aus unseren Köpfen. Wir haben es erfunden, erzeugt. In sehr frühen Zeiten spielte Geld noch keine große Rolle im täglichen Leben: jagen, sammeln, überleben waren unsere Hauptbeschäftigungen. An das morgige Geld dachte niemand. Heute sieht das anders aus: Milliarden Menschen denken täglich ans liebe Geld. Geld ist zu einer selbst-erzeugten Bedingung geworden. Eine Bedingung für unser Denken, unser Fühlen, unser Leben, unser Miteinander. 

Fast alle menschlichen Themen werden von dieser großen Bedingung eingerahmt. "Folge der Spur des Geldes", so heißt es heute zutreffend und dann verstehst du viele menschliche Freuden, Freiheiten, Absichten und Entscheidungen besser - aber auch menschliches Leiden, Unfreiheiten, Streitigkeiten, Machtkämpfe, viel Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht und Abhängigkeit. Ich plädiere nicht dafür, die Bedingung "Geld" zu entfernen oder abzuschaffen. Ich plädiere dafür, diese weltumspannende Bedingung als eine von uns erzeugte Bedingung zu erkennen, als einen wirkmächtigen globalen Hintergrundkontext, der das Leben so vieler Menschen direkt und unmittelbar täglich beeinflusst, positiv wie negativ. 

 

Wie mit jedem geistigen Konstrukt, so sind auch mit der Erschaffung des Geldes und insbesondere des heutigen modernen Geldwesens viele gute und viele schlechte Wirkungen in unserer Welt ermöglicht worden. Ob nun die guten oder die schlechten Wirkungen überwiegen, wird wohl jeder anders konstruieren und dies soll hier nicht mein Thema sein. Mein Thema ist, ob wir nicht eine neue wirkmächtige "Geld-Bedingung" kollektiv erschaffen könnten? Natürlich können wir das, doch nach welchen Kriterien sollen wir ein neues Geldsystem konstruieren? 

Auch hier würde es, weil wir alle erzeugende Wesen sind, sicher viele Vorschläge und Ideen geben. Worauf ich aufmerksam machen möchte bei dieser möglichen Neu-Konstruktion, ist die "Bedingung der Geld-Bedingung", um es mal etwas komplizierter zu sagen. Was meine ich damit? Nun, wir haben das Geldsystem auf einer einzigen Ur-Idee aufgebaut, auf einer einzigen Ur-Bedingung: Geld soll Schuldgeld sein und in Form von Schulden in die Wirklichkeit gelangen. Diese Ur-Idee ist die "Bedingung der Geld-Bedingung". Und über diese fundamentale Bedingung bitte ich nachzudenken, mehr nicht. 

 

Bevor also viele aufregende Vorschläge für eine neues Geldsystem erdacht werden (was ja schon passiert), bitte ich darum, diese Ur-Idee zu sehen und zu würdigen. Denn: Jedes neue Geldsystem, welches diese Ur-Idee unverändert lässt, wird unweigerlich auf die gleichen Probleme stoßen, die heute schon gegeben sind. Leider ist genau das der Fall: ob nun Grundeinkommen oder Vollgeld oder Helikoptergeld oder Freigeld oder ähnliche Ideen - sie alle bauen auf dem alten Grundgedanken auf, dass das Geld als Schuldgeld erschaffen und als Schuldgeld distribuiert werden muss.

 

Nicht Schulden, sondern Werte verteilen

Deshalb: Wie wäre es mit einem "Wert-Geld"? Ein Geld, welches nicht mit "Schuld" belastet in den globalen Kreislauf gelangt, sondern mit "Wert". Heute verbucht jede Notenbank der Welt, wenn sie neues Geld erschafft (per Mausklick am Computer), sofort eine "Forderung" in ihre Bücher, und eine Privatbank, die Notenbankgeld bezieht, bucht eine entsprechende "Verbindlichkeit" in ihren Büchern. Die Bank "schuldet" der Notenbank das frisch erschaffene und von ihr genommene Geld - und wenn sie es dann an mich, an dich, an Unternehmen oder Staaten weiterverteilt, muss (!) jede Bank unweigerlich "Schulden" weiterverteilen - und wir müssen (!) diese Schulden zurückzahlen, werthaltig besichern, hart arbeiten dafür usw. So haben wir historisch eine gigantisches "Schuldenverteilsystem" konstruiert und Wirklichkeit werden lassen.

 

Doch welche "Schulden" hat die Notenbank gemacht, die mal eben 100 Milliarden Euro oder Dollar erschaffen hat? Bei wem hat sie sich verschuldet? Nun, bei niemandem. Sie schnippst einfach mit dem Finger und schon ist Geld da. Diese "Erschaffung aus dem Nichts" ist erst in der Moderne möglich geworden, weil heute niemand mehr Gold oder Silber ausgraben und als Sicherheit hinterlegen muss. Früher war die Geldschöpfung teuer, war direkt an die Gold- und Silberreserven eines Landes gebunden. Heute kostet sie einen Mausklick, mehr nicht. Die global wachsende Digitalisierung des Geldes führt zu einem relativen Rückgang des benötigten Bargeldes (Münzen und Scheine), was ganz im Sinne der Banken ist: Bargeld verursacht Kosten (für Herstellung, Lagerung und Verteilung), digitales Geld kostet bei seiner Erschaffung hingegen nichts. Die technologische Infrastruktur ist schon vorhanden. (Kosten entstehen bei der weiteren Digitalisierung des Geldverkehrs, aber nicht mehr bei der Geldherstellung.)

 

In Europa hat sich die EZB also bei niemandem verschuldet, wenn sie Geld erschafft. Wieso verteilt sie dann das mühelos erzeugte Geld als Schuldgeld? Und nicht als "Wert-Geld"? Schauen wir uns das mal etwas genauer an: Schuldgeld wird nicht einfach so verteilt (etwa: jeder bekommt gleich viel davon), sondern wird verteilt durch ebenfalls erzeugte Kriterien, denen man entsprechen muss, will man einen Geldzufluss bei sich bemerken. Im wesentlichen sind das zwei Merkmale: Man muss arbeiten und man muss kreditwürdig sein. Insgesamt muss man "schuldendienstfähig" sein. Wir haben unser aktuelles Geldsystem nicht nur an die Ur-Idee der Schuld gekoppelt, sondern auch an die Ideen der Arbeit und der Kreditwürdigkeit.

An welche Ideen könnten wir ein von jeglicher Schuld befreites "Wert-Geld" koppeln? Wohlgemerkt: Diese Ideen wären keine Kriterien für die Erschaffung von Geld, sondern für die anschließende Verteilung, für den Zufluss zu den Menschen. Belassen wir es bei Arbeit und Kreditwürdigkeit, dann halten wir durch unseren Glauben an diese Merkmale zugleich diejenigen speziellen Bedingungen lebendig, die viele Menschen dauerhaft und weltweit vom Geldzufluss ausschließen. Denn: Noch nie gab es für alle Menschen "bezahlte Arbeit" und noch nie waren alle Menschen "kreditwürdig", was zukünftig wohl auch so bleiben wird. Unsere Konstrukte! Seltsam, nicht wahr?!

 

Die neuen "Wert-Bedingungen" müssten also andere sein, sowohl bei der Erschaffung als auch bei der Verteilung des Geldes. Ich will es mal so sagen: Die Notenbanken weltweit würden dieses neue Geld nicht mehr als "Forderung gegen Banken" verbuchen, sondern vielleicht als "abrufbares Wert-Guthaben". Bedeutet: Wer berufen ist, bekommt (lacht). Die anschließende Verteilung könnte direkt digital erfolgen oder "klassisch" über die Banken, nur dass diese dann keine "Verbindlichkeit" gegenüber den Notenbanken buchen würden, sondern etwa "durchlaufende Posten". Banken wären zukünftig dann treuhänderische Geldzufluss-Agenten. Wer wäre "berufen" für diesen Geldzufluss? Nun, sollten wir Menschen das nicht selbst bestimmen, in demokratischen Prozessen? Ich glaube, dann würden wir schnell an das Argument der "Menschenwürde" denken und grundsätzlich allen Menschen einen solchen Zufluss an Wert-Geld ermöglichen. Nette Idee, oder?

 

Ich sehe also eine "Bedingung der Geld-Bedingung", nämlich die historisch gewachsene Ur-Idee der Schuld. Und ich sehe, dass es sich dabei um ein kollektiv geglaubtes Konstrukt handelt, nicht um eine "stehende Wahrheit". Ich weiß nicht, wie viele Menschen das ebenso sehen können, ich sehe glasklar: neue Ur-Idee, neues Geld, neue Zuteilung, neue Welt - das ist meine IBA-Sichtweise auf das Thema "Geld".  Lasst uns nicht neue Geldspiele auf dem gleichen Spielfeld spielen, sondern ein neues Spielfeld erschaffen.