F & A: Wie würdest du ein Trauma behandeln?


 "Als psychisches, seelisches oder mentales Trauma oder Psychotrauma (Plural Traumata, Traumen; griechisch Wunde, τραύμα) wird in der Psychologie eine seelische Verletzung bezeichnet. Das Wort Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet allgemein Verletzung, ohne dabei eine Festlegung zu treffen, wodurch diese hervorgerufen wurde. In der Medizin wird mit dem Begriff Trauma eine körperliche Verwundung bezeichnet, die durch einen Unfall oder eine Gewalteinwirkung hervorgerufen wurde. Diese Verwendung ist seit dem 19. Jahrhundert belegt. Analog hierzu bezeichnet man in der Psychologie eine starke psychische Erschütterung, die durch ein traumatisierendes Erlebnis hervorgerufen wurde, als Psychotrauma. Der Begriff wird nicht einheitlich verwendet und kann sowohl das auslösende Ereignis, aber auch die Symptome oder das hervorgerufene innere Leiden bezeichnen. Psychische Traumatisierungen spielen eine zentrale Rolle für die Entwicklung psychischer Störungen." (Wikipedia; 21.10.2020)


Wie würdest du ein Trauma behandeln, Carsten?

Carsten, wie würdest du mit IBA ein Trauma behandeln?

Gar nicht.

Wie bitte?

Nun, erstens ist es mir gesetzlich nicht erlaubt, sondern nur Ärzten. Und zweitens würde mit IBA auch nicht der Arzt oder Psychiater heilen, sondern der Patient sich selbst. Er ist der, der sich behandeln muss.

Aber dann könntest du doch als IBA-Coach den Patienten anleiten, wie er vorgehen könnte?

Nicht den Patienten, den darf ich gar nicht kennen (lacht). Ich kenne nur Klienten. 

Gut, lassen wir jetzt mal den formalen Kram weg. Wie würdest du vorgehen?

Ich würde den formalen Kram erst einmal nicht weglassen, wie du vorschlägst. Kontexte wirken - ich würde ihn bewusst machen und ihn nutzen, um dem Klienten zu sagen, dass er hier bei mir nur seine Selbstheilungskräfte einsetzen wird. Ich würde dem Klienten sagen, dass nur er sich heilen wird und niemand sonst. Auch würde ich zunächst nicht sagen, was er mit IBA zu tun hat. Ich würde zunächst erzählen, welches Trauma ich hatte und wie ich es heilte. Danach würden wir uns auf Augenhöhe begegnen können und beginnen, unsere Erfahrungen auszutauschen. 

Und wenn du nie ein eigenes Trauma gehabt hättest, was dann?

Schwierig. Würdest du dir von jemandem, der nie sein eigenes Auto repariert hat, erzählen lassen, wie du dein Auto reparieren solltest?

Hmh, vielleicht könnte er mir dennoch etwas Wichtiges mitteilen?

Mit Sicherheit, doch er würde nicht aus Erfahrung sprechen, sondern studiertes Wissen anderer weitererzählen. Das mag bei materiellen Objekten gut funktionieren, doch nicht bei inneren, geistigen Phänomenen. Nach meiner Erfahrung ist es so: Wer nicht im eigenen Geist bewusst erlebt hat, wie er seine geistigen Kräfte eingesetzt hat, um sein eigenes Trauma zu besiegen, der wird hier nicht viel zu berichten haben und schnell an Grenzen stoßen, was der Patient - sorry, Klient - schnell bemerkt.  

Das leuchtet mir ein. Die wenigsten Ärzte dürften aber ein eigenes Trauma mit geistigen Mittel geheilt haben, oder?

Das ist ein Problem, ja. Das andere ist, wenn sie es heilen konnten, dann wohl eher mit Medikamenten - ergo werden sie erfahrungsgestützt über Medikamente reden. Und ich glaube auch nicht, dass sie ihr eigenes Trauma schildern würden, also subjektive Ich-Sprache benutzen würden. Ich glaube, sie würden sich ausbildungsbedingt hinter einer objektiven Wissenschaftssprache verbergen. Die Hierarchie und der Selbstschutz müssen schließlich gewahrt bleiben (lacht) ... 

Möchtest du über dein Trauma und deine Selbstheilung reden?

Gerne. Zunächst einmal, was verstehe ich unter einem Trauma: Wikipedia spricht von einer "seelischen Verletzung", und das trifft es recht gut, wie ich meine. Aber es trifft nicht gut genug: Mit IBA würde ich nicht von einer Verletzung, sondern von einer "Selbstverletzung" reden. Ein gewaltiger Unterschied, der natürlich Folgen hat sowohl für die Entstehung des Traumas als auch für die Therapie. 

Selbstverletzung? Du meinst, ein traumatisierter Mensch hätte seine eigene Seele verletzt? 

Selbstverständlich. Diese Macht hat nur das schöpferische Wesen, wer sonst? Und nur deshalb, weil es diese Macht hat, hat es auch die Macht, sich wieder zu heilen. Das eine bedingt das andere. Der Unterschied liegt lediglich in der Bewusstheit: Die Selbstverletzung der Seele geschieht blitzschnell und unbewusst - der Heilungsvorgang sollte sehr bewusst ablaufen und dauert länger.

Wie war das bei dir?

Mein Trauma war der mich völlig überraschend treffende Tod meines geliebten Großvaters Max. Ich war 15, als mir berichtet wurde, dass er sich erhängt hatte wegen einer unheilbaren Krebs-Diagnose. Man hatte ihm noch 6 Monate gegeben. Da trank er eine halbe Flasche Schnaps, wartete, bis die Oma zum Einkaufen gegangen war, nahm sich einen Strick und beendete sein Leben. Leider vergaß er die Auffindesituation, und als Oma zurückkam und ihn fand, erlitt sie einen Schock und lag zitternd mehrere Tage im Bett.  

Puuh, heftig. 

Ja, auch für mich. Die Eltern verboten mir die Teilnahme an der Beerdigung, und sie taten gut daran. Auf der Rückreise von Wolfsburg nach Kassel kam dann der seelische Schmerz, die Verletzung, also mein Trauma, sichtbar und hörbar aus mir heraus: Ich lag mit Weinkrämpfen zwei Stunden auf der Rückbank des Autos und war völlig fertig. Mein Herz wollte zerreißen - so etwas kannte ich nicht, hatte ich nie zuvor erlebt, auch dieses lange Weinen nicht. Wir waren alle ziemlich fertig, doch ich ganz besonders. 

War das schon ein Trauma oder nicht einfach nur tiefe Trauer um deinen geliebten Opa?

Wenn wir Trauma als seelische Verletzung verstehen wollen, dann war das ein heftiges Trauma, ganz klar. Mit meinem heutigen Wissen würde ich sagen, dass ich damals erstmalig mit dem realen Tod konfrontiert wurde und mit einer gewaltigen Ohnmacht: Irgendeine Scheißmacht hatte mir meinen geliebten Opa weggenommen - und ich konnte erstens nichts dagegen tun und zweitens, ihn niemals wieder zurückbekommen. Grauenhaft! Diese Endgültigkeit, diese Ohnmacht, und diese Vorstellung, auch ich würde eines Tages sterben. Mein jugendliches, unbekümmertes Leben war danach vorbei.  

Und welche Folgen hatte dein Trauma für dich?

Ich wurde nachdenklicher, introvertierter, misstrauischer. Meine Unbekümmertheit war weg. Doch ich begann, das Leben und den Tod verstehen zu wollen. Durch den Tod meines Opas setzte ich meinen forschenden Geist in Gang. Ab da interessierte ich mich für alles, was mit Leben und Tod zu tun hatte. Das sind keine wirklich schlimmen Traumafolgen, ich entwickelte keine neurotischen Ticks, keine größeren Ängste usw., doch all dies geschah nicht, weil ich sehr schnell nach dem Tod meines Opas aktiv begonnen hatte, mich diesen Themen zu stellen. Ich schaute hin, nicht weg. Ich analysierte zum Beispiel meinen zweistündigen Heulkrampf und wollte verstehen, was ich da bloß gefühlt und gemacht hatte.

Und du bemerktest, dass du dich selbst verletzt hattest?

Nein. So weit war ich noch nicht mit 15, 16 Jahren. Ich dachte an äußere Verursacher, an Gott, der mir danach gestohlen bleiben konnte, an das brutale Leben, an Schicksal, so etwas. Gar nicht vorstellbar, wenn Opa ermordet worden wäre - dann hätte ich vermutlich nur noch böse Menschen gesehen, in jeder Ecke.  

Wie ging es weiter?

Mit Betäubung. Ich stürzte mich in die Disco-Szene, trank viel Alkohol, wollte das Leben feiern und meine große innere Traurigkeit übermalen. Gelang natürlich nicht. Vielleicht hätte ich das als Teenager auch alles ohne Opas Tod erleben wollen, das weiß ich natürlich nicht, doch ich war über Jahre hinweg melancholisch, traurig, betrübt, fast schon depressiv. Lange Nächte mit Kerzenschein, Whiskey und meiner Katze waren typisch für mich. Das Leben schien mir so belanglos zu sein; ich neidete anderen Menschen ihre für mich völlig unverständliche "Naivität", weil sie einfach so ihr Ding zu machen schienen - während ich innerlich oft weinte und grübelte. Traumafolgen? Klar doch ...

Und deine Heilung?

Begann mit meiner großen Liebe Monika, die in mein Leben trat, als ich 18 war. Bei ihr und ihrer Familie fand ich neue Bedingungen vor, kam auf andere Gedanken, und begann allmählich, mich dem Leben zu stellen und Verantwortung für mich zu übernehmen. Sie war mein rettender Engel, kam genau richtig. 40 Jahre später war mir klar, dass meine große Trauer nicht die Folge des Todes meines Opas war, sondern meiner tiefen und verzweifelten Ohnmacht. Ich betrauerte sehr intensiv MICH SELBST, mein Nichts-Tun-Können. Heute weiß ich, dass wir alle zutiefst gute und lieben-wollende Wesen sind - und wenn eine Wesenheit die Erfahrung macht, nichts Gutes bewirken zu können oder Gutes wieder aufrichten zu können, wenn es also seine schöpferische Ohnmacht, sein Inaktivität bemerkt, dann schmerzt das Herz, die Seele, das Wesen. Trauma. Die einen formen diese Energie der Ohnmacht aus in Trauer und Depression, die anderen in Wut, Zorn und Aggression. 

Ah, und deshalb deine Botschaft der Ich-Aktivität, vom schöpferischen Wesen, vom guten Wesen?

Ja, so ist das wohl. Als ob alle meine Lebenserfahrungen mich bis zu IBANETIK führen wollten, ja. Wenn ich auch nur einen Menschen anregen kann, sich selbst stärker zu vertrauen und sich als erzeugendes Wesen zu erkennen, dann habe ich mein Ziel erreicht. Ich habe es erreicht (lacht). Es gibt schon ne Menge Leute, die ausgerüstet mit IBA ihr Leben verbesserten und sich rein geistig heilten. Ich bin sehr zufrieden mit ihnen - und mit mir.

Danke, Carsten.         

 

- weitere Gespräche folgen in Kürze -