IV. Vom Schuldgeld zum Wertgeld


1. Der unermeßliche Geldsee besteht nur aus Schuldgeld.

2. Der große Liquiditätsmythos: Vom Kredit zum Vermögen?

3. Die allmähliche Verwandlung einer Schuldwelt in eine Wertewelt


Der unermeßliche Geldsee besteht nur aus Schuldgeld.

Ein Wanderer trifft eine Familie: Vater, Mutter, 4 Kinder. Das kleine Haus liegt mitten im Wald. Vor dem Haus ein etwas vertrockneter Garten. Der Vater sieht gesund aus, Mutter und Kinder weniger. Der Wanderer fragt den Vater, was passiert ist. Er antwortet:

 

"Wir haben zu wenig Wasser. Wir müssen es rationieren."

"Oh je", sagt der Besucher, "deshalb kriegen Mutter und Kinder wohl weniger."

"Ja, wir wollen es so. Als Vater soll ich stark und gesund bleiben. Ich bekomme so viel Wasser wie ich benötige. Ich muss ständig nach Wasser suchen. Alle anderen müssen leider Durst leiden."

"Hmm ... es ist einfach nicht genug Wasser für alle da?"

"Ja, es ist nicht genug da für alle", sagt der Vater und ergänzt: "Was soll ich da machen?"

 

Ja, was soll er da machen? Wenn nicht genug da ist für alle, müssen harte Entscheidungen getroffen werden. Traurig verlässt der Wanderer die Familie und setzt seinen Weg auf der Rückseite des Hauses fort. Nach einer Weile sieht er hinter einem hohen Berg einen riesigen Süßwassersee in der Sonne funkeln ...

 

***

Merke: Es existiert ein riesiger Geldsee. Wie der Vater in meinem Gleichnis nichts von dem Süßwassersee hinter seinem Haus weiß, wissen nur wenige Menschen, wie groß und tief der Geldsee ist (und selbst die wissen es nicht genau). Wir reden nicht von Milliarden, auch nicht von Billiarden, wir reden weltweit von Trilliarden Geldeinheiten. Wie niemand in der Familie Durst leiden müsste, würden sie nur den großen See anzapfen können, müsste niemand in Deutschland (und anderswo) an Geldnot leiden, würden wir nur die bereits existierende Geldmenge anders nutzen. Doch der riesige Geldsee wird durch die von uns Menschen geistig konstruierten Bindungen an Begriffe wie Arbeit, Einkommen und Kreditwürdigkeit so zugeteilt, dass wenige Menschen im Geld schwimmen können und viele täglich beinahe verdursten.

Dieser Geldsee "hinter dem Berg" ist für 95% aller Menschen komplett unsichtbar, denn das meiste Geld zirkuliert nicht als Bargeld (nur etwa 10% der Geldmenge M3 in der Eurozone sind Münz- und Scheingeld) und wird nicht in der "Realwirtschaft" der Güter- und Dienstleistungsmärkte bewegt, sondern fließt gewissermaßen über unseren Köpfen zwischen den Akteuren des Finanzmarktes hin und her. Dort, im Interbankenverkehr, fließt das meiste Wasser, dort liegt der große Geldsee. Und auch dieser See ist zu 100% ein "blauer" See, ist ein Schuldengewässer, ist komplett aus Kreditgeld aufgefüllt worden. Allein die neuen Finanzprodukte ("Derivate"), die im sog. OTC-Geschäft ("over the counter") gehandelt werden, vereinigen ein Geldvolumen von schätzungsweise über 650 Billionen Dollar (!) auf sich. Das "Wasser", das in diese Märkte hineinläuft, kann dann nicht in deinen Vorgarten laufen, kann nicht durstige Kinder erfrischen. Die 1,92 Billionen Euro, die wir für Deutschland benötigten, wären relativ dazu nur ein kleiner Bach, aber immerhin: Sein Wasser würde stetig fließen, das unantastbare Lebensgeld würde dich stärken, erfrischen und lebendig halten.    

 

Noch einmal: Alles Geld auf der Welt, ob als Bargeld in der Hosentasche, als Sichtgeld auf den Konten der Realwirtschaft oder als "OTC-Spielgeld" im globalen Finanz-Casino, ist zu 100% als Schuld- oder Kreditgeld erdacht, erschaffen und verteilt worden. Es existiert weltweit nicht ein einziger Euro oder Dollar, der bei seiner Geburt ein lastenfreier "Guthaben-Euro" gewesen wäre ...

 

Deshalb taucht an dieser Stelle die unvermeidliche Frage auf, wie es in einer Geldwelt, die vollständig aus Krediten besteht, überhaupt zu einem Guthaben, einem Überschuss, einem Gewinn, einem Vermögen kommen kann? Denn schließlich sind auch diejenigen Euros, die uns auf schuldenfreien Konten als "Guthaben" entgegenleuchten, bei ihrer Erschaffung Kredit-Euros gewesen. Auch der, der ein schuldenfreies Vermögen von 10,0 Millionen Euro besitzt, besitzt eigentlich nur ... blaues Kreditgeld. Wie also ist die wundersame Verwandlung von Kreditgeld in Guthabengeld oder Vermögen möglich? Ist diese Verwandlung überhaupt möglich oder lassen wir uns durch illusionäre Begriffe blenden? Was ist eigentlich ein Vermögen, ein Guthaben, ein Gewinn?

 

Der große Liquiditätsmythos: vom Kredit zum Vermögen?

Wer eine Forderung hat, hat auch einen Schuldner. Wo einer Schulden hat, hat ein anderer eine Forderung. Forderungen und Schulden (oder auch: Verbindlichkeiten) saldieren sich stets auf Null. Würden wir weltweit alle Schulden streichen, würden wir zugleich alle Forderungen streichen. Es ist wichtig, diese ökonomische und finanzielle "Doppik" im Hinterkopf zu haben: Keine Kennziffer existiert isoliert - jede Buchung hat eine Gegenbuchung. In der Finanzwissenschaft geht es "geschwisterlich" zu: Alle Begriffe tauchen stets nur Hand in Hand auf. Deshalb existiert auch der Begriff "Vermögen" nur geschwisterlich ...

 

Was ist ein Vermögen? Und wie lautet der passende Gegenbegriff? Ein Vermögen haben Sie dann, wenn nach Abzug aller Schulden unterm Strich noch etwas übrigbleibt. Wer auf dem Konto 20.000,- € liegen hat und zugleich der Bank 25.000,- schuldet, hat kein Vermögen, sondern ein Problem. Wer ein Haus mit aktuellem Marktwert von 500.000,- € besitzt, hat dagegen nur potenzielles Vermögen, kein reales. Zwar kann der vermeintliche Wert des Hauses als Sicherheit fungieren und beliehen werden, doch dieses nun zufließende Geld wäre Kreditgeld, kein Guthaben. Erst dann, "wenn einer die Rechnung bezahlt", wenn also ein Käufer gefunden wurde, der den Preis tatsächlich bezahlt, hat das Haus seinen zuvor gebundenen Geldwert "freigegeben" und der Verkäufer hat nun 500.000,- € auf seinem Konto. Wir sehen: Ein Vermögen ist nichts anderes als eine Ansammlung von Geldmitteln, eine Verdichtung von Geldern bei einem Menschen. Anders formuliert: Jemand hat viel Wasser. Er ist "flüssig", hat Liquidität. Und wie lautet dann der Schwester-Begriff? Nun, irgendwo ist dann jemand durstig, hat zu wenig Wasser, liegt auf dem Trockenen ...

 

Vermögende Menschen sind also deshalb vermögend, weil sie nach Abzug aller ihrer Schulden oder Verbindlichkeiten immer noch über viel Geldeinheiten oder Liquidität verfügen können. Niemand ist vermögend, weil er Aktien, Immobilien, Wertpapiere oder ähnliches besitzt - diese Anlageformen verschleiern nur den wahren Sachverhalt: Nicht die Aktie ist das Vermögen, sondern das an diese Form gebundene Geld. Man ist vermögend, wenn man freie Geldmittel an bestimmte Formen binden kann. 

 

Sehr vermögende Menschen haben es also irgendwie geschafft, große Mengen an Geld in ihren Besitz zu bringen. Wir erinnern uns: Auch dieses Geld ist bei seiner Entstehung einmal "blaues" Kreditgeld gewesen, mithin Geld, welches mit einer Forderung einerseits und einer Schuld andererseits zirkulierte. Nun aber liegt es als (scheinbar) schuldfreies Geldvermögen auf den diversen Guthabenkonten eines Menschen. Wie konnte dieses Geld sich von seiner Schuld befreien? Ist aus blauem Kreditgeld unterwegs irgendwie "rotes" Guthabengeld entstanden? Hat sich eine wundersame Verwandlung zugetragen?

 

Die klassischen und viel zu oberflächlichen Antworten auf diese Fragen lauten stets: Ja, der Kredit wurde abbezahlt, die Schuld wurde getilgt, durch kluge Investitionen, durch profitable Geschäfte, durch fleißige Arbeit - und dann bildet sich eben langsam aber sicher ein Guthaben, ein Überschuß, ein liquides Geldvermögen. Wer ein Vermögen hat (von Lottogewinnen und Erbschaften einmal abgesehen), der hat es sich also redlich "erwirtschaftet", der hat es sich verdient. Das ursprüngliche Kreditgeld scheint sich tatsächlich durch tugendhaftes Verhalten verwandelt zu haben in ein schuld- und lastenfreies Geld.

 

Schauen wir tiefer und genauer hin, sehen wir, dass auch dieses Geld natürlich immer noch blaues Schuldgeld ist (denn so wurde es einst erschaffen). Der vermögende Besitzer dieses Geldes ist tatsächlich frei von Krediten und Schulden - doch das Geld selbst ist es nicht. Noch immer klebt die Last der Schuld an ihm. Der Vermögende trägt diese Last eindeutig nicht. Wer trägt sie dann?

 

Sobald Sie erkennen können, dass große Vermögen nichts anderes sind als große Ansammlungen von Geld, können sie auch sehen, dass dieses Geld an anderen Stellen dann nicht mehr sein kann. Erzeugtes Geld kann nicht an zwei Stellen gleichzeitig sein. Hier hat es sich verdichtet, hat es sich angesammelt, hat zu einem großen Vermögen geführt - doch anderswo fehlt es dann, dort hat es sich verflüchtigt, hat zu großen Schulden und Lasten geführt. Die "Schwester" des Vermögens hat viele Namen: Geldarmut, Dürre, Trockenheit, Durst. Wer Vermögen hat, hat viele Möglichkeiten, sein Geld zu nutzen, und damit hat er zugleich gestalterische Freiheiten. Wer kein Geld hat, hat diese Freiheitsgrade nicht. Deshalb gilt: Geldvermögen ist Freiheit - Geldarmut ist Unfreiheit.

 

Damit sind wir beim großen Mythos von der Liquidität: Aufgabe der Finanzmärkte ist es unter anderem, den Markt mit Geld zu versorgen, die Marktakteure "flüssig" zu halten - doch liquide kann man unter den systemischen Bedingungen unseres Geldsystems stets nur auf Kosten und zu Lasten Dritter sein. Was dem einen Akteur an Geldmitteln zufließt, fließt bei anderen Akteuren ab.

 

Der Vermögende ist deshalb nur scheinbar und auf den ersten Blick frei von Schuld - er hat (unbewusst und unbeabsichtigt) einfach seinen Anteil innerhalb des Schuldsystems anderen Menschen aufgebürdet. Er hat sich "tugendhaft" verhalten, hat hart gearbeitet, ist Risiken eingegangen, hat sich sein Geldvermögen erwirtschaftet, ist liquide oder "flüssig" - und hat genau dadurch anderswo zur Verknappung von Liquidität und zur Geldarmut beigetragen. Anders formuliert: Verschwinden beim Vermögenden die Kredite, tauchen sie anderswo wieder auf. Was der eine gewinnt, verliert ein anderer. In einem Geldsystem, in dem nur Kreditgeld zirkuliert, kann der Kredit und mit ihm die Schuld niemals verschwinden. Dies würde nur dann geschehen können, wenn die zirkulierende Geldmenge insgesamt kleiner würde - doch wir alle kennen die simple Wahrheit: Weltweit wachsen die Geldmengen und mit ihr die Schulden. Anders geht es systembedingt nicht. Es kann systembedingt kein Vermögen ohne Preis geben. Wo ein Vermögen ist, ist stets auch die arme Schwester ...

 

Seltsam, nicht wahr? Je mehr Menschen sich anstrengen und hart arbeiten, je mehr Menschen versuchen, zu Geld und Vermögen zu kommen, je mehr wir also "erwirtschaften" wollen, desto mehr Dürre, Trockenheit und Geldarmut erzeugen wir INNERHALB dieses Geldsystems. Die Schwestern des Vermögens heißen Geldarmut, Blutleere, Unterdrückung und Unfreiheit. Und all dies nur deshalb, weil die Bedingungen des von uns erschaffenen Schuldgeldsystems zwangsläufig zu diesen Erscheinungen führen. Weltweit ist die Geldmenge explodiert - und mit ihr die Schuldenlast. Jeder neue Euro und jeder neue Dollar erhöht die Schulden. Die US-Notenbank FED veröffentlicht schon seit einigen Jahren ihre Geldmenge M3 nicht mehr - ich vermute, weil es einigen "Wissenden" peinlich ist zu erklären, wohin diese gigantische Geldmenge geflossen ist und wohin nicht.

 

Lassen Sie sich bitte nicht täuschen, wenn Sie lesen, dass in Deutschland oder weltweit die Armut zurückgegangen sei. So kann nur argumentieren, wer den gigantischen Anstieg der deutschen respektive der weltweiten Schuldenlast unberücksichtigt lässt und diese Schuldenlast nicht "pro Kopf" ermittelt. Das scheinbar positive Beispiel von der aufstrebenden chinesischen Mittelschicht (Millionen Menschen seien der Armut entkommen) übersieht, wie hoch gerade in China die Privathaushalte verschuldet sind. Dazu kommt noch die gigantische Staatsverschuldung Chinas. Es geht systembedingt ja auch nicht anders: Wer zu Geld kommen möchte, muss (!) sich selbst oder einem anderen Systemagenten Schuld aufbürden.

 

Mir ist bewusst, dass dieser Gedanke für viele irritierend ist. Fast allen Menschen ist überhaupt nicht klar, dass ihr individuelles redliches Streben nach mehr Geld, nach mehr Geldreserven, nach mehr Geldsicherheit, kurz: nach frei verfügbarer Liquidität, systembedingt zu Lasten anderer Menschen geht. Vielleicht hilft hier ja ein kurzer Blick hinein in die Bankenwelt:   

Nehmen wir an, Sie haben es durch harte Arbeit zu einem schuldenfreien Geldvermögen gebracht. Wo liegt ihr Geld? Bei einer Privatbank als Sichteinlage auf einem Konto. Was macht die Bank mit ihrer Einlage? Sie nutzt sie als Sicherheit für die Erschaffung von Giralgeld, also neuen Krediten. Je mehr lastenfreies Geldvermögen Sie Ihrer Bank geben, desto mehr neues Kreditgeld wird diese Bank erschaffen - genau das ist schließlich ihr systembedingter Auftrag. Banken brauchen Einlagen (also Guthaben), um ihr tägliches Geschäft betreiben zu können. So kommt es, dass mit Ihrem sauber erwirtschafteten Geldvermögen die weltweite Kreditlast immer größer wird. Und irgendwo sitzt dann die durstige Schwester, die Sie persönlich gar nicht kennen, doch sie existiert, sie ist stets anwesend ...

 

Auch im nur scheinbar "reichen" Deutschland hat sich bei einigen wenigen Akteuren sehr viel Liquidität oder Geldvermögen angesammelt - und unvermeidbar viele "Schwestern" sind DESHALB durstig: Von 80,0 Mio. Menschen sind etwa 20% (= 16,0 Millionen) entweder arm oder armutsgefährdet. "Armut" bedeutet hier das, was die einzig sinnvolle Definition von Armut ist: Arm an Geldmitteln und arm an Geldmittelzufluss. Diese Menschen leiden. Sie sorgen sich täglich über den Zufluss von Geldmitteln. Es geht ihnen gar nicht darum, reich oder vermögend zu werden - es geht ihnen einfach darum, von der Versorgung mit Liquidität nicht abgeschnitten zu werden. Die Vermeidung (!) der Ansammlung eines großen Geldvermögens ist eine soziale Wohltat (weil dann mehr Liquidität an andere verteilt werden kann) - das große Geldvermögen selbst ist dagegen ein systembedingtes Krisensymptom. Noch einmal: Liquide kann man nur zu Lasten Dritter sein!

 

Nehmen wir noch die vielen Selbstständigen, die Kleinbetriebe, die Rentner und die vielen abhängig Beschäftigten dazu, dann leiden im reichen Deutschland etwa 30,0 Millionen Menschen allein wegen der Sorge um das liebe Geld. Und ihre Sorge ist vor allem eine Liquiditätssorge: Werde ich auch morgen noch hinreichend Geld bekommen? Was ist, wenn ich alt, krank, arbeitslos bin? Das deutsche Armutsproblem ist ein Liquiditätsproblem, ist eine Frage der stetigen Versorgung mit hinreichend viel Geldmitteln - und deshalb muss auch die Lösung dieses Problems eine Zufluss-Lösung sein, eine Liquiditätslösung.

 

Wachen Sie bitte endlich auf: Lassen Sie sich NIE MEHR erzählen, wenn Sie mehr Geld haben wollen, müssten Sie doch nur mehr arbeiten, Ihre Bildung verbessern, in Aktien investieren oder ein Unternehmen gründen - diese "neoliberalen" Vorhaltungen kommen allesamt von Menschen, die das Geldsystem nicht verstanden haben. Hätten sie es verstanden, müssten sie empfehlen: "Okay, wenn du mehr Geld willst, box' dich durch und nimm' es anderen weg. So läuft das nämlich hier innerhalb des Systems. Mache dich geldreich und mache zugleich deine Schwester geldarm ..." - Würden Sie dieser wahrheitsgetreuen Empfehlung dann noch folgen wollen? Ich nicht.

 

Mein Gott, was haben wir da bloß erschaffen?

      

Die allmähliche Verwandlung einer Schuldwelt in eine Wertewelt

Unser heutiges Kreditgeld heißt auch "FIAT-Geld" (lateinisch "fiat" für "es werde"). Wie ich bewusst machen möchte, haben wir historisch ein "Es-werde-ein-Schuldverteilungssystem" erschaffen. Diese "blaue" Geldwelt hat sich so tief in unser aller Gewohnheiten eingebrannt, dass wir sie als unvermeidliches Naturereignis empfinden. Doch es handelt sich um eine geistige Konstruktion, nicht mehr und nicht weniger.

 

Eine Familie prüft ihre Kontoauszüge. Überall Schulden, insgesamt 10.000,- Euro. Ab und zu tröpfelt etwas Geld hinein (Einkommen), ab und zu können die Schulden etwas reduziert werden. Alle Familienmitglieder arbeiten hart, strengen sich an - doch dass die Notwendigkeit dieser Anstrengung eine direkte Folge des Geldsystems ist, ist ihnen nicht bewusst. Da lächelt plötzlich die Mutter, greift unter den Tisch und hebt einen Sack voller Geld empor: "Hier, 2.000,- Euro, und die kommen jetzt jeden Monat, mein ganzes Leben lang ..." Ungläubiges Staunen. "Woher hast du das Geld?" Die Mutter grinst: "Ich hab's erschaffen, geistig, und plötzlich war es da." Und dann fügt sie hinzu: "Nun betragen unsere Schulden nur noch 8.000,- €. Und nächsten Monat nur noch 6.000,-. Und bald werden wir keine Schulden mehr haben ..."

 

Was die gebende Mutter hier erzählt, ist die Geschichte von der allmählichen Verwandlung einer blauen Kreditwelt in eine rote Guthabenwelt. Tatsächlich könnten die als "rotes" Lebensgeld für Deutschland neu erschaffenen 1,9 Billionen Euro vollständig zur Schuldentilgung genutzt werden. Am Ende des ersten Lebensgeld-Jahres könnten private und öffentliche Haushalte ihre Schulden gegenüber der Kreditwelt um 1,9 Billionen reduziert haben. Und da im nächsten Jahr erneut 1,9 Billionen fließen würden, könnte die Schuldentilgung fortgesetzt werden. Solange die blaue Geldmenge nicht mit mehr als 1,9 Billionen wächst, würde sich die nationale Schuldenlast allein durch die Einführung eines neuen Geldes jedes Jahr verringern. Zu Ende gedacht: Eines Tages wären alle Schulden getilgt und es würde nur noch rotes Geld zirkulieren ...

 

Natürlich ist dies nur ein Gedankenspiel. Doch es zeigt die Richtung an. Wir haben in 6.000 Jahren eine gigantische Schuldenwelt erschaffen - warum sollen wir nicht auch eine gigantische Guthabenwelt erschaffen können? Heute tauschen wir Kredite, Sicherheiten, Risiken und Arbeitsfähigkeiten, zahlen Zins und Tilgung und versuchen, irgendwie ein möglichst großes Stück aus der blauen Kredittorte zu bekommen (was, wenn es gelingt, zwangsläufig bedeutet, dass ein anderer dann umso mehr Schulden zu tragen hat) - warum sollen wir nicht morgen Guthaben tauschen, Kooperationen eingehen, unsere Ideen verschmelzen und unser Wesen aufleuchten lassen?

 

Die Einführung eines roten Lebensgeldes wird über die Jahre - das möchte ich hier andeuten - nicht nur zu einer Ergänzung der blauen Kreditwelt führen, sondern wird die Welt insgesamt von "der Schuld" befreien. Diese Befreiung von der Schuld wird geistig beginnen und Raum schaffen für den Gedanken, dass der Mensch "voller Wert" ist - und hat dieser Gedanke erst einmal genug Kraft, wird er sich materialisieren und wird die konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse verändern, weil auch diese die Folge geistiger Konstrukte sind. Materialisiert sich der schuldbefreiende Wertgedanke im Kontext unseres Geldwesens, wird dieses sich allmählich "verfärben" und von blau auf rot umstellen: Monetarisierte Kredite und Schulden werden abgebaut, Abhängigkeiten und Ängste werden abgebaut, Konkurrenz und Egoismen werden abgebaut - und es dürfen sich immer stärker herausbilden monetäre Guthaben, monetäre und seelische Sicherheit, schöpferische Lebensfreude, gleichwertigere Gemeinschaft und tätige Kooperationen.

 

Und all dies könnte jetzt schon beginnen. Diskutieren wir darüber. Machen wir uns unsere eigenen Gedanken bewusster. Können wir Glaubenssätze verändern? Können wir neue Vorstellungen geistig erzeugen?  Mit der Einführung eines unantastbaren Lebensgeldes wäre nicht nur ein neues Geldsystem in der Welt, es wäre ein neuer Glaube in der Welt, eine neue Idee vom Wesen des Menschen, von seinen Gemeinschaften und seiner Art, miteinander umzugehen.

 

Ich finde, es wird allmählich Zeit dafür. Vielen Dank.

 

Ihr

Carsten Rachow