Kap. 4: Erzeugung geht vor Wirklichkeit.


Erzeugte Wirklichkeiten

"Wirklichkeit ist wirkend und wahr.

Alles, was IST, ist wirklich, es wirkt und ist wahr zugleich.

Jeder Gedanke ist im Moment seiner Erzeugung wahr und wirkend, weil er existiert.

Aber Wirklichkeit IST nicht einfach so, sie ist selbst "gewirkt", mithin erschaffen. Und sie erschafft ihrerseits. So wie du und ich." 

 

Diese knappen Sätze aus der Inhaltsübersicht zu Kapitel 4 sind nicht in ich-aktiver Sprache formuliert. Sie wirken daher wie stehende Wahrheiten, wie erkannte Wahrheiten, wie objektive und richtige Wahrheiten - doch sie alle sind meine Konstruktionen, sind von mir erzeugte Wahrheiten. Mal schauen, ob wir etwas Neues erkennen können, wenn ich diese Sätze in ich-aktiver Sprache formuliere, also mich erkennbar hinzufüge. Dann erhalten wir etwa dieses:

 

"Was ich als Wirklichkeit erlebe, erlebe ich als wirkend und als wahr."

Ich glaube, dass alles, was ich als existierend erlebe, wirkend ist und wahr zugleich."

"Meine Gedanken erkenne ich im Moment, wo ich sie erzeuge, als wahr und als wirkend, weil sie existieren."

Meine Wirklichkeit existiert nicht einfach so, ich erlebe sie als eine erschaffene Wirklichkeit, die ihrerseits wirkend ist."

"So erlebe ich mich und auch dich." 

 

Welchem Redner würde ich leichter folgen, lieber zuhören? Ich kann nur vermuten, wie es dir ergeht, aber ich bin mir sicher: Ich würde lieber mit dem zweiten Redner, mit dem ich-aktiven Sprecher, zusammen sein. Oben, so würde ich denken, spricht ein Besser-Wisser, ein Professor, einer, der Recht haben will - unten dagegen spricht ein Mensch mit mir, einer, der mir seine Welt mitteilt. Mit diesem Menschen - er käme mir ehrlicher, aufrichtiger, ich-hafter vor - könnte ich reden, könnte ich mich besser verbinden, könnte ich ein besseres Miteinander erleben. Mehr noch: Ich würde gar nicht in Abwehrstellung gehen wollen, auf Konfrontation, ich würde ihm einfach mitteilen, was ich so denke und erlebe. Und, schwupps, schon würden wir das Miteinander erzeugender Wesen erleben, die sich nicht über "Wirklichkeit" unterhalten, sondern über "ihre Wirklichkeiten".

 

Diese ich-aktiv sprechenden Wesen würden eine andere Atmosphäre erschaffen, einen weiten, offenen und klaren "Raum des Geistes". Weil sie beide nicht fürchten müssten, zu "verlieren" oder zu "irren" oder gar "dumm" zu sein, würden ihre Gefühle sie nicht verengen oder gar aggressiv machen. Stopp, ich-aktive Korrektur: "... würden sie sich nicht verengen und diese Enge dann fühlen oder sich selbst aggressiv machen." Und vielleicht würden sie deshalb sogar gemeinsame Ideen erzeugen, auf die sie allein gar nicht gekommen wären. Vielleicht würden sie sich "geistig befruchten" und nicht bekämpfen und so zu neuen, kreativen Lösungen finden.

 

Sie würden in ihrer Begegnung eine spezielle "Wirkung" erschaffen, eine von ihnen konstruierte und gemeinsam erlebte "Wirklichkeit". Nehmen wir an, nur sie beide würden dieses Miteinander erleben, dann würden auch nur sie diese Wirklichkeit erleben. Hier haben wir ein erstes kleines Beispiel für die mögliche Konstruktion von Wirklichkeiten. In meiner ersten AKE erlebte ich "live" mit, dass meine Gedanken und Gefühle "wirken", dass sie Formen voller Energie sind, und dass sie andere "Wirkungen" verändern, beeinflussen, mit ihnen wechselwirken, kurz: dass sie Wirklichkeit mit-formen. Und zwar sofort, augenblicklich. Hier auf Erden erlebe ich das nicht so schnell, nicht so klar, irgendwie abgeschwächt und auch zeitlich verzögert: Ich kann hier meine Gedanken nicht "außerhalb" von mir sehen, sie scheinen nur in meinem Kopf zu existieren und in einem dunklen Loch zu verschwinden. Auch meine Gefühle erscheinen mir nicht als sichtbare "Formen", allenfalls als Erregungen (die aber immerhin meinen Körper "verformen" können). Doch ich glaube, dass das, was ich in der AKE erlebte, exakt so passiert - nur unter irdischen Bedingungen.

 

Wirkende Gedanken und Gefühle

Deshalb erlebe ich seit meiner AKE meine Gedanken nicht nur als Gedanken (und zwar bereits im Moment ihrer Entstehung), sondern auch als wirkende Kräfte. Ich weiß definitiv, dass meine Gedanken "nicht nur" Gedanken sind, die ich "einfach so" und ohne jede Wirkung denken könnte. Nein, Gedanken (und auch Gefühle) sind sehr viel wirkungsvoller als ich früher dachte. Sie sind Kräfte, die nicht nur auf mich selbst wirken, sondern auch auf andere Wesen, auch auf Pflanzen und Tiere. Oft wiederholte Gedankenmuster haben intensivere Wirkungen zur Folge als seltene Gedanken. Energiegeladene Gedanken ("starke" Gedanken) wirken spürbar auch ohne Wiederholungen. Ich erlebe also, wie ich mit geistiger Kraft "Wirkungen" erzeuge - und damit Wirklichkeit. Umgekehrt erlebe ich andere Menschen als ebenso wirkend - und wenn wir das auf bestimmte Weisen tun, können wir gemeinsam schlimme oder schöne Wirklichkeiten erschaffen, je nach Konstruktion, Muster und Intensität.

 

HINWEIS: Um keine Missverständnisse aufkeimen zu lassen, möchte ich schon hier anmerken, dass ich "Wirkung" nicht als "Verursachung" verstehe. Wenn ich sage, dass meine Gedanken und Gefühle auf andere Menschen wirken, dann meine ich nicht, dass sie dort etwas verursachen, zum Beispiel deren Gefühle. Wenn es so wäre, hätte ich eine ziemlich direkte Macht über das Gefühlsleben anderer Menschen, nicht wahr? Umgekehrt hätten dann aber auch sie eine ziemlich direkte Macht über mich und würden mit ihren Gedanken und Gefühlen meine Gefühle verursachen - was mir überhaupt nicht gefiele und was ich so auch nicht mehr erlebe. Also: "Wirkung" ja, "Verursachung" nein. In Kapitel 6 werde ich umfassender auf unser Gefühlsleben eingehen.

 

Doch zurück zum Thema: Ist Wirklichkeit nun erzeugt oder nicht? Nähern wir uns dem Thema mal an mit einer ich-aktiven Frage: "Ist die von mir erlebte Wirklichkeit von mir erzeugt oder nicht?" Diese Frage, ob die von mir erlebte Wirklichkeit von mir erzeugt wird, kann ich beantworten. Und deshalb lautet meine erste Antwort: "Ja, teilweise. Ich erlebe nicht die Wirklichkeit, sondern meine. Und ich glaube, dass ich meine Wirklichkeit teilweise selbst erschaffe, ja." Bauen wir diese ich-aktive Antwort noch etwas aus, dann könnte ich hinzufügen: "Und ich glaube, dass es allen anderen Menschen so ähnlich ergeht. Auch sie erleben nicht die Wirklichkeit, sondern jeweils ihre eigene Wirklichkeit. Auch sie erschaffen sich ihre Wirklichkeiten durch ihre Konstruktionen, mindestens teilweise. Und wir alle zusammen, na ja, wir erleben dann vielleicht nicht EINE Wirklichkeit, sondern viele einander "überlappende" oder berührende Wirklichkeiten." So etwa ...

 

EINE Wirklichkeit oder viele?

Nun kann es ja sein, dass es "in Wahrheit" nur EINE Wirklichkeit gibt, aber viele verschiedene Weisen, sie zu erleben. Das scheint mir, so weit ich dies überblicken kann, die vorherrschende Sicht zu sein: eine Welt, ein Universum, eine Realität, eine uns allen gegebene Wirklichkeit - und viele individuellen Weisen, diese zu erleben. Sollte sich "Wirklichkeit" so verhalten, dann macht es natürlich Sinn, die "richtige" Sichtweise auf diese EINE Wirklichkeit entdecken zu wollen: vielleicht mit der "wissenschaftlichen" Sicht, oder mit der "rechten" Sicht Buddhas, oder vielleicht mit der "objektiven" Sicht ... Nein, Letzeres wäre keine gute Idee, wie wir im Kapitel über "Objektivität" gesehen haben. Mit einer konstruierten Perspektive der Objektivität werden wir wohl kaum diese EINE Realität so sehen, "wie sie ist", nicht wahr? Was wir dann sehen würden, wäre eine Wirklichkeit, wie wir sie durch unsere konstruierte Sicht sehen würden, mehr aber auch nicht. Die "objektive Welt" ist nicht "die Welt, wie sie ist" - sie ist die Welt, wie wir sie dann durch eine objektive Konstruktion wahrnehmen. Es nützt nichts, die "subjektive" Brille abzulegen und die "objektive" Brille aufzuziehen - beide Brillen sind erzeugte Brillen. Umgekehrt nützt es auch nichts, die objektive Brille abzulegen und die Welt ganz subjektiv zu betrachten - auch hier tragen wir (unbewusst) eine Brille. Es gibt keine Sicht von nirgendwo. Immer ist es ein "jemand", der eine Sicht hat - und die Sicht dieses subjektiven Individuums ist, wie wir im Kapitel "Wahrnehmung" gesehen haben, eine Konstruktion.

 

Es liegt auf der Hand, dass dann auch eine "wissenschaftliche" Sicht oder die "rechte" Sicht Buddhas uns die Wirklichkeit nicht zeigen können, wie sie ist. Auch diese Sichten erweisen sich als erzeugte Sichten, als spezielle Sichtweisen unter vielen möglichen. Die wissenschaftliche Sicht wird uns nicht die Wirklichkeit zeigen, sondern die wissenschaftliche Wirklichkeit. Buddhas Sicht wird uns Buddhas Wirklichkeit zeigen. Meine Sicht wird dir meine Wirklichkeit zeigen und deine Sicht wird mir deine zeigen. Tausend Menschen, tausend Sichtweisen, tausend Wirklichkeiten - und nirgends eine Sicht von nirgendwo.

 

"Houston, wir haben ein Problem!" - ja, ein großes, wie ich glaube. Wir nähern uns dem hüpfenden Komma, dem springenden Punkt: Existiert EINE vorgegebene Wirklichkeit, die wir manchmal sehr verschieden wahrnehmen, oder existieren viele Wirklichkeiten, die wir individuell erschaffen und kollektiv mit-erschaffen? Was meine ich, wenn ich sage "Erzeugung geht vor Wirklichkeit"? Sehen wir beide EINEN Baum, oder sehen wir ZWEI Bäume, ich den meinigen und du den deinigen? Überlagern sich unsere Baum-Bilder so raffiniert, dass wir irrtümlich glauben, nur einen Baum zu sehen? Oder ist da nur dieser eine Baum? Ist diese ominöse "Überlagerung" zwingend nötig, damit wir die Illusion einer gemeinsamen Welt erfahren können, damit wir uns austauschen und miteinander ko-agieren können? Würde jeder von uns - ohne den Trick der Überlagerung - immer nur die von ihm selbst erzeugte Welt sehen, niemals aber die Erzeugnisse der anderen? Oder gibt es tatsächlich EINE vorkonstruierte Realität, eine nur für unsere Zwecke erschaffene Wirklichkeit? Darum geht es hier. 

 

Wir wollen uns erinnern: Wir erkannten erzeugte Wahrheiten, erzeugte Wahrnehmungen, erzeugte Objektivität (als eine spezielle Form von Wahrnehmung) und wir erkannten auch schon, dass zwei Menschen spezielle Wirklichkeiten erschaffen können. Jetzt wollen wir versuchen, all diese erzeugten Phänomene mit "der Wirklichkeit" zu verbinden. Mal schauen, was wir dann finden - nein, besser: Mal schauen, was ich nun erzeuge und du dann wahrnimmst (lacht).

            

Fehlende schöpferische Intersubjektivität und der Mythos der Wirklichkeit

Ich habe bislang über meine schöpferische Wirklichkeitsgestaltung geschrieben, mithin über "erzeugende Subjektivität". Ich sagte oben aber auch: "Meine Wirklichkeit existiert nicht einfach so, ich erlebe sie als eine erschaffene Wirklichkeit, die ihrerseits wirkend ist". Der letzte Teil dieses Satzes "... die ihrerseits wirkend ist" bezieht sich auf die schöpferischen Aktivitäten anderer "Subjekte" oder "Wesenheiten", mithin auf eine wechselwirkende "erzeugende Intersubjektivität". Die von mir erlebte Wirklichkeit ist nicht allein von mir erschaffen - sie ist ein Gemeinschaftskonstrukt vieler, unfassbar vieler schöpferischer Akteure. Diese wirken alle auf verschiedene Weisen und Intensitäten aufeinander ein, weshalb ich hier von "schöpferischer Intersubjektivität" sprechen möchte.

 

Der amerikanische Denker und Philosoph Ken Wilber schreibt, "wenn es in der allgemeinen Strömung einen gemeinsamen Strang gibt, dann besteht er in der radikalen Kritik eines monologischen Bewusstseins - das unter wechselnden Bezeichnungen auftaucht wie der Mythos vom Gegebenen, monologischer Empirismus, die Philosophie des Subjekts und die Philosophie des Bewusstseins, um nur einige aufzuzählen." (Ken Wilber, "Integrale Spiritualität", Kösel 2007, S. 242) Auf den "Mythos vom Gegebenen" bin ich schon in der Einführung eingegangen: Menschen glauben an eine gegebene oder vorgegebene Realität, die sie sich selbst durch eine "wahrnehmende" Bewusstheit präsentieren und über die sie dann "Wahrheiten" mitteilen können. Wilber kritisiert diesen Mythos, weil er glaubt, diesen Menschen fehle das Verständnis dafür, "dass die Wahrheit, die das Subjekt übermittelt, zum Teil von intersubjektiven kulturellen Netzwerken konstruiert ist" (ebd., S. 243) - aus diesem Grunde wird der Mythos vom Gegebenen auch die "Philosophie des Subjekts" genannt und beides wird "radikal kritisiert". Warum? Weil, so Ken, wir "zusätzlich die Philosophie des Intersubjektiven oder der Intersubjektivität (brauchen)" (ebd., S.243). Ich sehe das anders, weil ich anderes erlebte.

 

Für Wilber-Freunde wird das, was ich jetzt sage, hoffentlich eine Anregung zum Weiterdenken sein: Ken beschreibt ein Subjekt, welches Wahrheit "übermittelt" und "intersubjektive Netzwerke", die diese Wahrheit "konstruieren". Ich beschreibe ein "schöpferisches Subjekt", nicht einfach ein wahrnehmendes, welches übermittelt. Ken beschreibt "konstruierende Netzwerke"; ich beschreibe "erzeugende Wesenheiten". Nach Ken fehlt uns eine Philosophie der "Intersubjektivität" - ich will zeigen, dass uns eine Philosophie der "schöpferischen Intersubjektivität" fehlt, oder besser: ein Blick für die von vielen Wesenheiten erschaffenen Wechselwirkungen. Realität oder Wirklichkeit wird nicht von "Netzwerken konstruiert", sondern von den "Knotenpunkten" dieses Netzes - und das sind geistige Subjekte, geistige Wesenheiten. Sie alle erschaffen gemeinsam EINE Wirklichkeit, in der diese EINE Wirklichkeit nicht statisch "vorgegeben" ist (der kritisierte Mythos vom Gegebenen), sondern permanent wechselwirkt mit seinen vielen Schöpfern. Ken nähert sich meiner Sicht und meiner Erfahrung an, wenn er schließend sagt: "Aber das Subjekt spiegelt die Realität nicht wider, sondern erschafft sie mit." (ebd., S. 243)

 

In meiner ich-aktiven Sprache: "Ich spiegele die Wirklichkeit nicht wider, sondern erschaffe sie mit". Oder, wie ich oben sagte: "Meine Wirklichkeit existiert nicht einfach so, ich erlebe sie als eine erschaffene Wirklichkeit, die ihrerseits wirkend ist". Nun, der spirituelle "Witz" liegt darin, dass genau das auch für dich und für alle anderen Menschen so sein könnte. Und in welcher Wirklichkeit würden wir dann leben? Sicher nicht in EINER, und ganz sicher auch nicht ich in MEINER und du nur in DEINER. Diese seltsame "schöpferische" Wirklichkeit scheint nicht statisch vorgegeben zu sein und kann nicht durch "reine Wahrnehmung" erkannt werden, "wie sie ist", weil wir stets nur das wahrnehmen können, was unsere "erzeugte Wahrnehmung" uns ermöglicht wahrzunehmen. "Objektive Wahrheiten" über sie können wir auch nicht übermitteln, denn Wahrheit und Objektivität könnten "erzeugte Wahrheiten" und "erzeugte Objektivität" sein. Was also können wir tun?

 

Vielleicht uns all dieser Dinge und Zusammenhänge bewusster werden. Vielleicht reicht das schon. Vielleicht kann ich ja die komplexen Regeln eines Spiels nicht alle verstehen und überschauen und deshalb nur eingeschränkt mitspielen - doch ich kann wissen, dass es sich um ein "Spiel" handelt, nicht wahr? Übersetzt: Vielleicht kann ich (und können wir alle) die schöpferischen Regeln dieser Wirklichkeit nicht alle verstehen und überschauen und deshalb nur "partiell mit-konstruieren" - doch ich kann wissen, dass es sich um eine schöpferische Wirklichkeit handelt, um ein aufregendes, wunderschönes Spiel.

 

Exkurs: Warum begeistert der Fußball weltweit Milliarden Menschen? Nun, vielleicht deshalb, weil Zuschauer und Spieler und Trainer wissen, dass es sich dabei um ein Spiel handelt (gut, für manche geht es dabei um Leben oder Tod). Vielleicht, weil alle dieses Spiel mit Freude spielen können (gut, manche wollen sich prügeln, vermutlich, weil sie daran Freude haben). Vielleicht, weil alle spüren, dass sie alle gemeinsam spielen (und wenn durch Corona die Zuschauer fehlen, ist es nicht mehr das gleiche Spiel, nicht wahr?). Vielleicht auch, weil alle die Spielregeln kennen (gut, manche haben Probleme mit der Abseitsregel). Also vielleicht, weil sich alle dieses Spiels und seiner Regeln und ihrer aktiven Rolle in diesem Spiel bewusst sind. - Vielleicht ist Wirklichkeit auch ein Spiel, ein gigantisches, mit vielen Regeln, und wir alle erschaffen aktiv dieses Spiel. Was, wenn wir es auch bewusst und mit Freude tun würden? So gesehen, könnte IBANETIK eine Anleitung zu "spirituellem Fußball" sein, nicht wahr? 

Ist das Fussballspiel beendet, gehen alle wieder nach Hause und freuen sich auf das nächste Spiel. Auch bei geistigen Wesenheiten könnte es so sein, nicht wahr? Nach dem irdischen Spiel nach Hause gehen ... 

 

Ich erschaffe meine eigene Wirklichkeit in der EINEN Wirklichkeit.

Nach meiner AKE bin ich mir sicher: Ich erschaffe nicht DIE Realität. Ich erschaffe meine Realitäten INNERHALB einer größeren Realität. Und du erschaffst dir deine Realität INNERHALB der gleichen größeren Realität. Ich glaube an die Existenz EINER Wirklichkeit, die mit uns beiden in schöpferischer Weise wechselwirkt. Wir wirken auf sie ein, weshalb Wirklichkeit sich durch unsere Aktivitäten verändern kann: Wir fällen Bäume und bauen Häuser. Und sie wirkt auf uns ein - die Sonne verbrennt unsere Haut. Wir sehen nicht zwei Bäume. Wir sehen und berühren und fällen den gleichen Baum. Er hat seine eigene Existenz, unabhängig von dir und von mir. Er ist auch noch da, wenn du und ich nicht mehr da sind. Ich erzeuge nicht den Baum, den ich wahrnehme. Und ich erzeuge auch nicht dich. Auch du hast eine Eigenexistenz. Du erschaffst nicht mich. Ich habe eine Eigenexistenz. Wir sind schöpferische Akteure auf einer Bühne, deren Bühnenbild nicht statisch vorgegeben ist, sondern ebenfalls schöpferisch ist und auf uns einwirkt. Ich kann dieses Bild teilweise verändern. Du auch. Ich kann aus dem vorgegebenen Baum einen schönen Baum machen oder ihn fällen. Du kannst aus mir einen komischen Kerl machen. Ich kann mich selbst erhöhen oder erniedrigen. Die Sonne wird nicht grün, wenn wir alle beschließen, sie nur grün wahrnehmen zu wollen - sie hat eine bedingte Eigenexistenz (wie alles im Universum). 

 

Wenn ich sage, dass wir unsere jeweiligen Wirklichkeiten "innerhalb" einer größeren Wirklichkeit erschaffen, dann meine ich damit nicht nur ein räumliches Innen, sondern vor allem einen geistigen "Innenraum". Früher dachte ich, das Universum ist räumlich riesig und ich dagegen winzig. Dort dieser große Raum und mitten drin dieser kleine Carsten. Dieses räumliche Innen-Sein hat sich verändert. Heute bemerke ich ein geistiges Innen-Sein: Ich existiere sozusagen "innerhalb eines großen Geistes", einer großen geistigen Veranstaltung oder Konstruktion - und interagiere geistig mit diesem großen GEIST. So etwa. Genauer: Ich erzeuge gemeinsam mit Milliarden anderen Erzeugern. Und dies nicht nur als Mensch innerhalb der irdischen Bedingungen, sondern auch als geistige Wesenheit innerhalb "geistiger Welten", jetzt und jetzt und jetzt. 

 

Ich erschuf nicht den goldgelben Diamanten, nicht die rotbraune Wolke, nicht die Glückswellen in meinem Körper. Ich erschuf meine Gedanken innerhalb des Diamanten. Ich erschuf meine Gefühle. Ich war außerkörperlich Teil einer anderen Wirklichkeit - wie ich hier Teil der irdischen Wirklichkeit bin. Diese beiden Wirklichkeiten, die irdische und die andere, sind ihrerseits Konstrukte - sie wurden und werden erschaffen von geistigen Kräften, deren Möglichkeiten ich bestenfalls erahnen kann. Deshalb sage ich: "Erzeugung geht vor Wirklichkeit" - und damit meine ich stets "geistige Erzeugung". Ich erlebe die Welt aus der Bewusstheit heraus, dass sie EINE gigantische Konstruktion ist - und dass diese Konstruktion "wirkend" ist, weshalb ich sie Wirklichkeit nenne. Keine illusionäre Wirklichkeit, sondern eine reale Wirklichkeit. Genau das gilt aber auch für mich (und dich): Auch ich bin eine Konstruktion, eine Schöpfung, und auch ich bin wirkend. Du und ich, wir erschaffen eigene und gemeinsame Wirklichkeiten in der einen großen Wirklichkeit. Und alle diese "Wirkungen" wurden und werden erzeugt, erschaffen oder konstruiert, jetzt und jetzt und jetzt.

 

Ich bilde mir die große Wirklichkeit nicht ein. Ich bin es nicht, der diese EINE Realität erzeugt (wie manche kreativen Denker tatsächlich von sich glauben). Ich finde sie vor. Ich sehe sie niemals "wie sie ist", denn meine Wahrnehmung ist selbst ein Konstrukt. Ich sehe sie durch die Brille meiner Wahrnehmung auf spezielle und absichtsvolle Weise. Ich kann diese Brille durch meine schöpferischen Fähigkeiten verändern, kann sie durch Bewusstheit verengen und erweitern, kann sie durch Meditation "verfeinern" und kann sie durch meine hinzugefügten Erzeugnisse "verfärben" - doch ablegen kann ich sie nicht. Ich kann eine objektive Brille erschaffen oder eine magische oder oder oder. Ich kann diese EINE Wirklichkeit mit meinen Gefühlen einfärben, mit meinen kulturellen Prägungen, mit meinen Glaubenssätzen. Ich kann zeitlich und räumlich begrenzte Wirklichkeiten INNERHALB dieser Realität erschaffen (eine kleine Blase innerhalb einer großen Blase). Wir gemeinsam können diese eine Wirklichkeit verändern, aber nur teilweise. Sie würde sich auch ohne unsere Wirkungen verändern und sie würde (vermutlich) auch ohne uns existieren. Diese EINE Wirklichkeit hat eine "bedingte Eigenexistenz". Ihre Existenz ist von Bedingungen abhängig, die weder ich noch du noch wir alle gemeinsam erschaffen haben. - An dieser Stelle könnte jetzt "die Gottheit" ins Spiel kommen, aber ich will noch nicht.

 

*****

 

 

"Ich erschaffe meine Wirklichkeit innerhalb der einen Wirklichkeit" - für manche enttäuschend wenig, für andere erstaunlich viel. Wie mache ich das eigentlich, "meine" Wirklichkeit erschaffen? Nun, jetzt wird es Zeit für "das ICH und das Ich", nicht wahr? Nahm ich als Kind eine andere Wirklichkeit wahr als heute? Erschuf ich als Kind andere Wirkungen, andere subjektive Wirklichkeiten? Werde ich übermorgen eine andere Wirklichkeit-in-der-WIRKLICHKEIT erschaffen als heute? Es könnte sein, dass das jeweilige "Ich" bei der jeweils erlebten Wirklichkeit eine große Rolle spielt. Und es könnte auch sein, dass diese "Ichs" erschaffen wurden von einem sehr schöpferischen "ICH" ...