IBANETIK: Das ICH und das WIR


IBANETIK ist die Botschaft von der erzeugenden ICH-Aktivität.

IBANETIK ist ein neues Wort, noch nie dagewesen, eine Verbindung aus "ICH-bin-aktiv" (abgek.: IBA) und "Noetik" (hier neu geformt als "Netik"). Das Wort Noetik ist abgeleitet vom griechischen Wort noētós (deutsch: geistig wahrnehmbar) und bedeutet "Lehre vom Denken, vom Erkennen geistiger Gegenstände". Ergänzen wir "Netik" mit "ICH-bin-aktiv", erhalten wir das, was IBANETIK bedeutet:  IBANETIK – Botschaft vom geistigen ICH, das sich selbst als aktiv erzeugend wahrnehmen kann.


Grundlagen: Erzeugende ICHs und erzeugte WIRs

Werden Wir-Räume erschaffen, geformt, konstruiert, erzeugt? Sind sie veränderlich? Falls ja, handelt es sich nach IBANETIK ganz allgemein um "Erzeugnisse". Die Mitglieder oder Teilnehmer von Gemeinschaften oder Gruppen agieren danach "in erzeugten Räumen der Intersubjektivität", um etwas technischer zu sprechen.

 

Nach IBANETIK sind geistige Erzeugnisse stets "kleiner" als ihre erzeugenden Quellen. Wer ist es, der Wir-Räume (oder WIR-Räume) erzeugt? Wer ist - weil er erzeugen kann -, "größer" als jedes erzeugte Wir? Jede Gemeinschaft wird von aktiven Individuen geformt. Daraus folgt: Das erzeugende ICH ist stets größer als jedes erzeugte WIR. Anders formuliert: Das "ganze Wir" ist NICHT größer oder umfassender als seine "Teile" - vielmehr sind die "Teile" des Wirs größer: Denn sie es sind, die den Wir-Raum erzeugen. Doch nicht jeder Mensch ist sich dessen bewusst - und dann geschehen merkwürdige Dinge in spirituellen Gemeinschaften ... 

(Anmerkungen zu meiner Sprachverwendung:

Ich schreibe manchmal "Wir" und manchmal "WIR". Was meine ich damit? Nehmen wir an, eine Gruppe besteht aus 10 Mitgliedern. Dann entsteht in dieser Gruppe ein WIR-Raum, der alle 10 Mitglieder umfasst und berührt. Unterhalten sich nun zwei Mitglieder und kommen sich persönlich näher, entsteht ein Wir-Raum. Dieser betrifft nicht alle 10 Mitglieder, sehr wohl aber die beiden Individuen. In jedem WIR existieren daher mehrere Wirs. Alles klar? Okay ...)

 

Kritik: Unbewusste spirituelle Verzerrungen

Viele spirituelle Botschaften betonen die große Bedeutung eines harmonischen WIR-Raumes. Ich kritisiere solche Botschaften dann, wenn sie das WIR-Erlebnis stärker betonen als die aktiven Individuen, die jenes WIR erschaffen. Es gibt, so mein Eindruck, einen spirituellen Trend hin zur Wir-Harmonie und zur helfenden Gemeinschaft. Dagegen habe ich nichts einzuwenden. Doch wenn dieser Trend einher geht mit einer Überbetonung der vermeintlichen "Kräfte" des WIR-Raumes für das individuelle Wohl, dann erzeuge ICH eine tätig werden wollende Unruhe in mir.

 

Wer definiert eigentlich die unsichtbaren Regeln des Kollektivs? Wer klärt, was "Harmonie" ist und was nicht? Wer bewertet? Wir alle kennen "Gruppendruck". Den gibt es nicht nur in deutlich sichtbarer Form (Militär, Diktatur etc.), sondern auch in kaum erkennbaren subtileren Formen. Wird Gruppendruck erst einmal gefühlt - egal, ob er grob oder subtil daherkommt -, ist es für das teilnehmende Individuum schon problematisch mit abweichenden, individuellen Einschätzungen. Denn dann beginnt das eben noch harmonische WIR mit einer Verstärkung der subtilen Ausgrenzung (alles Unharmonische hat es dann schwer) - und oft genug wird dieses Phänomen innerhalb des WIR-Raumes nicht bewusst thematisiert. Was man leicht tun könnte, zum Beispiel so: "Kann denn nicht auch das Unharmonische ein belebender Aspekt einer größeren Harmonie sein?"

 

Intersubjektivität heilt nicht.

Ken Wilber hat mit seiner "Integralen Theorie" den Begriff der "Intersubjektivität" spirituell neu belebt (sein AQAL-Quadrant "unten links" des "innerlich-kollektiven", der Weltsichten oder kollektiv geteilten Kulturen). Intersubjektivität ist immer. Kein Ich agiert ohne Wir, weil das WIR immer in irgendeiner Form existiert. In spirituell motivierten Gruppen wird daher immer wieder der Traum einer "erwachten spirituellen Gemeinde" geträumt ("Wir sind alle eins."), deren Mitglieder gemeinsam einen fast schon "heiligen" WIR-Raum zu erzeugen glauben. Leider wird dabei oft genug nicht erwähnt, dass dieser heilige WIR-Raum von einigen Denkern oder Lehrern bereits vorkonstruiert wurde, mithin nicht ganz so "frei" ist, wie die WIR-Mitglieder vielleicht glauben. Bildet sich eine Sekte, wird diese Vorkonstruktion deutlich sichtbar.

 

Natürlich haben harmonische und spirituell "geweihte" WIR-Räume eine starke Anziehungskraft, insbesondere auf suchende und leidende Gemüter. Warum? Weil in harmonischen Wir-Räumen das individuelle Leben natürlich zunächst leichter fällt. Man wird verstanden, angenommen, wertgeschätzt, prima. Man lacht gemeinsam, isst und trinkt gemeinsam, hilft einander. Doch bleibt ein solches Leben auch "individuell"? Wie groß ist die akzeptierende und wertschätzende Toleranz für individuelle Abweichungen innerhalb dieses WIRs? Wie steht ein Individuum plötzlich da, wenn es den konstruierten Wir-Raum selbst sichtbarer macht und diskutieren möchte?

 

Suchende Menschen neigen oft dazu, ihre persönlichen Schwächen oder Leiden durch extreme Anpassung an dieses harmonische WIR heilen zu wollen. Da man sich anfänglich zumeist gut fühlt, scheint das auch zu gelingen. Doch wenn das WIR nicht auffordert: "Schau in dich. Du tust das mit dir", dann befürchte ich, dass nur eine kühlende Oberfläche oder Schutzhülle erzeugt wird, die sich so lange gut anfühlt, wie individuelle Differenzen und Abweichungen nicht diskutiert werden (also eine Neigung zur Verdrängung dem WIR-Raum eingewoben ist). Und dann lodern im eigenen Inneren die brennenden Feuer schmerzhaft weiter ...

 

Bewusste Erzeugung heilt.

Wie dem auch sei, es gibt ja viele Wege zum individuellen Glück, zum subjektiven Heil. Ich glaube, dass nur "starke" ICHs ein wirklich gutes WIR erschaffen können (was wir bei IBANETIK versuchen), denn jedes erzeugte WIR beinhaltet natürlich die Merkmale seiner Erzeuger. Schwache Ichs = schwache Wir-Räume; starke ICHs = starke WIR-Räume. 

 

Ein "starkes" ICH ist bei IBANETIK nicht definiert als ein Mensch mit überragenden Fähigkeiten, mit besonders viel Fachwissen, mit überdurchschnittlicher Rhetorik oder Intelligenz. Ein starkes ICH ist bei IBANETIK ganz simpel ein geistiges Wesen, welches eine größere Bewusstheit FÜR SICH SELBST entwickelt hat. Mehr nicht. "Größer" ist diese zunehmende ICH-Bewusstheit stets nur im Vergleich MIT SICH SELBST - niemals aber im Quervergleich mit anderen. Das bewusste ICH ist sich selbst Maßstab. Es urteilt über sich selbst. Ein selbstbewusstes IBA-ICH ist kein dauerhaft lächelndes Ich, welches in einem harmonischen WIR-Raum Linderung sucht. Es ist ein ICH, welches in sich sucht - und Linderung oder Heilung weniger "erfährt" als vielmehr unbezweifelbar bemerkt, dass es selbst "Heilung erzeugt" - weil es selbst schon "heil" IST.

 

Ich empfehle natürlich, alle spirituellen Angebote neugierig auszuprobieren. Das Leben hat viel zu bieten. Jeder wird ohnehin individuell bemerken, was ihm aktuell hilft. Es ist kein Zufall, dass gerade diejenigen Menschen, die schon viele Gruppen durchlaufen haben, schließlich bei IBANETIK landen. Sie können auf viele WIR-Erfahrungen zugreifen und damit das IBANETIK-WIR nicht nur als "anders" erkennen, sondern als "besser" (wissend, dass NUR SIE SELBST dieses Urteil erzeugen).

Die etwa von Ken Wilber erzeugten Kriterien für eine gute spirituelle WIR-Gemeinde (ausformuliert in seiner Integralen Philosophie) halte ich nicht für besonders hilfreich. Wenn man diesen Merkmalen folgt, folgt man nämlich nicht einer höheren spirituellen "Wahrheit", wie Ken suggeriert, sondern den Gedanken und Deutungen von Ken Wilber. Man folgt ihm, seinen Erzeugnissen. Das geht auch gar nicht anders, denn Erzeuger sind stets größer als ihre Erzeugnisse. Ich dagegen lehre: "Folge dir." Ich deute direkt auf die erzeugende Quelle. Auf DICH - nicht so sehr auf das angeblich "heilende Wir".

 

Das ICH, von dem ich spreche, ist sich der Anwesenheit vieler WIR-Räume bewusst. Niemand lebt ohne WIR. Intersubjektivität ist immer. Doch da jedes WIR ein geformtes Erzeugnis ist (seine Mitglieder erzeugen es dauernd), ist jeder erzeugte WIR-Raum "kleiner" als diejenigen individuellen ICHs, die ihn erschaffen und formen, am Leben halten oder sterben lassen. WIRs kommen und gehen - ICHs bleiben. Deshalb setze ich andere Schwerpunkte als diejenigen Lehrer oder Botschafter, die so gerne harmonische WIR-Räume betonen und das erzeugende ICH ein wenig links liegen lassen ...