Fallbeispiel: Erklärung deutscher Wissenschaftler zu COVID-19


Die erzeugte Objektivität

"Erzeugte Objektivität ist verschwiegene Subjektivität."

 

Ein hoffentlich lehrreiches Fallbeispiel für obigen IBA-Satz ist die gemeinschaftliche Erklärung führender deutscher Wissenschaftler mit dem Titel "Corona-Viruspandemie: Es ist ernst" vom 27.10.2020. Im Folgenden zeige ich die Zusammenfassung aus dem Original-Text (Quelle: hier), der in einer typischen subjektfreien Wissenschaftssprache verfasst wurde und damit den Eindruck von "objektiver Wahrheit" erwecken möchte - und direkt daneben den von mir geänderten Text in IBA-Sprache. Ich wünsche viele gute Erkenntnisse beim Vergleichen beider Texte. Achte dabei bitte besonders auf deine spontanen Gefühle und Gedanken. Viel Vergnügen! 

 

Im Original-Text (links) habe ich vergrößerte Absätze eingebaut, damit die Augen die beiden Textvarianten leichter finden und vergleichen können. Mein IBA-.Text (rechts) fällt wegen einiger Ergänzungen etwas länger aus. 

 

ORIGINAL ohne erzeugende Subjekte

 

Gemeinsame Erklärung der Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Präsidenten der FraunhoferGesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

 

27.10.2020

Coronavirus-Pandemie: Es ist ernst.

 

Zusammenfassung

Seit einigen Wochen ist ein dramatischer Anstieg der COVID-19-Fallzahlen in Europa zu verzeichnen (siehe Abbildungen 1 und 2).

 

Am 21. Oktober 2020 hat die Anzahl neuer Infektionen innerhalb von 24 Stunden in Deutschland erstmals die Marke von 10.000 überstiegen. Dieser Anstieg ist aufgrund der hohen Fallzahlen an vielen Orten nicht mehr kontrollierbar. Dies kann eine beträchtliche Zahl von Behandlungsbedürftigen in den Krankenhäusern und einen starken Anstieg der Sterbezahlen zur Folge haben (siehe Abbildung 3).

 

 

  

 

 

 

 

Eine solche Entwicklung findet in mehreren Nachbarstaaten bereits statt. Um einen ähnlichen Verlauf der Pandemie in Deutschland noch verhindern zu können, müssen jetzt klare Entscheidungen getroffen und schnell umgesetzt werden. Aktuell kann die Ausbreitung des Virus in vielen Regionen von den Gesundheitsämtern aus Kapazitätsgründen nicht mehr adäquat nachverfolgt werden. Um diese Nachverfolgung wieder zu ermöglichen, müssen Kontakte, die potentiell zu einer Infektion führen, systematisch reduziert werden. Nur so werden eine Unterbrechung der Infektionsketten und ein Einhegen der Situation wieder möglich. Je früher und konsequenter alle Kontakte, die ohne die aktuell geltenden Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen stattfinden, eingeschränkt werden, desto kürzer können diese Beschränkungen sein (siehe Abbildung 5).

 

 

 

 

 

Die hier getroffenen Aussagen basieren im Wesentlichen auf Modellrechnungen. Weitere Aspekte, insbesondere aus den Bereichen Virologie, Infektionsepidemiologie und Medizin, sollen in einer nachfolgenden Stellungnahme umfassender beleuchtet werden. 

 

 

 

 

 

 IBA-Text mit erzeugenden Subjekten

 

Gemeinsame Erklärung der Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Präsidenten der FraunhoferGesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

 

27.10.2020 

Coronavirus-Situation: Wir glauben, dass es ernst ist.

 

Zusammenfassung

Seit einigen Wochen sehen wir einen starken Anstieg der COVID-19-Fallzahlen in Europa, den wir als „dramatisch“ bezeichnen möchten (siehe Abbildungen 1 und 2).

Am 21. Oktober 2020 hat die Anzahl neuer Infektionen innerhalb von 24 Stunden in Deutschland erstmals die Marke von 10.000 überstiegen. Dieser Anstieg ist aufgrund der hohen Fallzahlen an vielen Orten nicht mehr kontrollierbar – und wir glauben, dass er kontrolliert werden sollte. Ein unkontrollierter Anstieg kann eine beträchtliche Zahl von Behandlungsbedürftigen in den Krankenhäusern und einen starken Anstieg der Sterbezahlen zur Folge haben (siehe Abbildung 3).

„Dramatisch“ nennen wir die von uns bewertete Lage, weil Krankenhäuser und Gesundheitsämter dann an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Das wollen wir unbedingt vermeiden, denn wir wollen den Behandlungsbedürftigen eine bestmögliche Versorgung gewährleisten und COVID-Todesfälle möglichst verhindern können.

 

Eine solche Entwicklung findet in mehreren Nachbarstaaten bereits statt. Um einen ähnlichen Verlauf der Pandemie in Deutschland noch verhindern zu können, müssen jetzt klare Entscheidungen getroffen und schnell umgesetzt werden. Aktuell kann die Ausbreitung des Virus in vielen Regionen von den Gesundheitsämtern aus Kapazitätsgründen nicht mehr adäquat nachverfolgt werden. Wir fordern daher eine rasche und konsequente Stärkung der Gesundheitsämter, um diese Nachverfolgung wieder zu ermöglichen. Nur so wird eine Unterbrechung der Infektionsketten und ein Einhegen der Situation wieder möglich. Je früher und konsequenter alle Kontakte, die ohne die aktuell geltenden Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen stattfinden, eingeschränkt werden, desto kürzer können diese Beschränkungen sein (siehe Abbildung 5).

 

Wir fordern auch einen weiteren Ausbau der Krankenhauskapazitäten in Deutschland, insbesondere bei den Intensivpflegestationen und beim Fachpersonal. Beatmungsgeräte stehen ausreichend zur Verfügung.

 

Die hier getroffenen Aussagen basieren im Wesentlichen auf Modellrechnungen und unseren subjektiven Einschätzungen. Weitere Aspekte, insbesondere aus den Bereichen Virologie, Infektionsepidemiologie und Medizin, wollen wir in einer nachfolgenden Stellungnahme umfassender beleuchten.

 

Wir haben bei unserer Einschätzung die sogenannte Gesundungsquote, die verschiedentlich mit bis zu 90 % angegeben wird, nicht berücksichtigt. Danach würden 90 % aller COVID-Infizierten kaum Symptome zeigen. Warum haben wir das nicht getan? Wir wollen uns nur auf gesicherte empirische Daten verlassen – und eine gesicherte Gesundungsquote liegt uns leider nicht vor.