IBA-Sichtweise auf ... das Absolute


Das erzeugte Absolute

Das Absolute ist früher auch für mich in etwa das gewesen, was Wikipedia heute (Stand: 13.10.2020) abbildet. Ich fasse das für mich Wesentliche zusammen:

„Das Absolute (von lat. absolutum, „das Losgelöste“) ist ein Begriff, der in vielen Bereichen der Theologie und Philosophie Verwendung findet und das völlige Enthobensein von allen (einschränkenden) Bedingungen oder Beziehungen bezeichnet. In der philosophischen Tradition ist der Begriff eng verwandt mit dem des Unbedingten. Im Gegensatz zur abendländischen Tradition des Absoluten in der Ontologie ("Lehre vom Sein") als Absolutes Sein wurde das Absolute in östlichen Philosophien eher als Absolutes Nichts gedacht. Grundlegend waren hier die buddhistischen Lehren über die "Leere", die Nicht-Substantialität allen Seins ("shunyata") und das Nicht-Selbst ("Anatta").“ Soweit Wikipedia.

Natürlich gehört zum Nachdenken über das Absolute auch der Zwillingsbegriff "das Relative", womit ich dann auch schon bei Nagajurna bin, dem im 2. Jhdt. wirkenden großen theoretischen Denker des "mittleren" Buddhismus'. Er versuchte in seiner Lehre von den "zwei Wahrheiten" das Absolute und das Relative als Einheit zu denken: "Das Relative ist das Absolute und das Absolute ist das Relative." Bekannter ist wohl die buddhistische Formel "Leere ist Form, Form ist Leere". Nagajurna postulierte eine Lehre der "zwei Wahrheiten", eine höchste, absolute Wahrheit und eine "verdunkelte", von Konventionen abhängige relative Wahrheit, die er in seiner Lehre von der "Leerheit" zu vereinen suchte. Zwei Wahrheiten, zwei "Welten": die Welt des Absoluten und die Welt des Relativen - und beides vereint in der Leerheit.

 

In Europa versuchte Kant in der "Kritik der reinen Vernunft" das Absolute als das Unbedingte in der Erkenntnis zu bestimmen, also nicht ontologisch. In der "Transzendentalen Analytik" versuchte er nachzuweisen, dass durch die Verstandesbegriffe ("Kategorien") kein Unbedingtes der Erkenntnis erreicht werden kann. Kant erklärte, dass die Vernunft bestrebt ist, alle Verstandeshandlungen „in ein absolutes Ganzes zusammen zu fassen“. Dieses Streben erfolge mittels "Vernunftbegriffen" bzw. "transzendentalen Ideen". Sie sollen „die absolute (unbedingte) Einheit des denkenden Subjekts“, „die absolute Einheit der Reihe der Bedingungen der Erscheinung“ und „die absolute Einheit der Bedingungen aller Gegenstände des Denkens überhaupt“ ermöglichen. Der „objektive“ Gebrauch dieser drei transzendentalen Ideen führe allerdings zu unauflösbaren Widersprüchen. Das Absolute sei so für die theoretische Vernunft ein „regulatives Prinzip“ zum Zweck „der systematischen Einheit der Sinnenwelt“. In der "Kritik der praktischen Vernunft" bestimmt Kant das Unbedingte dann als den Bestimmungsgrund des Willens, der im moralischen Gesetz gegeben ist. Das Absolute ist dort eine regulative Idee, um Moralität und Glückseligkeit zusammenzubringen, was für Kant das „höchste Gut“ darstellt. - Ich finde, wie ich gleich zeigen möchte, dass er mit seinen Gedanken ziemlich nahe bei IBANETIK lag.

 

Ich persönlich würde noch die Begriffe "Gott" oder "die Gottheit" ergänzen, denn wenn ich früher an das Absolute dachte, dachte ich sofort an die unfassbare Gottheit. Genau so, wie ich "dachte" und "mir vorzustellen versuchte", so dachten und versuchten auch alle anderen Denker und Denkerinnen, wenn sie sich mit dem Absoluten (und dem Relativen) befassten. In IBA-Sprache: Alle erzeugten ihre Vorstellungen vom Absoluten. Niemand "erkannte" das Absolute (was auch ziemlich schwierig sein dürfte), niemand "nahm es wahr", aber alle erzeugten ihre Gedanken und Vorstellungen, ihre Theorien und Lehren, ihre "Erzeugnisse und Konstrukte". Auch das sollte mittlerweile, wie ich hoffe, klar gesehen werden können. 

 

Das vergessene Dritte

Alle großen mir bekannten Denker "vergaßen" SICH zu erwähnen: Sie verschwiegen ihr eigenes schöpferisches Wesen (bis auf Kant, der "das Subjekt" als unüberwindliche Hürde erkannte, noch nicht aber als erzeugendes Wesen). Von Ken Wilber habe ich den schönen Satz, dass die Moderne kein Verständnis mehr hat "für Behauptungen, die ohne Beweise daherkommen" - doch mit IBA füge ich hinzu: "Ich habe kein Verständnis mehr für Behauptungen und Beweise, die ohne erzeugendes Subjekt daherkommen."

Das Verschweigen der eigenen, hochaktiven, schöpferischen Subjektivität nenne ich die "Halbierung des Garten Gottes". Die Unbewusstheit über das eigene schöpferische Agieren halbiert sozusagen den Kósmos, sie erschafft überall Objekte ohne Subjekte und entwirft uns eine seichte, flache, "objektive" Wirklichkeit voller "Naturgesetze" und Oberflächen. Keine schöpferischen Subjekte, keine geistigen Wesen, keine erzeugende Substanz oder Kraft, keine Bewusstheit, keine Gutheit, keine Liebe - stattdessen metaphysisches Gemurmel, hochtheoretische Denksysteme und, früher wie heute, die Vermutung magischer Interventionen des Absoluten ("Jesus ging übers Wasser"). Ich gestehe zu: Was ich mit der rotbraunen Wolke und dem Diamanten erlebte, könnte allerdings eine "magische Intervention des Absoluten" genannt werden.

 

Besonders deutlich wird das "Verschweigen des Subjekts" in den östlichen Philosophien, wo denkerisch in vielen Traditionen von einem "substanzlosen Selbst" oder gar von einem "Nicht-Selbst" ausgegangen wurde und wird. Beides bedeutet bis heute stets: Es gibt kein Ich, kein Selbst und schon gar kein absolutes ICH. Ich füge hinzu: Und ein schöpferisches Selbst erst recht nicht (lacht). Wer also eine Lehre verkündet, in der das Subjekt keine Rolle spielt, der sieht sicher auch keinen gehobenen Anlass, SICH SELBST seiner Lehre hinzuzufügen. Wie man das machen könnte, habe ich beschrieben: durch die Verwendung von ich-aktiver Sprache (oder "IBA-Sprache"). Das vergessene Subjekt nenne ich hier "das vergessene Dritte": Wenn etwa Nagajurna über die Vereinigung des Absoluten hier und des Relativen dort nachdachte, dann dachte er über zwei Phänomene nach - und vergaß das dritte, SICH SELBST. Vielleicht würde er zustimmen, wenn ich seine bekannte Formel "Leere ist Form, Form ist Leere" mathematisch so ausdrücken würde: 1 + 1 = 1 (Absolutes + Relatives = Eins). Fügen wir mit IBA das vergessene Dritte hinzu, bekommen wir: 1 + 1 + 1 = 3 (Absolutes + Relatives + erzeugendes Subjekt = 3). Deshalb schrieb ich einmal etwas kurz angebunden in einem früheren Essay: "Nagajurna ist leicht zu widerlegen - mit Nagajurna." Füge ihn selbst zu seiner Lehre dazu, und die Lehre von der "Leerheit" ist widerlegt. 

 

IBA: Liegt das Absolute im Subjekt verborgen?

Mit Wilfried Ehrmann, einem von mir geschätzten Psychotherapeuten und Buchautor aus Wien (mit lesenswerter Homepage, bitte googeln), führte ich einmal einen kurzen, aber anspruchsvollen Fern-Austausch per E-Mail über "das Absolute". Und obwohl es lange Zeit so schien, als ob er an die Existenz des Absoluten glaubte (eine eher ontologische Sichtweise) und ich nicht, berührten sich unsere Konstrukte doch plötzlich an einer Stelle, als Wilfried sehr schön klar schrieb: "Rachow hält wenigstens die Möglichkeit für das Absolute offen, wenn er es im Wesen vermutet" (sinngemäßes Zitat). Ich bringe das hier, weil Wilfried damit in eleganter Kürze meine spirituelle IBA-Sicht beschrieben hat.

 

Kant wollte, wie oben gezeigt, das Absolute eher epistemologisch ("erkenntnistheoretisch") bestimmen, weniger ontologisch, als Seins-Begriff. So gehe auch ich vor, wenngleich bei mir aus der Erkenntnis (besser: Erfahrung) noch ein Sein werden wird (lacht). Kant erkannte zutreffend, dass mittels "Kategorien" oder "Verstandesbegriffen" das unbedingte Absolute nicht erkannt werden kann. In IBA-Sprache: "Erzeugende Quelle und Erzeugnisse sind nicht identisch". Kategorien oder Begriffe sind Erzeugnisse - und mit diesen Mitteln kann das Absolute nicht erkannt werden. Doch wo ein Erzeugnis, da auch eine erzeugende Quelle (das ominöse Subjekt) - und vielleicht begegnen wir ja dort dem Absoluten. Das war ja auch das elegante Fazit von Wilfried Ehrmann über meine Sicht.

 

Nicht in den Begriffen, nicht in den Lehren (Nagajurna), nicht in den Kategorien (Kant), kurz: nicht in den Erzeugnissen (IBA) - aber vielleicht im Subjekt (Kant), in der erzeugenden Quelle, im schöpferischen Wesen, im vergessenen Dritten (Rachow). Und es ist erneut Kant, der Hinweise liefert, wenn er sagt, das Absolute könnte "der Bestimmungsgrund des Willens" sein, eine "regulative Idee, um Moralität und Glückseligkeit zusammenzubringen", für ihn das „höchste Gut“. Nun, mit IBA sagte ich in Kap. 10, dass nicht das Absolute, sondern die geistige Wesenheit (das "ICH") durch erzeugende Akte "den Willen bestimmt" und dies tut um, ja, "Moral und Glückseligkeit" zu ermöglichen. Ersetzen wir "Moral" durch die von mir erfahrene und beschriebene "wesenhafte Gutheit" und "Glückseligkeit" durch die von mir erfahrene und beschriebene "schöpferische Freude", dann liegen Kant und IBANETIK nicht sehr weit auseinander, wie ich meine. Dann könnte sich das Absolute "in der wesenhaften Schöpferkraft und Gutheit und Freude" zeigen - wenn man so will, ein "ibanisierter" Kant.

 

Neu? - Ich glaube schon. Genau "dort", im eigenen Wesen, während meines außerkörperlichen ICH-Zustands, glaubte ich dieses starke und zugleich mühelose "Gottesvertrauen" zu spüren - und zwar beidseitig wechselwirkend: Das unfassbare, "absolute" Vertrauen der Gottheit zu mir und mein "absolutes" Vertrauen in die unfassbare Gottheit. Mit IBA möchte ich daher sagen: "Suchst du das Absolute, vertraue unbedingt auf die in dir anwesende Gottheit. Dir wird nur Gutes passieren, auch wenn es auf Erden schlecht aussieht. Und vertraue deinem schöpferischen Wesen."

 

Meine Ermutigung zum Gottvertrauen klingt nun nicht besonders "neu" oder originell, ich weiß. Doch wer genau gelesen und verstanden hat, der sollte "sehen" können, dass ich nicht von einem "gedachten Gott" sprach, nicht von einer Gottes-Idee und schon gar nicht von irgendeinem religiösen Gott. All das wären "Erzeugnisse" (kategorische Begriffe, wie Kant meinte). Ich sprach vom schöpferischen Wesen, von der Quelle, von dir. In IBA-Sprache: "Das ICH ist schöpferisch, weil die schöpferische Gottheit SICH SELBST im ICH zeigt." In ich-aktiver IBA-Sprache: "ICH bin schöpferisch, weil die schöpferische Gottheit SICH SELBST in mir zeigt." - Das glaube ich bis heute erfahren zu haben. Es würde gleichermaßen auch für dich gelten ...