IBANETIK: ICH oder Nicht-Ich?


IBANETIK ist die Botschaft von der erzeugenden ICH-Aktivität.

IBANETIK ist ein neues Wort, noch nie dagewesen, eine Verbindung aus "ICH-bin-aktiv" (abgek.: IBA) und "Noetik" (hier neu geformt als "Netik"). Das Wort Noetik ist abgeleitet vom griechischen Wort noētós (deutsch: geistig wahrnehmbar) und bedeutet "Lehre vom Denken, vom Erkennen geistiger Gegenstände". Ergänzen wir "Netik" mit "ICH-bin-aktiv", erhalten wir das, was IBANETIK bedeutet:  IBANETIK – Botschaft vom geistigen ICH, das sich selbst als aktiv erzeugend wahrnehmen kann.


Grundlagen: Das bedingte Selbst oder ICH

Jede Erfahrung wird gedeutet. Jeder Bewusstseinszustand, der introspektiv erfahren wird, wird erfahren von einem "bedingten" oder relativen Wesen. Es ist sowohl erkenntnistheoretisch wie auch philosophisch bis zum heutigen Tage keinem Menschen möglich, die Bedingtheit der eigenen Relativität zu transzendieren. Erfahrene Phänomene sind Phänomene, die von der Bedingtheit des Erfahrenden selbst beeinflusst werden.

 

All dies bedeutet: Kein relatives Wesen kann das Absolute, die Gottheit, die Leere, das höchste Subjekt usw. jemals in Gänze erfahren haben oder gar ontologisch geworden sein; es sei denn, es vergißt in Folge seiner phänomenalen Selbsterfahrung für einen kurzen Moment die Bedingungen, die diese Erfahrung erst ermöglichten - sich selbst. Doch jedes Selbst, das sich vergisst, ist auch im Zustand des eigenen Selbstvergessens noch immer ein bedingtes Selbst.

 

Innere Zustandserfahrungen als "höchste Wahrheit", als "absolute Leere", "Gottes Wille" oder wie auch immer zu bezeichnen, ist zu allen Zeiten daher erkennbar ein Akt der subjektiven Deutung erfahrener Phänomene gewesen. Und der Deutende kann sich unmöglich selbst negieren: Buddha deutete, Nagajurna tat dies, Jesus ebenso. Alle religiösen und spirituellen Lehren wurden von bedingten Menschen erzeugt. Sie wurden nicht "offenbart", sie sind nicht Gottes Wort, sondern ich-aktive Erzeugnisse.

  

Moderne Einsichten über das ICH

Ich bin mir sicher, dass Buddha und Nagajurna und alle introspektiven Traditionen, die zu einer Botschaft vom Nicht-Ich neigen, zu anderen Deutungen ihrer eigenen Bewusstseinszustände gekommen wären, hätten sie vor 2.000 Jahren Kenntnis von denjenigen Informationen und Forschungsergebnissen gehabt, die wir heute zur Verfügung haben. Was zum Beispiel Menschen wie Natalie Sudman oder Anita Moorjani (oder tausend andere, die eine AKE oder NTE erlebten), über ihre außerkörperliche Existenz als agierendes Individuum berichten, hätte vor 2.000 Jahren mit Sicherheit zu völlig anderen Deutungen derjenigen Zustände geführt, die man in tiefen Meditationen erreichen kann. Eine moderne Deutung dieser außerordentlichen Ich-Erfahrungen könnte zum Beispiel lauten:

 

"Was wir innerlich als Bewusstsein erfahren, und dann als reine Subjektivität, als formlose, grenzenlose, eigenschaftslose Absolutheit oder Leere oder Nicht-Ich deuten, das ist nicht das absolute Ende der spirituellen Fahnenstange, sondern die unsichtbare Verbindung zu noch bewussteren Ich-Zuständen, ist der innere Durchbruch zu geistigen Reichen, die ebenfalls bedingt sind und in denen das wahrnehmende Ich sich selbst in seiner geistigen Ichheit völlig verändert erkennt."

 

Diese moderne Deutung entspricht meiner eigenen völlig überraschenden ICH-Erfahrung und entspricht auch dem, was Natalie und Anita und viele andere sagen würden: "Ich war nicht mehr mein gewohntes Ich, sondern neu, anders, mit erweiterter Bewusstheit, wissend, erzeugend, liebend und behütet." So etwa ...

 

Kulturell geteiltes Wissen verändert subjektive Deutungen, Deutungen verändern den Erfahrenden, Erfahrungen verändern Wissen - und der spirituelle Tanz beginnt erneut. Ich denke daher, dass es an der Zeit ist, einigen "alten" spirituellen Botschaften ein wenig kritischer zu begegnen. Nur weil etwas "alt" ist, ist es noch nicht hilfreich - auch die Ägypter hatten damals "altes" Wissen. Doch heute mumifizieren wir unsere Verstorbenen nicht mehr. Warum eigentlich nicht?

 

Das unbewusst erzeugende ICH

Phänomene OHNE eine erkennende Subjektivität oder Bewusstheit existieren, so weit uns bekannt, nicht. Unabhängig vom bewussten Sein kann nirgendwo irgendetwas erfahren, irgendetwas gewusst, irgendetwas interpretiert werden. Es gibt keine Perspektive von nirgendwo. Immer ist es ein bewusstes "Ich", welches etwas erfährt. Was, wenn es exakt das erfährt, was es selbst zuvor geistig für möglich, für wahrscheinlich, für erstrebenswert hält? Was also, wenn die individuell bereits mit kulturellen Erzeugnissen angefüllte Bewusstheit die Zustände erfährt, die es selbst (unbewusst) erzeugt?

 

Wenn eine Kultur es für möglich hält, "eins mit der Gottheit zu werden", welcher Art werden dann wohl die spirituellen Deutungen ausfallen? Was, wenn Priester, Mönche und Lehrer völlig natürlicherweise persönliche Absichten und Bestrebungen verfolgen, diese aber vielleicht ihrem geneigten Publikum nicht offenlegen? Ich will niemandem bewusste unredliche Absichten unterstellen, doch dass wir Menschen uns nicht aller eigenen Strömungen bewusst sind, davon gehe ich aus guten Gründen aus: Sich selbst als "vereint mit dem Absoluten" zu bezeichnen, sich selbst als "höchste Transzendenz", als "non-duales Nicht-Ich" zu benennen (oder derartige Zuschreibungen nicht zurückzuweisen), das hat doch was, nicht wahr? Priester oder Mönch als Job - keine schlechte Berufswahl, nicht wahr? 

 

Komisch nur, dass alle Kulturen, die seit 2.000 Jahren derartigen "absoluten" Lehren mehr oder weniger intensiv folgten, heute wie damals in teilweise erbärmlichen Zuständen leben. Die gigantische Armut und Umweltverschmutzung etwa in Indien, der erbärmliche Bildungsstand der tibetischen Bevölkerung, die subtile Unterdrückung einzelner Menschen (Kastenwesen, Frauen) aus spirituellen (!) Gründen - soll all das die spirituelle Frucht einer als Nicht-Ich gedeuteten Spiritualität sein?  Wenn ja, kann ich gut verzichten auf diese "höchste Wahrheit" und wende mich lieber denjenigen Menschen zu, die sich tatsächlich in ihrer Subjektivität zu erkennen geben und aus ihren geistigen Kräften heraus auf ganz persönliche Weise versuchen, diesen Planeten zu einem besseren Ort zu machen - und sich selbst zu einem besseren Menschen.

 

Gleiche Rechte und Pflichten, freie Entfaltung der Persönlichkeit, die eigene und die Würde des Mitmenschen (und der Natur und aller Lebewesen) achtend und fördernd, Wissen und Besitz teilend, einander stützend, frei von religiösen oder sonstigen Ideologien - das sind die positiven Früchte einer ICH-bin-aktiv-Spiritualität, wie ich sie ersehne und wofür ich mit meinen bescheidenen Mitteln arbeite.

 

ICH-Bewusstheit muss gefördert und befreit werden, sie darf niemals negiert oder unterdrückt werden. Niemals ... 

 

Übrigens: IBANETIK ist eine Botschaft von der Machtlosigkeit des aktiven Ich über andere Menschen, weil sie konsequent auf die geistige Eigenmacht eines jeden spirituellen Wesens hinweist: "Wenn ich Macht über mich habe, dann gilt dies auch für mein Gegenüber." Je bewusster ein Wesen sich dieser geistigen Ich-Kraft wird, desto weniger läuft es Gefahr, von anderen Wesen unterdrückt zu werden. Dies ist ein wirkliches spirituelles Paradox, das tiefe "Geheimnis" einer Liebe, die andere in ihrer erzeugenden Freiheit bewundern, aber niemals behindern möchte: Wer Macht über sich hat, will sie nie mehr über andere haben - er will nur noch, dass auch diese ihre bewusste Macht über sich selbst gewinnen. Um das aber zu können, darf das aktive ICH nicht weggedeutet und als "Nicht-Ich" gedeutet werden.

 

Zustände oder Erfahrungen, die mit den Zusätzen "non-dual" oder "nicht-zwei" attributiert werden, dürfen nicht als vermeintlich glückselige und anzustrebende Seinszustände verkündet werden, weil es eine wesens- oder seinsmäßige Ungetrenntheit nicht gibt. Auch in "außergewöhnlichen" Bewusstseinszuständen gibt es einen, der SICH SELBST erfährt, mithin das, was philosophisch als "Selbstbemerkung" oder "Selbstreflexion" bezeichnet wird. Jeder indische Yogi hat ein Selbst (besser: ist ein ICH), selbst dann, wenn er dieses Selbst leugnet. Außergewöhnliche BW-Zustände sind auch nicht "identisch" mit "allem", sondern stets begrenzt, limitiert und mit einem Erfahrenden verbunden, mithin individualisiert.

Statt dessen existiert Differenz im Wesen und im Sein. Die völlig berechtigte Sehnsucht vieler Menschen nach Harmonie und "Einheit" ist das Produkt eines fühlenden und erzeugenden Wesens, welches gerade nicht "eins" ist, sondern verschieden, anders, eigen, individuell. Die Sehnsucht nach harmonischer Einheit sollten wir niemals aufgeben - den Gedanken, dieses könnten wir durch Selbstauflösung erreichen, allerdings sehr schnell. Harmonie und Einheit können wir (technisch formuliert) durch "Verbindung" herstellen, mithin durch Kommunikation, Berührung, Verständnis usw. Doch Harmonie benötigt zusätzlich noch bestimmbare "Qualitäten", andernfalls kann sie nicht als "harmonisch" empfunden werden. Schließlich können Kommunikation, Berührung und Verständnis ja auch benutzt werden, um üble Phänomene anzurichten, also sehr unharmonische Dinge. Die positive Harmonie, die wir ersehnen und auch fähig sind herzustellen, sollte daher niemals als eine Harmonie der "Einheit" oder des "Einsseins" beschrieben werden, sondern genauer und zutreffender als eine Harmonie-durch-Verbindung. Und jedes individuelle Wesen kann an der Erschaffung einer positiven Harmonie mitwirken, dies aber nur dann, wenn es seine Individualität nicht hinter spirituellen Konzepten versteckt und denk-theoretisch negiert ...