Kap. 2: Erzeugung geht vor Wahrnehmung.


Verschiedene Formen von Wahrnehmung

Begonnen habe ich mein größeres Bild mit der "Wahrheit". Als außerkörperliches, geistiges "ICH" erlebte ich, dass Wahrheit nicht Wahrheit ist, sondern "erzeugte Wahrheit". Deshalb fragte ich in Kap. 1: "Gibt es irgendwo irgendeine Wahrheit, die nicht erzeugt wurde?" Anders formuliert: Der Akt der geistigen Erzeugung geht der erzeugten Wahrheit voraus. Erzeugung geht vor Wahrheit. Doch natürlich gibt es auch "wahrgenommene" Wahrheit - ich nahm den Diamanten wahr; ich habe ihn nicht erschaffen (falls doch, müsste ich hier alles nochmal umschreiben). Wir haben gesehen, dass sobald schöpferische Wesen beginnen, ihre jeweils wahrgenommenen Wahrheiten mitteilen zu wollen, sie aktivisch Gedanken, Worte, Bilder usw. erzeugen müssen(!). Anders geht es nicht. Wie der Finger, der auf den Mond zeigt, nicht der Mond ist, so ist das von mir erzeugte Wort "Baum" nicht der reale Baum, auf den es sich bezieht. Die Landkarte ist nicht das Land und die von uns erzeugten Symbole der Mitteilung sind nicht das, worauf sie sich beziehen. Mitgeteilte Wahrheiten oder kommunizierte Wahrheiten sind daher stets und in allen Fällen erzeugte Wahrheiten, denn wir formen die dazu benötigten Mitteilungssymbole. 

 

Das alles wäre vermutlich nicht weiter bemerkenswert und könnte durch "akkurate" Sprache zu einer maximalen Annäherung an die jeweils wahrgenommene Wahrheit führen - und gemeinsam wären wir dann fähig, erkannte Wahrheiten auszutauschen und auch nachprüfbar zu machen: "Steht dort wirklich ein Baum, wie Carsten sagt?" Nicht nur unsere Wissenschaften versuchen so zu arbeiten, wir alle tun dies täglich. Wir alle nehmen Dinge oder Gegenstände oder Objekte wahr und teilen unsere Wahrnehmungen mit. Wenn dort tatsächlich ein Baum steht, hat Carsten "die Wahrheit gesagt" - diese von Carsten mitgeteilte Wahrheit wird durch intersubjektive Verständigung und Prüfung ("Auch ich sehe dort einen Baum.") zu einer "wahren Wahrheit", zu einer "objektiven" Wahrheit. Sehen andere Menschen dort keinen Baum, hat Carsten ein Problem ...

 

Doch was, wenn auch unsere Wahrnehmung das Ergebnis eines schöpferischen Aktes ist? Was, wenn der Wahrnehmende und das Wahrgenommene "verbunden" wären, und zwar durch spezielle Bedingungen, sodass in einem von uns kaum bemerkten "Hand-in-Hand-Tanz" unsere "bedingte" Wahrnehmung unsere geistigen Erzeugnisse beeinflussen und das, was wir dann jeweils erzeugen, wiederum unsere Wahrnehmungen? Ist es nicht so, dass die Quantenphysik mit ihrem ominösen "Beobachter-Effekt" uns allen einen netten Hinweis auf diesen "Tanz" gegeben hat? Sind unsere schöpferischen und unsere wahrnehmenden Fähigkeiten so nahe beieinander, dass wir diese Nähe und ihre wechselseitigen Beeinflussungen kaum bemerken? In diesem Kapitel geht es mir nicht so sehr darum, was wir wahrnehmen, sondern WIE wir wahrnehmen. Ist meine Fähigkeit zur Wahrnehmung ihrerseits eine erzeugte Form?

 

Ich meine, ja. Ich erlebte meine außerkörperliche Fähigkeit zur Wahrnehmung als sehr verschieden von meiner irdischen Wahrnehmung. Ich erlebte zwei sehr verschiedene Formen. Ich nahm "ganzheitlich" wahr: hören, sehen, fühlen, riechen, schmecken waren irgendwie eine einzige, ungetrennte Wahrnehmungseinheit, nicht mehr gebunden an verschiedene Sinnesorgane. Entsprechend intensiver und informativer waren meine Wahrnehmungen. Auch die "Richtung" dieser wahrnehmenden Fähigkeit war deutlich eine andere: Ich hatte eine mir unbekannte 360 Grad-Rundum-Wahrnehmung (diese "räumliche" Beschreibung trifft es nicht ganz, da auch der "Raum" erkennbar anders war und - wie ich schon sagte - eher einem "Zustand" glich). Kurzum: Weil ich eine andere Form von Wahrnehmung erleben durfte, weiß ich definitiv, dass meine irdische Wahrnehmung ebenfalls eine "geformte Form" ist - eine sehr spezielle, geschaffen nur für die irdischen Raumzeit-Materie-Bedingungen. Eine "Form" aber ist ein Erzeugnis, nicht wahr?

 

Ich habe keine Ahnung, wer oder was diese Form verändert. Bewusst oder absichtsvoll habe ich jedenfalls nichts dazu beigetragen. Meine Vermutung ist, dass die Form der Wahrnehmung von Bedingungen abhängig ist: andere Bedingungen, andere Wahrnehmung. Es könnte also sein, dass allein meine Existenz außerhalb des irdischen Körpers ursächlich war für diese andere Form von Wahrnehmung. Wie gesagt, ich weiß es nicht. Wichtig ist mir hier allein, dass es verschiedene Formen von Wahrnehmung gibt. Deshalb halte ich meine irdische Wahrnehmung für ein Erzeugnis. Für mich ist sie eine Konstruktion. IBA-Merksatz: "Erzeugung geht vor Wahrnehmung". 

 

Das Zimmer, das ich jetzt beim Schreiben vor mir sehe, ist für mich nicht etwas, was ich einfach nur wahrnehme. Das Zimmer und alle anwesenden Gegenstände sind auf "geheimnisvolle" Weise auch meine Mit-Schöpfungen. Damit meine ich nicht, dass ich in das Zimmer oder die Gegenstände etwas hineindeute: Ich kann das Zimmer als "schönes Zimmer" bezeichnen und diese Schönheit wäre natürlich mein Konstrukt, von mir dem Zimmer hinzugefügt. Einen Tag später könnte ich das gleiche Zimmer als "langweiliges Zimmer" bezeichnen, und dann hätte ich das Konstrukt "Langeweile" hinzugefügt. Diese Mit-Schöpfungen meine ich hier nicht. Auch das schöne Bild an der Wand ist ja nicht schön, weil es schön ist - ich mache es schön, in dem ich "Schönheit" erzeuge und das Bild dann als schönes Bild wahrnehme und erlebe. Um derlei hinzugefügte Konstruktionen soll es hier nicht gehen. Hier soll es darum gehen, wieso und weshalb ich überhaupt das Bild als Bild wahrnehme, wieso und weshalb ich überhaupt das Zimmer als Zimmer wahrnehme. Und wenn, wie ich eingangs sagte, meine irdische Wahrnehmungsfähigkeit eine erzeugte Form ist, dann könnte es sein, dass ich das Zimmer nur deshalb als Zimmer wahrnehme, weil ich eben aktuell mit dieser Form von Wahrnehmung ausgestattet bin. 

 

Heute bin ich mir sicher: Ich nehme das Zimmer als Zimmer und die Gegenstände als Gegenstände so war, wie ich sie wahrnehme, weil ich eine spezielle "Brille" benutze, hier, in meinem Körper. Wäre ich ausgestattet mit einer anderen "Wahrnehmungs-Brille", würde ich Zimmer und Gegenstände anders wahrnehmen. Ich würde "Realität" anders wahrnehmen. Meinen "festen" irdischen Körper erlebte ich innerhalb des Diamanten als "durchlässig", als "fluide", als "weniger stofflich". Die Decke meines Zimmers in Griechenland "verwandelte" sich vor meinen irdischen Augen in einen goldgelben Diamanten. Ich glaube, dass die "rotbraune Wolke", die Stunden vorher mit mir verschmolzen war, die Veränderung meiner irdischen Wahrnehmung "vorbereiten" wollte, mich gewissermaßen "präparieren" wollte, so dass ich dann später eine Zimmerdecke nicht wie gewohnt als feste Decke, sondern als durchlässiges Etwas wahrnehmen konnte. Ich weiß nicht, ob es sich so verhielt; diese Deutung erscheint mir sinnvoll zu sein. Vielleicht hätte ich ohne diese rotbraune Wolke alle nachfolgenden Phänomene gar nicht bemerkt. Die enorme Hitze, die die Wolke in meinen Körper brachte (oder dort auslöste), ist ja nichts anderes als "enorme Energie" - und ich glaube, dass diese Energie benötigt wurde, um mich geistig so "umzupolen", dass ich alles Weitere dann so erleben konnte, wie ich es erlebte.     

  

Verschiedene Qualitäten von Wahrnehmung

Mit der Veränderung der Form (der "Brille") erlebte ich zugleich eine Veränderung der Qualität meiner Wahrnehmung. Ich nahm nicht nur sehr ungewöhnliche Gegenstände oder Objekte (heiße Wolke, pulsierender Diamant, durchlässige Decke) wahr - ich erlebte eine andere Qualität von Wahrnehmung. Nicht nur die Gegenstände waren neu, nein, auch die "Feinheit" oder "Sauberkeit" meiner Wahrnehmung war neu. Ich nahm "wissender" wahr. Nicht nur die Objekte hatten sich verändert - ich hatte mich verändert (und mit mir meine Wahrnehmung). Mir ist bewusst, dass ich hier über sehr subtile Nuancen schreiben, über etwas, was ich sprachlich kaum mitteilen kann, doch ich habe diese qualitativen Nuancen bemerkt.

Hier auf Erden nutzen wir Instrumente, um mehr wahrnehmen zu können: Mikroskope für die kleinen Objekte, Fernrohre für die großen. Doch das ist nicht, was ich meine: Denn ob wir nun durch ein Mikroskop oder ein Teleskop schauen, die Form unserer Wahrnehmung wie auch unsere Wahrnehmungsqualität bleiben davon unbeeinflusst. Die Instrumente verändern nicht uns. Auch die Objekte unserer Wahrnehmung werden durch die Instrumente nicht verändert (ausgenommen im quantenphysikalischen Bereich, wo die Messvorgänge - etwa durch einen Photonenimpuls - mit ihrer eigenen Energie auf die Objekte einwirken und sie dadurch verändern). Was die Instrumente verändern, ist unsere "Entfernung" zu den Beobachtungsobjekten: Durch optische Effekte (oder Computersimulationen) werden sehr kleine Objekte und sehr weit entfernte Objekte nicht "vergrößert", wie wir gerne sagen, sondern "angenähert" - sie rücken uns scheinbar näher (oder wir ihnen). Das "vergrößerte" Atom hat jedoch noch immer seine ursprüngliche Größe; die weit entfernte Galaxie ebenfalls. Ich aber spreche hier darüber, dass sich mit der Form auch die Qualität meiner Wahrnehmung veränderte und infolgedessen "geistige Objekte" für mich wahrnehmbar wurden - ohne irgendwelche Instrumente. 

 

"Wahrnehmbarkeit" ist ein guter, passender Begriff. Ich glaube, dass sich mit der Qualität meiner Wahrnehmung vor allem meine "Wahrnehmbarkeitsfähigkeit" (was ein Wort!) änderte. Nehmen wir einmal an, es gäbe verschiedene qualitative Abstufungen oder Nuancierungen der Wahrnehmungsfähigkeit als solche: Dann könnte die Folge sein, dass auf jeder dieser Abstufungen jeweils andere Objekte wahrnehmbar werden - erst dann, vorher nicht. Objekte, die natürlich auch dann existierten, wenn sie für mich nicht wahrnehmbar wären. In meiner AKE-Bewusstheit bemerkte ich neben der veränderten Form von Wahrnehmung (ganzheitliche, nicht-fragmentierte 360 Grad-Wahrnehmung) auch diese subtile qualitative Veränderung. Ich glaube: Damit der Diamant sich mir zeigen konnte, musste zuvor eine von mir zunächst nicht bemerkte qualitative Veränderung meiner Wahrnehmungsfähigkeit stattgefunden haben, ausgelöst durch die heiße rotbraune Wolke. Denn die Form meiner Wahrnehmung war eindeutig nicht verändert worden: Ich lag auf dem Bett, ohne Rundum-Wahrnehmung, ohne ganzheitliche Wahrnehmung - alles wie immer. Doch normalerweise sehe ich keine Diamanten an der Zimmerdecke - also folgere ich, dass sich irgendetwas IN MIR verändert haben musste, damit ich später diesen Diamanten überhaupt wahrnehmen konnte, und ich denke, dies war eine qualitative Veränderung. Eine Vermutung, mehr nicht.

 

Sie bedeutet aber, dass nicht das Objekt, sondern ich "wahrnehmbar" bzw. wahrnehmungsfähig gemacht werden musste, und zwar innerhalb meines Körpers. Innerhalb des Diamanten (und damit außerhalb meines Körpers) bemerkte ich dann weitere qualitative Veränderungen: Meine Wahrnehmung war feiner, sauberer, wissender, "kristallklar" geworden. Wenn ich diese Qualität mit meiner jetzigen Wahrnehmung innerhalb des Körpers vergleiche, dann ist es so, als ob ein leichter Grauschleier in ihr (in mir) existieren würde. Auch meine Wahrnehmungsqualität ist also nicht das, was sie für mich ein Leben lang zu sein schien ... 

 

Form und Qualität: Wahrnehmung kann verändert werden.

Vielleicht erinnerst du dich an deine Raumwahrnehmung als kleines Kind. Ist es nicht so, dass Räume, die dir als Kind "riesengroß" erschienen, später als Erwachsener irgendwie "normal" vorkommen? Hat sich nicht auch dein Zeitgefühl, deine Wahrnehmung von Zeit, verändert? Früher dauerte ein Jahr ewig bis zum nächsten Weihnachtsfest - heute kommt es mir so vor, als ob nur eine Woche vergehen würde (lacht). Auch an diesen Phänomenen können wir ablesen, dass "Wahrnehmung" nicht unverbunden zu uns geschieht, sondern irgendwie mit uns selbst zu tun hat. Von vielen Tieren wissen wir, dass sie Phänomene wahrnehmen, die wir nicht bemerken: UV-Strahlung, infrarotes Licht, Echo-Signale, andere Farben, andere Töne usw. Wir wissen also, dass in unserer unmittelbaren Umgebung andere Formen von Wahrnehmungen existieren. Weshalb sollte unsere Wahrnehmung nicht auch eine spezielle Form sein, eine Konstruktion, ein Erzeugnis? Weshalb sollte die Qualität unserer Wahrnehmungen nicht auch eine "Formung" sein, eine Konstruktion, ein Erzeugnis? 

 

Die Veränderung von Raumzeit-Wahrnehmungen relativ zur Kindheit können wir bemerken. Doch diese veränderte Wahrnehmung wird nicht durch uns aktiv herbeigeführt. Ich habe niemals beschlossen, ab nächste Woche Raum und Zeit anders wahrnehmen zu wollen - dennoch geschah genau das. Ich bringe diesen Hinweis, weil er ein zusätzlicher Beleg für die Möglichkeit der Formbarkeit von Wahrnehmung ist. Und wenn wir unsere Wahrnehmungsfähigkeit aktiv verändern könnten, wäre dies ein weiterer Beleg dafür, dass "Erzeugung vor Wahrnehmung geht". Wir können - eine gute Nachricht.

 

Meine irdischen Fähigkeiten, die Form meiner Wahrnehmung zu verändern, sind arg begrenzt. Ich kann stundenlang eine Zimmerdecke anschauen und alles, was ich wahrnehme, ist ... eine Zimmerdecke. Vielleicht würden halluzinogene Drogen eine andere Wahrnehmung bewirken, doch da kenne ich mich nicht aus. Mit viel Alkohol im Blut sieht die Welt auch anders aus. Doch normalerweise bleibt der Baum, den ich sehe, ein Baum. Weder kann ich eine 360 Grad-Rundum-Sicht herstellen noch kann ich durch meine Ohren sehen oder durch meine Augen hören oder "ganzheitlich" wahrnehmen. Die Grundform meiner Wahrnehmung scheint also ziemlich zementiert zu sein - dennoch weiß ich, dass sie eine veränderbare Form ist, mithin ein Erzeugnis. Das gilt auch für die Qualität meiner Wahrnehmung: Ich sehe keinen "strahlenden Energiekörper in Baumform" oder dergleichen. Ich sehe auch keine "leuchtende Aura" um deinen Körper. Die Feinheit oder Reinheit meiner Qualität scheint auch fest zementiert zu sein. Doch ich weiß, weil ich es erlebte, dass ich die "Feinheit" meiner Wahrnehmung aktiv verändern kann. Ich kann sowohl die Form als auch die Qualität meiner Wahrnehmung aktiv beeinflussen. Nicht viel, aber immerhin so viel, dass der Unterschied bemerkt werden kann.

 

Die aktive Veränderung der Form geschieht durch Bewusstheit. Wenn wir uns bewusster machen, was wir eigentlich wahrnehmen und was nicht, verändern wir dadurch die Form unserer Wahrnehmung. Ich kann mir bewusst machen, dass ich fast immer "partiell" wahrnehme, also den Baum nur als Baum sehe, weil ich vergesse, dass ich zugleich auch Hintergrund und Umgebung des Baumes sehe, also eigentlich "Baum + Umgebung" - aber nur vom Baum spreche. "Energie folgt der Aufmerksamkeit", heißt es oft, und hier würde ich in IBA-Sprache anders formulieren: "Meine Wahrnehmung folgt meiner Konstruktion". Ich konzentriere meine wahrnehmende Bewusstheit oft nur auf einen Ausschnitt dessen, was ich alles wahrnehme ("partielle Wahrnehmung"), und glaube deshalb zutreffend, nur einen Baum zu sehen. Doch tatsächlich sehe ich "Baum + Umgebung". Bewusstheit "erweitert" gewissermaßen unsere Wahrnehmung, macht sie "weiter". 

Ich kann mir noch mehr bewusst machen. Ich sehe nicht nur "Baum + Umgebung", ich sehe sogar "Baum + Umgebung + mich". Ich kann mich - durch Bewusstheit - selbst in das Spiel der Wahrnehmung integrieren. Sehe ich einen "schönen" Baum, wird die aktive Anwesenheit dieses Mitspielers sofort deutlich: Der Baum ist schön, weil ich ihn schön mache. Er ist insoweit mein Konstrukt. Sehe ich eine "grausame Welt", kann ich sofort erkennen, welche Rolle mein eigenes Ich dabei spielt (allerdings nur, wenn ich dieses Ich als erzeugendes ICH erkannt habe): Dann sehe ich, dass ich es bin, der "Grausamkeit" hinzufügt (und die auch konstruierbare "Schönheit" weglasse). Was ich dann sehe, ist nicht "die Welt, wie sie ist", sondern natürlich "die Welt, wie ich sie mir selbst konstruiere". Die aktive Veränderung der Wahrnehmungsform geschieht durch Bewusstheit.

 

Hinweis: Viele Interessierte fragten mich an dieser Stelle, ob ich da nicht zu weit ginge. Sie argumentierten, dass die Welt oder einzelne Ereignisse doch nicht deshalb "grausam" wären, weil ich sie grausam machen würde. Sie sagten, dass Grausamkeit in der Welt existieren würde, auch ohne meine erzeugende Aktivität. Andere Menschen machen grausame Sachen; Erdbeben und Tsunamis machen grausame Sachen. Wenn ich diese Grausamkeiten wahrnehme - etwa live oder im TV - erzeuge ich sie doch nicht. Ich nehme sie nur wahr, oder? - Hier kommt nun der in Kap. 1 beschriebene Unterschied zwischen wahrgenommener und mitgeteilter Wahrheit ins Spiel: Die Grausamkeit, die ich mitteile, ist meine Konstruktion, eine von mir erzeugte Wahrheit. Sobald ich jemandem sage, "der Tsunami war grausam", habe ich aktiv erzeugt. Sobald mir jemand sagt, "das war ein grausamer Tsunami", höre ich ebenfalls eine erzeugte Wahrheit, weil jede mitgeteilte Wahrheit erzeugt werden muss. Die Wahrheit, die ich live oder im TV wahrnehme, ist ebenfalls ab dem Moment, wo ich mit mir selbst spreche, eine mitgeteilte Wahrheit - und damit eine erzeugte. Ich füge meinen Wahrnehmungen unbewusst "Grausamkeit" hinzu. Doch andere Menschen fügen andere Konstrukte hinzu: für sie war das Ereignis nicht grausam, sondern vielleicht "interessant" oder "nötig" oder "sinnlos". Das Ereignis selbst war zu keiner Zeit grausam - es wird grausam ab dem Moment, wo wir aktiv mit ihm Spiel sind. Wir erschaffen Grausamkeit. Wir sehen "Ereignis + Konstrukt". Wir sehen im Ereignis unsere eigenen Erzeugnisse.

Natalie Sudman (bitte googeln) wurde während des Irak-Kriegs "in die Luft gesprengt", wie sie selbst sagte. Sie hatte eine Nahtoderfahrung. Außerhalb ihres Körpers erkannte sie in diesem Ereignis kein "grausames" Ereignis, sondern die irdische Realisierung einer mit ihrer geistigen Zustimmung erfolgten Ko-Schöpfung: Sie hatte sich mit dem "Attentäter" zu diesem Anschlag "verabredet" (und diese Verabredung in der "geistigen Welt" mit vielen weiteren Wesenheiten koordiniert). Wir sehen "Ereignis + Konstrukt" - und außerkörperlich sehen wir noch mehr.    

 

Die aktive Veränderung der Wahrnehmungsqualität geschieht durch Meditation. Ich meditiere seit 1995 regelmäßig und in den ersten 15 Jahren auch recht intensiv. Meditation hat die Qualität meiner Wahrnehmung verändert. Ich nehme "feiner" wahr. Ich nehme Objekte wahr, die ich ohne Meditation nicht wahrnahm. Die ersten Objekte, die ich plötzlich immer klarer bemerken konnte, waren meine eigenen Gedanken. Ich bemerke mein Denken heute im Moment der Entstehung. Nicht immer, aber doch meistens. Später gesellten sich dann noch andere innere Objekte dazu: Bilder, Wünsche, meine Absichten, die von mir erzeugten Gefühle usw. Auch meine Träume erlebte ich zunehmend klarer, "sauberer". Durch Meditation entwickelte ich die Fähigkeit zum luziden Träumen. Im luziden Traum war ich fähig, den Traum-Film anzuhalten, mir eine Sequenz noch einmal anzuschauen, und ihn wieder anzufahren. Selbst Handlungen und Abläufe konnte ich beeinflussen. Ich erinnere besonders einen luziden Traum, der vermutlich im "Wilden Westen" spielte, in dem ICH "Carsten" dabei beobachtete, wie er gerade von zwei Cowboys erschossen werden sollte. ICH kannte schon die weitere Handlung und wusste daher, dass jetzt gleich zwei Kugeln auf ihn zufliegen und ihn treffen würden (Brust und Herz). Blitzschnell wechselte ICH hinein in "Carsten", welcher sich nicht wohl fühlte, weil gerade auf ihn geschossen wurde. ICH spürte, was Carsten spürte. Dann wechselte ICH wieder hinaus aus ihm, stoppte die Kugeln "in der Luft" (durch einen entsprechenden Gedanken) und erschuf einen neuen Ablauf: Die Kugeln gingen an Carsten vorbei.

Es gibt noch einige Phänomene mehr, die ich erst durch die meditative Veränderung der Qualität meiner Wahrnehmung bemerken kann. Doch ich will mich hier kurzfassen: Der "Grauschleier", von dem ich oben sprach, kann aktiv verändert werden, die Feinheit der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit kann verbessert werden.

  

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In diesem Kapitel "Erzeugung geht vor Wahrnehmung" wollte ich "tiefer" blicken: Das, was ich sehe, ist auch ohne Hinzufügungen von "Schönheit" oder "Grausamkeit" nicht das, WAS ES IST, sondern die unmittelbare Folge meiner irdischen Wahrnehmungsform und -qualität. Realität ist für mich vermittelte Form - und der Vermittler ist meine aktuelle Wahrnehmung. Anders formuliert: Schon dir mir gegebene Fähigkeit zur Wahrnehmung "formt" die Welt. Ich erlebe Welt durch eine schon konstruierte Wahrnehmung als eine Konstruktion - und füge dieser konstruierten Wahrnehmung noch meine höchstsubjektiven Erzeugnisse hinzu (schön, grausam usw.).  So "tanzen" Wahrnehmung und Erzeugnisse eng umschlungen und wir gleich mit - bis wir etwas bemerken ...

 

Könnte es sein, dass irdisches Leben und irdischer Tod nicht die ganze Geschichte ist? Könnte es sein, dass unsere Realität eine von vielen Realitäten ist, eine sehr spezielle, die uns besondere Erfahrungen beschert? Könnte es sein, dass wir schöpferisch an diesen Realitäten mitwirken, also nicht nur passive Beobachter und "Wahrnehmer" sind, sondern erzeugende Akteure, Mit-Schöpfer? 

 

Im nächsten Kapitel "Kap. 3:  Erzeugung geht vor Objektivität" will ich versuchen, den nächsten dicken Brocken als etwas, was wir auch konstruiert haben könnten, zu enttarnen. Was, wenn sich auch "Objektivität" als ein geglaubtes Erzeugnis erweist und nicht als festzementierte Wahrheit? Und danach, in Kapitel 4, schauen wir uns "Wirklichkeit" an und versuchen, Wahrheit, Wahrnehmung, Objektvität und Wirklichkeit in einem anderen Licht zu sehen.