I. Das unantastbare Lebensgeld (ULG)


1. Der Ur-Gedanke des schuldigen Menschen

2. Jesus: "Ich aber bin ohne Schuld."

3. Karl Marx: "Vielleicht sind wir wertvoll durch Arbeit ...?"

4. Von der Schuld zum Wert: Was wäre gewesen, wenn ...


Der Ur-Gedanke des schuldigen Menschen

Die Geschichte geht etwa so: Vor ca. 6.000 Jahren im alten Mesopotamien beschlossen einige Menschen, ihrem Volk zuzurufen: „Ihr seid alle voller Schuld vor den Göttern. Ihr müsst opfern. Ihr müsst den Göttern etwas geben.“

Alle nickten, denn es war klar, dass nur so die Schrecken der Natur gebändigt werden konnten. Fortan wusste der Mensch: „Ich bin etwas schuldig.“ Schnell wurden erste große Tempel gebaut (die „Zikkurat“ in Ur oder Ninive) sowie Priester, Tempelbürokratie und Tempelhierarchie erfunden. Wir Heutigen wissen davon, weil wir die alten mesopotamischen Keilschrifttafeln ausgegraben haben.

Die ersten Schriftzeichen der Menschheitsgeschichte waren Schuld- und Warenverzeichnisse: Die Tempelpriester schrieben auf, wer seine Schuld vor den Göttern beglichen hatte und wer nicht. Sie legten überhaupt die Spielregeln fest (gemeinsam mit dem König) und erfanden auch den Zins (obgleich das Wort noch nicht existierte). Das Geld war auch noch nicht erfunden; bezahlt wurde in Naturalien (Stiere, Hühner, Weizen etc.). Konnte ein „schuldiger“ Bauer seine Schuld nicht tilgen, so wurde ihm ein Vorschuss aus den prall gefüllten Lagern des Tempels gewährt. Diesen hatte er später mit einem kleinen Aufschlag zurückzuzahlen. Konnte er das nicht, musste er Teile seines Landes an den Tempel übertragen.

 

Hier, vor 6.000 Jahren, erfanden Menschen kraft ihrer geistigen Möglichkeiten diejenigen Zutaten, die wir noch heute in unserer modernen Geldwirtschaft kennen. Vor der Erfindung des Geldes war der Schuldausgleich – und davor der Ur-Gedanke der Schuld. Der Tempel konnte Kredit geben und Zins verlangen. All das basierte auf lediglich einer gedanklichen Annahme: „Du bist den Göttern etwas schuldig.“

 

Jesus: "Ich aber bin ohne Schuld."

Erst 4.000 Jahre später, in Galiläa, kratzte sich ein junger Jude am Hinterkopf und dachte sich: „Da ist doch irgendetwas faul.“ Er erhob sich, ging nach Jerusalem zu den dortigen Tempelpriestern und sagte ihnen: „Ich bin ohne Schuld.“ (nachzulesen in der Bibel). Was meinte er damit? Meinte er, dass er ein unfehlbarer Mensch sei, der sich niemals irrte und alles richtig machen würde? Oder meinte er: „Hey, ihr Priester, was erzählt ihr denn den Leuten? Sie schulden den Göttern überhaupt nichts. Ich bin ohne Schuld.“

Jesus kritisierte den alten mesopotamischen Ur-Gedanken der Schuld. Dieser Gedanke hatte sich in 4.000 Jahren wie eine gigantische Flutwelle ausgebreitet: Überall hatten Menschen angefangen, den Göttern zu opfern, glaubten kollektiv an ihre vermeintliche Gottesschuld und akzeptierten die herrschende Tempelhierarchie. Jesus nicht – er griff den ganzen Tempel samt Hohepriestern und den Ur-Gedanken der Schuld direkt an: „Ich bin ohne Schuld vor den Göttern. Ich muss nicht opfern. Ich muss kein Geld wechseln. Ihr habt aus dem Hause Gottes eine Räuberhöhle gemacht.“ Wie es ihm danach erging, ist bekannt …

 

Was Jesus nicht sagte (jedenfalls lesen wir nichts darüber), was er den Tempelpriestern leider nicht zurief, war dieses hier: „Ich bin nicht nur ohne Schuld – ich bin voller Wert.“ Hätte er diesen Hinweis auf seinen Wert zusätzlich ausgesprochen, wer weiß, wie die Menschheitsgeschichte dann verlaufen wäre. Doch dazu später mehr …

 

Karl Marx: "Vielleicht sind wir wertvoll durch Arbeit ...?"

So dauerte es noch einmal 1.800 Jahre, bis sich ein anderer junger Mann namens Karl Marx ebenfalls am Hinterkopf kratzte und sagte: „Hier ist doch etwas faul. Irgendetwas stimmt hier nicht.“ Und er fing an, über den Wert des Menschen nachzudenken. „Der Mensch ist doch irgendwie wertvoll, wie kann ich das nur beweisen? An welche Größe kann ich diesen Wert koppeln, wie kann ich den Wert des Menschen sichtbar machen?“ So entwickelte er seine Arbeitswerttheorie: Der Mensch war etwas wert durch seine Arbeitskraft, sein Produktivvermögen. Das Geld, welches ihm dann zufließen sollte (in Form von Lohn), könne nur dann ein gerechter Lohn sein, wenn es an den Arbeitswert gekoppelt sei.

 

Fassen wir kurz zusammen:

Zuerst war der Gedanke der Schuld und des Schuldausgleichs. Der Mensch wurde nicht gesehen als „voller Wert“, sondern als "voller Schuld". Dann kam Jesus und meuterte: „Ich bin ohne Schuld.“ Und dann kam Marx und versuchte, den unsichtbaren Wert des Menschen durch die Bindung an die produktive Arbeitskraft sichtbarer zu machen. Wir haben also – Achtung – einen „roten“ Werte-Faden, der direkt vom alten Mesopotamien über Jesus und Marx bis hinein in unsere Gegenwart läuft.

 

Dies aber nur dann, wenn wir Heutigen uns immer wieder und unbeirrbar bewusst machen: „Wir sind voller Wert.“ Sozialpolitisch folgt aus diesem von Jesus eingeleiteten und von Marx weitergeführten Gedanken eine demokratisch gewollte Veränderung des Geldsystems. Warum? Weil das moderne Geldsystem nicht auf dem Ur-Gedanken des wertvollen Menschen beruht, sondern auf dem alten Ur-Gedanken des schuldigen Menschen: Jeder jemals erschaffene Euro in der Eurozone ist als "Schuld" verbucht und wird als "Kredit" weitergeleitet. Es existiert nicht ein einziger Euro, der bei seiner Geburtsstunde ein "Werte-Euro" gewesen und als "Guthaben" in den Geldkreislauf eingespeist worden wäre. Fragen Sie Ihren Notenbanker ...

 

Von der Schuld zum Wert: Was wäre gewesen, wenn ...

… damals in Mesopotamien die Priester eine andere Geschichte erzählt hätten? Stellen wir uns einmal vor, sie hätten statt einer Schuld-Geschichte eine Wert-Geschichte erzählt. Dann hätten wir vielleicht diese Story hören können:

 

„Hey Leute, wir haben gerade mit den Göttern telefoniert und jetzt haben wir eine tolle Nachricht für euch: Ihr schuldet den Göttern nichts. Im Gegenteil: Ihr seid alle voller Wert. Die Götter haben euch unermesslichen Wert schon mitgegeben.“

„Prima“, würde dann das Volk gedacht haben, „dann brauchen wir ja auch nicht mehr zu opfern, dann brauchen wir ja dem Tempel nichts mehr zu geben.“

„Richtig“, würde der Tempel ergänzen, „statt regelmäßig Stiere und Tauben und Weizen an den Tempel abzuliefern, sollt ihr jetzt etwas vom Tempel bekommen. Die Götter wollen, dass wir etwas an euch auszahlen, quasi als Symbol für den Wert, den ihr alle schon habt. Wir Priester sollen uns einfallen lassen, wie wir wenigstens einen Teil dieses göttlichen Wertes symbolisch an euch weiterreichen …“

 

Tja, und spätestens an dieser Stelle wäre diese schöne, rein geistige Wert-Geschichte in der realen Welt steckengeblieben. Der gute Gedanke vom wertvollen Menschen hätte nicht realisiert, hätte nicht symbolisiert, hätte nicht ausgeformt werden können. Selbst dann, wenn die alten Priester diesen anderen Ur-Gedanken verkündet hätten, selbst dann, wenn sie „Wert“ statt „Schuld“ gerufen hätten, woher wollten sie all die Stiere, Ochsen, Hühner und Tauben nehmen, die sie symbolhaft gerne hätten auszahlen wollen? Das Geld war schließlich noch nicht erfunden und sie konnten ja Stiere und Weizen nicht aus dem Nichts erschaffen …

 

Wir Heutigen können das. Wir erschaffen tatsächlich „Stiere aus dem Nichts“, denn wir schöpfen Geld aus dem Nichts - und folgen dabei unverändert dem uralten Schuldgedanken: Jedes aus dem Nichts geschöpfte Zentralbankgeld (wie auch das von Privatbanken geschöpfte Giralgeld) wird in Form einer Schuld weiterverteilt, als Kredit. Wie damals die alten Priester die vermeintliche Gottesschuld erst geistig erfinden mussten und sie dann an das Volk verteilten, verteilen auch wir heute noch über die Notenbanken immer nur eines, nämlich Schuld. Unser Geldsystem ist ein sehr ausdifferenziertes Schuldenverteilungssystem: Die Banken melden ihren Geldbedarf bei der Zentralbank an, diese erschafft aus dem Nichts das benötigte Geld und reicht es als Kredit weiter an die Banken. Diese setzen dann das Kreditspiel fort und verleihen es an kreditwürdige Schuldner. Die Geschäftsbanken prüfen dabei nicht deinen Menschenwert, deine Würdigkeit, sie prüfen nur deine Kreditwürdigkeit.

 

Was wir noch immer nicht verteilen, ist Wert. Obwohl wir es heute technisch könnten, verteilen wir noch immer nicht einen Teil dieses Menschenwertes in Form von Geldsymbolen an eben diese wertvollen Menschen. Ich ermutige daher alle Menschen in Deutschland sich in direkter Linie mit Jesus und Marx für eine Befreiung der Menschen von diesem Schuldgedanken einzusetzen.

 

Vom Ur-Gedanken der Schuld hin zum Gedanken des Wertes – es ist diese geistige Weiterentwicklung, die ich sichtbar machen möchte. Was Jesus begonnen hatte, als er seine Schuld vor den Göttern bestritt und was Marx versuchte, an den Arbeitswert des Menschen zu koppeln, kann und muss gesellschaftspolitisch von allen Demokraten beherzt aufgegriffen und weiterentwickelt werden.

 

„Du bist voller Wert.“

 

– dieser moderne Weckruf muss endlich erklingen und gesellschaftlich gelebt werden. Die Menschen warten darauf; sie sind durstig.