IBA-Sichtweise auf ... Beruf und Erfolg


Erzeugte Ich-Identität und Beruf

Niemand ist eine Heilerin, ein Arzt, ein Top-Manager, eine Kinderschwester, ein Fußball-Profi - um nur einige Berufe zu nennen. Das alles nenne ich heute "erzeugte Ich-Identitäten". Ich konnte meine erst im Rückblick als solche erkennen, nach meinen beiden AKEs.

Eine Ich-Identität wirkt. Mit ihrer Hilfe erschaffen wir spezielle Erfahrungen und schließen viele andere aus unserem Möglichkeitsraum aus. Mit ihrer Hilfe werden wir für andere zu einer Erfahrung. Und so begegnen wir uns tagtäglich in unseren konstruierten Identitäten, wechselwirken und ko-erschaffen Wirklichkeiten. Das ist eigentlich schon alles.

 

Bis 1978 hatte ich eine recht geschlossene, leicht lebbare Identität: Ich glaubte, ein netter Boy zu sein, dem die Schule leicht fiel und der gut Fußball spielen konnte. Mein Leben war unbekümmert und dank einer wunderbaren Familie leicht zu leben. Doch diese Identität hatte auch schon "pulsiert", wie ich das heute nenne: Da wollte etwas Neues aus mir heraus, drückte behutsam gegen die unsichtbare "Haut" meiner Identität und machte sich bemerkbar. Ich fühlte diesen Vorgang, indem ich zu leiden und zu zweifeln begann. Ich tat das damals IBA-unbewusst, und so litt ich "an Gott und der Welt". Dass ich an mir litt, dachte ich nur selten, schob diesen lästigen Gedanken aber schnell zur Seite. Dann kamen die Bundeswehr und semi-professioneller Fußball. Ich wurde "erwachsener". Parallel begann ich mein Studium (Sport, Englisch, Deutsch). In dieser Zeit "häutete" ich mich und erschuf eine neue Identität (natürlich unbewusst) - oder besser: Ich lief mit einer dünnhäutigen, ungefestigten, suchenden "Blaupause" von Identität durch mein Leben: der frühere Carsten war kaum noch da, der neue noch nicht richtig geboren. 

Ich hatte meine Studentenbude, meine Katze, selten Geld, unzählige Fragen, eine kleine Tischlerei zur Aufarbeitung antiker Möbel, einen Nebenjob in der Versicherungsbranche, das mich langweilende Studium, meine Freundin und spätere Frau Monika, meine Familie im Hintergrund (sehr wichtig) - und mich. Zur Orientierung las ich Bücher über Bücher, Hermann Hesse, die Bibel, Laotse - doch ich konnte keinen stimmigen Carsten konstruieren. Aus lauter Frust wechselte ich zu den Wirtschaftswissenschaften (das schien solide zu sein) - und plötzlich war er da, der neue Carsten. Im Schweinsgalopp erledigte ich das Studium, gründete nebenbei noch AIESEC Kassel (eine internationale Studentengemeinschaft) und entwickelte mich zum "Macher". Wirtschaft und Business, das lag mir. Doch ich hatte keine Ahnung, welchen Erfahrungskorridor ich mir damit gelegt hatte. - Ende der kurzen Geschichte.

 

Heute sehe ich in allen meinen Berufen in der Tat eine "Berufung", doch nicht von höheren Mächten, sondern durch das eigene ICH. Heute weiß ich (und sehe es rückblickend sehr genau), dass ich mich stets selbst berufen hatte - durch meine jeweiligen Identitäten. Was ich noch unbewusst tun musste, könnte man auch bewusst tun. Okay, hätte ich damals meine Ich-Identitäten bewusst erschaffen, ich hätte mir wahrscheinlich einigen Kummer und derbe Erfahrungen erspart. Ich hätte die Dinge nicht so ernst, nicht so persönlich genommen. Doch dann hätte ich andererseits auch nicht diese tiefen Erfahrungen gekostet, sehr schöne und sehr schlimme. Unbewusstheit hat auch ihre guten Seiten (lacht). 

Ich war aber auch jeweils eine wirkende Erfahrung für andere Menschen. Ich darf aufrichtig sagen, dass es nur wenige Menschen gibt, die Anlass hätten, schlecht über mich zu reden, weil ich sie aus meinen damaligen Identitäten heraus nicht gut behandelt hatte. Ich war manchmal rüde im Ton, zornig im Auftreten, kritisierend und rechthaberisch, auch arrogant. Diesen Menschen hätte ich gerne diese Carsten-Erfahrungen erspart. Deshalb wäre ich rückblickend lieber etwas IBA-bewusster unterwegs gewesen. Aber: Es ist leicht, die Stalltür zu schließen, wenn das Pferd schon weggelaufen ist - vielleicht sollte alles auch so sein, vielleicht war der unangenehme Carsten ja auch irgendwie eine wertvolle Selbsterfahrung für diese Menschen. Ich weiß es nicht. Da es aber bei mir so kam, dass die vermeintlich üblen Zeitgenossen sich später als meine größten Helfer herausstellten, glaube ich, dass auch mein rüdes Verhalten für irgendetwas gut gewesen sein könnte.

 

Wenn du heute glücklich bist mit deinem Beruf, genieß es. Solltest du deine Ich-Identität eines Tages erneuern oder wechseln, wird der Beruf zu "schmerzen" beginnen. Ich hatte zwar früher keine Ahnung über all das, aber rückblickend weiß ich, dass ich derartige Wechsel innerlich spürte. Ich ahnte, dass irgendetwas geschehen würde. Bist du heute unglücklich mit deinem Job, so verzweifle bitte nicht: Du sammelst gerade wichtige Selbsterfahrungen. Vielleicht kein Geld und keine soziale Anerkennung oder kollegiale Wertschätzung, doch all das ist nicht so wichtig - es sei denn, du konstruierst diesen Glauben. Wichtiger ist, wie du dich erfährst und was du über deine schöpferischen Fähigkeiten lernst. Im "Himmel" wird DAS dein Schatz sein, nicht dein Konto, nicht dein soziales Standing und nicht das Lob deiner Kollegen.    

 

Erzeugter Erfolg

Ich hatte ihn, den berühmten "Erfolg", glaube mir das. Doch was ich nicht hatte, war IBA-Bewusstheit. Ich dachte, ich mache nur das, was alle machen und was "richtig" ist, beruflich erfolgreich zu sein, abzulesen am Rang, am Konto, am Auto, am Haus. All das war nur "richtig" für die damalige Ich-Identität. Heute weiß ich: ICH war es, der diese Erfahrungen mit diesem "Boss-Ich" machen wollte (wiederum unbewusst). Der persönliche Erfolg als solcher, egal wie man ihn definiert, ist nicht wichtig - auch hier ist es die schöpferische Selbsterfahrung, die zählt.

Was für den konstruierten Erfolg gilt, gilt auch für den Misserfolg. Auch diese Erfahrung durfte ich erleben und sie war deftig: Ich wollte nicht mehr leben. 2004 "zerbrach" meine überaus gefestigte Boss-Identität und ich stand "nackt vor dem Herrn", wie man so sagt. Heute schmunzel ich über diese Episode und bin dankbar, dass sie sich ereignete. Denn ohne diesen Ich-Verlust wäre alles danach nicht so gekommen. Ich würde diese Zeilen nicht schreiben und du sie nicht lesen. Ich danke denen, die mich damals verletzten, die mich fast in den Wahnsinn trieben - typisch unbewusste Sprache, nicht wahr? Tatsächlich verletzte ich mich selbst, von innen, um endlich aus meiner alten Haut zu kommen. Tatsächlich trieb ich mich selbst in die abstrusesten Ideen - die anderen Akteure spielten die ihnen zugedachte "helfende" Rolle. Sie wurden zu meiner Erfahrung. Laut schreiend und weinend "starb" mein Business-Ich - und der wahre Erfolg war diese Erfahrung.

 

Vielleicht helfen dir meine persönlichen Betrachtungen über Beruf und Erfolg. Ich hätte gerne auf mein Leiden verzichtet, damals. Ging aber nicht anders. Ohne kräftige Energie von außen wäre ich nicht herausgekommen aus meiner Haut. Vielleicht wirst auch du leiden, doch ich habe gute Gründe um dir zuzurufen, dass du dafür belohnt werden wirst. Du wirst dich selbst belohnen, mit einer neuen, aufregenden, nach schöpferischer Selbsterfahrung strebenden Ich-Identität. Und wer weiß, vielleicht wirst du eines schönen Tages im ICH und als ICH leben, niemals ohne Ich-Identität, immer aber wissend, wer sie erschaffen hat und am Leben hält. Das wünsche ich dir von Herzen.