II. Neue Geldpolitik und neue Wertbindung des Geldes


1. Eine neue Geldpolitik für den wertvollen Menschen

2. Die Würde des Menschen ist nicht nur unantastbar, sie ist auch gleichwertig.

3. Eine neue Wertbindung des Geldes


Eine neue Geldpolitik für den wertvollen Menschen

Wir alle sollten begreifen: Sozialpolitik ohne die Unterstützung einer Geldpolitik des Wertes ist letztlich relativ wertlos, da alle Sozialtransfers der Gegenwart aus einem schuldenbasierten Geldsystem bezahlt werden. Es ist eine ökonomische und geldtheoretische Unredlichkeit zu behaupten, „Geld sei positiv erwirtschaftet“ worden und es könne „nur verteilt werden, was zuvor erwirtschaftet wurde“ – denn auch das erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt BIP basiert auf Schulden. Verteilt werden stets nur Schuldverhältnisse, mehr nicht.

Die gesamte im Einsatz befindliche Geldmenge M3 besteht zu 100% aus monetarisierten Schulden. Zu Beginn jeder Geldschöpfung steht das Schuldverhältnis. Jeder Euro wird als Kredit in den Geldkreislauf eingespeist. Wenn die EZB neues Zentralbankgeld "aus dem Nichts" erschafft, lautet der erste Buchungssatz auf der Aktivseite der EZB: „Forderung aus Kredit an Geschäftsbank“. Die Aktiva informieren über die Mittelverwendung. Da die doppelte Buchhaltung ein Gegenkonto benötigt, muss auch auf der Passivseite gebucht werden (die Passiva informieren über die Mittelherkunft) - doch was bucht man, wenn das Geld "aus dem Nichts" gekommen ist? "Geschenk der Götter" an Passiva, "Konstrukt des denkenden Geistes" an Passiva, "Luft" an Passiva - durchgesetzt hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch "Nichts an Passiva".

Was wir zukünftig brauchen, ist ein ergänztes, ein im wahrsten Wortsinne „bereichertes“ Geldsystem, welches auf dem Gedanken des Menschenwertes aufbaut und in symbolhafter Weise einen kleinen Teil dieses Wertes monetarisiert – und an die Menschen auszahlt.

 

Die Geldpolitik der Zukunft wird also nicht nur Schulden in den Geldkreislauf einspeisen, sondern zusätzlich positive Werte, mithin „Guthaben“. Technisch wird dazu sehr wahrscheinlich kein neues Geld benötigt. Es genügt, einen Teil der bereits erschaffenen Geldmenge M3 „umzuwidmen“ und neu zu verbuchen, etwa die Milliarden an Zentralbankgeldern, die von der EZB als abrufbares Kreditgeld für die Geschäftsbanken bereits erschaffen, genehmigt und verbucht wurden - von diesen aber nicht mittels weiterer Kreditvergaben abgerufen werden. Die EZB ist darüber einigermaßen erzürnt, denn wenn Geschäftsbanken die Weiterverteilung und damit den Zufluss von Zentralbankgeld an die Realwirtschaft blockieren, dann ist die EZB bei der Erfüllung ihres wirtschaftsfördernden Gestaltungsauftrages instrumentell geschwächt.

 

Der moderne Tempel (die EZB) ist technisch fähig, aus dem Nichts ein Guthaben zu erschaffen, welches von Staaten und Menschen abgerufen werden kann. Nicht als Kredit, nicht als Last, sondern als Anerkennung ihres Wertes „vor den Göttern“, als vitalisierende Lebenskraft. Geld wird damit teilweise zu symbolhaftem Blut, zu einer fließenden Lebenskraft. Wie die Farbe des Blutes rot ist, muss daher auch die Geldpolitik der Zukunft „rot“ werden. Wird sie das nicht, bleiben wir alle stecken in einer Schuld, die es gar nicht gibt.

 

Seit 6.000 Jahren warten unfassbar viele Menschen auf diesen Zuruf: "Du bist wertvoll. Du bist voller Wert." Nach Jesus und Marx dauerte es noch bis ins Jahr 1948, bis dieser Zuruf zum ersten Mal aufgeschrieben wurde: In der deutschen Verfassung und im gleichen Jahr bei den United Nations, in der UN-Menschenrechtscharta. Heute, noch einmal 70 Jahre später im Jahre 2018, sollten wir das Aufgeschriebene "lebendig" machen und endlich beginnen, diesem wertvollen Menschen in Form von Geldsymbolen zu zeigen, dass wir wirklich an diesen Wert glauben. Ein Wert, den der Mensch sich nicht verdienen muss, indem er arbeitet, sondern ein Wert, den er bereits besitzt, weil er Mensch ist

   

Die Würde des Menschen ist nicht nur unantastbar, sie ist auch gleichwertig.

Am 10.12.1948 geschah etwas Großes: Erstmalig in ihrer Geschichte verkündeten Menschen mit den Allgemeinen Menschenrechten („UN-Charta“), dass der Mensch von Geburt an einen inneren Wert habe, dass er wertvoll sei und dass alle Menschen gleichen Wertes seien. Diese „Gleichwertigkeit“ des Menschenwertes ist extrem wichtig und darf nicht verwechselt werden mit „Gleichheit“.

 

Ebenfalls 1948 schrieben die Deutschen ihre neue Verfassung auf. Im Angesicht der grauenhaften Schrecken der Nazi-Diktatur sollte eines nie wieder passieren: Die Würde eines Menschen sollte nie wieder angetastet werden können – von staatlichen Stellen. Die Deutschen erklärten die Würde daher für „unantastbar“. Sie erklärten sie nicht für „gleichwertig“. Artikel 1 regelt die unantastbare Würde, Artikel 3 die Gleichheit vor dem Recht: Alle Männer und Frauen sollen vor dem staatlichen Recht gleich sein. Gleichheit vor dem Recht bedeutet nicht zwangsläufig, auch gleichen Wertes zu sein. Die deutsche Verfassung ist hier nicht klar genug. Die Würde ist zwar unantastbar, doch ist sie deshalb auch bei allen Menschen gleichen Wertes? Theoretisch könnten wir aus der deutschen Verfassung auch eine Menschenwürde ableiten, die als ungleichwertig gedeutet werden könnte. Vor dem Angesicht des Rechtes würden dann auch diese nun ungleichwertigen Menschen nach gleichen Rechtsmaßstäben behandelt werden können.

 

Nur in der UN-Charta wird klar gesagt, dass alle Menschen „gleichwertig“ sind. Ich fordere daher eine entsprechende Ergänzung und Klarstellung der deutschen Verfassung. Selbst wenn sich eine Verfassungsänderung politisch nicht durchsetzen ließe, so wäre allein die öffentliche Diskussion darüber ein enormer Zugewinn für die Bürger des Landes.

 

Eine neue Wertbindung des Geldes

Der moderne Tempel soll zukünftig neben dem bekannten Schuld- oder Kreditgeld also auch „lastenfreies“ Lebensgeld erschaffen und auszahlen. Um das tun zu können, wird auch beim Lebensgeld eine sogenannte „Wertbindung“ des Geldes benötigt. Früher erfolgte die Wertbindung des Geldes durch Hinterlegung von Silber und Gold. Diese Wertbindung ist mittlerweile entfallen. Die Wertbeständigkeit des modernen Geldes ist nicht mehr an den Besitz anderer wertvoller Güter gekoppelt. Niemand muss heute mehr Goldreserven anhäufen oder ein "Fort Knox" bauen. Heute erhält das Geld seine Wertbeständigeit erstens durch unser aller Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Geldsystems sowie zweitens durch aktive Geldpolitik.

 

Aktive Geldpolitik bedeutet, dass die Notenbank die Wertbeständigkeit des Geldes hauptsächlich über zwei Größen zu erhalten sucht: mit der Geldmenge M3 und mit ihrer Relation zum BIP, zur Wirtschaftskraft eines Landes. Die zusätzlichen Steuerungsmöglichkeiten der EZB über Zinshöhe, Mindestreserve und Offenmarktpolitik (An- und Verkauf von Wertpapieren) brauchen wir hier nicht zu vertiefen, weil auch der Einsatz dieser Instrumente seinen Ausdruck letztlich in der resultierenden Geldmenge M3 findet. Geldpolitisch wirklich wichtig ist die Relation der Geldmenge zum BIP eines Landes.

 

Die Wertbindung oder Wertbeständigkeit des Geldes ist damit eine relationale Angelegenheit, eine Frage der Sozialität, der Beziehung zu anderen Größen. Geld hat keinen Wert "an sich", sondern gewinnt seinen Wert immer erst durch den Bezug auf andere Größen, hier das BIP. Die EZB steuert und kontrolliert die Geldmenge in ihrer Relation zum BIP: Ist relativ zum BIP zu viel Geld im Umlauf, droht Inflation; ist zu wenig Geld im Umlauf, droht Deflation. Beide Phänomene, Inflation wie Deflation, gefährden die Wertstabilität des Geldes. In der Praxis stellt die EZB zum Beispiel fest, dass das BIP in der gesamten Eurozone um +2,5 % gestiegen ist. Würde sie nun die Geldmenge M3 um 4,5 % erhöhen (durch die Erschaffung von neuem Zentralbank-Kreditgeld "aus dem Nichts" heraus), würde sie damit eine geldpolitisch gewollte Inflation von 2,0 % anstreben (4,5 minus 2,5).    

 

Mit der Einführung des unantastbaren Lebensgeldes werden wir nun eine gewaltige geistige (!) Leistung vollbringen müssen. Wir werden unser vertrautes Denken öffnen müssen für den Gedanken, dass wir die Wertbeständigkeit des neues Geldes (des Lebensgeldes) nicht mehr durch seine relationale Bindung an die Wirtschaftskraft herstellen wollen, sondern durch die Bindung an den wertvollen Menschen, wie er in der UN-Charta der Allgemeinen Menschenrechte beschrieben wird: "Alle Menschen sind von Geburt an innerlich gleichen Wertes". Ich glaube, Jesus würde an dieser Stelle lächelnd nicken und Karl Marx begeistert applaudieren ...

 

Das neue Lebensgeld würde seinen Wert einzig aus der Bindung an den wertvollen Menschen gewinnen - und um diese Relation oder Koppelung herstellen zu können, müssten Menschen individuell wie kollektiv lernen, an ihren inneren Wert zu glauben. Hier zeigt sich die wahre geistige Herausforderung, gewissermaßen die spirituell-religiöse Dimension des unantastbaren Lebensgeldes: Nur eine Gemeinschaft von Menschen, die tatsächlich kollektiv an diese unermeßlichen Menschenwert glaubt, wird ein wertstabiles Lebensgeld erschaffen können. Glauben die Menschen hingegen, dass der Mensch erst dann "wertvoll" sei, wenn er arbeite oder produktiv oder leistungsfähig oder sozial integriert sei, dann koppeln sie mit diesen Wertvorstellungen quasi automatisch auch den Geldwert an ökonomische Begriffe (Arbeit, Wirtschaftskraft, Sozialprodukt, Leistung, Bildung, Gewinn, Effektivität usw.) - und damit an den Ur-Gedanken der Schuld und an das gewohnte Kreditgeld.